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Schilddrüsenszintigraphie

Abstract

Bei der Diagnostik pathologischer Veränderungen der Schilddrüse spielen szintigraphische Verfahren eine große Rolle. Mithilfe des Anreicherungsverhaltens von Radionukliden (in den meisten Fällen Technetium-Pertechnetat Tc-99m) kann der Funktionszustand des Schilddrüsenparenchyms beurteilt werden. Des Weiteren liefert dieses Untersuchungsverfahren Hinweise auf die Genese einer Schilddrüsenveränderung.

Während sog. heiße Knoten auf eine Schilddrüsenautonomie hindeuten, sind sog. kalte Knoten malignomsuspekt. Eine flächige, intensive szintigraphische Anreicherung spricht wiederum für einen Morbus Basedow. Liegt ein intermediärer Befund vor (sog. warme Knoten), kann bei Verdacht auf eine Schilddrüsenautonomie eine Suppressionsszintigraphie durchgeführt werden. Über eine exogene Zufuhr von Schilddrüsenhormonen wird dabei eine TSH-Suppression bewirkt. Autonomes Schilddrüsengewebe zeigt auch unter Suppression eine Anreicherung und lässt sich auf diese Weise demaskieren.

Technischer Hintergrund

Eingesetzte Radiopharmaka

  • Tc-99m (Technetium-Pertechnetat): Am häufigsten in der Schilddrüsenszintigraphie eingesetztes Radionuklid
    • Hintergrund: Als Radiopharmakon für die Schilddrüsenszintigraphie geeignet, weil seine Moleküleigenschaften dem Iod ähnlich sind
    • Diagnostische Charakteristika
      • Reiner Gammastrahler, dadurch geringe Strahlenbelastung
      • Große Reichweite mit einer Energie von ca. 140 keV, deshalb gute Registrierung durch eine Gammakamera
      • Halbwertszeit von 6 h, somit ausreichend großes zeitliches Fenster zur diagnostischen Erfassung
      • Kostengünstige Herstellung, da es sich um ein Generatorprodukt handelt
  • 123I: Einsatz in Sonderfällen bzw. bei speziellen Fragestellungen, ggf. ergänzend zu Voruntersuchungen mit Tc-99m
    • Hintergrund: Entspricht in der Metabolisierung durch die Schilddrüse dem „normalen“ Iod
    • Diagnostische Charakteristika
      • Ebenfalls ein gut diagnostisch erfassbarer Gammastrahler, jedoch deutlich teurer und aufwändiger in der Herstellung
      • Halbwertszeit von etwa 13 h
        • Vorteil: Möglichkeit hintergrundfreier Spätaufnahmen, bessere Erkennbarkeit von ektop gelegenem Schilddrüsengewebe
        • Nachteil: Erschwerte Bevorratung aufgrund der langen Halbwertszeit
      • Höhere Aufnahme von 123I ins Schilddrüsengewebe im Vergleich zu Tc-99m
  • Zur Verwendung des Beta- und Gammastrahlers 131I siehe: Radioiodtherapie

Indikation

Die Indikation für eine Schilddrüsenszintigraphie muss von einem fachkundigen Arzt bestätigt werden!

Ablauf/Durchführung

Vorbereitung

Durchführung

  • I.v.-Gabe von Tc-99m-Pertechnetat (20–70 MBq) oder 123I (5–10 MBq)
    • Niedrigere Referenzwerte für Kinder. z.B. im Alter von 5 Jahren: 1–5 MBq Tc-99m-Pertechnetat oder 3 MBq 123I i.v.
  • Aufnahmen mit der Gammakamera bei rekliniertem Hals
    • Bei Tc-99m: 5–25 min nach Injektion
    • Bei 123I: 2–4 h nach Injektion, auch später noch möglich

Suppressionsszintigraphie

  • Indikation: V.a. autonome Prozesse der Schilddrüse bei peripherer Euthyreose und nicht supprimiertem basalen TSH
  • Durchführung
    • Gabe von hochdosierten Schilddrüsenhormonen (150–200 μg L-Thyroxin täglich über ca. 14 Tage) zur Drosselung des normal arbeitenden Schilddrüsengewebes
    • Vor Tc-99m-Gabe Bestimmung des basalen TSH zum Nachweis einer ausreichenden Supprimierung
    • Intravenöse Applikation von Tc-99m → Anreicherung und dadurch Demaskierung von autonom agierenden Schilddrüsenarealen

Befundung

  • Beurteilung des Funktionszustandes der Schilddrüse und der topographischen Verteilung der Aktivitätsniveaus innerhalb des Schilddrüsenparenchyms
    • Kalte Knoten: Geringe bis ausbleibende Anreicherung des Radionuklids; malignomsuspekt
      • Bei Malignomverdacht weitere Diagnostik, siehe auch: Schilddrüsenkarzinom
      • Differentialdiagnosen
        • Zyste
        • Entzündung
        • Einblutung
        • Regressive Veränderungen (Verkalkungen, Narben)
    • Warme Knoten: Im Vergleich zum restlichen noch speichernden Schilddrüsengewebe leicht erhöhte Anreicherung
      • Schließen eine Schilddrüsenautonomie nicht aus, bei entsprechendem Verdacht ist daher eine Suppressionsszintigraphie indiziert
    • Heiße Knoten
      • Im Vergleich zum restlichen nicht bzw. kaum speichernden Schilddrüsengewebe starke Anreicherung: Autonomie
    • Vergrößerte, homogene und intensiv anreichernde Schilddrüse: V.a. Morbus Basedow