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Störungen der Geschlechtsidentität

Abstract

Im Folgenden werden die Diagnosen F64 beschrieben, die im ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems der WHO) unter dem Titel „Störungen der Geschlechtsidentität“ im Kapitel „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ zusammengefasst sind. Dazu gehören die Diagnosen, bei denen eine Abweichung von dem zugewiesenen Geschlecht und der Geschlechtsidentität besteht oder zeitweilig eine andere Geschlechterrolle gelebt wird.

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass aktuell sowohl die Bezeichnung, die Diagnosekriterien als auch die Behandlungsstandards überarbeitet werden. Grund dafür sind Einwände von Interessensverbänden sowie eine Studienlage, die deutlich macht, dass die Pathologisierung mit einem erheblichen Leidensdruck und einer gesellschaftlichen Stigmatisierung einhergeht. In der Beta-Version des ICD-11 der WHO (der voraussichtlich 2018 veröffentlicht wird) stehen Diagnosen der Geschlechtsinkongruenz voraussichtlich unter der Kategorie „Conditions Related to Sexual Health”. Darunter sollen dann „Gender Incongruence of Adolescence and Adulthood“ und “Gender Incongruence of Childhood” fallen. Im amerikanischen Klassifikationssystem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM-V) bereits enthalten ist die weniger pathologisierende Diagnose „Geschlechtsdysphorie“, die bei Behandlungen in Deutschland bereits jetzt genutzt werden darf.

Störungen der Geschlechtsidentität F64

  • Transsexualismus (F64.0): Beim Transsexualismus besteht der Wunsch, zum anderen Geschlecht zu gehören und so anerkannt zu werden. Dieser Absicht liegen oft steigende Unzufriedenheit und das Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen somatischen Geschlecht zugrunde. Es besteht der Wunsch, durch medizinische Behandlung das Geschlecht zu wechseln.
  • Transvestitismus (F64.1): Beim Transvestitismus besteht der Wunsch, zeitweilig die Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Eine operative Geschlechtsumwandlung wird in der Regel nicht angestrebt. Das Wechseln der geschlechtsüblichen Kleidung ist nicht von sexueller Erregung begleitet.
  • Störung der Geschlechtsidentität des Kindesalters (F64.2): Starkes Unbehagen mit der eigenen Geschlechtsidentität bereits während der frühen Kindheit und lange vor der Pubertät. Es besteht ein ständiger Wunsch dem anderen Geschlecht zuzugehören.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

F64.-: Störungen der Geschlechtsidentität

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.