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Persönlichkeitsstörungen

Letzte Aktualisierung: 30.8.2022

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Bei Persönlichkeitsstörungen weichen Verhaltens- und Erlebensmuster deutlich von den gesellschaftlich erwarteten und akzeptierten Normen ab und führen zu subjektivem Leidensdruck und/oder Beeinträchtigungen im sozialen Umfeld. Erste Symptome zeigen sich i.d.R. im Kindes- und Jugendalter und manifestieren sich im Erwachsenenalter. Persönlichkeitsstörungen sind am ehesten multifaktoriell bedingt und unterliegen dem Einfluss erblicher, biologischer und psychosozialer Faktoren. Betroffene weisen eine hohe Komorbidität mit weiteren Persönlichkeitsstörungen sowie anderen psychischen Erkrankungen auf (bspw. Substanzmissbrauch/-abhängigkeit, Depression, Angststörungen). Therapeutisch steht die Psychotherapie im Vordergrund, während Medikamente nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die diagnostische Einteilung nach ICD-10 verfolgt einen kategorialen Ansatz und unterscheidet mehrere spezifische Persönlichkeitsstörungen (bspw. histrionische und paranoide Persönlichkeitsstörung), wobei von einer hohen zeitlichen Stabilität der Störungen ausgegangen wird. Neueren Studienergebnissen zufolge sind Persönlichkeitsstörungen jedoch zeitlich weniger stabil, als es die ICD-10 nahelegt.

Nach ICD-11 wird sich die Klassifikation der Persönlichkeitsstörungen maßgeblich ändern: Mit Ausnahme der Borderline-Persönlichkeitsstörung wird die kategoriale Typenzuordnung zugunsten eines dimensionalen Ansatzes aufgegeben.

  • Punktprävalenz: Ca. 10% [1][2][3]
    • Stadt > Land
    • Niedriger Sozialstatus > Hoher Sozialstatus
    • Junges Alter > Hohes Alter
  • Erkrankungsalter: Symptombeginn im Kindes- und Jugendalter [1][4]
  • Geschlechterverteilung: = [1][2]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Es existiert kein allgemeingültiges Modell für die Ursache und Entstehung von Persönlichkeitsstörungen. Sie ist am ehesten multifaktoriell bedingt und unterliegt dem Einfluss erblicher, biologischer und psychosozialer Faktoren. [1][2]

  • Genetische Faktoren: Ca. 30–50% [1][2][3]
  • Neurobiologische Faktoren: Strukturelle und funktionelle Veränderungen [3]
    • In präfrontalen, temporalen und subkortikal-limbischen Regionen
    • Im EEG: Unspezifische Auffälligkeiten, bspw. verlangsamte Grundaktivität
  • Psychosoziale Faktoren, bspw. [2]
    • Traumatische Kindheitserfahrungen
    • Problematische Beziehungserfahrungen
    • Psychisch erkrankte Eltern

Exploration [3]

Persönlichkeitsstörungen sollten nicht nur anhand eines diagnostischen Gespräches, sondern vielmehr im Rahmen einer Verlaufsbeobachtung diagnostiziert werden.

  • Allgemeine Exploration
  • Testpsychologische Verfahren, bspw. [2]
    • Interviews: Standarduntersuchungsinstrumente [6]
      • SKID-II (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV)
        • Zweiteilig: Screeningfragebogen und Interview zur Vertiefung der bejahten Screening-Items
        • Zeitaufwand: I.d.R. 45–65 min
      • International Personality Disorder Examination (IPDE)
        • Diagnostik nach ICD-10
        • Zeitaufwand: I.d.R. 45 min
    • Selbstbeurteilungsverfahren, ggf. ergänzend zur Erfassung von
      • 5 Persönlichkeitsmerkmalen des Big-Five-Modells: Neo-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI)
        • Konzipiert für Jugendliche und Erwachsene
        • 60 Items zu den Themen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit
      • Persönlichkeitsstruktur und Symptomen psychischer Erkrankungen: Minnesota Multiphasic Personality Inventory-2 (MMPI-2)
        • Einsetzbar ab 18 Jahren
        • Zeitaufwand: I.d.R. 60–90 min
      • Persönlichkeitsakzentuierungen: Inventar Klinischer Persönlichkeitsakzentuierungen (IKP)
        • Einsetzbar ab 16 Jahren
        • Zeitaufwand: I.d.R. 20–25 min

Persönlichkeitstests dienen nicht als alleiniges diagnostisches Mittel einer Persönlichkeitsstörung!

Ausschluss organischer Ursachen [3]

Diagnostische Kriterien nach ICD-10

Es ist von der ICD-10 keine feste Altersgrenze vorgesehen, ab der eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden kann. Vor dem 15. Lebensjahr sollte eine Diagnose jedoch i.d.R. nicht gestellt werden. [1][4]

Allgemeine Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60) [5]
1
  • Abweichung innerer Erfahrungs- und Verhaltensmuster von kulturell erwarteten und akzeptierten „Normen“ in mind. 1 der folgenden Bereiche:
    • Kognition
    • Affektivität
    • Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung
    • Zwischenmenschliche Beziehungen
2
  • Das aus der Abweichung resultierende Verhalten ist in vielen Situationen unflexibel, unangepasst oder unzweckmäßig
3
  • Subjektiver Leidensdruck und/oder nachteiliger Einfluss auf die soziale Umwelt
4
  • Abweichung hat im späten Kindesalter oder der Adoleszenz begonnen und ist lang andauernd (zeitlich stabil) [2]
5
  • Die Abweichung kann nicht durch andere psychische Störungen des Erwachsenenalters erklärt werden
6
  • Ausschluss einer organischen Ursache

Persönlichkeitsstörungen sollten nur diagnostiziert werden, wenn ein hoher Leidensdruck bei den Betroffenen und/oder im sozialen Umfeld auftritt! [3]

Die ICD-10 teilt die Persönlichkeitsstörungen nach einem kategorialen Ansatz ein und unterscheidet 8 spezifische Persönlichkeitsstörungen. Liegen Merkmale diverser spezifischer Persönlichkeitsstörungen vor, ohne dass eine spezifische dominiert oder diagnostiziert werden kann, ist eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61) kodierbar.

Paranoide Persönlichkeitsstörung (F60.0)

  • Beschreibung: Personen mit ständigem Misstrauen und dem Gefühl der Bedrohung, wobei selbst unbedeutende Ereignisse so wahrgenommen werden, als wären diese gegen sie selbst gerichtet. Typisch ist auch die häufige Beschäftigung mit „Verschwörungen“ als Erklärungen für Ereignisse in der näheren Umgebung und der Welt im Allgemeinen.
Diagnostische Kriterien der paranoiden Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.0) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Übertriebene Empfindlichkeit auf Rückschläge und Zurücksetzungen
    2. Neigung, dauerhaft Groll zu hegen, d.h. Beleidigungen, Verletzungen oder Missachtungen werden nicht vergeben
    3. Misstrauen und eine anhaltende Tendenz, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missdeutet werden
    4. Streitsüchtiges und beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten
    5. Häufiges ungerechtfertigtes Misstrauen gegenüber der sexuellen Treue des Ehe- oder Sexualpartners
    6. Ständige Selbstbezogenheit, besonders in Verbindung mit starker Überheblichkeit
    7. Häufige Beschäftigung mit unbegründeten Gedanken an „Verschwörungen“ als Erklärungen für Ereignisse in der näheren Umgebung der betroffenen Person oder der Welt im Allgemeinen

Schizoide Persönlichkeitsstörung (F60.1)

  • Beschreibung: Personen, die durch einzelgängerisches Verhalten, emotionale Kühle, Anhedonie und wenig Interesse an sozialen Kontakten auffallen und zu Isolation und Vereinsamung neigen.
Diagnostische Kriterien der schizoiden Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.1) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude
    2. Emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachter Affekt
    3. Reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle für andere oder Ärger auszudrücken
    4. Erscheint gleichgültig und indifferent gegenüber Lob oder Kritik von anderen
    5. Wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen (unter Berücksichtigung des Alters)
    6. Fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die alleine durchzuführen sind
    7. Übermäßige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introvertiertheit
    8. Hat/wünscht keine engen Freundschaften oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine)
    9. Deutlich mangelhaftes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen

Dissoziale Persönlichkeitsstörung (F60.2) [3][5]

  • Beschreibung: Personen, die häufig dissozial handeln und einen Mangel an Empathie sowie an Schuld- und Verantwortungsbewusstsein zeigen. Charakteristisch ist auch eine geringe Frustrationstoleranz, die sich u.a. durch eine starke Impulsivität zeigt. Diese Störung findet sich häufig bei Straffälligen.
Diagnostische Kriterien der dissozialen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.2) [5]
A
B
  • Mind. 3 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Unbeteiligtsein gegenüber den Gefühlen anderer
    2. Deutliche und andauernde verantwortungslose Haltung und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen
    3. Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung dauerhafter Beziehungen, obwohl keine Schwierigkeit besteht, sie einzugehen
    4. Sehr geringe Frustrationstoleranz und niedrige Schwelle für aggressives, einschließlich gewalttätiges Verhalten
    5. Fehlendes Schuldbewusstsein oder Unfähigkeit, aus negativer Erfahrung, insb. Bestrafung, zu lernen
    6. Deutliche Neigung, andere zu beschuldigen oder plausible Rationalisierungen anzubieten für das Verhalten, durch welches die betroffene Person in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (F60.3)

  • Beschreibung: Personen mit deutlicher Tendenz zu impulsivem und unüberlegtem Handeln sowie verstärkter Konfliktbereitschaft. Typisch sind auch innere Anspannungszustände und stark schwankende Affekte. Es werden zwei Erscheinungsformen unterschieden

Histrionische Persönlichkeitsstörung (F60.4)

  • Beschreibung: Personen mit übertriebenen theatralischen Affekten und Verhaltensweisen, die für Dritte oberflächlich und übertrieben wirken. Sie neigen auch zu egozentrischem und aufmerksamkeitssuchendem Verhalten.
Diagnostische Kriterien der histrionischen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.4) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Dramatische Selbstdarstellung, theatralisches Auftreten oder übertriebener Ausdruck von Gefühlen
    2. Suggestibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch andere Personen/äußere Umstände
    3. Oberflächliche, labile Affekte
    4. Ständige Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die betroffene Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht
    5. Unangemessen verführerisch in Erscheinung und Verhalten
    6. Übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen

Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (F60.5)

  • Beschreibung: Personen mit übertriebener Gewissenhaftigkeit, Gefühlen von Zweifel und Tendenz zum Perfektionismus. Letzterer wird durch ständige Kontrollen und Vorsicht erhalten. Ggf. treten ungewollte, rezidivierende Impulse bzw. Gedanken auf, die jedoch nicht so ausgeprägt sind, dass sie die Kriterien einer Zwangsstörung erfüllen . [3][5]
Diagnostische Kriterien der anankastischen (zwanghaften) Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.5) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Gefühle von starkem Zweifel und übermäßiger Vorsicht
    2. Ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation oder Plänen
    3. Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben behindert
    4. Übermäßige Gewissenhaftigkeit und Skrupelhaftigkeit
    5. Unverhältnismäßige Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung bis zum Verzicht auf Vergnügen und zwischenmenschliche Beziehungen
    6. Übertriebene Pedanterie und Befolgung sozialer Konventionen
    7. Rigidität und Eigensinn
    8. Unbegründetes Bestehen darauf, dass andere sich exakt den eigenen Gewohnheiten unterordnen, oder unbegründete Abneigung dagegen, andere etwas machen zu lassen

Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (F60.6)

  • Beschreibung: Personen, die durch stetige Unsicherheit, Besorgtheit und dem Gefühl von Minderwertigkeit gekennzeichnet sind. Die übertriebene Sorge vor potenziellen Gefahren alltäglicher Situationen führt dabei häufig zu Vermeidungsverhalten. [5]
Diagnostische Kriterien der ängstlichen (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.6) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung und Besorgtheit
    2. Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unattraktiv oder minderwertig im Vergleich zu anderen zu sein
    3. Übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden
    4. Persönliche Kontakte nur, wenn Sicherheit besteht, gemocht zu werden
    5. Eingeschränkter Lebenstil wegen des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit
    6. Vermeidung beruflicher oder sozialer Aktivitäten, die intensiven zwischenmenschlichen Kontakt bedingen (aus Furcht vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung)

Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (F60.7)

  • Beschreibung: Personen, die eigene Lebensentscheidungen von anderen treffen lassen, da sie sich selbst als inkompetent und hilflos erleben. Eigene Wünsche werden denen der vermeintlich Erfahreneren untergeordnet und es besteht häufig große Angst, verlassen zu werden. [5]
Diagnostische Kriterien der abhängigen (asthenischen) Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.7) [5]
A
B
  • Mind. 4 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Ermunterung oder Erlaubnis an andere, die meisten wichtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen
    2. Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, und unverhältnismäßige Nachgiebigkeit gegenüber deren Wünschen
    3. Mangelnde Bereitschaft zur Äußerung selbst angemessener Ansprüche gegenüber Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht
    4. Unbehagliches Gefühl oder Hilfslosigkeit, wenn die betroffene Person alleine ist (aus übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen zu können)
    5. Häufiges Beschäftigtsein mit der Furcht, verlassen zu werden und auf sich selber angewiesen zu sein
    6. Eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen, ohne zahlreiche Ratschläge und Bestätigungen von anderen

Sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen (F60.8)

  • Bspw. narzisstische Persönlichkeitsstörung (F60.80): Personen mit überhöht anmutendem, jedoch instabilem Selbstwertgefühl, die durch eine extreme Empfindlichkeit gegenüber Kritik und ggf. eine Unfähigkeit an Empathie charakterisiert sind. [1]
Diagnostische Kriterien der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 (F60.80) [5]
A
B
  • Mind. 5 der folgenden Eigenschaften treffen zu
    1. Größengefühl in Bezug auf die eigene Bedeutung
    2. Beschäftigung mit Fantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Glanz, Schönheit oder ideale Liebe
    3. Überzeugung, „besonders“ und einmalig zu sein und nur von anderen besonderen Menschen oder solchen mit hohem Status (oder von entsprechenden Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen zusammensein zu können
    4. Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung
    5. Anspruchshaltung
    6. Ausnutzung zwischenmenschlicher Beziehungen, Übervorteilung anderer Menschen, um eigene Ziele zu erreichen
    7. Mangel an Empathie
    8. Häufiger Neid auf andere oder Überzeugung, andere seien neidisch auf die betroffene Person
    9. Arrogante, hochmütige Verhaltensweisen und Attitüden

In der ICD-11 wird nicht mehr kategorial zwischen verschiedenen Persönlichkeitsstörungen differenziert (Ausnahme: Borderline-Persönlichkeitsstörung). Stattdessen wird eine Persönlichkeitsstörung anhand ihres Schweregrades und prominenter Persönlichkeitsmerkmale spezifiziert. [2][7]

  • Zeitkriterium: >2 Jahre
  • Einteilung: Dimensionaler Ansatz statt kategorialer Typenzuordnung
    • Schweregrad (leicht, mittelschwer, schwer): Anhand von Funktionseinbußen bzgl.[4]
      • Selbstfunktionsniveau: Die eigene Person betreffend
      • Interpersonellem Funktionsniveau: Andere Personen betreffend
    • 5 Persönlichkeitsmerkmale (Trait-Domänen)
      • Negative Affektivität
      • Distanziertheit („detachment“)
      • Dissozialität
      • Enthemmung
      • Anankasmus (Zwanghaftigkeit)

Die DSM-5 teilt die Persönlichkeitsstörungen nach einem kategorialen Ansatz ein und unterscheidet 3 Cluster, die anhand gemeinsamer Ausprägungen/Charakteristika gruppiert werden . In Deutschland wird diese Einteilung zur Diagnosestellung nicht genutzt, sie gibt aber einen guten Überblick über die verschiedenen Formen.

Komorbiditäten [1][3]

Persönlichkeitsstörungen liegen in der Mehrheit der Fälle mit psychiatrischen Komorbiditäten vor und beeinflussen deren Behandlung und Verlauf negativ. Häufige Komorbiditäten sind:

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Allgemein [2]

  • Psychotherapie: Mittel der Wahl
  • Medikamentöse Therapie [3]
    • Keine zugelassene Substanz
    • Datenlage unzureichend
    • Einsatz
      • Symptomorientiert bzw. bei Komorbiditäten
      • Stets zusammen mit Psychotherapie

Psychotherapie [2][3]

Medikamentöse Therapie [2][3]

Kein Medikament ist für die Therapie von Persönlichkeitsstörungen zugelassen. Eine Pharmakotherapie bei Persönlichkeitsstörungen orientiert sich an Symptomen bzw. komorbiden Störungen.

Pharmakotherapie bei Persönlichkeitsstörungen [2][3]
Symptome/Komorbiditäten Medikament
  • Impulsdurchbrüche und Aggressionen
  • Stimmungsschwankungen

Der Einsatz von Benzodiazepinen ist u.a. aufgrund eines erhöhten Missbrauchspotenzials möglichst zu vermeiden! [2][3]

Das Vollbild einer Persönlichkeitsstörung ist zeitlich weniger stabil, als es das diagnostische Konzept der ICD-10 nahelegt. [1]

F60.-: Spezifische Persönlichkeitsstörungen

F61: Kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen

  • Diese Kategorie ist vorgesehen für Persönlichkeitsstörungen, die häufig zu Beeinträchtigungen führen, aber nicht die spezifischen Symptombilder der in F60.- beschriebenen Störungen aufweisen. Daher sind sie häufig schwieriger als die Störungen in F60.- zu diagnostizieren.
  • Beispiele:
    • Kombinierte Persönlichkeitsstörungen mit Merkmalen aus verschiedenen der unter F60.- aufgeführten Störungen, jedoch ohne ein vorherrschendes Symptombild, das eine genauere Diagnose ermöglichen würde.
    • Störende Persönlichkeitsänderungen, die nicht in F60.- oder F62.- einzuordnen sind, und Zweitdiagnosen zu bestehenden Affekt- oder Angststörung sind.
  • Exklusive: Akzentuierte Persönlichkeitszüge (Z73)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Schneider: Facharztwissen Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer 2017, ISBN: 978-3-662-50344-7 .
  2. Voderholzer, Hohagen: Therapie psychischer Erkrankungen - State of the art. 17. Auflage Urban & Fischer 2021, ISBN: 978-3-437-24914-3 .
  3. Rentrop et al.: Klinikleitfaden Psychiatrie Psychotherapie. 7. Auflage Elsevier / Urban&Fischer 2019, ISBN: 978-3-437-23155-1 .
  4. Mathias Berger: Psychische Erkrankungen. 6. Auflage Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2018, ISBN: 978-3-437-22485-0 .
  5. Herpertz et al.: Patients with personality disorders in everyday clinical practice: Implications of the ICD-11 In: Deutsches Ärzteblatt international. Band: 119, 2022, doi: 10.3238/arztebl.m2022.0001 . | Open in Read by QxMD p. 1-7.
  6. WHO - World Health Organization: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. 9. Auflage Hogrefe 2019, ISBN: 978-3-456-85992-7 .
  7. Hauser et al.: Das überarbeitete Konzept der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11: Neuerungen und mögliche Konsequenzen für die forensisch-psychiatrische Tätigkeit In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie. Band: 15, 2021, doi: 10.1007/s11757-020-00648-3 . | Open in Read by QxMD p. 30-38.
  8. Bandelow et al.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage Steinkopff 2008, ISBN: 978-3-798-51835-3 .
  9. Gleixner et al.: Neurologie und Psychiatrie für Studium und Praxis (2011/12). 8. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 978-3-929-85157-1 .