Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Tendovaginitis

Letzte Aktualisierung: 20.7.2022

Abstracttoggle arrow icon

Eine Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung) entsteht insb. durch mechanische Überlastung oder bei rheumatischen Erkrankungen. Prinzipiell kann jede Sehnenscheide des Körpers betroffen sein, meist im Bereich der Hände bzw. Handgelenke. Die Symptome umfassen allgemeine klinische Entzündungszeichen und ähneln denen einer Tendinopathie, weshalb die beiden Krankheitsbilder im klinischen Sprachgebrauch häufig unzureichend unterschieden werden.

Therapeutisch wird oft zunächst ein konservatives Vorgehen angestrebt (bspw. Kühlung und Entlastung der betroffenen Sehne), im Verlauf kann jedoch eine operative Behandlung erforderlich sein (i.d.R. Dekompression durch Längsspaltung der Sehnenscheide). Bei einer infektiösen Tendovaginitis durch direkte oder weitergeleitete bakterielle Infektion sollten schnellstmöglich ein Débridement und eine (partielle) Synovektomie sowie eine kalkulierte Antibiotikatherapie durchgeführt werden.

Die häufigsten Ursachen einer nicht-infektiösen Tendovaginitis sind mechanische Überbeanspruchung und rheumatische Erkrankungen!

Die grundsätzliche Unterscheidung nach nicht-infektiöser bzw. infektiöser Ätiologie ist insb. im Hinblick auf die Therapie relevant!

  • Klinische Entzündungszeichen
    • Überwärmung
    • Ggf. Rötung
    • Schwellung
    • Bewegungsschmerzen
    • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Verdickung oder Verhärtung der Sehne
    • Ggf. mit tastbaren Knoten
    • Reibungsgeräusche bei Bewegung („Schneeballknirschen“)

Anamnese

  • Beginn, Auslöser und Verlauf der Beschwerden
  • Begleiterkrankungen und Vormedikation
  • Sozialanamnese mit Fokus auf körperliche Belastung bzw. Überlastung im Alltag

Bei einer Tendovaginitis kommt es typischerweise subakut zu klinischen Beschwerden!

Körperliche Untersuchung [1]

  • Inspektion: Meist unauffällig, ggf. lokale Schwellung und Rötung
  • Palpation
    • Diffuser oder lokal begrenzter Druckschmerz, ggf. Überwärmung
    • Erhöhter Spannungszustand der Sehne (im Seitenvergleich)
    • Tastbare, knotenförmige Verdickung der betroffenen Sehne
  • pDMS: Meist unauffällig

Apparative Verfahren und Labordiagnostik

Apparative Verfahren und Labordiagnostik bei Tendovaginitis
Untersuchung Indikation Möglicher Befund
(Doppler‑)Sonografie [1]
  • Einschätzung des Schweregrades der Tendovaginitis
  • Sehnenverdickung
  • Neovaskularisierung
Röntgen, CT
  • Ausschluss knöcherner Veränderungen
MRT
  • Erweiterte Diagnostik bei chronischem Verlauf
Neurophysiologie
  • Ausschluss einer peripheren Nervenkompression oder zentralen Nervenläsion
Labor
  • Verdacht auf rheumatische bzw. infektiöse Ätiologie

Konservativ [2][3]

Eine peritendinöse Infiltrationstherapie darf ausschließlich bei nicht-infektiösen, lokalen Entzündungsreaktionen durchgeführt werden!

Operativ [2][3]

  • Indikation: Chronische bzw. therapieresistente nicht-infektiöse Tendovaginitis
  • Vorgehen
    • Dekompression durch Längsspaltung der Sehnenscheide
    • Postoperativ sofortige Mobilisation anstreben
  • Prognose: Insg. sehr gut, solange noch keine zusätzlichen Kontrakturen vorhanden sind
    • Meist gutes funktionelles Ergebnis
    • Kaum Rezidive nach operativer Behandlung

Sonderfall: Infektiöse Tendovaginitis

Eine infektiöse Tendovaginitis ist ein chirurgischer Notfall und erfordert eine schnellstmögliche operative und antibiotische Therapie!

Tendovaginitis stenosans [2][5]

  • Definition: Tendovaginitis der Beugesehnen der Hand mit intermittierender Einklemmung im Ringband A1
  • Synonyme: Tendovaginosis stenosans, Tendopathia nodosa
  • Epidemiologie
  • Ätiologie: Am ehesten multifaktoriell
  • Leitsymptom: Schnellender Finger (Schnappfinger, Triggerfinger, Digitus saltans)
    • Einklemmung der verdickten Beugesehne im (ggf. verengten) Ringband
    • Resultierender Widerstand bei Extension und Flexion muss mit erhöhtem Krafteinsatz überwunden werden
    • Ruckartige Bewegung des Fingers beim Überwinden des Widerstands als namensgebendes „Schnellen“ bzw. „Schnappen“
    • Widerstand im Verlauf ggf. nur noch unter Zuhilfenahme der anderen Hand überwindbar
  • Für allgemeine Symptome einer Tendovaginitis siehe: Tendovaginitis - Symptome/Klinik
  • Differenzialdiagnosen
  • Therapie
    • Konservativ: In frühen Stadien ggf. möglich bzw. sinnvoll
    • Operativ: Bei fortschreitender Erkrankung häufig Längsspaltung des Ringbandes erforderlich

Leitsymptom einer Tendovaginitis stenosans ist der sog. schnellende Finger!

Tendovaginitis der Handgelenksflexoren [2][3]

Tendovaginitis stenosans de Quervain [2][3][6][7]

Ein positiver Finkelstein-Test gilt als pathognomonisch für die Tendovaginitis stenosans de Quervain!

Intersektionssyndrom [2][3]

Das Intersektionssyndrom tritt gehäuft bei Sportarten mit häufiger Flexion und Extension des Handgelenks wie bspw. Rudern oder Gewichtheben auf!

Tendovaginitis der Hand- bzw. Handgelenksextensoren [2][3]

Tendovaginitis der Fibularissehnen [8][9]

  • Definition: Tendovaginitis der Mm. fibulares
  • Synonym: Tendovaginitis der Peronealsehnen
  • Epidemiologie: Erhöhte Inzidenz im Lauf- und Tanzsport und bei rheumatischen Erkrankungen
  • Ätiologie
    • Chronische Instabilität des OSG
    • Chronische Subluxation der Fibularissehnen
    • Anatomische Besonderheiten
    • Anatomische Prädisposition
  • Leitsymptom: Stechende Schmerzen bei Eversion des OSG gegen Widerstand
  • Für allgemeine Symptome einer Tendovaginitis siehe: Tendovaginitis - Symptome/Klinik
  • Differenzialdiagnosen
  • Therapie
    • Konservativ: Primär anzustreben (ggf. Einlagenversorgung)
    • Operativ: Bei fortschreitender Erkrankung ggf. Débridement und partielle Synovektomie erforderlich

Sehnenscheidenganglion [5][10][11]

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

  • M65.-: Synovitis und Tenosynovitis
  • M67.-: Sonstige Krankheiten der Synovialis und der Sehnen
    • M67.2-: Hypertrophie der Synovialis, anderenorts nicht klassifiziert [0–9]
      • Exklusive: Villonoduläre Synovitis (pigmentiert) (M12.2‑)
    • M67.4-: Ganglion
      • Inklusive: Ganglion eines Gelenkes oder einer Sehne oder Sehnenscheide [0–9]
      • Exklusive: Ganglion bei Frambösie (A66.6), Schleimbeutelzyste (M71.2-M71.3), Synovialzyste (M71.2-M71.3)

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Cassel et al.: Tendinopathien der unteren Extremität im Sport – Diagnostik und Therapie In: OP-Journal. Band: 32, Nummer: 01, 2016, doi: 10.1055/s-0042-111250 . | Open in Read by QxMD p. 44-54.
  2. Rudigier, Meier: Kurzgefasste Handchirurgie, Klinik und Praxis. 6.. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-26426-8 .
  3. Adams, Habbu: Tendinopathies of the Hand and Wrist In: Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons. Band: 23, Nummer: 12, 2015, doi: 10.5435/jaaos-d-14-00216 . | Open in Read by QxMD p. 741-750.
  4. Patrick, Hammert: Hand and Wrist Tendinopathies In: Clinics in Sports Medicine. Band: 39, Nummer: 2, 2020, doi: 10.1016/j.csm.2019.10.004 . | Open in Read by QxMD p. 247-258.
  5. Kim et al.: A Genetic Marker Associated with De Quervain’s Tenosynovitis In: International Journal of Sports Medicine. Band: 38, Nummer: 12, 2017, doi: 10.1055/s-0043-116669 . | Open in Read by QxMD p. 942-948.
  6. Abi-Rafeh et al.: Conservative Management of de Quervain Stenosing Tenosynovitis: Review and Presentation of Treatment Algorithm In: Plastic & Reconstructive Surgery. Band: 146, Nummer: 1, 2020, doi: 10.1097/prs.0000000000006901 . | Open in Read by QxMD p. 105-126.
  7. Schafer et al.: Peroneal Tendonitis and Tendonopathy. Springer 2020, ISBN: 978-3-030-46646-6 , p. 183-191.
  8. Sharma, Parekh: Pathologies of the Peroneals: A Review In: Foot & Ankle Specialist. Band: 14, Nummer: 2, 2020, doi: 10.1177/1938640020916278 . | Open in Read by QxMD p. 170-177.
  9. Gregush, Habusta: Ganglion Cyst In: StatPearls. 2021, .
  10. Giard, Pineda: Ganglion cyst versus synovial cyst? Ultrasound characteristics through a review of the literature In: Rheumatology International. Band: 35, Nummer: 4, 2014, doi: 10.1007/s00296-014-3120-1 . | Open in Read by QxMD p. 597-605.
  11. Lenz et al.: Injektionen an Muskeln, Sehnen und Gelenken In: Der Orthopäde. Band: 45, Nummer: 5, 2016, doi: 10.1007/s00132-016-3262-9 . | Open in Read by QxMD p. 459-468.