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Photodermatosen

Letzte Aktualisierung: 27.8.2019

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Photodermatosen sind Erkrankungen, bei denen infolge einer Lichteinwirkung Hautveränderungen entstehen. Die häufigste Entität stellt dabei die polymorphe Lichtdermatose dar, bei der es vor allem bei der ersten UVA-Exposition nach den Wintermonaten zu Hautveränderungen kommt. Diese variieren dabei von Patient zu Patient und sind durch eine spontane Abheilung gekennzeichnet, weshalb die Therapie vor allem aus der Vermeidung von UVA-Bestrahlung besteht. Weiterhin können phototoxische Substanzen (z.B. bei Wiesengräserdermatitis) die Lichtsensibilität erhöhen.

Auch die Dermatitis solaris („Sonnenbrand“) wird zumeist zu den Photodermatosen gezählt (akute Photodermatose). Diese entzündliche Reaktion der Haut kann nach übermäßiger UV-Exposition prinzipiell jeden Menschen betreffen.

  • Definition: Stark juckende, individuell unterschiedliche („polymorphe“) Hautveränderung nach UV-Exposition (umgangssprachlich auch als „Sonnenallergie“ bezeichnet)
  • Epidemiologie: Häufigste Dermatose
  • Ätiologie: Unbekannt
  • Pathogenese
    • Hautreaktion ähnelt histomorphologisch einer allergischen Reaktion vom Spättyp
    • Reaktion erfolgt vermutlich auf Autoantigene, welche bei UV-Belastung entstehen (v.a. UVA, seltener UVB)
  • Klinik
    • Typischerweise Auftreten mehrere Stunden bis Tage im Anschluss an erste UVA-Exposition nach den Wintermonaten
    • Hautveränderungen
      • Z.B. fleckige Erytheme, darauf Papeln, Plaques, Papulovesikel oder Bullae; starker Juckreiz ist typisch
      • Vielfältige Hauteffloreszenzen von Patient zu Patient variierend möglich
    • Ohne weitere Sonnenexposition: Heilung innerhalb etwa einer Woche
  • Diagnostik
    • Typische Anamnese
    • Testbestrahlung mit UVA möglich
  • Therapie
    • Vermeidung von UVA-Bestrahlung
    • Bei Sonnenexposition: Konsequenter Lichtschutz, Kombination eines UV-Filters mit einem Antioxidans (α-Glucosylrutin)
    • Lichtgewöhnung (4–6 Wochen vor stärkerer UV-Exposition)
      • Langsam ansteigende Ganzkörperbestrahlung mit UVB, eventuell systemische Therapie mit PUVA in schweren Fällen
    • Lokale Glucocorticoide zur Behandlung frischer Hautveränderungen
    • Evtl. Antihistaminika zur Juckreizlinderung

Direkter Hautkontakt mit Photosensibilisatoren bei gleichzeitiger Sonnenexposition

Wiesengräserdermatitis (Dermatitis pratensis)

  • Kurzbeschreibung: Durch Pflanzenbestandteile und anschließende UVA-Bestrahlung kommt es zur Dermatitis mit Hyperpigmentierung
  • Epidemiologie: Auftreten von Frühsommer bis Herbst
  • Ätiologie: Aus der Pflanze stammender Photosensibilisator bewirkt nach Hautkontakt und UVA-Bestrahlung eine phototoxische Hautreaktion
  • Klinik
    • Lokalisation: Meist an Extremitäten, da Sonnenexposition notwendig
    • Effloreszenz
      • Streifige oder netzartige Effloreszenz, dem Kontakt mit der Pflanze entsprechend
      • 24–48h nach Kontakt Rötung, Blasenbildung mit Maximum nach 3 Tagen
      • Nach 2–4 Wochen Abheilen unter Hyperpigmentierung, die monatelang bleibt
    • Juckreiz, brennender Schmerz

Berloque-Dermatitis (Photodermatitis pigmentaria):

  • Auftreten bei schwacher Lichtexposition und (Bergamottöl enthaltender) Duftstoffanwendung
  • Direkter Übergang zu Hyperpigmentierung ohne vorhergehende entzündliche Phase
  • Kurzbeschreibung: Eine spezifische Substanz (Photoallergen) löst in Kombination mit UV-A-Strahlung nach vorheriger Sensibilisierung eine allergische Reaktion aus
  • Ätiologie
    • T-Zell-vermittelte Immunreaktion vom Spättyp nach spezifischer Sensibilisierung gegen Photoallergen durch epikutanen oder oralen Kontakt
    • Mögliche Photoallergene: Duftstoffe, Bestandteile von Sonnenschutzpräparaten, Konservierungsstoffe, Medikamente
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Ausführliche Anamnese
    • Belichteter Epikutantest = Photopatchtest
  • Therapie
    • Meidung des spezifischen Photoallergens
    • Lichtschutz durch Kleidung und/oder Sonnenschutzmittel
    • Im akuten Stadium: Topische Glucocorticoide
  • Kurzbeschreibung: Sehr seltene Photodermatose, die mit Ausbildung pockenähnlicher Hautveränderung einhergeht
  • Epidemiologie: Meist Kinder betroffen
  • Klinik: Livid-rötliches Erythem, darauf seröse oder hämorrhagische Blasen, sekundäre Vernarbung
  • Kurzbeschreibung: Photoallergische Kontaktdermatitis, die auch unter Lichtkarenz persistiert
  • Ätiologie: Kann auf dem Boden einer chronifizierenden photoallergischen Dermatitis entstehen
  • Klinik
    • Schweres, persistierendes Ekzem mit deutlicher Lichenifikation, verdickter Haut, Juckreiz, Schuppung und Erosionen
    • Ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber sichtbarem Licht, UVA und UVB
  • Definition: Akute Entzündungsreaktion der Haut nach einer Exposition gegenüber UV-Strahlung (Sonnenstrahlen oder künstliche UV-Strahlung), die auf den Ort der Einstrahlung begrenzt ist. Häufig wird die Dermatitis solaris auch als Verbrennung ersten bis zweiten Grades klassifiziert.
  • Epidemiologie: Insbesondere hellhäutige Menschen (Hauttypen I und II ) betroffen
  • Ätiologie: Übermäßige Exposition gegenüber UVB-Strahlen (Wellenlänge 280–320 nm)
  • Pathogenese: UV-Strahlung → Schädigung der Epidermis → Freisetzung von Entzündungsmediatoren (u.a. Chemokine, Prostaglandine) → Stunden nach UV-Exposition zusätzlich Entzündung der Dermis
  • Klinik
    • Streng auf die exponierten Areale begrenzt
    • Zunächst Pruritus und Schmerzen, dann Rötung und Schwellung
    • Beginn 6–8 h nach Exposition, Maximum nach 12–24 h, Abklingen meist innerhalb einer Woche
    • Bei schwerem Sonnenbrand zusätzlich Blasenbildung, bei großer Ausdehnung Allgemeinsymptome wie Fieber
  • Therapie
    • Allgemein: Feuchte Umschläge und kühlende Externa
    • Schwerer Sonnenbrand oder große Ausdehnung: Systemische NSAR (z.B. Diclofenac), ggf. feuchte Umschläge mit antiseptischen Zusätzen
  • Prognose
    • Leichter Sonnenbrand: Übergang in Hyperpigmentierung
    • Schwerer Sonnenbrand mit Blasenbildung: Bildung depigmentierter Narben möglich
  • Prophylaxe: Sonnenschutz

Ein schwerer Sonnenbrand mit Blasenbildung (entsprechend einer Verbrennung 2. Grades), der über 10% der Körperoberfläche bei Erwachsenen (bei Kindern bereits ab 5%) betrifft, kann zu einem Kapillarleck und somit zu einem Volumenmangelschock führen!

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Moll, Jung: Duale Reihe Dermatologie. 6. Auflage Thieme 2005, ISBN: 978-3-131-26686-6 .
  2. Braun-Falco et al.: Dermatologie und Venerologie. 5. Auflage Springer 2005, ISBN: 978-3-540-26624-2 .