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Transfusion von Thrombozytenkonzentraten - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 13.5.2020

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  • Gemäß den allgemeinen Grundsätzen, siehe: Aufklärungspflicht
  • Im lebensbedrohlichen Notfall: Ggf. Verzicht auf Aufklärung unter Beachtung des mutmaßlichen Patientenwillens

Not kennt kein Gebot! Ist eine Transfusion lebensrettend erforderlich, tritt die Aufklärungspflicht in den Hintergrund!

Anforderung [1][2][3][4]

  • Verschreibung und Anforderung: Per Anforderungsschein (mit Patientenetikett) oder über digitales Anforderungssystem
  • Identitätssicherung und Blutentnahme: Alle Blutröhrchen vor Abnahme mit Patientenetikett versehen und Identität des Patienten feststellen
    • Abnahme von insg. 3 Monovetten und Einsendung in das Labor
    • Untersuchungsumfang: Bestimmung der Blutgruppen im AB0-System, des Rhesus-Systems sowie bei komplizierter Transfusionsanamnese ggf. weiterer Blutgruppenmerkmale oder immunhämatologische Diagnostik
  • Abholung: Mit einer Kopie des Anforderungsscheins, Arzt erhält bei Abholung Begleitschein

Prüfung des Thrombozytenkonzentrats vor Transfusion [1][2][3][4]

  • Datenabgleich
    • Chargennummer des TK mit der dokumentierten Chargennummer auf dem Begleitschein
    • Patientenangaben (Name, Vorname, Geburtsdatum) auf dem TK mit den Daten auf dem Begleitschein
  • Kompatibilitätsprüfung: Übereinstimmung prüfen von AB0-Blutgruppe auf dem Etikett des TK mit der Blutgruppe des Patienten nach aktueller Bestimmung
    • TK sollten möglichst AB0-gleich transfundiert werden, alternativ ist die AB0-ungleiche, aber kompatible Transfusion möglich
      • Insb. bei Kindern <25 kgKG AB0-gleich transfundieren!
    • Rhesusfaktor sollte berücksichtigt werden (Ausnahme: Nicht-Verfügbarkeit Rh-kompatibler Konzentrate)
      • Rh-negative Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter: Bei unvermeidlicher Gabe von Rh-positiven TK → Rhesusprophylaxe mit Anti-D-Immunglobulin
AB0-Kompatibilität bei TK-Transfusion
Blutgruppe Patient Kompatible TK
A
  • A
  • Alternative: 0
B
  • B
  • Alternative: 0
AB
  • AB
  • A oder B oder 0
0
  • 0
  • Verfallsdatum und Gültigkeit: Verfallsdatum des Thrombozytenkonzentrats auf dem Etikett prüfen
  • Visuelle Prüfung
    • Nicht intaktes TK: Äußere Beschädigung, Gerinnselbildungen, Verfärbungen und sonstige Auffälligkeiten
    • Intaktes TK: Swirling (Wolkenbildung)

Genau wie Erythrozytenkonzentrate werden auch Thrombozytenkonzentrate möglichst AB0-gleich transfundiert. Vor Transfusionsbeginn muss daher die AB0-Kompatibilität von Patient und Blutkonserve kontrolliert werden!

Vorbereitung des Thrombozytenkonzentrats für die Transfusion[1][2][3][4]

  • Zwischenlagerung: Möglichst kurz halten! TK sollten unverzüglich transfundiert werden!
    • Bei Raumtemperatur, ca. 20–24 °C (vor Hitze und Kälte schützen!)
    • Ständiges Schwenken und Drehen des TK-Präparates oder Verwendung eines Spezialgerätes zur ständigen Agitation
  • Sauberes Arbeiten: Händedesinfektion und Anziehen von Handschuhen
  • Spezielle Materialien: Normiertes Transfusionsbesteck mit Standardfilter mit einer Porengröße von 170–230 μm
  • Blutkonserve anstechen: Vollständiges Einführen des Dorns des Transfusionsbestecks in den Transfusionsstutzen der Blutkonserve unter Vermeidung einer Kontamination
    • Keine Kraftspiele: Geduldige, leicht drehende Bewegungen beim Einführen des Dorns helfen; eine grobe Kraftanwendung ist i.d.R. zwecklos und frustrierend!
  • Befüllen von Tropfkammer und Schlauchsystem
    • Filterniveau der Tropfkammer beachten: Die Tropfkammer sollte ein Stück weit über dem Niveau des Filters befüllt sein
    • Schlauchsystem luftfrei befüllen: Luftfreies Befüllen des Schlauchsystems bis zum Auslaufen eines Tropfens aus dem Schlauchsystem auf einen zurechtgelegten Wattetupfer, auf Luftbläschenbildung achten

Thrombozytenkonzentrate vor Hitze und Kälte schützen und unverzüglich transfundieren!

Vorbereitung des Patienten [1][2][3][4]

  • Venöser Zugang: Vorgehen der Wahl ist ein periphervenöser Zugang, es sollten außer kristalloider Infusionslösung zur Spülung keine weiteren Medikamente über den Zugang verabreicht werden
    • Transfusion über ZVK: Nur als Notlösung, separaten ZVK-Schenkel verwenden, vor und nach der Transfusion großzügig mit isotonischer Kochsalzlösung spülen
  • Patientenlagerung: Sitzend oder liegend mit möglichst horizontaler und bequemer Lagerung des für die Transfusion verwendeten Arms

Identitätsprüfung und ggf. Bedside-Test[1][2][3][4]

  • Identitätsprüfung
    • Beim ansprechbaren Patienten: Frage nach Stammdaten wie Vornamen, Geburtsdatum, Schreibweise des Familiennamens
    • Beim nicht ansprechbaren Patienten: Identifizierung ggf. anhand eines Patientenarmbandes, Befragung der zuständigen Pflegekraft und Bitte um Bestätigung der Identität – jeglicher Zweifel ist zu beseitigen!
  • Bedside-Test (fakultativ): Mit einigen mL Blut des Patienten, ggf. Abnahme auch aus bestehendem venösem Zugang

Transfusion des Thrombozytenkonzentrats [1][2][3][4]

Nach Transfusionsende [1][2][3][4]

Management bei Refraktärität gegen TK-Transfusionen [3][6]

  • Definition: Fehlender Anstieg der Thrombozytenwerte 1 h nach Transfusion von mind. 2 frischen (<3 Tage alten), AB0-kompatiblen TK
  • Häufigkeit: 10–20% der Patienten, die eine TK-Transfusion erhalten
  • Ursachen
  • Maßnahmen
    • Bei schwerwiegenden Blutungen : Massentransfusion von 5–10 AB0-kompatiblen TK
    • Bei nicht-immunologischen Ursachen: Gabe mehrerer AB0-gleicher TK
    • Bei immunologischen Ursachen
  1. Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten. Stand: 4. Oktober 2017. Abgerufen am: 28. Februar 2018.
  2. Strobel, Henschler: Korrekte Vorbereitung der Transfusion In: Der Anaesthesist. Band: 63, Nummer: 8-9, 2014, doi: 10.1007/s00101-014-2327-6 . | Open in Read by QxMD p. 703-714.
  3. Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. Stand: 31. Dezember 2014. Abgerufen am: 1. November 2017.
  4. Die sichere Thrombozytentransfusion - Checkliste für die Kitteltasche .
  5. Gebrauchsinformation und Fachinformation Thrombozytenkonzentrat. Stand: 15. Januar 2016. Abgerufen am: 20. März 2020.
  6. Wandt et al.: Platelet Transfusion in Hematology, Oncology and Surgery In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0809 . | Open in Read by QxMD .