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Retinale Gefäßverschlüsse

Letzte Aktualisierung: 13.8.2021

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Retinale Gefäßverschlüsse umfassen arterielle und venöse Verschlüsse von Netzhautgefäßen.

Arterielle Verschlüsse (Zentralarterienverschluss, Arterienastverschluss) äußern sich durch einen plötzlichen, schmerzlosen und massiven Visusverlust im betroffenen Areal. Funduskopisch zeigt sich eine abgeblasste, ödematöse Netzhaut typischerweise mit einem „kirschroten Fleck“ im Bereich der Fovea. Therapieversuche sind meist ohne Erfolg, da es sehr schnell zur irreversiblen Schädigung der Netzhaut kommt, sodass insbesondere bei Makulabeteiligung die Prognose für die Sehfähigkeit sehr schlecht ist.

Da die Retina strenggenommen ein Teil des Gehirns ist und ihre arterielle Gefäßversorgung über die hirnversorgende A. carotis interna erfolgt, ist ein arterieller retinaler Gefäßverschluss als Sonderform des ischämischen Schlaganfalls zu werten. Sowohl die Akuttherapie (systemische Lysetherapie) als auch die Sekundärprophylaxe (Therapie zugrunde liegender Risikofaktoren) entspricht daher derjenigen des ischämischen Schlaganfalls.

Venöse Verschlüsse (Zentralvenenverschluss, Venenastverschluss) sind deutlich häufiger als arterielle Verschlüsse und zeigen oft einen weniger fulminanten Verlauf. Diagnostisch wegweisend ist die Funduskopie, wo sich streifige Einblutungen in der Retina zeigen. Im Verlauf ist die Fluoreszenzangiografie ein wichtiges Diagnostikum zur Unterscheidung in die ischämische und die nicht-ischämische Form. Prognostisch kann es zu dauerhaftem Visusverlust und bei der ischämischen Form zu einem Neovaskularisationsglaukom kommen, es kann aber auch eine Besserung der Sehfähigkeit auftreten.

Durchblutungsstörung der Retina aufgrund eines Verschlusses der A. centralis retinae (Zentralarterienverschluss) bzw. eines Arterienastes (Arterienastverschluss) oder aufgrund eines Verschlusses der V. centralis retinae (Zentralvenenverschluss) bzw. eines Venenastes (Venenastverschluss)

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Arterienverschluss

Venenverschluss

Arterienverschluss

  • Zentralarterienverschluss: Plötzliche einseitige, schmerzlose Erblindung (bzw. massiver Visusverlust, Lichtscheinwahrnehmung)
  • Arterienastverschlüsse: Plötzlich auftretende Skotome oder Visusreduktion im betroffenen Areal

Venenverschluss

  • Visusverschlechterung
  • Meist subakuter Beginn und chronischer Verlauf
  • Venenastverschlüsse können auch asymptomatisch verlaufen

Amaurosis fugax (lat.: flüchtige Blindheit)

Die Amaurosis fugax ist die TIA des Auges! Sie muss als Warnsignal betrachtet und bzgl. ihrer Ursachen gründlich abgeklärt werden!

Arterienverschluss

  • Ophthalmoskopie (beim Zentralarterienverschluss gesamte Netzhaut betroffen, beim Arterienastverschluss lokalisierte Veränderungen)
    • Grau-weiße Verfärbung der Retina durch Ödem der Nervenfaserschicht
    • Kirschroter Fleck in der Fovea centralis
    • Enggestellte Gefäße
  • Zusätzlich immer interdisziplinäre Abklärung ursächlicher Systemerkrankungen (insb. Doppler-Sonografie der Karotiden, Evaluation von kardiovaskulären Risikofaktoren)

Venenverschluss

  • Ophthalmoskopie
    • Zentralvenenverschluss: Streifen- oder punktförmige Blutung in allen vier Netzhautquadranten
    • Venenastverschluss: Streifen- oder punktförmige Blutung in den betroffenen Arealen
    • Cotton-Wool-Herde
    • Makulaödem
    • Papillenödem
  • Fluoreszenzangiografie (im Verlauf): Wichtig zur Unterscheidung von ischämischer und nicht-ischämischer Form

Arterienverschluss

Venenverschluss

Venenverschluss

Insbesondere bei der ischämischen Form kann es durch Netzhautischämie zur Ausschüttung von vasoproliferativen Substanzen (VEGF) kommen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Arterienverschluss

  • Zentralarterienverschluss: Hochgradiger Visusverlust (Fingerzählen, Lichtscheinwahrnehmung)
  • Arterienastverschluss: Visusverlust/Gesichtsfeldeinschränkung je nach Lokalisation der Ischämie

Venenverschluss

  • Visusprognose ist mäßig bis schlecht: Variation zwischen sehr guten Ergebnissen bis hin zur schmerzhaften Erblindung möglich (Drittel-Regel zur Prognose: Verbesserung des Visus vs. Visus bleibt konstant vs. Visusverschlechterung)
  • Insbesondere bei ischämischer Form schlechtere Prognose
  • H34.-: Netzhautgefäßverschluss
    • Exklusive: Amaurosis fugax (G45.3‑)
    • H34.0: Transitorischer arterieller retinaler Gefäßverschluss
    • H34.1: Verschluss der A. centralis retinae
    • H34.2: Sonstiger Verschluss retinaler Arterien
      • Arterieller retinaler Gefäßverschluss:
        • Arterienast
        • partiell
        • Hollenhorst-Plaques
        • Retinale Mikroembolie
    • H34.8: Sonstiger Netzhautgefäßverschluss
      • Venöser retinaler Gefäßverschluss:
        • Anfangsstadium
        • partiell
        • Venenast
        • zentral
    • H34.9: Netzhautgefäßverschluss, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Grehn: Augenheilkunde. 29. Auflage Springer 2005, ISBN: 3-540-25699-7 .
  2. Lang et al.: Augenheilkunde. 4. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-131-02834-1 .