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Vestibularisparoxysmie

Letzte Aktualisierung: 29.4.2021

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Die Vestibularisparoxysmie ist eine seltene periphere Schwindelerkrankung, die durch Sekunden bis Minuten anhaltende Schwindelattacken mit (Dreh)-Bewegungsillusion gekennzeichnet ist. Die wahrscheinlichste Ursache ist ein Gefäß-Nerven-Kontakt des vestibulären Anteils des VIII. Hirnnerven durch ein verändertes (z.B. durch Arteriosklerose elongiertes, erweitertes oder stark pulsierendes) Gefäß analog zur Trigeminusneuralgie.

Kontakt des N. vestibulocochlearis zu einem Blutgefäß im Kleinhirnbrückenwinkel, der zu einer Druckläsion des Nerven mit Schädigung der Myelinscheide führt. Die klinischen Symptome können durch direkte Kompressionswirkung bei Gefäßpulsationen oder durch ephaptische Erregungsübertragung ausgelöst werden. Die häufigsten beteiligten Gefäße sind: [1]

  • A. cerebelli anterior inferior (AICA), ca. 75 %
  • A. vertebralis, ca. 10%
  • Venöses Gefäß, ca. 10%
  • A. cerebelli inferior posterior (PICA), ca. 5%
  • Plötzlich einsetzende und rezidivierende, Sekunden bis wenige Minuten anhaltende Drehschwindelattacken mit Bewegungsillusion der Umwelt/des eigenen Körpers
  • Teilweise begleitende Ohrsymptome
  • Teilweise durch horizontale Kopfdrehungen in Relation zum Körper provozierbar
  • Teilweise durch Hyperventilation provozierbar
  • Während der Attacke kann ein horizontaler Nystagmus (oft mit torsionaler Komponente) erkennbar sein

Klinische Diagnosekriterien [2]

Für die Diagnose „sichere Vestibularisparoxysmie“ müssen die Kriterien A–E erfüllt sein:

  • A: Mind. 10 Schwindelattacken
  • B: Dauer weniger als eine Minute
  • C: Attacken sind immer gleichartig
  • D: Besserung unter einer Therapie mit Carbamazepin/Oxcarbazepin
  • E: Nicht besser durch eine andere Krankheit erklärbar

Zusatzdiagnostik [3]

  • cMRT
    • Mit CISS-Sequenz: Zeigt in >95% den Gefäß-Nerven-Kontakt
    • Ausschluss anderer struktureller Läsionen

Die Vestibularisparoxysmie zeichnet sich aus durch ihre spezifische zeitliche Charakteristik mit kurzen plötzlichen, bisweilen salvenartig rezidivierenden Schwindelattacken ohne an- und abschwellende Dynamik, i.d.R. ohne erkennbaren Auslöser. Grundsätzlich kann sich jedoch eine Ähnlichkeit zu anderen paroxysmal auftretenden Schwindelerkrankungen ergeben.

Zentral-vestibuläre Differentialdiagnosen

Peripher-vestibuläre Differentialdiagnosen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Medikamentöse Therapie [3]

Chirurgische Therapie

  • Wenn möglich, chirurgische Dekompression durch Gefäßumstellung bei Versagen der konservativen Therapie

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Best et al.: MRI and neurophysiology in vestibular paroxysmia: contradiction and correlation In: J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2013, .
  2. Strupp et al.: Vestibular paroxysmia: Diagnostic criteria In: Journal of Vestibular Research. Band: 26, Nummer: 5-6, 2017, doi: 10.3233/VES-160589 . | Open in Read by QxMD p. 409-415.
  3. Strupp: Schwindel: Das Einmaleins der Diagnose In: Deutsches Ärzteblatt. 2017, doi: 10.3238/PersNeuro.2017.09.15.03 . | Open in Read by QxMD .