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Phytotherapeutika

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

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Phytotherapeutika sind aus Pflanzen zubereitete Arzneimittel, die keine synthetischen Substanzen enthalten. Sie können als die ursprünglichsten Medikamente angesehen werden, da sie schon im Altertum Verwendung fanden. Beispiele für erfolgreiche, synthetisch hergestellte Medikamente, die ihren Wirkstoff der Pflanzenwelt verdanken, sind Morphin (aus der Mohnpflanze) und Digoxin (aus dem Fingerhut). Diese beiden Medikamente haben neben den erwünschten Wirkungen natürlich wie jedes Medikament auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen, woraus sich ableiten lässt, dass die Behauptung "pflanzliche Medikamente seien nicht giftig und können nie schaden" nicht korrekt ist und sogar gefährlich sein kann. So wurde das Anxiolytikum Kava-Kava-Wurzel in Deutschland wegen potentieller Lebertoxizität vom Markt genommen. Ein anderes Beispiel ist Johanniskraut, das bei Depressionen eingesetzt wird. Es kann durch Enzyminduktion (induziert CYP 3A4) zu gefährlichen Konzentrationsänderungen anderer Medikamente wie Phenprocoumon und Kontrazeptiva führen, weswegen die Komedikation immer auf potentielle Interaktionen geprüft werden muss.

Ein Problem der Phytotherapie ergibt sich aus der Tatsache, dass der Wirkstoffgehalt in Abhängigkeit von Wetter- und anderen Wachstumsbedingungen sehr unterschiedlich sein kann. Weiterhin muss man, gemessen an dem Qualitätskriterium einer evidenzbasierten Medizin, anmerken, dass bei manchen beliebten Phytotherapeutika wie Ginkgo bisher kein therapeutischer Nutzen nachgewiesen werden konnte. Einige Phytotherapeutika zeigten in Studien eine Verbesserung der Stimmungslage und eine Linderung der Beschwerden, so dass der zusätzliche Einsatz in der medikamentösen Behandlung empfohlen werden kann.

  • Afrikanische Teufelskrallenwurzel: Bei muskuloskelettalen und arthritisch-degenerativen Erkrankungen; zudem antiphlogistisch wirksam
  • Arnikablüten: Bspw. bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden
  • Weidenrinde: Enthält Salicinderivate; Salicin wird zu Salicylsäure (Grundstoff von Acetylsalicylsäure)
  • Pfefferminzöl: Aufgrund seiner kühlenden Wirkung u.a. eingesetzt bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen
  • Mistel
    • Häufig alternativmedizinisch eingesetztes Medikament
    • Einsatz bei der Krebstherapie: Supportiv zur Chemotherapie oder Radiatio
    • Studienlage zeigt bislang keinen eindeutigen Vorteil hinsichtlich Überleben, aber eine Verbesserung der Stimmungslage und Lebensqualität
  • Purpursonnenhutkraut (Echinaceae purpureae herba)
    • Wirkung: Unspezifische Stimulation des Immunsystems
    • Verwendung: Erkältungskrankheiten
  • Adstringens: Auf der Haut aufgetragen wirken diese Mittel austrocknend, blutstillend und entzündungshemmend (siehe auch unter "Dermatologisch")
    • Inhaltsstoffe: Hauptbestandteil sind Gerbstoffe
    • Präparate (mit adstringierender und antimikrobieller Wirkung)
      • Ratanhiawurzel: Einsatz v.a. bei Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut
      • Eichenrinde
      • Tormentillwurzelstock: Bei leichteren Schleimhautentzündungen in Mund und Rachen (auch bei unspezifischem Durchfall, siehe "Gastrointestinal")
      • Zaubernuss
    • Indikationen
      • Leichte Blutungen
      • Leichte Entzündungen
      • Leichte dermatologische Krankheitsbilder
  • Antitussiva: Hustenstillende Mittel
    • Eibischwurzel
    • Huflattich: Von der Verwendung wird abgeraten, da eine kanzerogene Wirkung angenommen wird
  • Expektoranzien: Mittel zur Förderung des Bronchialsekrets
    • Kiefernsprosse
    • Anisöl
    • Latschenkieferöl
    • Eukalyptusöl
      • CAVE: Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es aufgrund der Reizung der Atemwege zum Glottiskrampf mit Atemlähmung kommen
    • Terpentinöl (Fichtennadel)
    • Lavendelblütenöl
    • Koniferenöl
    • Efeublätter z.B. Prospan®
    • Thymiankraut z.B. Bronchicum®
  • Weitere Substanzen
    • Bischofskraut (Ammi visnaga): Spasmolytische Wirkung bei Asthma bronchiale
    • Menthol: Nach Pfefferminze riechender Stoff mit schmerzlindernder und kühlender Wirkung
    • Heublume: Durchblutungsfördernd und spasmolytisch (CAVE: Kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu Atemstillstand führen!)
    • Kamillenblüten: Antiphlogistische und spasmolytische Wirkung

Blähungen

Karminativum: Phytotherapeutisches Mittel gegen Blähungen

  • Kümmel
  • Anis
  • Pfefferminze
  • Kamille

Obstipation

Laxans: Mittel zur Beschleunigung der Stuhlentleerung, häufig handelt es sich beim Wirkstoff um Anthrachinonderivate

Appetitanreger

  • Chinarinde
  • Wermutkraut
  • Enzianwurzel
  • Condurangorinde
  • Ingwerwurzelstock

Diarrhöen

  • Karottensuppe nach Moro (Oligogalakturonide binden pathogene Keime)
  • Heidelbeeren
  • Brombeerblätter
  • Tormentillwurzelstock
  • Uzarawurzel
  • Schlafmohn: Enthält Morphium, das neben analgetischen Effekten auch eine darmlähmende und somit Diarrhö-lindernde Wirkung aufweist

Weitere Medikamente

  1. Risikobewertungsverfahren: Schöllkrauthaltige Arzneimittel zur innerlichen Anwendung. Stand: 5. Oktober 2018. Abgerufen am: 7. November 2018.
  2. Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5 .
  3. Wehling (Hrsg.): Klinische Pharmakologie. 1. Auflage Thieme 2005, ISBN: 3-131-26821-2 .
  4. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .