Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Scharlach

Letzte Aktualisierung: 13.10.2020

Abstracttoggle arrow icon

Beim Scharlach handelt es sich um eine Exotoxin-vermittelte Allgemeinerkrankung durch β-hämolysierende Gruppe-A-Streptokokken. Sie tritt meist bei Kindern im Alter von 4–10 Jahren im Rahmen einer Tonsillopharyngitis auf. Scharlach ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der (Streptokokken‑)Tonsillitis, in deren Rahmen ebenfalls ein Exanthem auftreten kann. Auch ein Auftreten ohne Tonsillitis, nach Tonsillektomie oder (selten) auch ohne Exanthem ist möglich.

Für die Diagnosestellung muss neben Fieber (und ggf. Tonsillopharyngitis) mindestens ein typisches Zusatzkriterium erfüllt sein. Charakteristische Scharlachsymptome sind Wangenrötung, periorale Blässe, Enanthem des Gaumens mit „Erdbeer-“ oder „Himbeerzunge“ und ein feinfleckiges Exanthem, das in den Leisten am stärksten ausgeprägt ist. Nach etwa einer Woche beginnt eine Hautschuppung an Stamm und Gesicht sowie eine Hautschälung an Handflächen und Fußsohlen. Bei untypischen Scharlachformen kann der Erregernachweis die Verdachtsdiagnose erhärten. Eine Antibiotikatherapie mit Penicillin ist immer indiziert; sowohl die Ansteckungszeit als auch das Risiko für Folgekrankheiten wie rheumatisches Fieber und Poststreptokokken-Glomerulonephritis können dadurch reduziert werden. Scharlach wird durch verschiedene Toxintypen ausgelöst, wiederholte Infektionen sind daher möglich.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Erreger

Primärer Infektionsfokus

Inkubationszeit

  • 2–4 Tage

Prodromalstadium

Exanthemstadium (innerhalb von 48 Std. nach Krankheitsbeginn)

  • Wangenrötung mit perioraler Blässe (Facies scarlatinosa)
  • Enanthem am weichen Gaumen
  • Im Verlauf „rote Himbeer- oder Erdbeerzunge
  • Initial blassrotes feinfleckiges makulopapulöses Exanthem (sandpapier- oder samtartiges Gefühl bei Palpation)
    • Ausbreitung auf Kopf-Hals-Bereich, Stamm und Extremitäten
    • Deutlichste Ausprägung in der Leiste und in den anderen Gelenkbeugen
    • Nach 1–2 Tagen scharlachrote Verfärbung, Konfluenz an vielen Stellen zu einem diffusen Erythem mit positiver Diaskopie
    • I.d.R. kein Juckreiz
    • Dermographismus albus
    • Petechien möglich (positiver Rumpel-Leede-Test)
    • Pastia-Linien (lineare Petechien oder intensivrote Exanthemareale im Achsel- und Leistenbereich) [1][2]
    • Abblassen des Exanthems nach 3–4 Tagen bis zu 1 Woche, Entfieberung etwas zeitverzögert
  • Kleieförmige Schuppung der Haut in der 2.–4. Erkrankungswoche, insb. von Gesicht, Stamm, Achseln und Leiste
  • Palmoplantar eher groblamelläre Desquamation (handschuhartige Ablösungen)
  • Sonderformen
    • Scarlatinella („Atypischer Scharlach“): Heute häufiger als der klassische Scharlach
    • Wundscharlach

Zur Diagnosestellung muss neben Fieber (und ggf. Tonsillopharyngitis) mindestens ein typisches Zusatzkriterium erfüllt sein (Facies scarlatinosa, Enanthem, „Himbeerzunge", Scharlach-Exanthem, Desquamation)!

Klinik

  • Typische Anamnese und Klinik sind diagnostisch wegweisend – Scharlach ist eine Blickdiagnose!
  • Nachweis einer erhöhten Kapillarfragilität

Antigennachweis

Labor

Nach stattgehabter Scharlacherkrankung

  • Keine routinemäßigen Verlaufskontrollen des Rachenabstrichs
  • Keine routinemäßigen Blut- und Urinuntersuchungen oder kardiologische Diagnostik (EKG)

Das feinfleckige Exanthem ist unspezifisch und kann schnell mit anderen Exanthemen verwechselt werden. Bei Vorliegen der klassischen Symptome (insb. Tonsillopharyngitis, Wangenröte mit perioraler Blässe und Enanthem) lässt sich Scharlach gut von anderen Erkrankungen abgrenzen. In Zweifelsfällen wie bspw. bei der infektiösen Mononukleose sollte ein Streptokokken-A-Schnelltest zur Diagnosesicherung erfolgen.

Klassische pädiatrische Exanthemerkrankungen

Scharlach ist eine der sechs „klassischen pädiatrischen Exanthemerkrankungen“:

Weitere Differentialdiagnosen

Siehe auch: Exantheme im Kindesalter - Gesamtübersicht.

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Antibiotische Therapie

Die antibiotische Therapie hat das Ziel der Symptomverkürzung, Reduzierung der Ansteckungszeit und Vermeidung von Komplikationen!

Symptomatische Therapie

Seit der konsequenten Penicillintherapie treten Komplikationen und Folgeerkrankungen deutlich seltener auf. In Ländern des Globalen Südens kommen insb. die Streptokokken-Folgeerkrankungen noch häufig vor.

Toxinvermittelte Komplikationen

Bakterielle Komplikationen

Immunvermittelte Poststreptokokkenerkrankungen

Ein erhöhtes Risiko für immunvermittelte Streptokokken-Folgeerkrankungen beim Scharlach im Vergleich zu Streptokokken-Lokalinfektionen wäre denkbar, hat sich aber in Studien nicht bestätigt. Die Folgeerkrankungen sind mit dem immunogenen Potential des M-Proteins verknüpft und nicht mit den Exotoxinen.

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Impfung

Eine Impfung gegen β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A existiert nicht.

Umgebungsprophylaxe

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für Scharlach.

  • Arztmeldepflicht nach IfSGMeldeVO und ThürIfKrMVO (nur in Sachsen und Thüringen ): Namentliche Meldepflicht bei Krankheits- oder Todesfällen
  • Labormeldepflicht (nur in Thüringen ): Namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis
  • Meldepflicht für Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 und § 34 (6) IfSG

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Scharlach (Video frei verfügbar)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Höger: Kinderdermatologie: Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen. Schattauer 2011, ISBN: 3-794-52730-5 .
  2. White et al.: Levenes Farbatlas der Dermatologie. 5. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-39245-2 .
  3. Helwig, Cremer: Scharlach - eine klar definierte akute Streptokokken-Infektion mit Exotoxin-bedingtem Exanthem und Enanthem In: Kinder- und Jugendarzt. Band: 09, Nummer: 12, 2009, p. 809-815.
  4. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  5. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  6. Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. 2. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 978-3-437-43200-2 .
  7. Reinhardt et al.: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 3-540-71898-2 .
  8. Simon: Pädiatrie. 7. Auflage Schattauer 1995, ISBN: 3-794-51647-8 .
  9. Kliegman et al.: Nelson Textbook of Pediatrics. 19. Auflage Elsevier 2011, ISBN: 978-1-437-70755-7 .
  10. Wigger, Stange: Medikamente in der Pädiatrie: Inklusive Neonatologie/ Intensivmedizin. 4. Auflage Urban & Fischer 2013, ISBN: 3-437-21454-3 .
  11. S2k-Leitlinie Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. Stand: 1. August 2015. Abgerufen am: 11. August 2016.
  12. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  13. Hoffmann et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-41865-1 .
  14. Speer, Gahr: Pädiatrie. 4. Auflage Springer 2013, ISBN: 3-642-34268-x .
  15. Koletzko, Harnack: Kinder- und Jugendmedizin. 14. Auflage Springer 2012, ISBN: 3-642-11378-8 .
  16. Streptococcus-pyogenes-Infektionen, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 12. März 2009. Abgerufen am: 3. August 2017.
  17. Töpfner, Berner: Scharlach In: Kinder- und Jugendarzt. Band: 14, Nummer: 05, 2014, p. 223-231.