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Störungen der Sehbahn

Letzte Aktualisierung: 2.6.2021

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Die Sehbahn bezeichnet die neuronale Verschaltung des optischen Systems von der Netzhaut bis zur Sehrinde. Bei einer Vielzahl von ophthalmologischen oder neurologischen Erkrankungen kann es hier zu Beeinträchtigungen kommen, die je nach Position zu Sehstörungen in typischen Teilen des Gesichtsfeldes führen. Anhand Lokalisierung und Symptomatik lassen sich die Erkrankungen in 3 Abschnitte einteilen:

Ursächlich können beispielsweise Entzündungen (z.B. Retrobulbärneuritis), Tumoren (z.B. Hypophysenadenom) oder vaskuläre Veränderungen (z.B. anteriore ischämische Optikusneuropathie, zerebraler Infarkt) sein. Die Therapie ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung.

Grundlagen

Neuritis nervi optici (Optikusneuritis)

Retrobulbärneuritis: Patient sieht nichts (Zentralskotom), Arzt sieht nichts (normaler Fundusbefund)!

Bei ca. 20-50% aller Patienten tritt nach einer Retrobulbärneuritis im weiteren Verlauf eine Multiple Sklerose auf!

Optikusatrophie

Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION)

  • Definition: Akute Durchblutungsstörung der Papille
  • Ätiologie
  • Epidemiologie
    • Nicht arteriitische Form → Höchste Inzidenz zwischen 50. und 70. Lebensjahr, aber auch jüngere Patienten
    • Arteriitische Form → Nahezu immer nach dem 60. Lebensjahr
  • Symptome/Klinik
    • Plötzliche einseitige Sehminderung
    • Keilförmige und horizontale Gesichtsfeldausfälle (unteres Gesichtsfeld häufiger betroffen)
    • Bei der arteriitischen Form weitere Symptome der Riesenzellarteriitis möglich
  • Diagnostik
    • Funduskopie
      • Akut: Ödematöse, randunscharfe Papille, häufig sektoriell betont; blass oder hyperämisch; radiäre Randblutungen
      • Im späteren Verlauf: Optikusatrophie
    • Blutsenkungs- und CRP-Bestimmung
      • Sturzsenkung und CRP-Erhöhung bei arteriitischer Form
      • Normale Senkung und CRP bei nicht arteriitischer Form
    • Bei Verdacht auf arteriitische Form → Biopsie der Arteria temporalis
  • Therapie
    • Bei arteriitischer Form → Sofort hochdosierte systemische Glucocorticoide
    • Bei nicht arteriitischer Form → Therapieversuch mit Hämodilution und systemischer Glucocorticoidgabe möglich
  • Prognose
    • Meist schlecht → Dauerhafter Visusverlust
    • Im Verlauf häufig Mitbeteiligung des zweiten Auges

Bei der arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie ist eine sofortige Hochdosisglucocorticoidtherapie notwendig!

Stauungspapille

Die Trias bitemporale Gesichtsfeldausfälle, ein- oder beidseitige Sehschärfereduktion und Optikusatrophie werden als Chiasmasyndrom bezeichnet!

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Grehn: Augenheilkunde. 29. Auflage Springer 2005, ISBN: 3-540-25699-7 .
  2. Lang et al.: Augenheilkunde. 4. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-131-02834-1 .