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Mitralklappenstenose

Letzte Aktualisierung: 15.9.2021

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Bei einer Mitralklappenstenose (syn. Mitralstenose) ist die Verbindung zwischen linkem Vorhof und Ventrikel verengt, sodass die diastolische Ventrikelfüllung erschwert wird. Sie tritt häufig nach rheumatischem Fieber auf und führt zu einem zunehmenden Rückstau vor der verengten Klappe. Vom Ausmaß des Rückstaus vor der Klappe hängt dann die klinische Symptomatik ab: Nach einer Vorhofdilatation (Komplikationen: Vorhofflimmern, Embolien) kommt es zu einer zunehmenden Lungenstauung (Husten, Dyspnoe) im Sinne eines „Asthma cardiale“, bei akuter Dekompensation auch zum Lungenödem. Therapeutisch wird bei höhergradigen und/oder symptomatischen Stenosen primär eine interventionelle Klappensprengung oder alternativ eine operative Versorgung (Klappenersatz) vorgenommen.

  • Rheumatisches Fieber
    • Schleichender Verlauf, erste Symptome häufig erst Jahre bis Jahrzehnte später
    • Verwachsung der freien Klappenränder, Verkürzung und Verklebung der Chordae, fibrokalzifizierte Degenerationen
  • Seltene Ursachen: Kongenital (mit kombiniertem Vorhofseptumdefekt), Vorhofmyxom, großer Thrombus, rein degenerative Veränderungen

Die Symptomatik nimmt mit dem Ausmaß des Rückstaus zu!

Auskultation

Echokardiografie

Klassifikation der Mitralklappenstenose nach echokardiografischen Befunden
Graduierung Öffnungsfläche (cm2) Mittlerer diastolischer transmitraler Druckgradient (mmHg) Mittlerer Pulmonalkapillardruck unter Belastung (mmHg)
physiologisch 4,0–5,0 <5 <30
leichte Mitralstenose 1,5–2,5
mittelschwere Mitralstenose 1,0–1,5 5–15 30–50
schwere Mitralstenose ≤1,0 >15 >50


Die Echokardiografie ist die wichtigste Untersuchung zum Nachweis von Klappenveränderungen!

Weitere Untersuchungen

Allgemeines

ACE-Hemmer und andere Nachlastsenker sind bei der Mitralklappenstenose kontraindiziert, da es durch die Nachlastsenkung zur Kreislaufdekompensation kommen kann!

Perkutane Mitralkommissurotomie

  • Synonyme: Mitralvalvuloplastie, Mitralvalvulotomie
  • Definition: Interventionelles Verfahren, bei dem die verschmolzenen Kommissuren der Mitralklappe, also die Ränder der Segelklappen, mithilfe eines Ballonkatheters gesprengt und damit aufgetrennt werden
  • Indikationen
    • Symptomatische Patienten mit einer Klappenöffnungsfläche ≤1,5 cm2
    • Asymptomatische Patienten mit erhöhtem Risiko für Thromboembolien oder eine hämodynamische Dekompensation
  • Kontraindikationen
    • Klappenöffnungsfläche >1,5 cm2
    • Linksatrialer Thrombus
    • Mittel- bis hochgradige Mitralklappeninsuffizienz
    • Schwere oder bikommissurale Kalzifizierung
    • Fehlende kommissurale Verschmelzung/Fusion
    • Schwere begleitende Aortenklappenerkrankung oder schwere kombinierte Trikuspidalklappenstenose und -insuffizienz
    • Begleitende, bypasspflichtige KHK

Operation

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • I34.-:: Nichtrheumatische Mitralklappenkrankheiten
  • I05.-:: Rheumatische Mitralklappenkrankheiten
    • Inklusive: Zustände, die unter I05.0 und I05.2I05.9 klassifizierbar sind, unabhängig davon, ob als rheumatisch bezeichnet oder nicht
    • Exklusive: Als nichtrheumatisch bezeichnet (I34.‑)
    • I05.0: Mitralklappenstenose
      • Mitralklappenobstruktion (rheumatisch)
    • I05.2: Mitralklappenstenose mit Insuffizienz
      • Mitralstenose mit Insuffizienz oder Regurgitation
  • Q23.-: Angeborene Fehlbildungen der Aorten- und der Mitralklappe
    • Q23.2: Angeborene Mitralklappenstenose
      • Angeborene Mitralatresie

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
  2. ESC Pocket Guidelines Herzklappenerkrankungen (Version 2012). Stand: 1. Januar 2012. Abgerufen am: 21. März 2017.
  3. Lehnert: Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-29553-8 .
  4. Baumgartner et al.: 2017 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease In: European Heart Journal. 2017, doi: 10.1093/eurheartj/ehx391 . | Open in Read by QxMD .
  5. Gerok: Die Innere Medizin. 11. Auflage Schattauer 2007, ISBN: 978-3-794-52222-4 .
  6. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .