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Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans…)

Abstract

Der Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist eine unheilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung, die zur völligen Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Die Erkrankung hat eine erbliche Komponente (HLA-B27) und zeigt sehr variable Verläufe – insbesondere kommt es bei den i.d.R. erst später betroffenen Frauen nicht selten zur völligen Versteifung der Wirbelsäule. Bei Männern kommt es hingegen bereits meist in jungem Alter zu einem Befall der Iliosakralgelenke sowie der Wirbelsäule, was zu charakteristischen, über die Nacht anhaltenden Rückenschmerzen führt. Diagnostisch finden sich typische klinische Zeichen wie ein Klopf- und Verschiebeschmerz der Iliosakralgelenke (Mennell-Zeichen), sowie ein pathologisches Ott- und Schober-Maß. Radiologisch wird neben dem konventionellen Röntgen auch die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Die MRT ist dabei insbesondere in der Frühdiagnostik zur Detektion einer Sakroiliitis dem konventionellen Röntgen deutlich überlegen. Wichtigstes Element der Therapie und zur Verlangsamung des Krankheitsprogresses ist die konsequente Physiotherapie.

Epidemiologie

  • Lebenszeitprävalenz in Mitteleuropa: ca. 0,5%
  • Geschlecht: > (3:1)
  • Alter: Der Häufigkeitsgipfel für den Krankheitsbeginn liegt zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Genetische Prädisposition

Symptome/Klinik

Allgemeinsymptome

Vor allem bei später Krankheitsmanifestation: Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust

Spezifische Symptome

  • Hauptmanifestationsort: Iliosakralgelenke (Sakroiliitis) und die Wirbelsäule
    • Schleichend einsetzende, dumpfe Rückenschmerzen
      • Lageunabhängig, auch in der Nacht
      • Besserung durch Bewegung im Tagesverlauf
      • Morgensteifigkeit
  • Weitere spezifische Befunde

Extraartikuläre Manifestation

Diagnostik

Klinische Zeichen

Leitbefund bei Morbus Bechterew sind Schmerzen in den Iliosakralgelenken und eine verminderte Beweglichkeit der Wirbelsäule. Folgende Untersuchungen geben dabei diagnostische Hinweise:

Blutuntersuchung

Bildgebende Verfahren

MRT

  • Goldstandard zur Diagnosestellung
  • Geeignet zur Darstellung akuter, entzündlich-ödematöser Prozesse in Iliosakralgelenken und angrenzenden knöchernen Strukturen
  • Erlaubt sowohl Früh- als auch Verlaufsdiagnostik

Das MRT ist zur Frühdiagnostik geeignet, da entzündliche Veränderungen in den Sakroiliakalgelenken bereits sichtbar sind, wenn konventionelle Verfahren (Röntgen) noch unauffällig sind!

Konventionelles Röntgen

  • Indikation: Zur Darstellung knöcherner Strukturveränderungen infolge der Entzündungsprozesse
  • Befunde:
    • Zeichen der Sakroiliitis mit Ankylosierung der Iliosakralgelenke (verwachsene Kortikalisgrenzen, Erosionen, Sklerosierung)
    • Sklerosierung des Bandapparates der Wirbelsäule
    • Aufhebung der Lordose mit zunehmender Steilhaltung
    • Zeichen der Spondylarthritis mit Ankylosierung der Intervertebralgelenke
    • Syndesmophyten (Syndesmophyten wachsen in vertikaler Richtung, DD Spondylophyten!) → Bambusrohrform der Wirbelsäule im Endstadium
    • Enthesiopathie mit ossifizierender Periostitis (z.B. Fersensporn )

Differentialdiagnosen

Wirbelsäulenbeschwerden anderer Genese

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Physikalisch

  • Wichtigste Therapiesäule
  • Konsequente Physiotherapie mit selbstständiger Durchführung der Übungen

Medikamentös

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Extrem variabler Verlauf in Schüben
  • Die Zunahme der Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule kann durch Physiotherapie verlangsamt werden

Meditricks

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.