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Päd. Ambulanz: Husten und bronchiale Obstruktion

Letzte Aktualisierung: 9.11.2021

Allgemeine Maßnahmen und Medikamente bei Hustentoggle arrow icon

Allgemeine Maßnahmen

  • Kinder mit feuchten Schleimhäuten haben weniger Hustenreiz. Durch Dragees und vermehrtes Trinken werden u.a. die Speichelproduktion angeregt und die Schleimhäute befeuchtet.
    • Ausreichende Trinkmengen
    • (Lindenblüten‑)Tee oder Milch mit Honig
    • Lutschen von zuckerfreien Dragees

Antitussiva

Bei produktivem Husten ist die Unterdrückung des Hustenreizes nicht sinnvoll!

Wenn eine bronchoobstruktive Komponente (Asthma, obstruktive Bronchitis) vorliegt, sind Hustenstiller nur in Kombination mit Salbutamol bzw. vergleichbaren bronchienerweiternden Medikamenten zu verwenden!

Expektorantien

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei Verwendung von Expektorantien unverzichtbar!

Die gleichzeitige Anwendung von Expektorantien und Antitussiva ist kontraproduktiv! Ein ungedämpfter Hustenreflex ist die Grundvoraussetzung für das Abhusten des Schleims!

Bronchospasmolytika

  • Bei Husten mit verlängertem Exspirium oder (Distanz‑)Giemen sollte eine bronchospasmolytische Therapie im Vordergrund stehen
  • Bei Kindern mit rezidivierenden obstruktiven Bronchitiden in der Anamnese sollte auch ohne den direkten Nachweis von verlängertem Exspirium oder Giemen eine solche Therapie erwogen werden
  • Siehe dazu: Vorgehen bei obstruktiver Bronchitis und exazerbiertem Asthma bronchiale

Symptome einer bronchialen Obstruktion

  • Luftnot
  • Exspiratorisches (Distanz‑)Giemen oder verlängertes Exspirium
  • Juguläre und/oder sub- bzw. interkostale Einziehungen
  • Husten bis zum Erbrechen
  • Räusperzwang und/oder rezidivierender Reizhusten

Weitere Indizien

Bronchospasmolytische Medikamente kommen sowohl bei exazerbiertem Asthma bronchiale als auch bei einer obstruktiven Bronchitis zur Anwendung. Klinisch zeigt sich hier kein Unterschied; daher kann die Anamnese Aufschluss geben. Am wichtigsten ist, dass man eine bronchiale Obstruktion als solche erkennt und sie behandelt. Ansonsten kann der Schleim nicht abgehustet werden und ist ein optimales Nährmedium für bakterielle Superinfektionen. Reicht die Gabe von β2-Sympathomimetika in der Akutsituation nicht aus, kommen systemische Glucocorticoide zum Einsatz. Inhalative Glucocorticoide helfen nicht akut gegen Luftnot und sind in der Therapie eines Asthmaanfalls oder sonstiger akuter Dyspnoe nicht indiziert! Sie finden als Dauertherapie zur Vermeidung einer akuten bronchialen Obstruktion Verwendung.

Das untenstehende Vorgehen bezieht sich auf die Akuttherapie bei einer obstruktiven Bronchitis bzw. einer leicht- bis mittelgradigen Exazerbation eines Asthma bronchiale. Zum Vorgehen bei schwerer Symptomatik siehe: Akuttherapie bei Asthmaanfall bzw. Exazerbation!

Kurzwirksame β2-Sympathomimetika bzw. Anticholinergika

  • Indikation: Mittel der Wahl zur Akuttherapie
  • Inhalative Applikation von Salbutamol: Ob man kurzwirksame β2-Sympathomimetika mittels Dosieraerosol und Inhalierhilfe oder Inhalationslösung und Feuchtvernebler inhalieren lässt, kann man vom Alter, der Compliance und dem Patientenwunsch abhängig machen
    • Zulassung: Sultanol® Dosieraerosol ist ab dem Säuglingsalter zugelassen, für Pädiamol® Inhalationslösung ist keine Zulassungsbeschränkung angegeben, Pädiamol® Fertiginhalat ist zugelassen ab dem Schulkindalter
    • Dosierungsempfehlung
      • Dosieraerosol
      • Feuchtinhalation von Fertiginhalat
      • Feuchtinhalation von Inhalationslösung
  • Systemische Applikation von Salbutamol: Nur in Ausnahmefällen (wenn nicht inhaliert werden kann)
    • Zulassung: Ab 2 Monaten
    • Dosierungsbeispiele (altersabhängig)
      • Kinder 2–23 Mon.
      • Kinder 2–6 J.
  • Zu beachten: Häufige Nebenwirkungen sind Zittern und Agitation. Dann sollte die Dosierung pro Einzelgabe reduziert werden. Hierüber sind die Eltern aufzuklären.
  • Für weitere Dosierungen siehe auch: Kurzwirksame β2-Sympathomimetika und Anticholinergika im Kindes- und Jugendalter
  • Für Handlungsanweisungen siehe auch: Anwendung eines Dosieraerosols

Kochsalzlösung inhalativ

Systemische Glucocorticoide

Systemische Antibiotika

Obstruktive Bronchitiden sind i.d.R. viral bedingt!

Für weitere Informationen siehe: Akute obstruktive Bronchitis im Kindesalter

Allgemeines

Im Säuglingsalter gibt es häufig Überschneidungen zwischen einer obstruktiven Bronchitis und einer Bronchiolitis, sodass eine klare Abgrenzung schwierig ist!

Therapie

Nach aktueller Studienlage gibt es abgesehen von ausreichender Flüssigkeitsgabe und ggf. Sauerstoffvorlage keine wirksamen Maßnahmen.

Der RSV-Schnelltest ist nur bei einer stationären Aufnahme entscheidend, um die entsprechende Isolierung und ggf. Kohortierung vornehmen zu können. Ambulant hat ein positiver Test jedoch keine therapeutische Konsequenz.

Für weitere Informationen siehe: Akute Bronchiolitis im Säuglingsalter

  1. Schorlemer, Eber: Akute virale Bronchiolitis und obstruktive Bronchitis bei Kindern In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 168, Nummer: 12, 2020, doi: 10.1007/s00112-020-00993-x . | Open in Read by QxMD p. 1147-1157.
  2. Bronchiolitis in Children: Diagnosis and Management. Stand: 1. Juni 2015. Abgerufen am: 8. Januar 2021.
  3. Ralston et al.: Clinical Practice Guideline: The Diagnosis, Management, and Prevention of Bronchiolitis In: PEDIATRICS. Band: 134, Nummer: 5, 2014, doi: 10.1542/peds.2014-2742 . | Open in Read by QxMD p. e1474-e1502.
  4. Wigger, Stange: Medikamente in der Pädiatrie: Inklusive Neonatologie/ Intensivmedizin. 4. Auflage Urban & Fischer 2013, ISBN: 3-437-21454-3 .
  5. Stokholm et al.: Azithromycin for episodes with asthma-like symptoms in young children aged 1–3 years: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial In: The Lancet. Band: 4, Nummer: 1, 2015, doi: 10.1016/S2213-2600(15)00500-7 . | Open in Read by QxMD p. 19-26.