• Klinik

Tannenleiden - ein AMBOSS-Weihnachtskapitel 2019

Abstract

Wenn sich zwei Tannen sehr lieb haben, kann es passieren, dass aus ihrer Verbindung ein neues, aromatisch duftendes Geschöpf entsteht. Anfangs noch klein und unscheinbar wächst es rasch zu dem mächtigen Bäumling heran, der die Wälder dieser Erde durch sein fröhlich nadelndes Wesen entzückt. Auf seinem Lebensweg, welcher nach Aristoteles klassischerweise in drei Abschnitte unterteilt wird, ist der gemeine Tann (Abies allgemeinii) zahlreichen Gefahren ausgesetzt, die ihm unter die Borke kräuchen und bis ins Mykorrhiza erschüttern können.

Kindheit und Jugend

Nordmann-Skoliose

Bedingt durch eine geringe Rohdichte und Druckfestigkeit neigt der Wachstumsdorn (im Volksmund auch Stamm genannt) im frühen Tannerich zur Neigung. Die Richtung ist dabei von vielen Faktoren abhängig, welche nicht in vollem Umfang verstanden sind. Kommt es zusätzlich zu einer Verdrehung des Kernhölzchens, spricht man von einer Skoliose.

  • Diagnostik
    • Eifriges Betrachten
    • Verwendung des Skoliometers
    • Laute, kontralaterale Ansprache
  • Therapie
    • Zipfelzug
    • Halbseitenschmückung
    • Ultima ratio: Kernholzverblockung

Bisweilen lässt sich die Neigungsrichtung eines jungen Tanns durch die Anpflanzung einer jungen Tännin in unmittelbarer Umgebung beeinflussen!

Astbruch

Wer kennt es nicht: Nordmännlein und Nordweiblein tollen durch den Wald, die eine stellt dem anderen eine Wurzel und schon ist es passiert: Astbruch! Gerade junge Triebe sind den Gewalten der Welt häufig nicht gewachsen und brechen so leicht wie ein Examen, das unter den Hammer kommt. Im schlimmsten Fall kann es insb. bei Bäumen, die nahe an einem Hafen wachsen, zum kombinierten Ast- und Otbruch kommen.

  • Bildgebung
    • Landschaftsmaler
    • Illustrator
    • Selfie-Stick
  • Komplikationen
    • Ausharzung
    • Einharzung
    • Bei Beteiligung der Wachstumsfuge: Ausbildung einer kontrapunktischen Form

Kaukasische Bleiche

Bekannt wurde diese angeborene Pigmentstörung durch prominente Opfer wie Jan Tänner oder Otto dem Beheizbaren. Im Alltag sind betroffene Tännen betroffen und wirken auch so. Dass uns dies häufig nicht auffällt, liegt an der ausgeprägten Verwechselbarkeit des Phänotyps, welcher uns das Antreffen einer gemeinen Betula vorgaukelt.

  • Überblick
    • Betula pendula (Kaukasische Bleiche I°)
    • Betula fruticosa (Kaukasische Bleiche II°)
    • Betula lenta (Kaukasische Bleiche III°)

Tannin-Intoxikation

Mit zunehmendem Wachstum schießen die Säfte in sämtliche Ästelungen und der junge Tann will sich ausprobieren. Auf der anderen Seite des Waldes, weit weg von der Baumschule, verkauft die schöne Belladonna frisch gepflückte Kirschen. Lecker! Jetzt noch schnell einen Abstecher zum verrückten Fingerhutmacher, dem besten Designer digitaler Durchmachdrogen weit und breit. Aufgebürstet bis in die Nadelspitzen wird nun drei Tage lang im Wald- und Wiesenhain durchgeballert, bis die Borke kracht. Die Folge: Baumkronenauszackung.

  • Typische Substanzen
    • MDMA (3,4-Methylenedioxymethahornsirup)
    • Kastanie („Special K“)
    • 1959er Château La Tour
  • Typische Nebenwirkungen
    • Harzrhythmusstörungen
    • Windelung in Rindelung
    • Geräusche beim Umfallen
  • Irreversibles Endstadium
    • Koks

Tipp für Weihnachtssparfüchse: Bei Mischintoxikationen leuchtet der Baum auch ohne Kerzen!

Lebensmitte und voller Saft

Harzinfarkt

„Der klebrige Killer“, wie er auch genannt wird, ist unter Tannen gefürchteter als der Forstwirt. Während sich dieser nach Belieben betablockieren oder antikoagulieren kann, ist der Bäumling in der Prävention von Harzkanalverschlüssen auf die unpopuläre Modifikation ungünstiger Lifestyle-Faktoren beschränkt .

  • Tannen-Lifestyle
    • Bewegungsmangel
    • Ungesunde Ernährung
    • Psychosoziale Faktoren
  • Ablauf einer Harzkatheteruntersuchung
    • Punktion der A. pinacea
    • Einführen des Elktail-Katheters
    • Ballondilatation

Von der Anwendung des präkordialen Faustschlags zur Terminierung eines Nadelflimmerns wird bei intaktem Nadelbesatz ausdrücklich abgeraten!

Coniferale Coniferie

Die Coniferale Coniferie wird durch den Para-Parasiten Conifera coniferalis hervorgerufen und zeichnet sich durch starke Symptomlosigkeit aus. Die Durchseuchung bei der erwachsenen Tanne beträgt nahezu 100%, aufgrund von Mehrfachnennungen sind auch Werte bis weit über die Bestehensgrenze möglich. Die therapeutischen Optionen sind optional, Experten setzen eher auf präservative Prävention (nur nach gründlicher Entnadelung möglich).

  • Diagnostik
    • Inspektion und Perkussion
    • Auskultation und Palpation
  • Mögliche Spätschäden
    • Wunderlichkeit
    • Schrunderlichkeit
    • Dachschaden

Schon Robert Koch wusste: „Conifera coniferalis? Nie gehört. Das haben Sie sich doch ausgedacht!“

Stielharziose

Diese schreckliche Krankheit wird durch die fehlerhafte Anwendung von Pärchene-Gel hervorgerufen. In großen Teilen dieser und weiterer Welten verbreitet, gilt es nach wie vor als ein schlechtes Schistos-Omen, wenn es einen persönlich trifft. Erkrankte Tannen werden häufig ausgegrenzt und leben daher in granulomatöser Entzündung und Einsamkeit. Eine abgeleitete Beschimpfung lautet: „Zurück ins Süßwasser, du harzende Praziquantel!“.

  • Epidemiologie
    • Häufiges ist häufig
    • Seltenes ist selten
    • Ich habe einen Yeti gesehen
  • Prävention
    • Stiel bedeckt halten
    • Süße Schnecken meiden

Rindenleiden

Besonders Fußballspieler werden von dieser tückischen Erkrankung heimgesucht – mit teils fatalen Folgen. So gehen Experten bspw. davon aus, dass die Niederlage von "Die Tannschaft" gegen die „Squadra Azzurra“ (Blautannen) im Halbfinale der Waldmeisterschaft 2006 zu nahezu 100% durch das Rindenleiden des Schiedsrichters Birk Borkenkäfersson bedingt war.

  • Berühmte Opfer des Rindenleidens
    • Bananenflanke
    • Strafraumschwalbe
    • Wembley-Tor
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Bernsteinwasser (Goldstandard)
    • Dosenbrötchen (Alternative bei Glasallergie)
    • Hopfen-Smoothie

Das hohe Alter

Erektile Dysfunktion

Interessanterweise sind bei Tannen beide Geschlechter gleichermaßen betroffen. Dem Ausbruch der Erkrankung geht häufig ein lautes Knattern oder ein leises "Ritze-Ratze" voraus. In der Praxis ist es wichtig, das Thema offen anzusprechen, vor allem, da Tannen (insb. im gefällten Zustand) zum Schweigen neigen.

  • Wie man mit einer Tanne ein Gespräch beginnt
    • „Toller Tag, tapferes Tännchen.“
    • „Gläschen Grog gefällig?“
    • „Zauseliger Zores, zum Zipperlein zentralisiert!“
  • Festliche Therapeutika
    • Spektakulatius
    • Bratapfel von Tanno-Pharm®------
    • Vinum flammiferum forte

Schwierige Intubation

Die gefürchtete „Cannot intubate, cannot decorate“-Situation reißt Weihnachtler auf der ganzen Welt in stiller Nacht aus dem Schlaf. Und während draußen der See starrt, hat im Saal schon wieder jemand vergessen, den Vapor zuzudrehen. Und so dampft es sich friedlich zurück in den wohlverdienten Schlaf.

Zierschmuckdrüsenunterfunktion

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer Involution der drüsigen und nicht-drüsigen Anteile der Glandula ornata. Dieses nur bei den ansehnlichsten Tannen und Tannoiden vorkommende Organ reguliert die Applikation von Anhangsgebilden durch das Versprühen eines Pheromons, welches einem bei Kontakt das Herz erwärmt wie ein Aufguss in der finnischen Sauna. Die Auswirkungen einer Unterfunktion können insb. im pädiatrischen Bereich zu einer malignen okulären Hypersekretion führen.

Nadelinkontinenz

Zum Schluss des Tannenlebens kommt es unausweichlich zu einem fortschreitenden Nadelverlust, welcher nicht selten (manche Autoren sprechen von 100% der Fälle) in der kompletten Nudifikation endet. Ursächlich werden die Belastung durch schmückenden Behang sowie der Drang nach neuen Jahren diskutiert.

  • Schöne Lieder, die man zu Trost singen kann
    • Stille Nacht, heilige Nacht
    • Ihr Kinderlein! Komet!
  • Was wir euch wünschen
    • Glück
    • Gesundheit
    • Ein gesegnetes Weihnachtsfest

Kodierung nach ICD-24 (International Classification of Glühweinpoetik)

Es begann schon vor 3 Tagen
mit einem Nadelunbehagen.
Gefolgt von schlaffem Ästehängen,
samt Ausharzung in rauen Mengen!

Tags drauf war weiter zu verzeichnen,
beim palpativen Harzverstreichen
ein leises Rascheln und beizeiten:
Ein manifestes Rindengleiten.

Nach Perkussion der Stammesmitte
lag ein Verdacht und auch die Bitte,
schnell zu handeln auf dem Tisch!
So würde er wohl wieder frisch.

Im Befund stand fett geschrieben:
Es mangelte an frischen Trieben
aufgrund akuter Unterschmückung
und rost’ger Ständerschraubendrückung.

Doch welche Therapie kann passen
in Anbetracht der Faktenmassen?
Sieh an, auch hier weiß AMBOSS Rat,
damit das Leid ein Ende hat.

Da kommt er, der Defibrillator
Erleuchtung bringt er und das Hardcore.
Mit dem Tropf exakt dosiert
wird nun die Tanne roboriert.

Nun noch ein paar Tage schonen,
etwas Schmuck für Zweig und Kronen,
dann steht sie da in voller Pracht,
erleuchtet unsere Weihnachtsnacht!