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Neuritis vestibularis (Neuronitis vestibularis)

Abstract

Die Neuritis vestibularis ist ein einseitiger Ausfall eines Gleichgewichtsorgans. Als Auslöser der idiopathischen Erkrankung, bei der ein Infekt der oberen Atemwege im Vorfeld nicht selten ist, werden Viren diskutiert. Aus völliger Gesundheit heraus kommt es zu einem über Tage anhaltenden Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen. Diese für den Patienten sehr quälenden Symptome werden symptomatisch mit Medikamenten gegen Übelkeit und Unruhe sowie ggf. kurzzeitig hochdosiert mit Glucocorticoiden behandelt. Eine schnellstmögliche körperliche Aktivität mit bestenfalls physiotherapeutischem Training des Gleichgewichtsorgans führt zu einer Ausheilung ohne Residuen innerhalb von 2–3 Wochen.

Ätiologie

  • Unbekannt

Symptome/Klinik

  • Akut, aus völliger Gesundheit und für Tage anhaltend:
    • Starker Drehschwindel
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Der Patient ist nicht in der Lage zu stehen oder zu gehen
  • Gelegentlich findet sich in der Anamnese ein kürzlich aufgetretener grippaler Infekt der oberen Atemwege

Keine kochleären Symptome: Keine Hörminderung, kein Tinnitus!

Diagnostik

  • Klinische Untersuchung
    • Unter Verwendung einer Frenzelbrille: Häufig im klinischen Alltag verwendete orientierende Untersuchung zur Suche nach einem Nystagmus. Die Brille verfügt über Vergrößerungsgläser (15 dpt) und Lämpchen zur Beleuchtung der Augen; so wird die Fixierung ausgeschaltet und eine Orientierung im Raum unmöglich gemacht. Währenddessen lassen sich dank der Vergrößerung die Augenbewegungen des Nystagmus gut darstellen. Die Untersuchung bedarf jedoch der Mitarbeit des Patienten und kann auch nur subjektiv dokumentiert werden
    • Fallneigung zur kranken Seite
    • Kopfimpulstest nach Halmagyi-Curthoys: Rückstellsakkaden bei Drehung des Kopfes auf die betroffene Seite
  • Apparative Diagnostik
    • Kalorische Testung zeigt eine Untererregbarkeit des betroffenen Gleichgewichtsorgans
    • Audiometrische Untersuchungen sind unauffällig

Differentialdiagnosen

Siehe auch → Leitsymptom Schwindel

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Es sollten so schnell wie möglich die Antivertiginosa und die zentral dämpfenden Medikamente abgesetzt und unter physiotherapeutischer Anleitung mit vestibulärem Training (bestimmte Bewegungsübungen mit steigenden Anforderungen) begonnen werden, um eine zentrale Kompensation zu fördern!

Prognose

  • Meist spontane Heilung innerhalb von 2–3 Wochen
    • Die Prognose hängt von der schnellstmöglichen körperlichen Aktivierung des Patienten ab
    • Insbesondere ältere Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand haben deshalb länger bestehende Symptome

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.