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Virustatika (Virostatika)

Abstract

Virustatika sind gegen Viren gerichtete Medikamente, die ihre Wirkung an verschiedenen Punkten des viralen Vermehrungszyklus entfalten. Durch die enge Verknüpfung der Viren mit ihrer Wirtszelle ist eine Selektivität der Medikamente nicht immer zu erreichen, was zu ausgeprägter Toxizität für den Menschen führen kann. Ziel ist es, durch eine frühzeitige Therapie mit Virustatika Symptome sowie Infektiosität zu mindern und die Krankheitsdauer zu verkürzen. Die größten Fortschritte wurden bisher im Bereich der HIV-Therapie erreicht: In Deutschland hat sich die HIV-Infektion durch konsequente Anwendung der Medikamente mittlerweile zu einer chronischen Erkrankung mit zunehmend normaler Lebenserwartung entwickelt. Da sich die Infektionen durch medikamentöse Behandlung oft nur eindämmen lassen, aber selten vollständig ausheilen, kommt weiterhin der Infektionsprophylaxe durch Hygiene und Impfung eine große Bedeutung zu. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wichtigsten antiviralen Chemotherapeutika.

Grundlagen

Der Vermehrungszyklus von Viren ist obligat an die Leistungen der Wirtszelle gebunden. Die meisten antiviralen Medikamente greifen an Schlüsselproteinen der viralen Vermehrung an, mit dem Versuch eine möglichst große Selektivität zu erreichen. Da der Höhepunkt der viralen Vermehrung meist mit Einsetzen der klinischen Symptomatik schon erreicht ist, muss eine rasche Diagnostik erfolgen, um die Virustatika rechtzeitig einsetzen zu können.

Ansatzpunkt im viralen Vermehrungszyklus Wichtige Medikamente und Wirkstoffgruppen
Anheften und Eindringen des Virus in die Wirtszelle, Freisetzung der Nukleinsäure
Replikation des viralen Genoms Ansatzpunkt DNA-Polymerase
Ansatzpunkt Reverse-Transkriptase (z.B. bei HIV-Infektion)
Translation der viralen mRNA
Zusammenbau der Viruskomponenten
Ausschleusung und Freisetzung neuer Viren aus der Wirtszelle

Seit der Entdeckung des HI-Virus wurde eine Vielzahl an wirksamen Medikamenten mit unterschiedlichsten Angriffszielen zur antiviralen Therapie entwickelt. Der Einsatz der Medikamente erfolgt als sogenannte cART (früher HAART).

Antivirale Pharmaka gegen Herpesviridae

Wichtige Pharmaka Wirkmechanismus Nebenwirkungen Anwendungsgebiet

Aciclovir

(Prodrug ist Valaciclovir)

Nukleosidanalogon mit selektiver Wirkung

  • Nephrotoxizität
  • Erhöhung der Transaminasen
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen

Infektionen mit:

Aciclovir ist dabei die einzige auch parenteral anwendbare Substanz

Ganciclovir

Nukleosidanalogon mit geringerer Selektivität

Schwere Infektionen Zytomegalie-Virus (CMV)
Foscarnet

Hemmt direkt die viralen DNA-Polymerasen (benötigt daher keine Aktivierung)

  • Nephrotoxizität
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • ZNS
  • Blutbildveränderungen
Fomivirsen

"Antisense"-Medikament

Nebenwirkungen bei Anwendung am Auge:

  • Augenentzündungen
  • Steigerung des Augeninnendrucks
  • Netzhautödeme
lokale Therapie der CMV-Retinitis bei AIDS

Antivirale Pharmaka gegen Influenzaviren

Wichtige Pharmaka Wirkmechanismus Nebenwirkungen Anwendungsgebiet
Amantadin

Ionenkanalblocker

Oseltamivir

Neuraminidase-Hemmer → Hemmen die Ausknospung des Virus und verhindern die Aussaat in die Blutbahn

Antivirale Pharmaka gegen Hepatitis B und C

Wichtige Pharmaka Wirkmechanismus Nebenwirkungen Anwendungsgebiet
Antivirale Pharmaka gegen Hepatitis B
Tenofovir, Adefovir Nukleotidanaloga
  • Nephrotoxizität
  • Kopf- und Bauchschmerz
  • Exazerbation der Erkrankung möglich

Kombinationstherapie bei Hepatitis B und HIV

Lamivudin, Entecavir, Telbivudin Nukleosidanalogon: Hemmung der reversen Transkriptase Kombinationstherapie bei Hepatitis B und HIV
Antivirale Pharmaka gegen Hepatitis B und C
(PEG‑)Interferon-α Antiviral und immunmodulatorisch über inter- und intrazelluläre Mechanismen
  • Monotherapie bei akuter Hepatitis C und chronischer Hepatitis B

Antivirale Pharmaka gegen Hepatitis C (Dosierungen und Handelspräparate s. Wirkstoffe und Präparate bei Hepatitis C)

Ribavirin Nukleosidanalogon
  • Kombinationstherapie bei Hepatitis C mit allen HCV-Genotypen möglich, interferonfreie Therapieregime jedoch vorzuziehen!

Simeprevir

Proteaseinhibitoren

Paritaprevir
Grazoprevir

  • Zahlreiche Arzneimittelinteraktionen
  • Juckreiz

Telaprevir, Boceprevir (in Deutschland nicht mehr erhältlich)

  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Blutbildveränderungen unterschiedlichen Ausmaßes
  • Aufgrund schlechterer Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht mehr empfohlen (Ehemals: Kombinationstherapie bei Hepatitis C mit HCV-Genotyp 1)

Ledipasvir (LDV)
Ombitasvir (OBV)
Daclatasvir (DCV)
Elbasvir (EBR)
Velpatasvir (VEL)

NS5A-Inhibitoren
  • Zahlreiche Arzneimittelinteraktionen

Dasabuvir

NS5B-Polymerase-Inhibitoren
  • Zahlreiche Arzneimittelinteraktionen
  • s. Ombitasvir

Sofosbuvir

Wirkstoffe und Dosierungshinweise

Aciclovir

Wirkstoff

Aciclovir (z.B. Zovirax®--------, Acic®-----)

Applikation
Standarddosierung
Indikationen
Zu beachten
  • I.v.-Gabe: Immer langsame Kurzinfusion über min. 60 Min: Bei Paravasat kann es zu Hautnekrosen kommen!
  • Kurze Wirkdauer bei oraler Gabe: Mindestens 4 Gaben pro Tag sind erforderlich
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Therapie achten (insb. bei älteren und/oder niereninsuffizienten Patienten)

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
DANI
  • Ab GFR <50 ml/min: Verlängerung des Dosierungsintervall, ggf. Dosisreduktion
    • GFR 25-50 ml/min
      • p.o. Individuelle Verlängerung des Dosierungsintervall
      • i.v.: Max 2x tägliche Gabe
    • GFR 10-25 ml/min
      • p.o.: Max. 3x tägliche Gabe
      • i.v.: Max 1x tägliche Gabe
    • GFR <10ml/min
      • p.o.: Max. 2x tägliche Gabe
      • i.v.: Max 1x tägliche Gabe, Einzeldosis halbiere
DALI
  • Keine Anpassung notwendig
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingeschränkt verwendbar. Topisch verwendbar.
  • Stillzeit: Die Substanz kann in der Stillzeit bei eindeutig notwendiger Indikation verwendet werden

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.