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Plötzlicher Säuglingstod

Letzte Aktualisierung: 12.10.2021

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Der plötzliche Säuglingstod tritt unvermittelt aus völliger Gesundheit heraus auf und ist meist Folge eines hypoxischen Ereignisses. Ätiologisch wird u.a. eine genetisch bedingte Vulnerabilität der Hirnstammareale auf neuronaler Ebene angenommen. Diese haben Einfluss auf wichtige Kerne mit lebenserhaltenden Funktionen wie Atemantrieb und Atemwegsreflexe. Eltern werden bei der U2-Untersuchung von ihrem Kinderarzt über mögliche Triggerfaktoren aufgeklärt, die auf die Vulnerabilität einwirken. Hierzu zählen z.B. das Schlafen in Bauchlage oder Umwelteinflüsse wie Überwärmung und Nikotinexposition. Differenzialdiagnostisch sollte post mortem eine Autopsie erfolgen, um morphologische Ursachen oder gar ein Battered-Child-Syndrom auszuschließen.

Beim plötzlichen Säuglingstod (SIDS) versterben Säuglinge und Kleinkinder unerwartet. Voraussetzung ist, dass keine nachweisbare Todesursache trotz ausführlicher rechtsmedizinischer Untersuchung gefunden wird.

  • Häufigkeitsgipfel zwischen dem 2. und 6. Lebensmonat, seltene Fälle des frühen SIDS in den ersten Lebenstagen
  • Geschlecht: >

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Multifaktoriell, nicht abschließend geklärt
    • Ein Großteil der Kinder, die an einem SIDS versterben, zeigen sowohl biochemische als auch strukturell anatomische Anzeichen eines hypoxischen Ereignisses bzw. einer chronisch geringgradigen Hypoxie
    • Angenommen wird eine genetisch bedingte Vulnerabilität auf neuronaler Ebene (morphologisches/biochemisches Defizit von 5-HT-Neuronen (Serotonin)) im Bereich des Hirnstamms mit Einfluss auf Atemantrieb, Erwachen, Blutdruck, obere Atemwegsreflexe und Körpertemperatur

Risikofaktoren (Triggerfaktoren)

  • Bauchlage
  • Nikotinexposition
  • Überwärmung
  • Unsichere Schlafumgebung
  • Viele weitere Korrelationen: Plötzlicher Kindstod bei Geschwistern, ehemalige Frühgeborene, junge Mutter (Teenager-Alter), niedriger sozialer Status etc.

Über 90% der plötzlichen Kindstodfälle ereignen sich im Schlaf!

Kinder, die an einem SIDS versterben, sollten nach Möglichkeit autopsiert werden.

  • Wichtige Differenzialdiagnosen

Generell müssen alle akut auftretenden Erkrankungen mit möglicher Todesfolge differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Empfehlungen zur Prävention des plötzlichen Säuglingstodes gelten für das gesamte erste Lebensjahr [1][2].

Für ausführliche Empfehlungen zur SIDS-Prävention siehe auch: SIDS-Prophylaxe

  • Schlafen im eigenen Bettchen im Elternschlafzimmer [3]
  • Keine weichen Objekte im Babybett, Schlafsack statt Bettdecke
  • Kind zum Schlafen in Rückenlage positionieren
  • Rauchfreie Schlafumgebung
  • Stillen ist protektiv (idealerweise ausschließliches Stillen in den ersten 4–6 Lebensmonaten)
  • Zeitgerechtes Impfen
  • R95.-: Plötzlicher Kindstod
    • Inklusive: Sudden infant death syndrome [SIDS]
    • R95.0: Plötzlicher Kindstod mit Angabe einer Obduktion
    • R95.9: Plötzlicher Kindstod ohne Angabe einer Obduktion
      • Plötzlicher Kindstod o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. American Academy of Pediatrics (AAP) Task Force on Sudden Infant Death Syndrome: SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2016 Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment In: Pediatrics. Band: 138, Nummer: 5, 2016, doi: 10.1542/peds.2016-2938 . | Open in Read by QxMD .
  2. Prävention des Plötzlichen Säuglingstods (SIDS, Sudden infant death syndrome). Stand: 30. September 2017. Abgerufen am: 10. September 2020.
  3. Bedsharing und plötzlicher Kindstod: Aktuelle Empfehlungen. Stand: 26. November 2013. Abgerufen am: 31. Oktober 2019.
  4. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  5. Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. 2. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 978-3-437-43200-2 .
  6. Koletzko: Pädiatrie. 13. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48632-9 .
  7. Kliegman et al.: Nelson Textbook of Pediatrics. 19. Auflage Elsevier 2011, ISBN: 978-1-437-70755-7 .