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Päd. Ambulanz: Pseudokrupp und Epiglottitis

Letzte Aktualisierung: 9.11.2021

Pseudokrupp oder Epiglottitis?toggle arrow icon

Kommt ein Kind mit inspiratorsichem Stridor und ggf. Luftnot in die Ambulanz, stellt sich immer die Frage: Pseudokrupp oder Epiglottitis? Der echte Krupp, der auch differenzialdiagnostisch in Frage kommt, ist in Deutschland glücklicherweise sehr selten.

Differenzialdiagnose: Krupp/Pseudokrupp/Epiglottitis

Echter Krupp (Kehlkopfdiphtherie) Pseudokrupp Epiglottitis
Erreger
Erkrankungsalter
  • Jedes Alter möglich
  • 3 Mon.–5 J.
  • Jedes Alter möglich, insb. Senioren, Ungeimpfte und Impfversager
Krankheitsbeginn
  • Zunächst langsam progrediente lokale Tonsillitis
  • 4–5 Tage später plötzlicher Beginn der Krupp-Symptomatik
  • Plötzlich einsetzende Symptomatik (insb. nachts)
    • zuvor ggf. milde grippale Symptome
  • Plötzlich, fulminant
Allgemeinzustand
  • Reduziert
  • Gut bis leicht reduziert
  • Reduziert
Husten
  • Bellend
  • Bellend
  • Fehlt
Stimme
  • Heiserkeit
  • Heiserkeit (bis Stimmlosigkeit)
  • Kloßige Sprache
Inspiratorischer Stridor
  • Vorhanden
  • Vorhanden
  • Vorhanden
Schluckbeschwerden
  • Vorhanden
  • Nicht vorhanden
  • Vorhanden
Therapie
Auftreten
  • Impfung vorhanden
  • Erkrankung in Deutschland selten
  • Keine Impfung vorhanden
  • Auftreten sehr häufig
  • Impfung gegen Hib vorhanden
  • Erkrankung in Deutschland selten, bei Auftreten meist auf andere Erreger als Hib zurückzuführen

Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine klinische Diagnose. Wer den charakteristischen inspiratorischen Stridor bei heiserer Stimme und bellendem Husten einmal gehört hat, wird ihn i.d.R. sofort wiedererkennen.

Prozedere

  • Erstes Gebot: Keine Aufregung, da sich dadurch die Luftnot verschlimmert
  • Nur Anamnese und nötigste Untersuchung, insb. Auskultation der Lunge
  • Systemische Glucocorticoide (z.B. Rectodelt®) - nach oder während der Untersuchung
  • Bei zusätzlich vorliegender bronchialer Obstruktion erfolgt außerdem die Inhalation mit Salbutamol.
  • Kaltlufttherapie
    • Kind am offenen Fenster auf dem Schoß der Eltern platzieren oder (wenn stabil) mit den Eltern für ca. 30 Min. vor das Gebäude an die frische Luft schicken
    • Alternativ: Inhalation von isotonischer Kochsalzlösung über Feuchtvernebler mit Maske
  • Ggf. inhalative Adrenalintherapie

Anamnese beachten! Hib-Impfung erfragen! Eine Epiglottitis als Differenzialdiagnose gilt es sofort auszuschließen! Racheninspektion mit Spatel sollte immer unterlassen werden, weil der taktile Reiz ein Zuschwellen bewirken kann!

Tipps für zu Hause

  • Ruhe bewahren!
  • Kind beruhigen, auf den Arm nehmen oder aufsetzen
  • Kind ans offene Fenster, auf den Balkon oder ins Badezimmer bringen und kalte feuchte Luft einatmen lassen
  • Um einem erneuten Anfall vorzubeugen, hilft es i.d.R., das Kind bei offenem Fenster schlafen zu lassen

Glucocorticoide zur rektalen oder oralen Applikation sollten bei Entlassung mitgegeben werden!

Für weitere Dosierungen siehe: Systemische Glucocorticoide und inhalatives Epinephrin (Adrenalin) im Kindes- und Jugendalter

Für weitere Informationen siehe: Therapeutisches Vorgehen bei Pseudokrupp

Seit Einführung der Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist die meist fulminat verlaufende Epiglottitis im (Klein‑)Kindesalter seltener geworden. Inzwischen sind vorwiegend Ungeimpfte und Impfversager (gegen Hib) betroffen.

Klinik und Diagnosestellung

Als Leitsymptome der Epiglottitis kann man sich die „5S“ merken: Stridor, Sabbern, Sprache (kloßig), Schluckbeschwerden, schnorchelnde Atmung.

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Klinik, eine Inspektion des Rachens sollte nur in Intubationsbereitschaft erfolgen!

Procedere

Medikamentöse Therapie

Bei adäquater und vorallem frühzeitiger Therapie hat die akute Epiglottitis eine gute Prognose.

Für weitere Informationen siehe: Epiglottitis

  1. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.