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OP-Basics: Betreten, Einwaschen und Assistieren

Letzte Aktualisierung: 20.9.2022

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Das erste Mal im OP-Saal ist sicherlich aufregend und kann mit einigen Unsicherheiten verbunden sein. Es gibt viele Regeln und Abläufe, die es zu beachten gilt, und nicht immer ist jemand in der Nähe, den du fragen kannst. Dieses Kapitel bietet dir einen groben Überblick darüber, was dich im OP erwartet und wie bestimmte Basisprozeduren wie Händedesinfektion oder Einkleiden korrekt durchgeführt werden. Die Abläufe im OP-Setting zu kennen und korrekt auszuführen, ist nicht nur wichtig für einen guten ersten Eindruck, sondern hilft auch, das intraoperative Infektionsrisiko zu reduzieren. Neben Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du hier auch detaillierte Videos zu den einzelnen Basis-Skills.

Eingang

Den OP-Bereich erreichst du meist über einen Umkleideraum (Personalschleuse), in dem du deine Bereichskleidung ablegst und dich für den OP umziehst.

Vorbereitung

  • Fingernägel möglichst kurz halten, kein Nagellack, keine künstlichen Fingernägel tragen
  • Schmuck des Hand- und Armbereichs ablegen (z.B. Armbänder, Uhren, Ringe)
  • Lange Haare zusammenbinden
  • Beim erstmaligen Betreten der Operationsräume und bei sichtbarer Verschmutzung Hände mit Wasser und Seife waschen und Seifenreste gründlich abspülen (sog. Seifenfehler vermeiden: Durch die Reaktion der Seife mit den Alkoholen/Phenolen von Desinfektionsmitteln kann die Wirksamkeit der späteren Händedesinfektion vermindert sein.)
  • Handy auf stumm schalten oder im Umkleideraum wegschließen
  • Ggf. Toilettengang

Zwischen dem Händewaschen mit Seife und dem Desinfizieren der Hände 10 min verstreichen lassen und Seifenreste immer gründlich entfernen!

Umziehen

  • Bereichskleidung und ggf. eigene Kleidung bis auf die Unterwäsche ausziehen (es dürfen keine T-Shirt-Ärmel aus dem Kasack herausschauen)
  • OP-Kleidung: Standardmäßig Kasack und entsprechende Hose
  • Schuhwerk: Waschbare OP-Schuhe (z.B. OP-Clogs)
  • OP-Haube: Achte darauf, dass deine Haare sicher unter der Haube liegen und nicht ins Gesicht fallen können
  • Chirurgische Maske

Hygienische Händedesinfektion

  • Eine spezielle Einreibetechnik wird für die hygienische Händedesinfektion nicht mehr vorgeschrieben, es sollten jedoch alle Bereiche der Hand desinfiziert werden
  • Durchführung
    • Ausreichende Benetzung (3 mL: 2–3 Hübe aus dem Wandspender) der trockenen Hände und Verteilung des Desinfektionsmittels für mind. 30 Sekunden auf allen Flächen der Hand
      • Innen- und Außenflächen der Hände
      • Zwischenräume der Finger (ausgehend von beiden Seiten)
      • Daumen und Fingerspitzen
  • Für weiterführende Informationen siehe auch: Hygienische Händedesinfektion

Verhalten im OP-Saal

  • Stelle dich mit Namen und Funktion bei allen Teammitgliedern vor
  • Halte eine angemessene Distanz zu sterilen Gegenständen und Bereichen
  • Schaue dich um, bevor du dich bewegst, damit du keine sterilen Gegenstände berührst oder etwas unbedacht umstößt
  • Pflege einen respektvollen Umgang mit allen Teammitgliedern im OP-Saal
  • Frage aktiv nach Aufgaben sowohl vor als auch nach der Operation und versuche, nicht im Weg zu stehen
  • Nimm keine Instrumente oder sonstigen Dinge ohne konkrete Aufforderung

Allgemeines

  • Wer: Alle Personen eines chirurgischen Teams, die mit am OP-Tisch stehen
  • Ziel: Reduktion des intraoperativen Infektionsrisikos durch Kontamination mit Bakterien der Haut und der Kleidung
  • Tipp: Vergiss nicht deine eigenen Bedürfnisse!
    • Gehe vor dem Einwaschen auf die Toilette und trinke bzw. esse ausreichend vor der Operation
    • Erkundige dich, ob du eine Röntgenschürze tragen musst und lege diese vor dem Einwaschen an
    • Lege ggf. vor dem Einwaschen einen Augenschutz an

Chirurgische Händedesinfektion

  • Vorbereitung
  • Durchführung
    1. Waschen: Waschen ist nur erforderlich bei offensichtlichen Verunreinigungen oder beim erstmaligen Betreten der Operationsräume; ansonsten kann auf Waschen verzichtet und nur die Desinfektion durchgeführt werden
      • CAVE: Seifenfehler vermeiden → Seifenreste gründlich abspülen
    2. Desinfektion
      • Optimalerweise >10 min Abstand einhalten zwischen Händewaschen und -desinfektion
      • Mindesteinwirkzeit des Desinfektionsmittels: Gemäß den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und der Herstellerangaben (meist 1,5–3 min) [1]
      • Anhaltende Benetzung der Haut (v.a. der Hände) über die Dauer der angegebenen Einwirkzeit
      • Desinfektion nach Schema und mit Stoppuhr zur sicheren Einschätzung der Desinfektionszeit
      • Unterarmbereich und Handgelenk komplett mit einbeziehen [1]
      • Zur systematischen, chirurgischen Desinfektion geeignete Aufteilung in folgende 3 Schritte
        1. Benetzen der Hände , hiervon ausgehend gründliches Einreiben beider Unterarme bis zu den Ellenbogen
        2. Erneutes Benetzen der Hände und gründliches Einreiben dieser mitsamt der Handgelenke
        3. Anschließend Desinfektion der Hände nach Schema der hygienischen Händedesinfektion mit Einbeziehen der Handflächen, Fingerzwischenräume, Fingerkuppen, Nagelfalzen und Daumen
      • Nach Desinfektion: Hände in aufrechter Position ungefähr auf Brusthöhe halten
  • Für weiterführende Informationen siehe auch: Chirurgische Händedesinfektion

Steriles Einkleiden

  • Indikation: Vor jeder Operation und vor einigen Prozeduren, die steriles Arbeiten erfordern (z.B. ZVK-Anlage)
  • Durchführung (eigenständig)
    1. Öffne die Kittelverpackung und breite alles auf einer geraden Fläche aus, ohne den Kittel zu berühren. Lege dir ebenfalls die sterilen Handschuhe in der richtigen Größe zurecht
    2. Hebe den gefalteten Kittel hoch und berühre dabei nur die Innenseite des Kittels
    3. Tritt einen Schritt zurück und versichere dich, dass der Kittel beim Entfalten keine unsterilen Gegenstände berührt
    4. Suche die Ärmelöffnungen und schlüpfe mit den Händen bis in die Ärmelbündchen hinein, die Handgelenke bleiben von den Bündchen bedeckt
    5. Lasse den Kittel entfalten
    6. Bitte jemanden, dir beim Schließen des Kittels im Kragenbereich und am Rücken zu helfen
    7. Fahre fort mit den Handschuhen
    8. Nimm anschließend das linke Band aus der Papierkarte zum Verschließen des Kittels und gib das rechte Band samt Papierkarte weiter an deine Assistenz (dieser Schritt geht nicht eigenständig)
    9. Drehe dich links herum um 360°, damit sich das Band (gehalten von deiner Assistenz) um deine Hüfte wickeln kann und sich der Kittel vollständig schließt
    10. Nimm das zweite Band aus der Halterung und sichere beide Enden mit einer Schleife in Hüfthöhe
  • Durchführung (assistiert)
    1. Der sterile Kittel wird dir bereits geöffnet gereicht
    2. Zuerst schlüpfst du mit den Armen in die Ärmel bis in die Ärmelbündchen, die Handgelenke bleiben von den Bündchen bedeckt
    3. Bitte jemanden, dir beim Schließen des Kittels im Kragenbereich und am Rücken zu helfen
    4. Nun werden dir die Handschuhe angereicht. Schlüpfe in beide Handschuhe hinein und ziehe sie zurecht
    5. Nimm anschließend das linke Band aus der Papierkarte zum Verschließen des Kittels und gib das rechte Band samt Papierkarte weiter an deine Assistenz
    6. Drehe dich links herum um 360°, damit sich das Band (gehalten von deiner Assistenz) um deine Hüfte wickeln kann und sich der Kittel vollständig schließt
    7. Nimm das zweite Band aus der Halterung und sichere beide Enden mit einer Schleife in Hüfthöhe

Der Kittel gilt als unsteril im Bereich des Rückens, unterhalb der Hüfte und oberhalb des Nackens, da er dort sehr wahrscheinlich mit unsterilen Gegenständen in Kontakt kommen kann!

Sterile Handschuhe anziehen (eigenständig)

  • Indikation: Vor Prozeduren, die steriles Arbeiten erfordern (z.B. in der Notfallambulanz oder auf der Station); selten im OP, wenn eine Assistenz zum Anziehen fehlt
  • Durchführung
    1. Versichere dich, dass du die richtige Handschuhgröße gewählt hast. Öffne die Verpackung und entfalte das Papier auf einer sauberen geraden Fläche. Berühre dabei nur die Außenseiten
    2. Nimm den rechten (bei Linkshänder:innen den linken) Handschuh am Handschuhbund hoch. Berühre hier nur die Innenseite des Handschuhs
    3. Schlüpfe mit der rechten Hand hinein
    4. Hebe den zweiten Handschuh nun am Bündchen von außen an und schlüpfe mit der anderen Hand hinein
    5. Sobald du beide Handschuhe angezogen hast, kannst du den Sitz korrigieren

Verhalten am OP-Tisch

  • Achte darauf, dich nicht auf den Patienten bzw. die Patientin zu lehnen. Das kann Verletzungen verursachen
  • Lehne dich nicht zu weit ins offene Operationsgebiet vor
  • Falls du dich aus Versehen unsteril gemacht hast, weise darauf hin und gehe dich umziehen bzw. deine Handschuhe wechseln
  • Falls du etwas fallen lässt, entschuldige dich, aber versuche nicht, es aufzuheben, du würdest dich dabei unsteril machen
  • Falls du niesen oder husten musst, sage Bescheid (damit jemand deine Tätigkeit übernehmen kann) und tritt vom Tisch zurück. Deine Hände sollten sich nicht in der Nähe deiner Maske befinden
  • Falls dir schwindelig wird, sage rechtzeitig Bescheid, trete vom Tisch zurück und setze dich . Verlasse ggf. den OP-Saal, trinke oder esse etwas und lege die Füße hoch, bis es dir besser geht

Mögliche Aufgaben im OP während eines Praktikums oder im PJ

  • Haken halten“: Die operierende Person sollte einen guten Blick auf den Operationsbereich haben. Häufig werden dir die Haken in einer möglichst guten Position angereicht. Versuche sie auch nach längerer Zeit so zu halten
  • Instrumente anreichen: Diese Aufgabe übernimmt meist die operationstechnische Assistenz. Manchmal bekommst du die Instrumente angereicht und sollst sie weitergeben, sobald sie bei der Operation benötigt werden. Halte die Instrumente dabei so, dass die Griffe nach vorne zeigen und sie von der operierenden Person gut gegriffen werden können. Lasse nicht zu früh los, sondern erst, wenn dir das Instrument sicher aus der Hand genommen wird. Für die korrekten Bezeichnungen siehe auch: Atlas der OP-Instrumente
  • Faden schneiden: Frage zunächst, wie lang der überstehende Faden bleiben soll. Nimm dann die Schere (mit Daumen und Ringfinger), öffne sie und platziere eine der offenen Schneidklingen ca. 3–4 cm oberhalb des Knotens. Gleite entlang des Fadens in Richtung Knoten bis zur gewünschten Schnittstelle. Schneide nun im 45°-Winkel. Mit dieser Technik vermeidest du es, den Knoten aus Versehen zu durchtrennen
  • Wundverschluss: Manchmal darfst du die Hautnaht schließen. Übe vorher die wichtigsten Naht- und Knotentechniken (siehe auch: Naht- und Knotenkunde). Stehe gerade und versuche, dich nicht zu sehr über das Operationsgebiet zu beugen. Stellst du dich geschickt an, darfst du evtl. beim nächsten Mal auch die Subkutannaht anlegen. Andere Wundverschlusstechniken sind bspw. Klammern (ähnlich einem Tacker) oder Gewebekleber
  • Absaugen: Versuche es, Flüssigkeiten, die die Sicht auf wichtige Strukturen verschlechtern, zeitnah abzusaugen, ohne dich „festzusaugen“ und ohne die Sicht zu behindern
  • Klemmen lösen: Die Klemmen werden mit dem Daumen und dem Ringfinger gehalten. Zum Öffnen machst du eine Schließbewegung kombiniert mit dem leichten Auseinanderdrücken der Arretierung, sodass sich die Zacken am Mittelsteg auseinanderhaken. Übe vorher einmal, wie man eine Klemme korrekt öffnet und schließt
  • Laparoskopische Instrumente halten: Achte darauf, keine unkontrollierten Bewegungen zu machen, da die Sicht auf das Operationsfeld sehr eingeschränkt ist. Stellst du dich geschickt an, darfst du ggf. auch die Kamera übernehmen. Hierbei musst du darauf achten, das Operationsfeld immer gut im Bild zu haben und den „Horizont“ gerade zu halten

  1. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO): Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens - Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) In: Bundesgesundheitsblatt. Nummer: 59, 2016, doi: 10.1007/s00103-016-2416-6 . | Open in Read by QxMD p. 1189–1220.