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Morbus Dupuytren

Letzte Aktualisierung: 25.10.2018

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Der Morbus Dupuytren beschreibt eine idiopathische Proliferation der Palmaraponeurose mit zunehmender Beugekontraktur insbesondere des kleinen Fingers. Das häufig beidseits auftretende Krankheitsbild kommt gehäuft familiär vor und wird mit verschiedenen Risikofaktoren in Zusammenhang gebracht (Alkohol- und Nikotinabusus, wiederholte Traumata). Sind die Schmerzen oder die Bewegungseinschränkung zu groß, kann durch verschiedene chirurgische Verfahren (Faszienspaltung, Entnahme der Palmaraponeurose) geholfen werden – konservative Behandlungsmethoden sind dagegen wenig erfolgversprechend. Analoge Krankheitsbilder der Plantaraponeurose und des Penis werden Morbus Ledderhose bzw. Induratio penis plastica genannt.

  • Geschlecht: > (5:1)
  • Alter: Häufigkeitsgipfel 40.–60. Lebensjahr
  • Verbreitung: Vor allem weiße Bevölkerung, insbesondere in Skandinavien

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Stranghafte und knotig tastbare Strukturen in der Hohlhand
  • Schmerzen bei Irritation von Gefäßen und Nerven in der Hohlhand durch die Fibrosierung
  • Zunehmende Beugekontraktur der Fingergelenke
    • Hauptsächlich Digitus IV und V betroffen, zum Daumen abnehmend
    • 80% beidseitig
  • Sonderformen (verwandte Krankheiten)
    • Morbus Ledderhose: Analoges Krankheitsbild am Fuß mit Knoten- und Strangbildung im Bereich der Plantaraponeurose
    • Induratio penis plastica
      • Vernarbung der Tunica albuginea mit Ausbildung von fibrotischen Plaques
      • Schmerzhafte Penisverkrümmung (meist nach dorsal) bei Erektion
      • Gefahr der progredienten erektilen Dysfunktion
      • Nur bei ca. 15% spontane Rückbildung, keine etablierte kausale Therapie vorhanden
    • Assoziation mit Fingerknöchelpolster („knuckle pads“):
      • Keratotisch-fibromatöse, schmerzlose Schwellungen streckseitig über den proximalen Interphalangealgelenken (PIP) der Finger

  • Kamptodaktylie
    • Ätiologie: Wahrscheinlich kongenital
    • Klinik:
      • Manifestation bei Geburt oder in der Wachstumsphase
      • Beugekontraktur der Klein-, seltener auch der Ringfinger, die fast ausschließlich das proximale Interphalangealgelenk betrifft
      • Das Metacarpophalangealgelenk wird überstreckt, sodass der Finger insgesamt wie ein "Hammerfinger" imponiert und nach radial weist

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Zunächst abwartendes Verhalten
  • Rein konservative Maßnahmen meist ohne Erfolg
  • Interventionell
    • Indikationen
      • Starke Schmerzen beim Umgreifen von Gegenständen
      • Zunehmende Bewegungseinschränkung (z.B. Streckhemmung der Fingergelenke)
    • Verfahren
      • Strahlentherapie
      • Nadelfasziotomie
      • Kollagenase-Injektion
      • Fasziotomie (Faszienspaltung)
      • Partielle oder totale Aponeurektomie
      • Ggf. Amputation von z.B. Digitus V
  • Keine Heilung möglich
  • Nach Operation hohe Rezidivrate

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

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  2. Imhoff et al.: Checkliste Orthopädie. 3.. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-42283-5 .
  3. Imhoff et al.: Checkliste Orthopädie. 1. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-42281-1 .
  4. Krämer, Grifka: Orthopädie, Unfallchirurgie. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48498-1 .
  5. Hautmann, Huland: Urologie. 3. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-29924-0 .
  6. Merle: Chirurgie der Hand. 1. Auflage Thieme 2009, ISBN: 978-3-131-48151-1 .