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Sportverletzungen

Letzte Aktualisierung: 3.8.2021

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Sportverletzungen entstehen zumeist durch eine akute, massiv erhöhte Belastung der Gelenke, Bänder und/oder Muskeln.

Verletzungen der Muskulatur entstehen durch eine starke Überbeanspruchung. Ob sie aber durch Aufwärmen und Dehnen verhindert werden können, ist umstritten.

Akute Gelenk- und Bandverletzungen wiederum entstehen in der Regel durch eine unphysiologische Bewegung im Gelenk (z.B. „Umknicken“ → Supinationstrauma).

Die Maßnahmen zur Akutbehandlung von Sportverletzungen folgen i.d.R. der PECH-Regel („PECH“ = Pause → Eis → Compression → Hochlagern), die kausale Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung (z.B. Knochenbeteiligung) und reicht von kühlenden Verbänden über eine Schienung (mit Stützverbänden, Gipsschienen etc.) bis hin zu einer operativen Versorgung.

Auswahl häufiger Sportverletzungen

Skidaumen

  • Ätiologie: Abscherung des Daumens nach radial → Riss des ulnaren Seitenbandes am Daumengrundgelenk
  • Klinik
    • Druckschmerz über dem ulnaren Seitenband
    • Instabilität
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Teilruptur (≤30° radiale Aufklappbarkeit oder ≤15° im Vergleich zur Gegenseite) → Konservativ mit Ruhigstellung und Analgesie
    • Komplette RupturOperative Refixierung innerhalb 14–21 Tagen

Quadrizepssehnenruptur

  • Ätiologie
    • Drohendes Sturzereignis beim Bergabgehen oder Treppensteigen mit Stabilisierungsversuch und Anspannung des M. quadriceps gegen Widerstand (häufig) oder Trauma kurz oberhalb der Patella (eher selten)
    • Häufig mit degenerativer Vorschädigung vergesellschaftet
  • Klinik
    • Schmerzen und Schwellung am Knie
    • Eventuell tastbare Lücke im Sehnenverlauf
    • Aktive Kniestreckung nicht möglich
  • Diagnostik: Sonografie, MRT
  • Therapie: Operative Sehnennaht

Patellarsehnenruptur

  • Ätiologie
    • Drohendes Sturzereignis beim Bergabgehen oder Treppensteigen mit Stabilisierungsversuch und Anspannung des M. quadriceps gegen Widerstand (eher selten) oder Trauma kurz unterhalb der Patella (häufiger)
  • Klinik
    • Schmerzen und Schwellung am Knie
    • Evtl. tastbare Lücke im Sehnenverlauf
    • Aktive Kniestreckung nicht möglich
    • Patellahochstand
  • Diagnostik: Röntgen, Sonografie, MRT
  • Therapie: Operative End-zu-End-Naht der Patellarsehne mit Drahtcerclage nach McLaughlin zwischen Tuberositas tibiae und Patella zur Zugentlastung

Bandverletzungen des oberen Sprunggelenkes

Klassifikation der Außenbandruptur [1] Grad I Grad II Grad III
Verletzung Zerrung Partialruptur Komplettruptur
Bewegungseinschränkung Keine 5–10° >10°
Instabilität Taluskippung - - +
Talusvorschub - + +
Schwellung Leicht Mäßig Stark
  • Klinik
    • Weichteilschwellung, Bewegungseinschränkung, Hämatom
    • Druckschmerz über dem Verlauf der Bänder
    • Seitliche Aufklappbarkeit, Talusvorschub im Seitenvergleich erhöht
    • Humpelndes Gangbild
  • Diagnostik
  • Therapie der OSG-Distorsion
    • Konservativ-funktionell
      • Indikation: Standard für alle Bandrupturen des OSG, prinzipiell ambulante Durchführung [2]
      • Sofort: Ruhe, Kühlung, Kompression, Hochlagerung (PECH-Regel)
      • Im Verlauf
    • Operativ
      • Indikation
        • Außenbandruptur: Nur in Ausnahmefällen
        • Innenbandruptur: Nur bei Repositionshindernis durch die Bandstümpfe [2]
      • Verfahren: Direkte Bandnaht, ossäre Reinsertion oder primärer Bandersatz
      • Nachbehandlung
        • Gespaltener Unterschenkelgips für 3–5 Tage, dann Sprunggelenkorthese für 5 Wochen
        • Physiotherapie (gleiches Schema wie bei konservativer Therapie)
        • Regelmäßige Wundkontrollen und Fadenentfernung nach ca. 10–12 Tagen
        • Uneingeschränkte Sportfähigkeit nach ca. 10–12 Wochen postoperativ
  • Differentialdiagnosen
  • Komplikationen: Allgemeine Risiken bei Immobilisation des oberen Sprunggelenks
  • Prognose
    • I.d.R. folgenlose Abheilung
    • Bei häufigen Rezidiven evtl. bleibende Instabilität → Rekonstruktion per Bandplastik (z.B. Periostlappenplastik)
      • Wichtig: Rezidivprophylaxe mit adäquatem Training der Propriozeptoren


Bei Sprunggelenksdistorsionen sollten immer auch die angrenzenden Gelenke und insb. der Fuß klinisch untersucht werden. Bei Druckschmerz über dem Os metatarsale V muss eine zusätzliche Röntgendiagnostik des Fußes veranlasst werden!

Muskelkater

  • Definition: Schmerzhaftes Spannungsgefühl der Muskulatur 1–2 Tage nach (zu) hoher sportlicher Belastung
  • Auftreten: Vor allem bei Bewegungen mit hohen Bremskräften: Bergabgehen, exzentrisches Krafttraining, Sprungkrafttraining, Sportarten mit vielen Richtungswechseln
  • Pathophysiologie
    • Laktatansammlung spielt nach heutigem Kenntnisstand keine Rolle(!)
    • Mikroverletzungen (kleinste Risse) v.a. im Bereich der Z-Scheiben
    • Krafttraining → Reizung im Bereich der Z-Scheiben = Hypertrophiereiz
      • Wenn Belastung (und damit die Entzündungsreaktion im Bereich der Z-Scheiben) zu hoch → Weniger Muskelwachstum, da zu viele Reparaturvorgänge
    • Ödem in der Muskulatur bedingt Schmerz und Steifigkeit
  • Klinik
    • Bewegungsschmerz, Druckschmerz, Dehnungsschmerz; Schmerzmaximum nach 1–3 Tagen
    • Muskelsteifigkeit, Spannungsgefühl
    • Besserung durch Anregung der Durchblutung (z.B. durch "Aufwärmen")
  • Diagnostik: Palpation, Dehnung
  • Therapie: Der Muskelkater ist die einzige "Sportverletzung", bei der Wärme und Durchblutungsförderung prinzipiell von Vorteil sind
    • Keine Ruhigstellung(!)
    • Radfahren, Joggen, Aquajogging bei leichter Intensität
    • Wärme (Sauna)
    • Vorsichtiges passives Dehnen
  • Prognose: Spontane Abheilung i.d.R. nach max. 1 Woche

Muskelzerrung

  • Definition: Eine Muskelzerrung entsteht, wenn ein Muskel übermäßig gedehnt wurde, i.d.R. durch eine Fehl- oder Überbelastung
  • Klinik
    • Akut während oder kurz nach einer Belastung auftretender Schmerz des betroffenen Muskels (Ruhe- und insb. Bewegungsschmerz)
    • Leichte Schwellung
    • Kein Funktionsverlust des betroffenen Muskels
  • Therapie
    • Konservativ: Schonung über einige Tage, lokale Kühlung
  • Prognose: Spontane Erholung des Muskels i.d.R. innerhalb von 4–6 Tagen

Muskelfaserriss

  • Definition: Muskelverletzung mit Kontinuitätsunterbrechung einzelner Muskelfaseranteile (anatomisch: Ruptur von Sekundärbündeln = "Fleischfasern" ). Meist im Bereich des muskulotendinösen Überganges.
  • Ätiologie: Längsdehnung der Muskulatur während einer aktiven Kontraktion über die Elastizitätsgrenze hinaus
  • Klassifikation
Grad Ausprägung
I Einzelne Muskelfasern gerissen, Faszie intakt
II >5% der Muskelfasern gerissen, lokales Hämatom
III Zahlreiche Muskelfasern gerissen, Teilruptur der Faszie, diffuse Einblutung
IV Kompletter Riss von Muskel und Faszie
  • Klinik : Akutes Auftreten oft am Ende einer Belastung
    • Tastbare Delle
    • Evtl. Hämatom
    • Druckschmerz, Dehnungsschmerz
    • Spannungsgefühl
    • Schmerzbedingte Unfähigkeit der Muskelbelastung
  • Diagnostik: Palpation(!), Sonografie, MRT
  • Therapie
    • Sofort: Kompression und Kühlung
    • In der Folge: Ruhigstellung im kühlenden Salbenverband für 24–48 h, evtl. Punktion des Hämatoms nach 12–24 h
    • Sportfähigkeit beschwerdeabhängig; langsame Belastungssteigerung

  • PECH-Regel: „PECH“ = Pause → Eis → Compression → Hochlagern. Maßnahmen zur Akutbehandlung leichter Sportverletzungen, die ohne Verzögerung nacheinander durchgeführt werden sollten.
    • Vorgehen
      • Pause
        • Jegliche Belastung sofort unterbrechen, sonst evtl. Verschlechterung und Heilungsverzögerung
      • Eis
        • Kühlung für 20–30 min, dann Unterbrechung für max. 90 min
        • Eis nicht direkt auf die Haut! → Gefahr der lokalen Erfrierung!
      • Compression
        • Ruhigstellung in schmerzarmer Position
        • Elastischer Bindenverband herzwärts gewickelt
        • Ändert sich der Schmerzcharakter (klopfend, pulsierend) → Verband evtl. zu eng wegen zunehmender Schwellung → Entfernen und nach 5–10 min neu anlegen
        • Keine Tape-Verbände in den ersten 12–24 h!
      • Hochlagerung
        • Extremität über Herzhöhe lagern
  • Außerdem: Für mind. 24 h nach Verletzung kein Alkohol; keine durchblutungsfördernden Maßnahmen wie Sauna, warme Bäder, hyperämisierende Salben

Einblicke in die Sportmedizin: Wander- und Surfverletzungen (August 2020)

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  • M62.-: Sonstige Muskelkrankheiten
  • T14.6: Verletzung von Muskeln und Sehnen an einer nicht näher bezeichneten Körperregion
    • Abriss
    • Riss
    • Schnittverletzung
    • Traumatische Ruptur
    • Verletzung
    • Verstauchung
    • Zerrung

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S1-Leitlinie Frische Außenbandruptur am oberen Sprunggelenk. Stand: 8. August 2017. Abgerufen am: 22. Januar 2018.
  2. Hanns-Peter Scharf: Orthopädie und Unfallchirurgie. Elsevier 2011, ISBN: 978-3-437-24401-8 .
  3. Niethard et al.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. 6. Auflage Thieme 2009, ISBN: 3-131-30816-8 .
  4. Largiadèr et al. (Hrsg.): Checkliste Chirurgie. 10. Auflage Thieme 2012, ISBN: 978-3-131-51570-4 .
  5. Graf: Lehrbuch Sportmedizin. 2. Auflage Deutscher Ärzteverlag 2011, ISBN: 978-3-769-10607-7 .
  6. Plesch et al.: Handbuch Sportverletzungen. 3. Auflage Meyer & Meyer 2015, ISBN: 978-3-898-99733-1 .
  7. Baumbach et al.: Frakturen der Metatarsale Fünf Basis – eine Neubetrachtung In: Der Unfallchirurg. Band: 121, Nummer: 9, 2018, doi: 10.1007/s00113-018-0507-6 . | Open in Read by QxMD p. 723-729.
  8. Richter et al.: Metatarsalefrakturen In: Aktuelle Traumatologie. Band: 34, Nummer: 1, 2004, doi: 10.1055/s-2004-815770 . | Open in Read by QxMD p. 36-44.