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Tubenfunktionsstörungen

Letzte Aktualisierung: 9.6.2021

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Als Tubenfunktionsstörung oder Tubenkatarrh bezeichnet man eine akute oder chronische Belüftungsstörung des Mittelohres, die durch eine Störung der Öffnung der Tuba eustachii bedingt ist. Ursache hierfür ist meist eine Verlegung des Tubenostiums im Nasenrachen, bspw. durch vergrößerte Adenoide. Hierdurch kann es zur Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr kommen. Es bildet sich ein Erguss unterschiedlicher Viskosität hinter dem Trommelfell (Seromukotympanon oder Mukotympanon). Während der akute Paukenerguss i.d.R. durch einen Infekt des Nasenrachenraumes entsteht und konservativ meist gut zu behandeln ist, sollte bei einem persistierenden Paukenerguss beim Erwachsenen (insb. bei einseitigem Befund) immer eine Nasenracheninspektion zum Ausschluss eines Tumors erfolgen. Therapeutisch können nach erfolgloser konservativer Therapie eine Parazentese und ggf. die Einlage eines Paukenröhrchens erfolgen. Gleichzeitig sollte die Tubenbelüftung verbessert werden. Eine Sonderform ist das Syndrom der offenen Tube.

  • Tubenfunktionsstörungen: Belüftungsstörungen des Mittelohres, die durch einen behinderten Öffnungsmechanismus der Tuba eustachii bzw. deren Verlegung im Nasenrachen bedingt sind
  • Paukenerguss: Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell, Folge sowohl der akuten als auch der chronischen Form der Tubenbelüftungsstörung
    • Differenzierung anhand der Viskosität
      • Serotympanon: Seröser Erguss
      • Mukotympanon: Muköser Erguss
      • Häufig finden sich Mischformen, die als mukoserös oder seromukös bezeichnet werden, bspw. Seromukotympanon
  • Sonderform: Klaffende Tuba auditiva (offene Ohrtrompete)

Eine akute Tubenfunktionsstörung tritt meist im Rahmen einer Erkältung oder einer Allergie auf. Als Folge kann es zu einer Sekretansammlung in der Paukenhöhle kommen (Paukenerguss). Die akute Tubenfunktionsstörung bildet sich meist innerhalb einiger Wochen zurück.

Ätiologie

  • Als Folge entzündlicher Erkrankungen (infektiös oder allergisch bedingt) des Nasenrachenraumes und/oder der Nasennebenhöhlen
  • Unzureichender Druckausgleich, bspw. bei Flugzeuglandung
  • Bei Kindern
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr, bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Temporäre Hyperplasie der Rachenmandel im Rahmen eines Infektes

Pathophysiologie

Klinik

  • Druckgefühl, zu Beginn oft stechende Ohrenschmerzen
  • Rauschen oder gluckerndes Ohrgeräusch, gelegentlich auch knackendes Ohrgeräusch beim Schlucken
  • Schwerhörigkeit

Diagnostik

Therapie

  • Konservativ: Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen (bspw. Xylometazolin) und passives Valsalva-Manöver
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid (Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene , Kinder 2–6 J. , Kinder <2 J. )
    • Bei V.a. allergische Genese: Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®) (Kinder 3–12 J. , Kinder >12 J. und Erwachsene )
    • Zusätzlich fördert Kaugummikauen die Durchgängigkeit der Tuben
  • Operativ: Nur bei starker Beeinträchtigung des Hörvermögens auf Wunsch des Patienten oder bei V.a. Labyrinthitis

Sonderformen

Bestehen die Beschwerden bei einer Belüftungsstörung des Mittelohres länger als 3 Monate, spricht man von einer chronischen Tubenfunktionsstörung. Diese geht meist mit einem Paukenerguss einher.

Epidemiologie

Ätiologie

  • Bei Kindern
    • Meist bedingt durch adenoide Vegetationen
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Risikofaktor: Passivrauchen durch Zigarettenkonsum in der Familie
  • Bei Erwachsenen

Klinik

  • Keine Schmerzen, gelegentlich leichtes Druckgefühl im Ohr
  • Schwerhörigkeit
  • Evtl. tieffrequenter Tinnitus
  • Gelegentlich Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern

Diagnostik

Therapie

Komplikationen

Bei Kindern kann durch das Seromukotympanon die Sprachentwicklung gestört sein, daher ist eine frühe Therapie wichtig!

Bei Erwachsenen mit Seromukotympanon muss ein Malignom als Ursache ausgeschlossen werden!

Allgemeines [1][2][3]

Verfahren

  • Parazentese (HNO): Inzision des Trommelfells
  • Paukendrainage: Einlage eines Drainage-Röhrchens in das Trommelfell nach Parazentese zur Gewährleistung einer längerfristigen Mittelohrbelüftung
    • Gold- oder Titanröhrchen: Hantel- bzw. Kragenknopf-artiges Röhrchen mit einem Durchmesser von 1–1,5 mm
      • Durchschnittliche Extrusionszeit : <12 Monate
    • T-Tube („Dauerröhrchen“): T-förmiges Röhrchen mit seitlichen Haltelaschen, meist aus Kunststoff (Silikon)
      • Durchschnittliche Verweilzeit in situ: 24–36 Monate

Indikationen

Kontraindikationen

  • Hochstand des Bulbus venae jugularis
  • Anomalie der A. carotis
  • Glomustumor

Durchführung

Operatives Vorgehen

  • Lagerung
  • Parazentese
    • Transmeataler Zugang
    • Verwendung des größtmöglichen Ohrtrichters sowie eines Mikroskops
    • Inzision mit dem Sichelmesser
      • Von zentral nach peripher
      • Möglichst im vorderen, unteren Quadranten
    • Absaugung von Sekret
      • Bei mukösem Sekret oder oberflächlicher Sickerblutung: Transtympanale Spülung der Paukenhöhle mit Xylometazolin 0,1%
      • Absaugung bei ausgeprägtem Mukotympanon oft nur partiell möglich
    • Alternative Inzision mittels Laser oder Kauterisation [4]
  • Paukendrainage
    • Ggf. Parazenteseöffnung etwas erweitern
    • Fassen des Paukenröhrchens mit dem Ohrzängelchen bei leichter Kippung nach vorne
    • Einsetzen des inneren Flanschs zur Hälfte unter den vorderen Schnittrand
    • Herausziehen des Ohrzängelchens
    • Eindrücken des restlichen inneren Flanschs mittels gebogener Nadel unter den hinteren Schnittrand
    • Beim T-Tube: Einbringung mittels Applikator oder durch Fassen der Laschen mit dem Ohrzängelchen
      • Durchstecken der geradegestellten Laschen durch die Parazentese
      • T-förmige Entfaltung der Laschen beim Ausstoßen aus dem Applikator bzw. Lösen des Ohrzängelchens
      • Ziel: Beide Laschen müssen unter das Trommelfell geschoben sein

Nachsorge

  • Kontrollen
    • Postoperative mikroskopische Kontrolle am Folgetag
    • HNO-ärztliche Kontrolle alle 6 Monate
  • Wasserschutz [5]
    • Dauer: Idealerweise bis zum vollständigen Verschluss des Trommelfells
      • Bei Parazentese: Meist für 2–3 Tage
      • Bei Paukendrainage
        • Gold- bzw. Titan-Paukenröhrchen: Bis zur Spontanabstoßung (meist nach 3–12 Monaten)
        • T-Tubes: Bis zur Entfernung
    • Vorgehen bei einliegenden Paukenröhrchen
      • Tauchverbot (durch den erhöhten Druck kann Wasser durch die Drainage eindringen)
      • Beim Baden/Schwimmen: Tragen von Ohrstöpseln bzw. individuell angepassten Otoplastiken
  • Entfernung
    • Bei fehlender Extrusion der Paukendrainage: Entfernung im Behandlungsstuhl meist ohne Lokalanästhesie möglich
    • T-Tube/Dauerröhrchen müssen obligat HNO-ärztlich nach gewisser Zeit entfernt werden [6]

Wasser mit Detergenzien (v.a. Seife und Shampoo) kann aufgrund der reduzierten Oberflächenspannung des Wassers das Lumen der Drainage passieren!

OP-Risiken und Komplikationen

  • Definition: Offene Ohrtrompete
  • Ätiologie: Vorausgegangene starke Gewichtsabnahme → Abnahme des die Tube umgebenden Fettgewebes
  • Klinik
    • Oft symptomlos
    • Autophonie: Ungewöhnlich lautes Hören und Dröhnen der eigenen Stimme über die Eustachi-Röhre
    • Hören des eigenen Atemgeräusches
    • Verschwinden der Symptome im Liegen oder bei Bauchpresse
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Aufklärung über die Harmlosigkeit der Erkrankung
    • Operativ: Augmentation mit Hyaluronsäure oder Fett oder Einlage eines Paukenröhrchens

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Theissing et al.: HNO-Operationslehre. 4. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-134-63704-5 .
  2. Leitlinie S2K Seromukotympanon. Stand: 1. Oktober 2018. Abgerufen am: 29. März 2021.
  3. Ciuman: [Middle Ear Drainage and Ventilation: Indications, Complications and their Treatment]. In: Laryngo- rhino- otologie. Band: 95, Nummer: 3, 2016, doi: 10.1055/s-0042-101604 . | Open in Read by QxMD p. 171-7.
  4. Marchant, Bisschop: [Value of laser CO2 myringotomy in the treatment of seromucous otitis]. In: Annales d'oto-laryngologie et de chirurgie cervico faciale : bulletin de la Societe d'oto-laryngologie des hopitaux de Paris. Band: 115, Nummer: 6, 1998, p. 347-51.
  5. Goldstein et al.: Water precautions and tympanostomy tubes: a randomized, controlled trial. In: The Laryngoscope. Band: 115, Nummer: 2, 2005, doi: 10.1097/01.mlg.0000154742.33067.fb . | Open in Read by QxMD p. 324-30.
  6. Mohammed, Martinez-Devesa: Complications of long-term ventilation tubes. In: The Journal of laryngology and otology. Band: 127, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1017/S0022215113000388 . | Open in Read by QxMD p. 509-10.
  7. Strutz et al.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 2. Auflage Thieme 2009, ISBN: 978-3-131-16972-3 .
  8. Williamson et al.: An open randomised study of autoinflation in 4- to 11-year-old school children with otitis media with effusion in primary care In: Health Technology Assessment. Band: 19, Nummer: 72, 2015, doi: 10.3310/hta19720 . | Open in Read by QxMD p. 1-150.
  9. Caffier et al.: Impact of Laser Eustachian Tuboplasty on Middle Ear Ventilation, Hearing, and Tinnitus in Chronic Tube Dysfunction In: Ear and Hearing. 2010, doi: 10.1097/aud.0b013e3181e85614 . | Open in Read by QxMD p. 1.
  10. Schumacher: Tubendilatation ist jetzt evidenzbasiert In: HNO Nachrichten. Band: 48, Nummer: 1, 2018, doi: 10.1007/s00060-018-5601-4 . | Open in Read by QxMD p. 19-19.
  11. Strutz, Mann: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Georg Thieme Verlag 2017, ISBN: 978-3-132-41895-0 .
  12. Berghaus et al.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Hippokrates Verlag 1996, ISBN: 978-3-777-30944-6 .
  13. S1-Leitlinie Chronisch-mesotympanale Otitis media. Stand: 30. Juni 2014. Abgerufen am: 9. Dezember 2019.