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Sonographische Untersuchung der Leber

Abstract

Die Leber liegt als parenchymatöses Organ im rechten Oberbauch und besteht aus einem linken und einem rechten Lappen. Eine Ultraschall-Untersuchung der Leber kann unter anderem bei rechtsseitigen Oberbauchschmerzen oder Verdacht auf Raumforderungen indiziert sein.

Zur detaillierten Untersuchung müssen beide Leberlappen vollständig durchmustert werden. Als erstes sollten die Leberlappen getrennt voneinander im Längsschnitt (also sagittal) und anschließend ebenfalls seitengetrennt im Querschnitt (also transversal) durchmustert werden. Aufgrund der großen Ausdehnung des rechten Leberlappens sollte dieser in zwei Schritten längs und quer untersucht werden.

Die Leber stellt sich in der Sonographie feinkörnig und homogen dar und sollte zur Umgebung scharf abgrenzbar sein. Wichtig ist, auf eine glatte Oberfläche und spitzwinklige Leberränder zu achten. Die portalvenösen Äste sollten in die Peripherie kontinuierlich dünner werden, während die Lebervenen auf ihrem Weg von der Peripherie bis zur Einmündung in die Vena cava inferior an Kaliber zunehmen.

Untersuchungsvideos

Anatomische Grundlagen

Für eine ausführliche Erläuterung des Organs siehe → Leber.

Indikation

Zu den Indikationen für eine Lebersonographie gehören folgende (Auswahl):

  • Rechtsseitige Oberbauchschmerzen
  • Verdacht auf Raumforderungen
  • Verdacht auf diffuse Leberparenchymveränderungen

Ebenen

Durchführung

Zur detaillierten Untersuchung müssen beide Leberlappen komplett durchmustert werden – als erstes sagittal, anschließend transversal . Während die oberflächlichen Anteile der Leber leicht beurteilt werden können, besteht die Schwierigkeit vor allem darin, die subdiaphragmalen Anteile der Leber zu durchmustern. Wichtig ist hierbei, dass der Patient stets mitarbeitet und tief einatmet. Des Weiteren muss der Schallkopf stellenweise fest auf die Bauchdecke gedrückt werden, was für den Patienten unter Umständen unangenehm sein kann.

Sagittale Durchmusterung der Leber

Der linke und der rechte Leberlappen werden nacheinander durchmustert. Als Leitstrukturen dienen dabei die Vena cava inferior und die mittlere Lebervene, die zwischen beiden Leberlappen liegen und eine Trennung für den Untersucher ermöglichen. Auf diese Weise können Pathologien genauer lokalisiert werden. Im ersten Schritt werden die Anteile der Leber durchmustert, die links von der Vena cava inferior und der mittleren Lebervene liegen, also der linke Leberlappen. Anschließend werden die Anteile der Leber untersucht, die rechts von der Vena cava inferior und der mittleren Lebervene liegen, also der rechte Leberlappen.

Linker Leberlappen

  1. Schallkopf im Oberbauchlängsschnitt paramedian rechts aufsetzen
  2. Schallkopf nach kranial angulieren
    • Unmittelbar subdiaphragmal gelegene Leberanteile darstellen
  3. Schallkopf nun langsam und kontinuierlich über die Medianebene nach links in Richtung Milz verschieben
    • Leberlappen bis über Organgrenze hinaus durchmustern
    • Darauf achten, dass die kaudalen Anteile des linken Leberlappens nicht abgeschnitten werden

Rechter Leberlappen

Da die kraniokaudale Ausdehnung des rechten Leberlappens deutlich größer ist als die des linken Leberlappens, wird der rechte Leberlappen in jedem Fall in zwei Schritten durchmustert. Im ersten Schritt werden die subdiaphragmal gelegenen Anteile untersucht, im zweiten Schritt die kaudal gelegenen Bereiche.

  1. Schallkopf im Oberbauchlängsschnitt paramedian rechts aufsetzen
  2. Schallkopf nach kranial angulieren
    • Unmittelbar subdiaphragmal gelegene Leberanteile darstellen
    • Die kaudalen Anteile absichtlich abschneiden
  3. Schallkopf nun langsam und kontinuierlich nach rechts, also lateral, bewegen bzw. schwenken
    • Lebergewebe bis zum lateralen Rand durchmustern
  4. Schallkopf erneut im Oberbauchlängsschnitt paramedian aufsetzen
  5. Schallkopf um eine Schallkopfbreite nach kaudal versetzen und nach lateral verschieben
    • Kaudolaterale Anteile des rechten Leberlappens von medial nach lateral durchmustern

Transversale Durchmusterung der Leber

Auch bei der transversalen Durchmusterung werden der linke und der rechte Leberlappen getrennt voneinander beurteilt und wieder dient die Vena cava inferior als Leitstruktur. Für die Durchmusterung des linken Leberlappens sollte sich die Vena cava inferior eher am linken Bildrand befinden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass es sich bei den Leberanteilen, die links der Vena cava inferior liegen (also rechts im Bild), um den linken Leberlappen handelt. Für die Durchmusterung des rechten Leberlappens sollte sich die Vena cava inferior analog dazu rechts im Bild befinden. Die Leberanteile, die sich nun rechts der Vena cava inferior befinden (also weiter links im Bild), können dementsprechend dem rechten Leberlappen zugeschrieben werden.

Linker Leberlappen

  1. Schallkopf im Oberbauchquerschnitt aufsetzen
  2. Schallkopf leicht zur linken Patientenseite verschieben
  3. Schallkopf flach anloten und Schallwellen nach kranial ausrichten
    • Subdiaphragmal gelegene Anteile darstellen
  4. Schallkopf langsam aufstellen
    • Linken Leberlappen komplett von kranial nach kaudal durchmustern
    • Darauf achten, dass der gesamte linke Leberlappen bis zu seiner linken Begrenzung im Bild zu sehen ist

Obwohl der linke im Vergleich zum rechten Leberlappen klein ist, muss dennoch darauf geachtet werden, dass alle Bereiche dargestellt werden. Dazu muss entweder die Vergrößerung herausgenommen oder der linke Leberlappen in mehreren Schritten durchmustert werden!

Rechter Leberlappen

Ähnlich wie bei der sagittalen Untersuchung sollte der rechte Leberlappen aufgrund seiner Ausdehnung auch transversal in zwei Schritten durchmustert werden.

  1. Schallkopf im subkostalen Schrägschnitt rechts aufsetzen
  2. Schallkopf minimal zur rechten Patientenseite verschieben
  3. Schallkopf flach anloten und Schallwellen nach kranial ausrichten
    • Subdiaphragmal gelegene Anteile darstellen
  4. Schallkopf langsam aufstellen und nach kaudal verschieben
    • Die medialen Anteile des rechten Leberlappens komplett von kranial nach kaudal durchmustern
    • Die lateralen bzw. laterokaudalen Anteile des rechten Leberlappens zunächst absichtlich abschneiden
  5. Schallkopf erneut im subkostalen Schrägschnitt aufsetzen und eine Schallkopfbreite nach laterokaudal versetzen
  6. Schallkopf flach anloten und Schallwellen nach kranial ausrichten
    • Die lateral gelegenen subdiaphragmalen Anteile des rechten Leberlappens darstellen
  7. Schallkopf langsam aufstellen und nach kaudal verschieben
    • Die lateralen Anteile des rechten Leberlappens von kranial nach kaudal durchmustern
  8. Alternative falls die lateral und subdiaphragmal gelegenen Anteile der Leber mithilfe der oben genannten Schritte nicht durchmustert werden können: Anteile von interkostal schallen

Bei Problemen mit der Darstellung lateraler und subdiaphragmaler Organanteile können Teilbereiche auch von interkostal geschallt werden!

Normalbefund

Parenchym

  • Glatte Leberoberfläche
  • Ähnliche Echodichte wie das Parenchym der rechten Niere
  • Homogen
  • Keine fokalen Läsionen
  • Leberränder sollten spitzwinklig sein

Gefäße

  • Kontinuierliche Verzweigung der Gefäße
  • Portalvenöse Äste: Erkennbar an echoreicher Umrandung
  • Lebervenen
    • Keine echoreiche Umrandung
    • Durchmesser kurz vor der Einmündung in die Vena cava inferior <10 mm

Pathologische Befunde

Für pathologische Befunde der Leber, siehe auch Bildatlas SonographiePathologische Befunde der Leber-Sonographie.