• Klinik

Sammelsurium der Infektiologie

Abstract

Zahlreichen Erregern wird man im klinischen Alltag nie begegnen. Nichtsdestotrotz ist es hilfreich, Wissenswertes über diese seltenen Erreger zu erfahren, da sie bei schweren Verläufen lebensgefährlich sein können. Erkrankungen wie die Pocken und die Pest sind im historischen Kontext sehr bedeutsam, da viele Menschen im Rahmen der von ihnen verursachten Epidemien starben.

Q-Fieber

Fleckfieber

Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist bei Fleckfieber essentiell, um einen letalen Verlauf zu vermeiden!

Babesiose

  • Epidemiologie
    • Weltweites Vorkommen
    • In Deutschland sehr selten
  • Erreger: Babesia-Spezies
  • Infektionsweg
    • Erregerreservoir: Wildtiere und Rinder
    • Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Zecken
  • Inkubationszeit: 1–4 Wochen
  • Klinik
    • Klinik von Erregerspezies anhängig
    • Grippale Beschwerden
    • Hämolytische Anämie
    • Milde Spleno- und Hepatomegalie
    • Risiko für schweren (ggf. fatalen) Verlauf: Asplenie, Immunsuppression
  • Diagnostik
  • Therapie

Rocky-Mountains-spotted fever

  • Epidemiologie: Sporadisches Auftreten in Nord-, Mittel- und Südamerika
  • Erreger: Rickettsia rickettsii
  • Infektionsweg: Zeckenstich
  • Inkubationszeit: 2–10 Tage
  • Klinik
    • Abrupter Beginn mit hohem Fieber und starken Allgemeinsymptomen (Schüttelfrost, Myalgien, Kopfschmerz etc.)
    • Ab dem 4. Tag Beginn eines sich von den Händen und Füßen über den ganzen Körper ausbreitenden makulopapulösen, hämorrhagischen Exanthems
  • Komplikationen
  • Diagnostik
    • Trias: Zeckenstich, Fieber, Exanthem in Endemiegebiet
    • Antikörpernachweis mit indirekter Immunfluoreszenz oder Latex-Agglutinationstest
  • Differentialdiagnosen: Meningokokkensepsis, toxisches Schocksyndrom, Masern
  • Therapie: Doxycyclin
  • Verlauf: Letalität unter Behandlung mit Doxycyclin etwa 5-10%, ohne Behandlung bis zu 50%

Granuloma inguinale

  • Epidemiologie:
    • Endemische Verbreitung in Low Income Countries, insb. in Südafrika, Teilen Südostasiens und auf den karibischen Inseln
    • Geschlecht: > = 10:1
  • Erreger: Klebsiella granulomatis (Calymmatobacterium granulomatis)
  • Infektionsweg: Enger Hautkontakt, Geschlechtsverkehr
  • Inkubationszeit: Einige Tage bis 12 Wochen
  • Klinik
    • Meist schmerzlose solitäre oder multiple ulzerierende Effloreszenzen im Genitalbereich, die sich peripher ausbreiten und großflächige, ulzerogranulomatöse Läsionen bilden
    • Im Verlauf inguinale schmerzhafte Lymphknotenschwellung
  • Komplikationen: Mikrobielle Superinfektionen
  • Diagnostik
    • Reiseanamnese mit Aufenthalt in Endemiegebiet
    • Mikroskopischer Nachweis von kurzen, gramnegativen bekapselten Stäbchen
    • Giemsa-Färbung von Gewebeausstrichen oder von Biopsiematerial
  • Differentialdiagnosen
  • Therapie: Tetrazykline, Makrolide oder Cotrimoxazol

Das Granuloma inguinale (Erreger: Klebsiella granulomatis) ist leicht zu verwechseln mit dem Lymphogranuloma inguinale (Erreger: Chlamydia trachomatis Serotyp L1-L3)!

Pocken

  • Epidemiologie
    • Letzter natürlicher Erkrankungsfall weltweit: 1977 in Somalia
    • Ausrottung durch weltweite Einführung des Lebendimpfstoffs durch die WHO
  • Erreger: Variola major (vera), Variola minor, Variola haemorrhagica (Gattung: Orthopoxviridae)
  • Infektionsweg
    • Hauptsächlich Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch
    • Übertragung zwischen Mensch und Tier nicht möglich
  • Inkubationszeit: Im Durchschnitt 12–14 Tage
  • Klinik
    • Beginn: Unspezifische Allgemeinsymptome
    • Nach 2–4 Tagen: Stadium vesiculosum mit synchronem Auftreten von Papeln mit rötlichem Randsaum, die sich zu eitergefüllten Blasen und verkrustenden Pusteln entwickeln
      • Hohe Infektiosität
      • Dauer: Etwa 2–3 Wochen
  • Differentialdiagnose: Windpocken
  • Therapie: Keine Therapie vorhanden, Letalität unbehandelt ca. 30%
  • Prävention: Pockenimpfung: Nicht mehr generell empfohlen, da die Pocken laut WHO seit 1980 als ausgerottet gelten
    • Seit 2013 neu zugelassener Lebendimpfstoff zur subkutanen Applikation verfügbar (siehe: Pocken-Lebendimpfstoff)
    • Vor 1980 zugelassener Pocken-Lebendimpfstoff mit abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Viren führte häufig zu Komplikationen, bspw. Impfnarbe, Ekzema vaccinatum oder postvakzinale Enzephalitis
      • Durchführung
        1. Einritzen der Haut (Skarifikation)
        2. Intradermale Applikation mittels Impfpistole oder Lanzette

Pest

  • Epidemiologie
    • Auftreten in Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika, südliche USA
    • Einige Hundert Erkrankte pro Jahr, zuletzt v.a. auf Madagaskar und im Kongo
  • Erreger: Yersinia pestis
  • Erregerreservoir: Nagetiere
  • Infektionsweg
    • Flöhe und Zecken leben in Symbiose mit kontaminierten Nagetieren
    • Geht eine Nagetierart ein, müssen sich die kontaminierten Flöhe neue Wirte suchen, was zu Pestausbrüchen bei Menschen führen kann
    • Übertragung von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion
  • Klinik
    • Bubonenpest (sog. Beulenpest)
      • Inkubationszeit: 2-7 Tage
      • Klinik
        • Plötzlich hohes Fieber und starke Allgemeinsymptome
        • 1-2 Tage später entwickeln sich schmerzhafte Lymphknotenschwellungen (sog. Bubonen)
      • Verlauf: Letalität unbehandelt >50%, bei rascher Antibiotikagabe < 1-2%
    • Lungenpest
      • Primär durch Tröpfcheninfektion oder sekundär durch hämatogene Ausbreitung der Bubonenpest
      • Inkubationszeit: Wenige Stunden
      • Klinik: Hohes Fieber, Pneumonie, blutiger Auswurf, Dyspnoe
      • Verlauf: Letalität der primären Lungenpest fast 100%
  • Diagnostik: Kultureller Erregernachweis aus Sputum oder Lymphknotenaspirat
  • Therapie: Aminoglykoside oder Tetrazykline

Meditricks

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Q-Fieber

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2019

Bestimmte bakterielle Zoonosen (A20-A28)

Infektionen, die vorwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragen werden (A50-A64)

Rickettsiosen (A75-A79)

Virusinfektionen, die durch Haut- und Schleimhautläsionen gekennzeichnet sind (B00-B09)

Protozoenerkrankungen

  • B60.-: Sonstige Protozoenkrankheiten, anderenorts nicht klassifiziert
    • Exklusive: Intestinale Mikrosporidiose (A07.8), Isosporose (A07.3), Kryptosporidiose (A07.2)
    • B60.0: Babesiose
      • Piroplasmose
    • B60.1: Akanthamöbiasis
      • Keratokonjunktivitis durch Akanthamöben† (H19.2*), Konjunktivitis durch Akanthamöben† (H13.1*)
    • B60.2: Naegleriainfektion
      • Primäre Amöben-Meningoenzephalitis† (G05.2*)
    • B60.8: Sonstige näher bezeichnete Protozoenkrankheiten
      • Mikrosporidiose
  • B64: Nicht näher bezeichnete Protozoenkrankheit

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2019, DIMDI.