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Tetanus

Letzte Aktualisierung: 17.9.2021

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Der Tetanus (Wundstarrkrampf) wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium tetani ausgelöst, dessen resistente Sporen ubiquitär vorkommen. Das bei Verletzungen aufgenommene Bakterium bildet Tetanustoxin, das im ZNS die Freisetzung inhibitorischer Neurotransmitter hemmt. Der wegfallende hemmende Einfluss führt zu einer unkontrollierten Aktivierung der α-Motoneurone und damit zu einer spastischen Tonuserhöhung der Muskulatur. Klinisch präsentiert sich das Krankheitsbild klassischerweise mit der Trias aus Trismus, Risus sardonicus und Opisthotonus. Daneben treten autonome Dysfunktionen auf. Durch eine Beteiligung der Atemmuskulatur kann es zum peripheren Atemstillstand kommen. Neben dieser generalisierten Verlaufsform sind lokale Formen möglich.

Die Therapie umfasst Wunddébridement, die Toxinneutralisierung mit Tetanus-Immunglobulin, die aktive Immunisierung sowie eine supportive intensivmedizinische Therapie. Die Letalität unter intensivmedizinischer Therapie liegt bei etwa 25%. Die Primärprävention durch Impfungen ist daher entscheidend. Nach der Grundimmunisierung (im Säuglingsalter) sollten bis zum 18. Lebensjahr zwei und danach alle zehn Jahre Auffrischungsimpfungen durchgeführt werden. Bei Verletzungen und nicht ausreichendem Impfschutz erfolgt eine Aktivimpfung und ggf. eine simultane Passivimpfung.

  • Deutschland: 10–15 Fälle pro Jahr
  • Weltweit: ca. 56.000 Todesfälle pro Jahr (2015), insb. in Südasien und Subsahara-Afrika [1]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Nicht der Erreger, sondern das freigesetzte Toxin verursacht das Krankheitsbild Tetanus!

Inkubationszeit

  • 2–14 Tage, seltener mehrere Wochen [2]

Allgemeine Symptome

Spezifische Symptome

Nach grippeähnlichen Symptomen führen spastische Tonuserhöhungen der Muskulatur zu den Tetanus-spezifischen Symptomen. Zunächst ist die Gesichtsmuskulatur betroffen, dann breiten sich die Symptome absteigend über den ganzen Körper aus. Neben diesem generalisierten Tetanus sind lokale Verlaufsformen möglich, siehe: Formen des Tetanus.

Die autonome Dysfunktion, der Laryngospasmus und die Einbeziehung der Atemmuskulatur sind lebensbedrohlich!

Formen des Tetanus [3]

  • Klinische Diagnose
  • Diagnosesicherung: Toxinnachweis
    • Im Patientenserum (Nachweis von IgG gegen Tetanustoxoid mittels ELISA)
    • Im Tierversuch: Mit Patientenserum/Wundmaterial inokulierte Maus stirbt mit tonischer Verkrampfung der Hinterbeine („Robbenstellung“)
  • Kultureller Erregernachweis: Häufig nicht erfolgreich

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tetanus-Impfung [5]

Eine durchgemachte Erkrankung verleiht keine Immunität. Deswegen gelten die Impfempfehlungen für alle Menschen!

Bei jeder Auffrischungsimpfung gegen Tetanus (auch im Verletzungsfall) sollte die Indikation für eine Pertussis-Impfung geprüft und ggf. ein Kombinationsimpfstoff (Tdap bzw. Tdap-IPV) verwendet werden!

Impfschema bei Verletzungen [5]

Überprüfung der Impfindikation

Kernfragen

  1. Wundverhältnisse: Wie sieht die Wunde aus? (saubere geringfügige Wunde vs. alle anderen)
  2. Impfstatus: Gab es vorausgegangene Tetanusimpfungen? Wenn ja, wie viele?
  3. Impfabstand: Wann wurde die letzte Tetanusimpfung durchgeführt?

Impfschema anhand der Kernfragen

Tetanus-Impfschema bei Verletzungen [5]
Saubere geringfügige Wunden Alle anderen Wunden
Anzahl der Impfungen Aktive Immunisierung Passive Immunisierung Aktive Immunisierung Passive Immunisierung
Unbekannt/ungeimpft Ja*1 Ja*1 Ja*1 Ja*1
1–2 Nein
≥3 Letzte Impfung vor ≥10 Jahren: Ja*1 Nein Letzte Impfung vor ≥5 Jahren: Ja*1 Nein
Letzte Impfung vor <10 Jahren: Nein Letzte Impfung vor <5 Jahren: Nein
*1 Bei Indikation zur Impfung siehe auch: Impfstoffauswahl und Durchführung der Tetanus-Postexpositionsprophylaxe

Besonders gefährdet sind Patienten mit schlechten Durchblutungsverhältnissen, Immunsuppression und Erkrankungen mit Schädigung der Hautbarriere (z.B. Ekzeme)!

Impfstoffauswahl und Durchführung der Tetanus-Postexpositionsprophylaxe [5]

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für Tetanus im Allgemeinen. Es gibt jedoch eine amtliche Meldepflicht für einige Situationen und Erreger.

  • Arztmeldepflicht
    • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen )
      • Namentliche Meldepflicht bei Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfällen
    • Nach ThürIfKrMVO und IfSAG M-V (nur in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern )
      • Nichtnamentliche Meldepflicht bei Erkrankungs- und Todesfällen
  • Labormeldepflicht
    • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen )
    • Nach IfSAG M-V (nur in Mecklenburg-Vorpommern )

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Duning, Schäbitz: Behandlungsstrategien des Tetanus In: Der Nervenarzt. Band: 78, Nummer: 2, 2007, doi: 10.1007/s00115-006-2227-3 . | Open in Read by QxMD p. 145-155.
  2. S1-Leitlinie Tetanus. Stand: 31. August 2017. Abgerufen am: 9. Dezember 2017.
  3. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2021 .
  4. Tetagam® P Fachinformation. Stand: 1. Februar 2020. Abgerufen am: 22. Oktober 2020.
  5. Kyu et al.: Mortality from tetanus between 1990 and 2015: findings from the global burden of disease study 2015 In: BMC Public Health. Band: 17, Nummer: 1, 2017, doi: 10.1186/s12889-017-4111-4 . | Open in Read by QxMD .
  6. Schwab et al. (Hrsg.): Neurointensiv. 3. Auflage Springer 2015, ISBN: 978-3-662-46499-1 .
  7. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  8. Tetanus, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 18. Januar 2017. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  9. Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Stand: 23. August 2018. Abgerufen am: 30. Oktober 2018.
  10. Thwaites et al.: Maternal and neonatal tetanus In: The Lancet. Band: 385, Nummer: 9965, 2015, doi: 10.1016/s0140-6736(14)60236-1 . | Open in Read by QxMD p. 362-370.