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Sedativa (Intoxikation und Abhängigkeit)

Abstract

Zu den Sedativa zählen unterschiedliche Substanzen, von denen Benzodiazepine die mit Abstand wichtigste Rolle in der Medizin spielen. Wenngleich Benzodiazepine eine hohe therapeutische Breite haben, sind insb. bei Mischintoxikationen lebensbedrohliche Bewusstseinsstörungen möglich. Die Abhängigkeit von Benzodiazepinen betrifft ca. 1,1 Millionen Menschen in Deutschland und ist oft mit ausgeprägten Entzugssyndromen sowie langwierigen Entwöhnungsbehandlungen verbunden.

Als K.o.-Tropfen werden narkotisierende Wirkstoffe bezeichnet, die unter anderem im Rahmen von Straftaten genutzt werden, um Opfer in einen wehrlosen Zustand zu versetzen. In geringeren Mengen werden sie auch als Beruhigungs- und Rauschmittel verwendet.

Für Informationen zur legalen, klinischen Anwendung von Benzodiazepinen siehe Kapitel: Benzodiazepine. Weitere Sedativa bzw. Hypnotika mit Abhängigkeitspotential sind Barbiturate und Benzodiazepin-ähnliche Substanzen.

Benzodiazepin-Intoxikation

  • Allgemein
    • Große therapeutische Breite → Lebensbedrohliche Verläufe bei Benzodiazepin-Monointoxikation selten
    • Aber: Bei Mischintoxikationen Gefahr von Atemdepression oder Kreislaufversagen
  • Symptome

Typische Trias der Benzodiazepin-Intoxikation: Bewusstseinsstörung, erhaltene Vitalfunktionen und fehlende neurologische Ausfälle!

Benzodiazepin-Abhängigkeit

Epidemiologie

  • Prävalenz der Benzodiazepinabhängigkeit: Ca. 1,1–1,2 Millionen Menschen in Deutschland [1]
  • Prävalenz der Medikamentenabhängigkeit über alle Substanzgruppen: Ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland [1]
  • Risikogruppen mit erhöhten Prävalenzzahlen [2]
    • Menschen mit psychiatrischen Vorerkrankungen, insb. Abhängigkeitserkrankungen
    • Ältere Menschen
    • Frauen

Diagnosekriterien

Benzodiazepin-Entzugssyndrom

Es handelt sich beim Benzodiazepin-Entzugssyndrom um ein sog. Rebound-Phänomen mit entgegengesetzten Symptomen nach Absetzen der Medikamente.

Bereits nach wenigen Wochen kann es zu einer Benzodiazepin-Abhängigkeit kommen, sodass jede Indikation streng gestellt werden muss!

Therapie der Benzodiazepinabhängigkeit

  • Kriterien, die im Einzelfall bei bestehender Abhängigkeit den Verzicht auf eine Entzugsbehandlung rechtfertigen können
    • Geringe Nebenwirkungen der Medikation, die dauerhaft toleriert werden können und keine Gefährdung für den Patienten darstellen
    • Drohender gefährlicher Entzug
    • Drohende Exazerbation einer psychiatrischen Symptomatik bei Absetzen
  • Bevorzugt stationäre Entzugsbehandlung bei
    • Schlechtem Allgemeinzustand
    • Weiteren psychiatrischen Erkrankungen
    • Schwerer Entzugssymptomatik in der Vorgeschichte
    • Mangelnder sozialer Unterstützung in der Häuslichkeit
    • Schlechter Compliance
    • Hochdosisabhängigkeit
  • Dauer [3]
    • I.d.R. 6–10 Wochen
    • Bei starker Entzugssymptomatik teils auch sehr kleine Reduktionsschritte mit Verlängerung der Entgiftung auf bis zu 1 Jahr notwendig
  • Medikamentöse Maßnahmen
    • Mögliche Ausschleichschemata im Benzodiazepinentzug: Stufenweises Ausschleichen in Abhängigkeit von der Entzugssymptomatik
      • Vorab: Umstellung kurzwirksamer auf mittel- oder langwirksame Präparate in Äquivalenzdosis (z.B. Diazepam)
      • Hochdosispatienten:
        • I.d.R. stationäre Entgiftung notwendig
        • Semilogarithmische Dosisreduktion , dabei Beginn mit ⅔ der vorherigen Dosis
        • Wenn keine Entzugssymptomatik auftritt: Weitere schrittweise Reduktion um 10–25% pro Tag
        • Wenn eine Entzugssymptomatik auftritt: Halten der Dosis bis Entzugssymptomatik verschwunden ist, anschließend weitere Reduktion um 10–25% pro Tag
      • Niedrigdosispatienten:
        • I.d.R. ambulanter Ausschleichversuch möglich
        • Semilogarithmische Dosisreduktion , z.B. in wöchentlichen Schritten
        • Wenn eine Entzugssymptomatik auftritt: Halten der Dosis bis Entzugssymptomatik verschwunden ist, anschließend weitere Reduktion um 10–25% pro Tag
    • Krampfprophylaxe
      • Indikation: Bei schwerer Entzugssymptomatik zur Prophylaxe eines zerebralen Krampfanfalls
      • Mögliche Substanz: z.B. Carbamazepin
    • Supportive medikamentöse Therapie im Benzodiazepinentzug [4]
    • Therapie bei Benzodiazepin-Entzugsdelir: Siehe medikamentöse Therapieoptionen des Delirs
  • Supportive Maßnahmen: Psychotherapie
  • Therapieformen nach der Entzugsbehandlung
  • Zum allgemeinen Vorgehen bei Abhängigkeitserkrankungen siehe: Therapie von Abhängigkeiten

Benzodiazepin-Antagonisten wie Flumazenil sind kontraindiziert, da sie die Entzugssymptomatik verschlimmern!

Knockout-Tropfen

Es handelt sich hierbei um narkotisierende Wirkstoffe, die u.a. bei Straftaten genutzt werden, um Opfer in einen wehrlosen Zustand zu versetzen. Die Substanzen werden auch in geringeren Mengen als Beruhigungs- oder Rauschmittel verwendet.

Verwendete Substanzen

Rechtsmedizinischer Nachweis

  • Nachweis der Substanzen bzw. der Metabolite in Urin und/oder Blutserum
    • Gamma-Hydroxy-Buttersäure
      • Eingeschränkte Beurteilbarkeit, da es sich um eine physiologische Substanz im ZNS von Säugetieren handelt
      • Kurze Halbwertszeit (20–45 min): Nach wenigen Stunden sind wieder normale GHB-Spiegel erreicht, sodass keine Aussage mehr möglich ist