• Klinik
  • Arzt

Proximale Femurfrakturen

Abstract

Proximale Femurfrakturen sind häufige Frakturen, insb. des älteren Menschen, und betreffen vermehrt Frauen nach der Menopause sowie Patienten mit Osteoporose. Nach Lokalisation unterscheidet man Femurkopf-, Oberschenkelhals- und pertrochantäre Frakturen. Eine Klassifikation kann nach Frakturform sowie nach Risiko einer Dislokation oder einer Perfusionsstörung erfolgen. Durch Niedrigrasanztraumen beim alten und Hochrasanztraumen beim jungen Patienten verursachte Verletzungen des proximalen Femurs äußern sich in der Regel sehr schmerzhaft. Eine Blickdiagnose, die Schmerzlokalisation und eine ausführliche Bildgebung erlauben eine Zuordnung zur jeweiligen Frakturform. Klinisch werden auch subtrochantäre Femurfrakturen häufig den proximalen Femurfrakturen zugeordnet, da sich Unfallmechanismen, Symptomatik und Therapie stark ähneln. Alter und Konstitution des Patienten, Frakturform sowie die Möglichkeit der femurkopferhaltenden Therapie entscheiden über das weitere Vorgehen, in den meisten Fällen ist eine operative Versorgung die therapeutische Option der Wahl. Proximale Femurfrakturen sind schwerwiegende Verletzungen mit hoher Letalitätsrate, daher sollte immer an mögliche Komplikationen wie bspw. eine tiefe Beinvenenthrombose, Infektionen, die Hüftkopfnekrose und posttraumatische Immobilität gedacht werden.

Anatomische Übersicht des proximalen Femur und Hüftgelenks

Wichtige anatomische Strukturen des proximalen Femurs und Hüftgelenks

Physikalische Größen

Die folgenden Größen spielen eine wichtige Rolle bei der Reposition von proximalen Femurfrakturen. Um eine bestmögliche posttraumatische Funktionalität und Beweglichkeit herzustellen, werden sie am gesunden Bein bestimmt und mit dem frakturierten Femur verglichen.

  • Anatomische Femurachse: Entspricht einer Längslinie durch den Corpus femoris
  • Mechanische Tragachse: Linie durch das Hüftkopfzentrum über die Mitte des Kniegelenks bis zur Sprunggelenksmitte
  • Antetorsionswinkel: Winkel zwischen den Querachsen des proximalen und distalen Femurendes (Schenkelhals und Kondylenebene)
  • Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel: Projizierter Übergangs-Winkel zwischen Collum und Korpus im Nativröntgen
  • Alignment-Index nach Garden: Parallele des medialen Trabekel des Hüftkopfes und der medialen Femurschaftkortikalis
    • Normwert: 165–170° in der a.p.-Projektion, 180° in der axialen Aufnahme

Einteilung der proximalen Femurfrakturen

Epidemiologie

  • Inzidenz: Häufige Fraktur des alten Menschen
    • >65 Jahre: 600–900/100.000/Jahr
  • Lebenszeitprävalenz: > (2:1)[1]
    • Bei Frauen liegt das Risiko, einmal im Leben eine proximale Femurfraktur zu erleiden, zwischen 11–23%
    • Bei Männern ist dieses Risiko deutlich geringer, es liegt bei ca. 5–11%
  • Lokalisation: ⅔ aller Femurfrakturen betreffen den proximalen Abschnitt

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Frakturmechanismus

  • Niedrigrasanz-Trauma: Häufigster Unfallmechanismus bei alten Menschen
    • Stolpersturz aus dem Stand
    • Sturz aus niedriger Höhe (Sitzen, Bett) auf die Hüfte
  • Hochrasanz-Trauma: Häufigster Unfallmechanismus bei jungen Menschen
  • Spontanfrakturen
    • Insuffizienzfraktur: Bei normaler Belastung eines geschwächten Knochens
      • Osteoporoseassoziiert: Hormonell bedingte Minderung der Knochendichte (insb. am proximalen Femurende)
      • Pathologische Frakturen
    • Ermüdungsfraktur (Stressfraktur): Wiederholte ungewohnte Belastung eines gesunden Knochens

Risikofaktoren

  • Intrinsisch
    • Osteoporose: Prädisposition insb. bei Frauen nach der Menopause
    • Myasthenien (Muskelschwächen)
    • Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen
    • Hohes Lebensalter
  • Extrinsisch
    • Häusliches Umfeld (bspw. Stolperfallen wie Teppichkanten, kleine Stufen)

Klassifikation

AO-Klassifikation der proximalen Femurfraktur [2]

Die AO-Klassifikation nach Müller (1990) ermöglicht eine Einordnung von Frakturen nach betroffenem Knochen, Knochenanteil und Komplexität der Fraktur.

Position Weitere Klassifizierung
31 - Proximale Femurfraktur
  • Lokalisation: 31A - Trochanterregion
  • Frakturform
    • 31A1 - Einfach, pertrochantär
    • 31A2 - Multifragmentär, pertrochantär
    • 31A3 - Intertrochantär
  • Lokalisation: 31B - Oberschenkelhalsfraktur
  • Frakturform
    • 31B1 - Subcapital
    • 31B2 - Transzervikal
    • 31B3 - Basiszervikal
  • Lokalisation: 31C - Femurkopffraktur
  • Frakturform
    • 31C1 - Abscherfraktur
    • 31C2 - Impressionsfraktur
32 - Femurschaftfraktur
  • Lokalisation
    • 32A - Einfache Fraktur
    • 32B - Keilfraktur
    • 32C - Multifragmentäre Fraktur
  • Frakturform
    • 32_11 - Spiralfraktur
    • 32_21 - Segmentfraktur
    • 32_31 - Irregulär

Weitere Klassifikationen der einzelnen Frakturformen

Pipkin-Klassifikation der Femurkopffraktur [3]

Typ Frakturform
Pipkin I Luxationsfraktur des Femurkopfes: Frakturlinie befindet sich unterhalb der Fovea capitis bzw. nicht in der Belastungszone (horizontale Fraktur)
Pipkin II Luxationsfraktur des Femurkopfes: Frakturlinie befindet sich oberhalb der Fovea capitis und damit in der Belastungszone (vertikale Fraktur)
Pipkin III Pipkin I- oder II-Fraktur in Kombination mit einer medialen Schenkelhalsfraktur
Pipkin IV Pipkin I- oder II-Fraktur in Kombination mit einer Azetabulumfraktur

Garden-Klassifikation der Oberschenkelhalsfraktur [4]

Die Garden-Klassifikation teilt die Oberschenkelhalsfraktur nach dem Risiko einer Perfusionsstörung des Femurkopfes ein. Je kleiner die Kontaktfläche der Frakturfragmente und je gröber die Dislokation einer Fraktur ist, desto größer ist das Risiko einer Perfusionsstörung und einer daraus resultierenden Femurkopfnekrose.

Typ Frakturform
Garden I

Inkomplette, subcapitale Abduktionsfraktur: Eingestaucht, Valgusstellung, nicht disloziert, Perfusion intakt

Garden II

Vollständige Fraktur ohne Dislokation: Keine Impaktierung, hintere Kapsel erhalten, Perfusion intakt

Garden III

Vollständige Fraktur mit teilweiser Dislokation: Mediale Kontaktfläche erhalten, Varusstellung, hintere Kapsel und Kortikalis potentiell verletzt, Perfusionsstörung

Garden IV

Vollständige Fraktur mit kompletter Dislokation: Kein Kontakt der Frakturfragmente, ungünstige Perfusionsprognose

Pauwels-Klassifikation der medialen Oberschenkelhalsfraktur [5]

Bei der Pauwels-Klassifikation erfolgt die Einteilung nach einem Winkel der Hauptfrakturlinie zur Horizontalen. Je größer der Winkel ist, desto höher ist das Risiko einer Dislokation und desto schlechter ist die Heilungstendenz einer Fraktur .

Typ Frakturform
Pauwels I Winkel <30°: Abduktionsfraktur in Valgusfehlstellung, günstige Heilungstendenz
Pauwels II Winkel 30–50°: Adduktionsfraktur in Varusfehlstellung, abnehmende Heilungstendenz
Pauwels III Winkel >50°: Abscherfraktur, schlechte Heilungstendenz

Evans-Jensen-Klassifikation der pertrochantären Femurfraktur [6]

Typ Frakturform
Typ 1 Nicht-dislozierte 2-Fragment-Fraktur
Typ 2 Dislozierte 2-Fragment-Fraktur
Typ 3 3-Fragment-Fraktur mit medialer Abstützung
Typ 4 3-Fragment-Fraktur ohne mediale Abstützung
Typ 5 4-Fragment-Fraktur

Klassifikation der periprothetischen Frakturen

Symptome/Klinik

Femurkopffraktur

Oberschenkelhalsfraktur und pertrochantäre Femurfraktur

  • Fehlstellung
    • Adduktionsfraktur: Außenrotation und Beinlängenverkürzung
    • Abduktionsfraktur: Einstauchung, oft keine bzw. geringe Beinfehlstellung
  • Schmerzen: Druck- und Klopfschmerz über dem Trochanter major, Ruheschmerz in Hüft- und Leistengegend
  • Bewegungseinschränkung

Subtrochantäre Fraktur

Sonderform: Spontanfrakturen

  • Gang- und Standfähigkeit häufig erhalten, keine sichtbare Fehlstellung
  • Schmerzen in der Leistengegend, ggf. auch nur Schmerzausstrahlung in die Innenseite des Kniegelenks

Präklinisches Management

Vorgehen in der Notaufnahme

Ziel ist eine möglichst schnelle operative Versorgung proximaler Femurfrakturen. Das Notaufnahme-Assessment sollte innerhalb von 3 h nach Aufnahme abgeschlossen sein!

Diagnostik

Anamnese

Körperliche Untersuchung

  • Inspektion
    • Blickdiagnose: Sichtbare Fehlstellung und Beinlängendifferenz
    • Kontusionsmale: Prellmarken, Hämatome
    • Zustand der Derma: Ulzera, Dekubiti
  • Palpation
  • Funktionsuntersuchung
    • Bewegungs- und axialer Stauchungsschmerz
    • Rotationsschmerz
    • Keine aktive Hebung oder Streckung des Beines möglich, Gang- und Standunfähigkeit
    • Bei Spontan- und nicht-dislozierten Frakturen: Belastungsschmerz in Leiste und/oder Knie
    • Für weitere Informationen siehe: Orthopädische Untersuchung der Hüfte

Bei Spontan- und nicht-dislozierten proximalen Femurfrakturen sind manche Patienten noch gehfähig! Gang- und Standfähigkeit sind somit keine Ausschlusskriterien für eine Fraktur!

Bildgebung

Labordiagnostik

Fakultative Diagnostik

  • MRT: Zur Beurteilung der Femurkopfperfusion oder bei Verdacht auf Bone Bruise-Verletzungen
  • Sonographie: Zum Ausschluss bzw. zur Beurteilung eines intrakapsulären Hämatoms (insb. bei Kindern und jungen Erwachsenen wichtig, da hier möglichst Femurkopf-erhaltend therapiert werden sollte)

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Allgemeines Therapieziel

  • Sicherung der Vitalität
  • Erhalt und Wiederherstellung der prätraumatischen Lebensqualität
  • Vermeidung von Komplikationen und Minimierung posttraumatischer funktioneller Einschränkungen

Entscheidungskriterien zur Therapiewahl

  • Minimale Invasivität bei maximaler Stabilität und Sicherheit
  • Bestmögliche Wiederherstellung der Anatomie, Beweglichkeit und Belastbarkeit des betroffenen Beines

Therapieverfahren

Konservative Therapie der proximalen Femurfraktur

  • Indikation
  • Verfahren
    • Mobilisation nach Frakturform
    • Adäquate Schmerztherapie
    • Interventionelle und medikamentöse Thrombose- und Pneumonieprophylaxe
    • Lagerungs- und Dekubitusprophylaxe
    • Hüftgelenkpunktion: Kann bei bestehendem intrakapsulären Hämatom zum Schutz der Femurkopfperfusion erwogen werden

Operative Therapie der proximalen Femurfraktur: Therapeutische Option der Wahl

Zeitpunkt

  • Dringlicher Eingriff (<24 h): Möglichst frühzeitiger Operationszeitpunkt
  • Bei Erhalt des Femurkopfes: Signifikanter Anstieg des Femurkopfnekrose-Risikos bei späterem Operationszeitpunkt

Operative Verfahren bei proximaler Femurfraktur

Hüftkopferhaltende Osteosynthese Indikation und Anwendung
Allgemein
  • Junges biologisches Alter
  • Hohes Aktivitätsniveau und gute Knochenqualität
  • Eingestauchte, nicht-dislozierte Fraktur
  • Frische Fraktur (<24 h)
  • Multimorbider, immobiler Patient
Extramedulläre Verfahren
  • Dynamische Kondylenschraube (DCS)
  • Proximal lokalisierte, rein subtrochantäre Frakturen (als Überbrückungsosteosynthese)
  • Gute Knochenqualität
Intramedulläre Verfahren
  • Proximaler Femurmarknagel (PFN)
  • γ-Nagel
Gelenkersatz Indikation und Anwendung
Allgemein
  • Hohes biologisches Alter
  • Grobe Dislokation
  • Erhöhtes Risiko einer Femurkopfnekrose und Pseudoarthrose
  • Schenkelhalsfraktur
  • Trochantäre, osteoporotische Trümmerfrakturen
Hemiprothese
  • Lebenserwartung <5 Jahre
  • Geringer funktioneller Anspruch
Totalendoprothese
  • Zementiert
  • Zementfrei

Nachsorge bei proximaler Femurfraktur

Medikamentöse Maßnahmen

Bildgebung

  • Bei konservativer Therapie: Engmaschige Röntgenkontrollen zur frühzeitigen Detektion einer Dislokation
  • Bei operativer Therapie: Stabilitätsprüfung und Stellungskontrolle direkt nach OP-Ende , Röntgenkontrolle nach Mobilisation und vor Entlassung

Allgemeine Maßnahmen

  • Frühzeitige Mobilisation unter physiotherapeutischer Anleitung (möglichst innerhalb von 24 h)
    • Atemtherapie und Gangschule
    • Vollbelastung bei Gelenkersatz, intramedullärer Osteosynthese und i.d.R. auch bei DHS möglich
    • Kontakt- oder Teilbelastung bei extramedullärer Osteosynthese, erhöhtem Femurkopfnekrose-Risiko oder Schaftsprengung
    • Vermeidung forcierter Adduktionsbewegungen bei Gelenkersatz
  • Wund- und Laborkontrollen
  • Rehamaßnahmen einleiten
    • Junger, fitter Patient: Ambulante Reha
    • Älterer Patient mit erhöhtem Pflegebedarf: Stationäre Reha
    • Demente, multimorbide Patienten: Eher auf Rehamaßnahme verzichten, frühzeitige Rückkehr in gewohntes Umfeld anstreben
  • Osteoporosediagnostik und Therapieeinleitung bei Bedarf

Therapie der Femurkopffraktur

Therapieziel

  • Anatomische Reposition und Erhalt des Femurkopfes unter Sicherung der arteriellen Perfusion

Prozedere nach Frakturform

  • Pipkin I: Primär konservativer Therapieversuch
    • Geschlossene Reposition der HüftgelenksluxationCT-Kontrolle
      • Bei anatomischer Lage des Kopffragments: Schmerzadaptierte Aufbelastung
      • Bei nicht-anatomischer Lage des Kopffragments oder nicht-konzentrischer Lage des Femurkopfes in der Gelenkpfanne: Operative Reposition
  • Pipkin II: Primär konservativer Therapieversuch
    • Geschlossene Reposition der HüftgelenksluxationCT-Kontrolle
      • Bei anatomischer Lage des Kopffragments: Frühfunktionelle Mobilisation mit 8 Wochen Entlastung
      • Bei nicht-anatomischer Lage des Kopffragments oder nicht-konzentrischer Lage des Femurkopfes in der Gelenkpfanne: Operative Verschraubung großer Fragmente mit Kleinfragment-Zugschrauben (subchondral versenkt)
  • Pipkin III: Operative Versorgung der Femurkopf- und Schenkelhalsfraktur
  • Pipkin IV: Meist operative Versorgung von Azetabulum- und Femurkopffraktur
  • Impressionsfrakturen: Ggf. operative Anhebung der Gelenkfläche und Spongiosaunterfütterung

Spezifische Nachsorge

  • Postoperatives CT zum Ausschluss intraartikulärer Fragmente und Stellungskontrolle
  • Durchführung eines MRT im Verlauf zur Perfusions- und Stellungskontrolle

Therapie der Oberschenkelhalsfraktur

Therapieziel

Therapieverfahren [7]

Bei Schenkelhalsfrakturen sollte i.d.R. eine operative Versorgung angestrebt werden.

Konservative Therapie der Oberschenkelhalsfraktur

  • Indikation
    • Hochrisikopatient: Multimorbider, inoperabler Patient
    • Allgemeine und lokale Kontraindikation für eine operative Versorgung
    • Impaktierte, eingestauchte Frakturen ohne Dislokation (CAVE: Hohes Risiko der sekundären Dislokation!)
  • Prozedere
    • Adäquate Schmerztherapie
    • Interventionelle und medikamentöse Thrombose- und Pneumonieprophylaxe
    • Lagerungs- und Dekubitusprophylaxe
    • Schmerzabhängige Mobilisation: Entlastung für mind. 5 Wochen bei Schenkelhalsfraktur und mind. 8–12 Wochen bei Femurkopffraktur, anschließende Aufbelastung unter physiotherapeutischer Betreuung
    • Ggf. sekundäre operative Versorgung bei Besserung des Allgemeinzustandes und Wiedererlangen der OP-Fähigkeit

Operative Therapie der Oberschenkelhalsfraktur

Vorbereitung

  • Entnahme von Kreuzblut und Bereitstellung von Erythrozytenkonzentraten
  • Lagerung des Patienten auf Normal- oder Extensionstisch
  • Präoperative Reposition unter Bildwandlerkontrolle

Hüftkopferhaltende Osteosynthese

  • Indikation
    • Junges biologisches Alter
    • Frische Fraktur (<24 h)
    • Hohes Aktivitätsniveau
    • Gute Knochenstruktur, großes Kopf-Hals-Fragment und gute Reponierbarkeit der Fraktur
    • Multimorbider, bettlägeriger Patient
  • Zugang: Über das Tuberculum innominatum
  • Verfahren
    • Extramedullär
    • Intramedullär
      • Proximaler Femurmarknagel (PFN) und γ-Nagel

Endoprothetischer Gelenkersatz

  • Indikation
    • Hohes biologisches Alter
    • Niedriges Aktivitätsniveau
    • Geminderte Knochenstruktur (Osteoporose, -penie, -dysthrophie)
    • Ausgeprägte Koxarthrose
    • Pathologische oder nicht reponierbare Fraktur
    • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Zugang
    • Anterolateral nach Watson-Jones
    • Transmuskulär nach Bauer
    • Selten: Posteriorer Zugang nach Watson-Langenbeck
    • Selten: Minimalinvasiv
  • Verfahren
    • Duokopfprothese
      • Vorteil: Kleinerer Eingriff, geringere Destruktion von Knochen- und Knorpelgewebe, niedrigere Luxationsraten
      • Nachteil: Langfristig schlechtere funktionelle Ergebnisse als Totalendoprothesen
    • Totalendoprothese (TEP)
      • Vorteil: Generell geringere Revisionsraten als Hemiprothesen, bei zementierter TEP: Lange Standzeiten , bei zementfreier TEP: Geringere Knochendestruktion
      • Nachteil: Großer operativer Eingriff, längere OP-Dauer

Eindeutige Indikation für eine Prothese sind die 6 P`s: M. Paget, M. Parkinson, pathologische Fraktur, Plegie, Polyarthritis und ausgeprägte (Osteo‑)Porose!

Therapie der pertrochantären Femurfraktur

Therapieziel

  • Anatomische Reposition und Wiederherstellung der prätraumatischen Funktionalität

Verfahren [8]

Konservative Therapie

  • Extensionstherapie
  • Medikamentöse Schmerztherapie
  • Physiotherapeutische, schmerzabhängige Mobilisierung unter Vermeidung von Rotationsbewegungen
  • Ggf. sekundäre operative Versorgung anstreben

Operative Therapie

Therapie der subtrochantären Femurfraktur

Therapieziel

  • Anatomische Reposition und Wiederherstellung der prätraumatischen Funktionalität

Verfahren [9]

Konservative Therapie

  • Extensionstherapie über 3–4 Monate
  • Medikamentöse Schmerztherapie
  • Bettruhe

Operative Therapie

  • Intramedulläre Verfahren: Verfahren der 1. Wahl
    • Implantate: γ-Nagel und proximaler Femurnagel (PFN)
  • Extramedulläre Verfahren
    • Bei intakter Trochanterregion: 95°-Kondylenplatte (ggf. mit Spongiosaplastik) oder dynamische Kondylenschraube (DCS)
    • Bei frakturierter Trochanterregion: Dynamische Hüftschraube (DHS)

Spezifische Schwierigkeiten und Komplikationen

  • Konservative Therapie
    • Muskelzug des M. psoas, Mm. gluteus maximus und medius verhindern oft achsgerechte Fraktureinstellung
    • Sekundärdislokation
  • Operative Therapie
    • Chirurgisch anspruchsvolle Frakturen: Hohe Instabilität, schwierige Reposition und Retention
    • Hoher Blutverlust

Komplikationen

Allgemeine Komplikationen

  • Akutkomplikationen
  • Langzeitkomplikationen
    • Sekundäre Frakturdislokation
    • Pseudarthrose (15%)
    • Posttraumatische Arthrose
    • Avaskuläre Femurkopfnekrose(20%): Risiko für eine Perfusionsstörung steigt mit zunehmendem Patientenalter und Ausmaß der Frakturdislokation
    • Beinlängenverkürzung
    • Verminderte posttraumatische Mobilität und Funktionalität

Peri- und postoperative Komplikationen

  • Wundinfekt nach Frakturversorgung
    • Bei klinisch hohem Verdacht: Zeitnahe operative Revision und Spülung sowie Erregernachweis aus operativ gewonnenem Material
    • Antibiotikatherapie über mehrere Wochen
  • Implantatversagen oder -lockerung
  • Periartikuläre Ossifikationen
  • Verfahrensspezifische Risiken
    • Intramedulläre Verfahren und Gelenkersatz: Schaftsprengung
    • Dynamische Hüftschraube (DHS): “Cutting-out” der Schraube , insb. bei osteoporotisch veränderten Knochen
    • Intramedulläre Nagelung: Fettembolie, Drehfehler und Stressfraktur des Femurschaftes
    • Prothese: Postoperative Luxation , intraoperative Fissuren/Frakturen (insb. bei zementfreien Prothesen)

Bei älteren Patienten ist eine proximale Femurfraktur häufig ein einschneidendes Ereignis: Es kann zu Immobilität, Bettlägerigkeit und dem Verlust der Selbstständigkeit kommen!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

Prävention

Evaluation des Sturzrisikos

  • Tinetti-Test: Beurteilung des Sturzrisikos anhand eines Gleichgewichts- und Gehtests
  • „Timed Up and Go“-Test: Beurteilung der Gehfähigkeit → Es wird die Zeit gemessen, die der Patient benötigt, um aus einem Stuhl mit Armlehne aufzustehen, drei Meter weit zu laufen, sich umzudrehen, zurückzulaufen und sich wieder hinzusetzen[10]
    • <10 Sekunden: Normal
    • 10–19 Sekunden: Leichte Bewegungseinschränkung
    • 20–29 Sekunden: Deutliche alltagsrelevante Bewegungs- und Mobilitätseinschränkung
    • >30 Sekunden: Schwere Bewegungseinschränkung

Maßnahmen

  • Allgemeine Präventionsmaßnahmen
    • Sturztraining
    • Physiotherapie: Aufbau von Muskelmasse, Kraft und Gleichgewichtsgefühl durch gezielte Trainingsprogramme
    • Anpassung des häuslichen Umfeldes (u.a. Entfernen von Stolperfallen, ebenerdige Wohnlage)
    • Geeignetes Schuhwerk, Anpassen von Sehhilfen [7]
    • Tragen von Protektoren bei Sturzgefahr (insb. bei gleichzeitigem Vorliegen von Osteoporose)
  • Medikamentöse Prophylaxe
    • Sekundärprophylaxe und Therapie einer bestehenden Osteoporose
    • Abklärung und Behandlung von kardialen und zerebralen Sturzrisiken (bspw. medikamentöse oder interventionelle Therapie von Schwindel)

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.