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Patellafraktur

Letzte Aktualisierung: 26.7.2021

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Patellafrakturen sind relativ selten und entstehen meist durch eine Gewalteinwirkung auf das gebeugte Kniegelenk, häufig im Rahmen eines Verkehrsunfalls. Klinisch fällt neben starken Schmerzen und einer Schwellung meist eine Aufhebung der aktiven Beweglichkeit im Kniegelenk auf. Ein konventionelles Röntgenbild in 2 Ebenen reicht zur Diagnosestellung meist aus, jedoch wird das Frakturausmaß in vielen Fällen erst in einer CT-Untersuchung offensichtlich und hat dann Einfluss auf die Art der operativen Versorgung. Die sog. Zuggurtungsosteosynthese ist momentan in Deutschland noch das am häufigsten verwendete Osteosyntheseverfahren, jedoch wurde in den letzten Jahren insb. bei Mehrfragmentfrakturen auch vermehrt die Plattenosteosynthese eingesetzt. Ziel jeder Therapie ist die Wiederherstellung des Streckapparates und die Wiederherstellung der Gelenkfläche.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

AO-Klassifikation der Patellafrakturen (Regio 34) - Stand 2018 [5]

AO-Klassifikation Patellafraktur (Regio 34)
Frakturtyp Komplexität
A – Extraartikuläre Fraktur
  • A1: Avulsionsfraktur
    • a) Proximaler Pol
    • b) Distaler Pol
    • c) Laterale Facette
    • d) Mediale Facette
  • A2 : Fraktur des Körpers
B – Partiell-artikuläre/sagittale Fraktur
  • B1: Laterale Längsfraktur
    • B1.1: Längs lateral, einfach
    • B1.2: Längs lateral, mehrfragmentär
  • B2: Mediale Längsfraktur
    • B2.1: Längs medial, einfach
    • B2.2: Längs medial, mehrfragmentär
C – Artikuläre/koronare Fraktur

Klassifikation der Patellafrakturen nach Speck und Regazzoni [6]

Klassifikation nach Speck und Regazzoni
Frakturtyp Komplexität
A – Längsfrakturen
  • A1: Undisloziert
  • A2: Disloziert
  • A3: Längsfraktur mit Zusatzfragment
B – Querfrakturen
C – Mehrfragmentfrakturen
  • C1: Undisloziert
  • C2: Disloziert <2 mm
  • C3: Disloziert >2 mm (Berstungsfraktur)

Bei undislozierten Frakturen oder intaktem Reservestreckapparat kann die aktive Extension bzw. Streckhebung im Kniegelenk durchaus noch möglich sein!

Während aller diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen der Erstversorgung auf die Kreislaufstabilität und mögliche Begleitverletzungen achten! [1]

Orthopädische Untersuchung des Knies [1]

Alle Untersuchungen sollten behutsam und an das jeweilige Schmerzempfinden angepasst erfolgen!

Röntgen [1][2][3]

Laboruntersuchung [1]

Fakultative Diagnostik [1][2][3]

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapieziele [1]

  • Wiederherstellung der Gelenkfläche
  • Erhalt bzw. Wiederherstellung des Streckapparates
  • Frühfunktionelle Nachbehandlung

Konservative Therapie [1][2][3][7][8]

Operative Therapie [1][2][3][9]

Implantatentfernung [1][4]

  • Generell: Keine obligate Entfernung empfohlen
  • Indikation
    • Drohende Perforation
    • Implantatversagen
    • Schmerzen durch das Implantat
    • Gewebeirritation durch das Implantat

Die Nachsorge richtet sich nach dem gewählten Therapieverfahren und klinikinternen Standards. An dieser Stelle werden die wichtigsten Aspekte für die operativ versorgte Patellafraktur aufgeführt, für detailliertere Informationen siehe: Nachsorge in der Orthopädie und Unfallchirurgie und Nachbehandlungsempfehlung für operativ versorgte Patellafraktur.

Folgende Nachbehandlungsvorschläge basieren auf den Empfehlungen der DGOU (Stand 2020) [8]. Diese Schemata sind jedoch an den individuellen Heilungsverlauf anzupassen und sollten grundsätzlich auch unter Berücksichtigung von Maßgaben der operierenden Person und/oder klinikinternen Standards erfolgen.

Für das allgemeine postoperative stationäre Management inkl. durchzuführender ärztlicher Verlaufskontrollen sowie für Empfehlungen zur Schmerztherapie und Thromboseprophylaxe siehe: Nachsorge in der Orthopädie und Unfallchirurgie.

Nachbehandlungsschema bei operativ versorgter Patellafraktur

Phase 1 – Ziel: Wundheilung und Abschwellung

Phase 2 – Ziel: Passive und aktive Beweglichkeit

  • Woche 3–12 postoperativ: Belastungsstabilität
    • Ausweitung der physiotherapeutischen Maßnahmen unter individueller Belastungssteigerung
      • Erweiterte Gangschule
      • Muskelaufbautraining unter Einsatz von Geräten
    • Durchführung regelmäßiger Kontrolluntersuchungen

Phase 3 – Ziel: Reintegration in den Alltag

  • Woche 12–16 postoperativ: Trainingsstabilität
    • Einleitung von Funktionstraining, Rehasport und Rehanachsorge
    • Ggf. Belastungserprobung, Arbeitstherapie
    • Ggf. medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation

Phase 4 – Ziel: Volle Belastbarkeit

  • Ab 16. Woche postoperativ: Bewegung und Belastung ohne Limit
  • Ab 4. Monat postoperativ: Freigabe für Low-Impact-Sportarten
    • Wiederaufnahme des sportartspezifischen Trainings
  • Ab 5. Monat postoperativ: Freigabe für High-Impact-Sportarten
    • Fortführung des sportartspezifischen Trainings

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Konservative Therapie: I.d.R. gutes funktionelles Ergebnis [2]
  • Operative Therapie: Funktionelles Ergebnis abhängig von mehreren Faktoren [2][10], u.a.
    • Art der Fraktur und Qualität der Gelenkflächenrekonstruktion
    • Art der Osteosynthese und Nachbehandlung
    • Begleiterkrankungen und Therapieadhärenz

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

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3D-Modelle

Exkurse

Modellansichten

  1. S2e-Leitlinie Patellafraktur. Stand: 4. August 2020. Abgerufen am: 30. Juni 2021.
  2. Nachbehandlungsempfehlungen 2020 - Arbeitskreis Traumarehabilitation. Stand: 4. September 2020. Abgerufen am: 12. Juli 2021.
  3. Müller, Frosch: Patellafrakturen In: Der Chirurg. Band: 90, Nummer: 3, 2019, doi: 10.1007/s00104-019-0797-4 . | Open in Read by QxMD p. 243-254.
  4. Pesch et al.: Patellafrakturen In: Der Unfallchirurg. Band: 122, Nummer: 3, 2019, doi: 10.1007/s00113-019-0611-2 . | Open in Read by QxMD p. 225-237.
  5. Gwinner et al.: Current concepts review: Fractures of the patella In: GMS Interdisciplinary Plastic and Reconstructive Surgery DGPW; 5:Doc01. 2016, doi: 10.3205/IPRS000080 . | Open in Read by QxMD .
  6. Kellam et al.: Fracture and Dislocation Classification Compendium - 2018 In: Journal of Orthopaedic Trauma. Band: 32, 2018, doi: 10.1097/bot.0000000000001063 . | Open in Read by QxMD .
  7. Speck, Regazzoni: Classification of patellar fractures In: Zeitschrift fur Unfallchirurgie und Versicherungsmedizin. Band: 87, Nummer: 1, 1994, p. 27-30.
  8. Nachbehandlungsempfehlungen 2019 - Arbeitskreis Traumarehabilitation. Stand: 17. Oktober 2019. Abgerufen am: 8. Januar 2020.
  9. Fehske et al.: Aktueller Versorgungsstandard von Patellafrakturen in Deutschland In: Der Unfallchirurg. 2020, doi: 10.1007/s00113-020-00939-8 . | Open in Read by QxMD .
  10. Wendl et al.: Frakturen der Kniescheibe In: Trauma und Berufskrankheit. Band: 4, Nummer: 1, 2002, doi: 10.1007/s10039-001-0533-3 . | Open in Read by QxMD p. 30-37.