• Klinik

Suizid und vorsätzliche Selbstbeschädigung (Selbsttötung…)

Abstract

Die vorsätzliche Selbstbeschädigung umfasst die einzelnen Aspekte suizidaler Handlungen, wobei definitionsgemäß Suizidalität, Suizidversuch, Parasuizid und Suizid unterschieden werden.

Während Suizidversuche häufiger vom weiblichen Geschlecht unternommen werden, finden sich vollendete Suizide deutlich häufiger bei Männern. Suizidale Gedanken sind fast immer Symptom einer psychischen Erkrankung (Depression, Anorexia nervosa, Schizophrenie etc.). Bilanzsuizide, bei denen sich die Betroffenen aufgrund negativer Lebensumstände (z.B. maligne Erkrankungen) das Leben nehmen, sind die Ausnahme. Wichtigstes diagnostisches Mittel ist die aktive Exploration in der Anamnese: Suizidalität offen ansprechen kann Leben retten!

Definition

  • Suizid: Vollendete Selbsttötung
  • Parasuizid: Suizidale Handlung, bei der nicht die Vollendung, sondern eher die Dynamik der Selbstverletzung und des Versuches im Vordergrund steht.
  • Suizidversuch: Suizidale Handlung, bei der die Vollendung im Vordergrund steht. Von einem Suizidversuch spricht man insbesondere nach einem missglückten eindeutigen Versuch.
  • Suizidalität: Zustand konkreter und unkonkreter Suizidgedanken
  • Erweiterter Suizid: Suizid mit einhergehender Tötung Dritter ohne deren Einverständnis
  • Gemeinsamer Suizid: Gleichzeitiger Suizid mehrerer Personen in gegenseitigem Einverständnis
  • Bilanzsuizid: Suizid einer psychisch gesunden Person infolge rationaler Abwägung von negativen Lebensumständen

Epidemiologie

Suizid

  • Häufigkeit: Jährlich begehen etwa 10.000 Menschen in Deutschland Suizid
  • Alter: Die Suizidrate steigt kontinuierlich mit zunehmendem Lebensalter
    • Der Häufigkeitsgipfel für die absolute Anzahl von Suiziden liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr
  • Geschlecht: >

Suizidversuch, Parasuizid

  • Häufigkeit: 10- bis 15-mal so häufig wie ein Suizid
  • Alter: Häufigkeitsgipfel zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr
  • Geschlecht: >

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Folgende Erkrankungen haben das höchste Suizidrisiko im Vergleich zur Normalbevölkerung:

Ein Bilanzsuizid ist selten. Fast immer findet sich hinter der Suizidalität ein psychiatrisches Krankheitsbild!

Symptome/Klinik

Präsuizidales Syndrom

Das Erkennen von Suizidalität ist häufig erschwert, da die Tendenz durch Bagatellisieren und Verleugnen maskiert sein oder auch plötzlich auftreten kann. Nach Erwin Ringel gehen einer Suizidhandlung aber folgende drei Aspekte voraus:

  • Einengung: Vor allem subjektive, aber auch objektive Verringerung der Wahlmöglichkeiten im Leben der gefährdeten Person, bis nur noch ein Suizid als Möglichkeit bleibt
    • Situation: Die Betroffenen ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück
    • Affekt: Die Betroffenen zeigen einen verminderten Antrieb, depressive Symptome, Affektverflachung
  • Aggressionsumkehr: Verstärkte aber gleichzeitig gehemmte Fremdaggression, die zu autoaggressivem Verhalten führt
  • Suizidphantasien: Aufbau einer Scheinwelt neben der Realität, in der die suizidale Handlung eine immer größere Rolle spielt

Diagnostik

Suizidanamnese

  • Aktive Exploration: Generell sollte beim Verdacht auf Suizidalität des Patienten bereits beim ersten Gespräch eine Suizidanamnese durchgeführt werden, da die Vermeidung einer möglichen Selbsttötung allerhöchste Priorität hat. Zudem kann das offene Ansprechen der Suizidalität zu einer merklichen Entlastung des Patienten führen.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • R45.-: Symptome, die die Stimmung betreffen
    • R45.8: Sonstige Symptome, die die Stimmung betreffen
      • Suizidalität
      • Suizidgedanken
      • Exklusive: Im Rahmen einer psychischen oder Verhaltensstörung (F00–F99)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.