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Schenkelhalsanomalien

Letzte Aktualisierung: 4.8.2021

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Die Schenkelhalsanomalien sind Achsfehlstellungen des Schenkelhalses bezogen auf den Collum-Centrum-Diaphysen-Winkel (CCD-Winkel) und den Antetorsionswinkel. Sowohl eine Valgusfehlstellung (Coxa valga) als auch ein erhöhter Antetorsionswinkel (Coxa antetorta) kann bei Neugeborenen bzw. Kindern physiologisch sein, bildet sich aber meist durch Wachstum und zunehmende körperliche Belastung selbstständig zurück. Die Coxa antetorta fällt dabei durch ein charakteristisch innenrotiertes Gangbild auf, was dazu führt, dass die Kinder wortwörtlich über ihre eigenen Füße fallen.

Eine Varusstellung des Hüftgelenks (Coxa vara) kann auch bei Patienten mit weichen Knochen (Osteomalazie, Rachitis) durch die axiale Belastung entstehen. Sind beide Schenkelhälse betroffen, fällt ein typischer Watschelgang auf (Duchenne-Hinken).

  • Definition: Achsfehlstellungen des Schenkelhalses werden auf den CCD-Winkel und Antetorsionswinkel bezogen
    • Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel (CCD-Winkel)
      • Winkel, der von der Hauptachse des Oberschenkelhalses und der Längsachse des Oberschenkelschaftes gebildet wird
      • Normwert: 126–130° (Erwachsene), 115–120° (Greise)
    • Antetorsionswinkel
      • Winkel, der von der Hauptachse des Oberschenkelhalses und der Querachse der beiden Oberschenkelkondylen des distalen Oberschenkels gebildet wird
      • Normwert: Ca. 12–15°
  • Diagnostik: Röntgen
    • Mögliche Aufnahmen (Auswahl)[1][2]
      • Becken/Hüfte a.p.
      • Rippstein-I-Aufnahme (modifizierte a.p.-Aufnahme)
      • 90°-Dunn-Aufnahme (wird auch als Rippstein-II-Aufnahme bezeichnet)
      • Hüfte axial (auch als „Cross-table“-Aufnahme bezeichnet)
      • Lauenstein-Aufnahme

  • Definition: Antetorsionswinkel >20°
  • Klinik: Innenrotiertes Gangbild, bei dem die Fußspitzen nach innen zeigen
  • Epidemiologie: Bei etwa 15% der Kinder physiologisch im Wachstumsalter
  • Verlauf: Bildet sich meist spontan zurück
  • Therapie
    • Während des Wachstums mögliche Spontannormalisierung abwarten
    • Nicht erfolgsversprechend sind konservative Behandlungsmaßnahmen wie Krankengymnastik oder orthopädietechnische Ansätze (Orthesen oder Schuheinlagen), die eine Korrektur des Einwärtsganges zum Ziel haben
    • Derotationsosteotomie nur bei massiver Gangstörung

Leicht stolpernde Kleinkinder können an einer Coxa antetorta leiden!

  • Q65.-: Angeborene Deformitäten der Hüfte
    • Q65.8: Sonstige angeborene Deformitäten der Hüfte
      • Angeborene Azetabulumdysplasie
      • Coxa valga oder vara congenita
      • Vermehrte Antetorsion des Schenkelhalses

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Clohisy et al.: A Systematic Approach to the Plain Radiographic Evaluation of the Young Adult Hip In: The Journal of Bone and Joint Surgery. 2008, doi: 10.2106/JBJS.H.00756 . | Open in Read by QxMD .
  2. Lim, Park: Plain Radiography of the Hip: A Review of Radiographic Techniques and Image Features In: Hip & Pelvis. 2015, doi: 10.5371/hp.2015.27.3.125 . | Open in Read by QxMD .
  3. Schünke et al. (Hrsg.): Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. 4. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-39524-5 .
  4. Imhoff et al.: Checkliste Orthopädie. 1. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-42281-1 .
  5. Krämer, Grifka: Orthopädie, Unfallchirurgie. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48498-1 .