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Notfallsonografie

Letzte Aktualisierung: 26.7.2021

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Mittels Notfallsonografie können Aussagen zu freier Flüssigkeit in den Abdominal-, Perikard- und Pleurahöhlen getroffen werden. Sie wird v.a. bei Traumapatienten durchgeführt und hilft bei der Entscheidung, ob eine unmittelbare OP (explorative Laparotomie) indiziert ist. Der Untersuchungsablauf ist standardisiert und erfolgt nach dem FAST-Protokoll (FAST = „focused assessment with sonography for trauma“), bei dem die Suche nach freier Flüssigkeit im Vordergrund steht. Soll die Lunge zusätzlich auf das Vorliegen eines Pneumothorax hin untersucht werden, kann das E-FAST-Protokoll (= „extended FAST“) zur Anwendung kommen. Die Notfallsonografie sollte so schnell wie möglich durchgeführt werden und eine weitere Diagnostik sowie eine eventuell anstehende OP nicht verzögern.

  • Hauptziel: Ausschluss von freier Flüssigkeit und eines Pneumothorax bei polytraumatisierten Patienten
  • Anwendung
    • Im Schockraum zur initialen Evaluierung
    • Verlaufskontrolle bei klinischer Verschlechterung

Die Durchführung der Notfallsonografie sollte andere Untersuchungen oder eine direkte explorative Laparotomie nicht verzögern!

Die Schnittbilder und Abfolge der FAST-Untersuchung sollte regelmäßig geübt und wiederholt werden, damit im Notfall der Ablauf schnell und präzise durchgeführt werden kann!

Ablauf

  1. Schallkopf im hohen Flankenschnitt rechts aufsetzen
  2. Schallkopf nach kaudal schwenken oder in den Flankenschnitt wechseln
    • Rec. hepatorenalis (= Morison-Pouch) einstellen und auf freie Flüssigkeit untersuchen
    • Leber durchmustern und auf eine Verletzung des Organs untersuchen
    • Niere durchmustern und auf eine Verletzung des Organs untersuchen

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmes oder echofreies Areal zwischen Zwerchfell und Lungenparenchym
  • Hämatothorax kann aufgrund der in ihm enthaltenen korpuskulären Bestandteile Binnenechos aufweisen
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Leber und Zwerchfell
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Leber und Niere
  • Leberverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Leberparenchym
  • Blutungen aus dem Leberparenchym stellen sich als perihepatischer echoarmer Randsaum dar
  • Nierenverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Nierenparenchym
  • Blutungen aus dem Nierenparenchym stellen sich als echoarmer perirenaler Randsaum dar

Ablauf

  1. Schallkopf im hohen Flankenschnitt links aufsetzen
  2. Schallkopf nach kaudal schwenken oder in den Flankenschnitt wechseln

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmes oder echofreies Areal zwischen Zwerchfell und Lungenparenchym
  • Hämatothorax kann aufgrund der in ihm enthaltenen korpuskulären Bestandteile Binnenechos aufweisen
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Milz und Zwerchfell
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Milz und Niere
  • Subkapsuläres Hämatom: Bikonvexer oder perilienaler echoarmer Flüssigkeitssaum
  • Vollständige Organlazeration inkl. Kapselruptur
    • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Milzparenchym
    • Zusätzlich i.d.R. perilienaler echoarmer Randsaum
  • Nierenverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Nierenparenchym
  • Blutungen aus dem Nierenparenchym stellen sich als echoarmer perirenaler Randsaum dar

Ablauf

  1. Falls ausreichend Zeit: Sektorschallkopf verwenden
  2. Schallkopf subxiphoidal aufsetzen
  3. Schallwellen nach kranial und in Richtung der linken Schulter senden

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmer oder echofreier Randsaum um die Herzkammern herum
  • Kontraktionsstörungen der Ventrikel

Ablauf

  1. Schallkopf im suprapubischen Längsschnitt aufsetzen
  2. Schallkopf nach links und rechts schwenken
    • Douglas-Raum bzw. Proust-Raum durchmustern
    • Harnblase komplett durchmustern und auf Wandveränderungen sowie weitere Verletzungen des kleinen Beckens untersuchen
  3. Schallkopf um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen
    • Harnblase und kleines Becken im Querschnitt untersuchen

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmer Defekt der Harnblasenwand
  • Intraluminale Koagel
  • Perivesikaler Flüssigkeitssaum

[1]

Durchführung

  1. Linearschallkopf auswählen
  2. Schallkopf längs parasternal (rechts und anschließend links) oder in der Medioklavikularlinie auf Höhe des 2. oder 3. Interkostalraumes aufsetzen
  3. M-Mode starten

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung

[4][5]

  1. Lichtenstein et al.: The comet-tail artifact: an ultrasound sign ruling out pneumothorax. In: Intensive Care Med. Band: 17, Nummer: 4, 1999, p. 383-8.
  2. Lichtenstein et al.: The “lung point”:an ultrasound sign specific to pneumothorax In: Intensive Care Med. Band: 10, 2000, doi: 10.1007/s001340000627 . | Open in Read by QxMD p. 1434-40.
  3. Husain et al.: Sonographic diagnosis of pneumothorax In: Journal of Emergencies, Trauma, and Schock. Band: 5, Nummer: 1, 2012, doi: 10.4103/0974-2700.93116 . | Open in Read by QxMD p. 76-81.
  4. Alrajab et al.: Pleural ultrasonography versus chest radiography for the diagnosis of pneumothorax: review of the literature and meta-analysis In: Critical Care. Band: 17, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1186/cc13016 . | Open in Read by QxMD .
  5. Horstman et al.: Comparison of computed tomography and conventional cystography for detection of traumatic bladder rupture. In: Urol Radiol. Band: 188, 1990, doi: 10.1007/BF02924005 . | Open in Read by QxMD .