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Koxarthrose und Gonarthrose

Abstract

Mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen in westlichen Ländern nimmt die Anzahl der Patienten mit Arthrose in Knie- und Hüftgelenk stetig zu. In der frühen Phase der Erkrankung spürt der Patient Schmerzen bei Bewegungsbeginn sowie bei langanhaltender und starker Belastung, während es im späteren Verlauf der Erkrankung auch in Ruhe oder in der Nacht zu quälenden Schmerzen kommt. Falls die Anpassung des Lebensstils (dosierte Belastung, ggf. Gewichtsabnahme) sowie physikalische Maßnahmen keinen Erfolg bringen, wird eine Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema begonnen. Der Leidensdruck des Patienten bestimmt dabei, wann eine operative Therapie und ggf. ein Gelenkersatz zu erwägen ist.

Definition

  • Arthrose: Chronisch-progrediente Destruktion des hyalinen Gelenkknorpels unter Mitbeteiligung der peri- und intraartikulären Bänder und Muskulatur sowie der synovialen und fibrösen Gelenkkapsel
  • Gonarthrosis deformans: Arthrose des Kniegelenks
    • Formen [1]
      • Unikompartimentell: Patellofemoral oder tibiofemoral
      • Bikompartimentell: Tibiofemoral
      • Trikompartimentell: Patellofemorotibial (Pangonarthrose)
  • Coxarthrosis deformans: Arthrose des Hüftgelenks

Epidemiologie

  • Häufige Erkrankungen des Erwachsenen
    • I.d.R. des älteren Menschen (≥50 Jahre) oder posttraumatisch
    • Geschlecht: >
  • Prävalenz mit zunehmendem Alter steigend [2]
    • Radiologische Zeichen einer Gonarthrose: 15–16% (50–54 Jahre), 34–40% (70–74 Jahre) [3]
    • Klinische und radiologische Zeichen einer Gonarthrose: Ca. 24% aller über 60-Jährigen [4]
    • Radiologische Zeichen einer Koxarthrose: 10–20% der europäischen Bevölkerung [5]
    • Klinische und radiologische Zeichen einer Koxarthrose: 3–6% der europäischen Bevölkerung [6]
  • Inzidenz: 240 Neuerkrankungen/100.000/Jahr [1]
    • 1% aller über 70-Jährigen
  • Implantation einer Totalendoprothese [7]
    • Routineeingriff: Gehört zu den 20 häufigsten operativen Eingriffen in deutschen Krankenhäusern
    • Bei Koxarthrose: ≈150/100.000/Jahr
    • Bei Gonarthrose: ≈130/100.000/Jahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Primärarthrose: Idiopathisch

  • Idiopathische Genese
  • Prädispositionsfaktoren
    • Weibliches Geschlecht
    • BMI >25
    • Höheres Lebensalter

Sekundärarthrose

Klassifikation

Klassifikation der Gonarthrose nach Ahlbäck[8]

Typen Radiologische Veränderungen
1 Gelenkspaltverschmälerung
2 Aufhebung des Gelenkspalts
3 Geringe Knochenarrosion
4 Mäßige Knochenarrosion
5 Massive Knochenarrosion, oft mit Subluxation und sekundärer lateraler Arthrose

ICRS-Klassifikation von Knorpelschäden[9]

Grad Sichtbare Veränderungen
0
  • Keine erkennbaren Defekte
1
  • A: Intakte Knorpeloberfläche, Fibrillationen und/oder leichte Erweichung
  • B: Zusätzlich oberflächliche Risse oder Fissuren
2
  • Läsionstiefe <50% der Knorpeldicke: Anormaler Knorpel
3
  • Läsionstiefe >50% der Knorpeldicke
  • A: Nicht bis zur kalzifizierenden Schicht: Schwer anormaler Knorpel
  • B: Bis zur kalzifizierenden Schicht
  • C: Bis zur subchondralen Platte
  • D: Mit Blasenbildung
4
  • Vollständige Knorpelläsion mit Durchbruch der subchondralen Platte

Klassifikation der Osteoarthrose des American College of Rheumatology [10][11]

Osteoarthrose des Knies

Klinisch Klinisch und laborchemisch Klinisch und radiologisch
  • Knieschmerz
  • Mind. 3 Kriterien
    • Alter >50 Jahre
    • Krepitationen
    • Gelenksteife <30 Minuten
    • Lokaler Druckschmerz
    • Knochenvergrößerung an den Rändern des Gelenks
    • Keine Überwärmung des Gelenks
  • Knieschmerz
  • Mind. 5 Kriterien
    • Alter >50 Jahre
    • Krepitationen
    • Gelenksteife <30 Minuten
    • Lokaler Druckschmerz
    • Knochenvergrößerung an den Rändern des Gelenks
    • Keine Überwärmung des Gelenks
    • BSG <40 mm/h
    • Rheumafaktor <1:40
    • Synovialflüssigkeit: Klar, viskös oder Leukozyten <2000/mm3
  • Knieschmerz
  • Mind. 1 Kriterium
    • Alter >50 Jahre
    • Krepitationen
    • Gelenksteife <30 Minuten
  • Osteophyten

Osteoarthrose der Hüfte

Klinisch Klinisch und radiologisch

Oder

Symptome/Klinik

Vorgehen in der Notaufnahme

Diagnostik

Anamnese

  • Schmerz
    • Akute Schmerzepisode vs. chronischer Schmerz
    • Belastungs- und Bewegungsschmerz
    • Morgensteifigkeit und Anlaufschmerz
    • Ruhe- und Nachtschmerz
  • Bewegungs- und Funktionseinschränkung: Schmerzfreie Gehstrecke/-dauer
  • Sozialanamnese
    • Freizeitverhalten und ausgeübte Sportarten: Fehlbelastungen im Alltag
    • Berufliche Tätigkeit (sitzend, kniend)
  • Medizinische Vorgeschichte
    • Vorerkrankungen: Metabolische/systemische Komorbiditäten und weitere Risikofaktoren für Arthrose
    • Unfälle und Traumata
    • Operative Gelenkeingriffe, insb. Gelenkersatz an anderen Gelenken

Körperliche Untersuchung

Röntgen

Fakultative Diagnostik

  • Sonographie, ggf. Gelenkpunktion: Bei Schwellung mit Verdacht auf Bursitis, intraartikulärem Erguss oder Bakerzyste
  • Labordiagnostik (Serologie): Bei Verdacht auf einen Infekt
  • MRT: Bei vermutetem Kniebinnenschaden
  • CT: Zum Ausschluss posttraumatischer Knochendefekte

Differentialdiagnosen

Allgemein

Spezifisch

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Die Therapie der Gon- und Koxarthrose wird in einen konservativen und einen operativen Therapiezweig unterteilt. Generell versucht man alle konservativen Therapieoptionen auszuschöpfen, bevor eine operative Therapie eingeleitet wird. Im Folgenden findet sich eine Übersicht der einzelnen Therapiemöglichkeiten, welche später detailliert erklärt werden.

Konservative Therapie

Operative Therapie

Gelenkerhalt

  • Arthroskopien: Bspw. arthroskopische (Teil‑)Meniskektomie oder Entfernung freier Gelenkkörper
  • Knorpelersatzverfahren: Insb. bei fokalen Defekten der Gonarthrose
  • Umstellungsosteotomien
    • Koxarthrose: Bspw. Pfannendachosteotomie
    • Gonarthrose: Tibiakopfosteotomien (meist valgisierend), distale femorale Umstellungsosteotomien (meist varisierend)

Gelenkersatz

  • Allgemeine Indikationen zum Gelenkersatz
    • Schmerz für mind. 3–6 Monate und Nachweis eines Strukturschadens (Arthrose, Osteonekrose)
    • Versagen konservativer Therapiemaßnahmen
    • Subjektiver Leidensdruck und Einschränkung der Lebensqualität
    • Starke traumatische Gelenkdestruktion und gelenknahe Fraktur
    • Hüft-TEP: Hohes Risiko der Hüftkopfnekrose
  • Hemiprothesen
    • Koxarthrose: Duokopfprothese
      • Beschreibung: Prothetischer Ersatz des Femurkopfes durch eine bipolare Schaftprothese mit kleinem Gelenkkopf, auf die ein größerer, beweglicher Prothesenkopf aufgesetzt wird
      • Indikation: Isolierte Schädigung des proximalen Femurs bei alten Patienten
    • Gonarthrose: Unikondyläre Schlittenprothese
      • Beschreibung: Einseitiger Ersatz von Femur- und Tibiagelenkfläche sowie einer Kunststoff-Gleitfläche zwischen den Prothesenkomponenten
      • Indikation: Einseitige mediale/laterale Gonarthrose
  • Totalendoprothesen (TEP)
    • Koxarthrose: Hüft-TEP
      • Beschreibung: Prothetischer Ersatz von Femurkopf und Hüftpfanne
      • Indikation: Koxarthrose in fortgeschrittenem Stadium, konservative Therapieresistenz
      • Varianten: Zementiert, zementfrei und Hybrid-TEP
    • Gonarthrose: Knie-TEP
      • Beschreibung: Beidseitiger Ersatz von Femur- und Tibiagelenkfläche sowie einer Kunststoff-Gleitfläche zwischen den Prothesenkomponenten
      • Indikation: Gonarthrose in fortgeschrittenem Stadium, konservative Therapieresistenz
      • Varianten: Zementiert und zementfrei, ungekoppelt und gekoppelt
  • Arthrodese
    • Beschreibung: Operative Gelenkversteifung
    • Indikation: Sehr weit fortgeschrittene Gelenkdestruktion, bei der ein prothetischer Ersatz nicht mehr möglich ist (Ultima ratio)

Konservative Therapie der Gon- und Koxarthrose

Die konservative Therapie der Gon- und Koxarthrose ist eine rein symptomatische Therapie, d.h. die Beschwerden sollen gelindert werden. Im Rahmen begleitender sekundärprophylaktischer Maßnahmen kann eine Progression der Arthrose reduziert bzw. verlangsamt werden.

Nicht-medikamentös

  • Patientenaufklärung und -edukation
    • Bewegung bei gleichzeitiger Belastungsminderung: Keine High-Impact-Sportarten
  • Physiotherapie
    • Manuelle Therapie
    • Krankengymnastik
    • Muskelaufbau: Ausdauer und Kräftigung im Rahmen gelenkschonender Sportarten
    • Propriozeptives Training
  • Physikalische Therapie
    • Anwendung von Wärme- und Kältepackungen (Fango)
    • Balneo- und Hydrotherapie
    • Elektrotherapie: TENS
    • Pulsierende Magnetfeldtherapie [1]
  • Orthopädische Hilfsmittel
    • Einlagen/Schuhzurichtungen: Bspw. Pufferabsätze
    • Unterarm-Gehstützen: „Gehstock“ auf der gesunden Seite zur Entlastung des betroffenen Beines
    • Entlastungs-/Stabilisierungsorthesen (sog. Unloader braces)
  • Kurzfristige Ruhigstellung bei akuter Schmerzexazerbation

Medikamentös

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem WHO-Stufenschema. Unterschieden werden zusätzlich noch SYRADOA , also Medikamente wie NSAR und Opioide, die eine schnelle Schmerzlinderung bewirken, und SYSADOA , Medikamente, die nur langsam ihre Wirkung entfalten, dafür aber über mehrere Monate wirken.

SYRADOA: Symptomatic Rapid Acting Drugs for Osteoarthritis

  1. Topisch applizierte NSAR: Bspw. Diclofenac-Salbe (insb. bei Patienten ≥75 Jahren indiziert)
  2. Orale NSAR: Insb. in der akuten Schmerz- und Entzündungsperiode
  3. Orale Opioide : Kurzzeitig in der niedrigsten wirksamen Dosis

SYSADOA: Symptomatic Slow Acting Drugs for Osteoarthritis

  • Glukosamin oral: Regeneration der Knorpelstruktur und des Knorpelstoffwechsels [3]
  • Hyaluronsäure intraartikulär: Einsatz zur Schmerzlinderung bei Kontraindikation oder unzureichendem Effekt von NSAR

Operative Therapie der Koxarthrose

Gelenkerhalt [12]

  • Indikation: Frühstadien der Koxarthrose
  • Verfahren
    • Hüftarthroskopie: Entfernung freier Gelenkkörper
    • Umstellungsosteotomien : Verbesserung der Gelenkflächenkongruenz

Gelenkersatz

Ziel

  • Erhalt des natürlichen Drehzentrums
  • Freie Beweglichkeit ohne Anschlag (Impingement)
  • Keine Luxation im physiologischen Bewegungssektor

Indikation

Kontraindikation

  • Absolut
  • Relativ
    • Sehr hoher BMI (>40)
    • Deutlich verkürzte Lebenserwartung durch Komorbiditäten
    • Suchtmittelabhängigkeit
    • Psychiatrische Begleiterkrankungen

Vorbereitung

  • Messung des Bewegungsumfangs und der Beinlängen
  • Röntgen: Tief eingestellte Beckenübersichtsaufnahme (a.p.) und axiale Aufnahme der Hüfte
  • Entnahme von Kreuzblut und Bereitstellung von Erythrozytenkonzentraten
  • Ggf. Anlage eines Schmerzkatheters zur frühzeitigen postoperativen, schmerzfreien Mobilisierung

Zugang [13]

  • Transgluteal nach Bauer
  • Anterolateral nach Watson-Jones
  • Vorderer Zugang nach Smith-Petersen
  • Dorsal: Hinterer Zugang oder Southern Approach

Verfahren (Hüftgelenkprothesen)

  • Hemiprothese
    • Indikation: Isolierte Schädigung des proximalen Femurs, reduzierte Lebenserwartung (<5 Jahre), niedriges Aktivitätsniveau
    • Kontraindikation: Sehr stark destruiertes Gelenk bei fortgeschrittenen rheumatischen Erkrankungen, Koxarthrose oder Osteoporose
    • Procedere: Prothetischer Ersatz des Femurkopfes unter Belassen des Acetabulums
  • Totalendoprothese (Hüft-TEP)
    • Indikation: Lebenserwartung >5 Jahre, erhöhter funktioneller Anspruch
    • Procedere: Künstlicher Ersatz des Femurkopfes und der Hüftpfanne
      • Zementierte TEP: Bei älteren Patienten zur schnellen Mobilisierung oder bei fortgeschrittener Osteoporose
      • Hybrid-TEP
      • Zementfreie TEP: Bei jüngeren Patienten, bei denen ein Prothesenwechsel wahrscheinlich ist

Nachsorge

Operative Therapie der Gonarthrose

Gelenkerhalt [3]

  • Indikation
    • Frühstadien der Arthrose bei fokalen Knorpeldefekten
    • Einseitig ausgeprägte Arthrose bei jungen (<50 J.), aktiven Patienten bei erhaltener Kniebeweglichkeit
  • Verfahren
    • Knorpelersatzverfahren bei fokalen Defekten , insb. Mosaikplastik
    • Osteotomien bei Achsdeformitäten : Rezentrierung der Traglinie
      • Medial aufklappende oder lateral zuklappende Tibiakopf-Osteotomien: Meist valgisierend
      • Distale femorale Umstellungsosteotomie: Meist varisierend
    • Radiosynoviorthese : Entzündungshemmung bei rezidivierenden Synovialitiden

Gelenkersatz

Indikation

  • Absolut
    • Knieschmerz für mind. 3–6 Monate
    • Nachweis eines Strukturschadens (Arthrose, Osteonekrose)
    • Versagen konservativer Therapiemaßnahmen
    • Subjektiver Leidensdruck und Einschränkung der Lebensqualität
  • Relativ
    • Reduzierte Gehstrecke, Schmerzen bei langem Stehen oder Treppensteigen: Eingeschränkte Alltagsfähigkeit
    • Fehlstellung der Beinachse
    • Instabilität des Kniegelenks
    • Funktionseinschränkungen des Kniegelenks/Beins (Kraft, Beweglichkeit)

Kontraindikation

  • Absolut
  • Relativ
    • Sehr hoher BMI (>40)
    • Deutlich verkürzte Lebenserwartung durch Komorbiditäten
    • Suchtmittelabhängigkeit
    • Psychiatrische Begleiterkrankungen

Vorbereitung

  • Röntgen: Ganzbeinstandaufnahme
  • Entnahme von Kreuzblut und Bereitstellung von Erythrozytenkonzentraten
  • Ggf. Anlage eines Schmerzkatheters : Zur frühzeitigen postoperativen, schmerzfreien Mobilisierung

Verfahren (Kniegelenkprothesen)

  • Unikondyläre Endoprothese (Schlittenprothese)
    • Indikation: Isolierte mediale/laterale, tibiofemorale Gonarthrose bei intaktem Kapsel-Band-Apparat
    • Kontraindikation: Symptomatische Retropatellararthrose, ausgeprägte Beugekontraktur, Varus- oder Valgusfehlstellung
    • Procedere: Einseitiger prothetischer Ersatz von Femur- und Tibiagelenkfläche mit Einlage einer Kunststoff-Gleitfläche zwischen den einzelnen Komponenten
  • Patellofemorale Endoprothese
    • Indikation: Isolierte patellofemorale (retropatellare) Gonarthrose
    • Procedere: Prothetischer Ersatz der Trochlea femoris (= patellare Gleitfläche) und der Patellarückfläche
  • Totalendoprothese (Knie-TEP)
    • Procedere: Beidseitiger (bikondylärer) prothetischer Ersatz von Femur- und Tibiagelenkfläche mit Einlage einer Kunststoff-Gleitfläche zwischen den einzelnen Komponenten
      • Ungekoppelte TEP : Bei stabilem Bandapparat und nur geringgradiger Achsfehlstellung
      • Gekoppelte TEP : Insb. bei älteren Patienten mit insuffizienter Bandführung und Rheumatikern sowie bei femoro-tibialen Rotationsfehlstellungen
      • Ggf. zusätzlich Ersatz der Patellarückfläche (Trikondyläre Prothese)
  • Arthrodese
    • Indikation: Ausgedehnter Knochen- und Weichteildefekt, massive Gelenkdestruktion und Insuffizienz des Streckapparates
    • Procedere: Operative Versteifung des Kniegelenks

Nachsorge

Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Hüft- und Knieendoprothese

Nachbehandlungsempfehlung bei Hüftendoprothese [14]

Zeit Behandlungsziel Maßnahmen
OP-Tag
  • Vermeidung von Komplikationen
  • Schmerzreduktion
  • Kreislaufstabilisierung
  • Pneumonie- und Dekubitusprophylaxe
≥1.Tag
  • Aktivierung des Patienten
  • Schwellungsreduktion
  • Physiotherapeutische Anleitung zum Eigentraining : Limitiertes Bewegungsausmaß (Extension/Flexion 0-0-90) ohne Rotation/Adduktion
  • Schmerzabhängige Mobilisierung und Aktivierung : Statisches und dynamisches Muskeltraining
  • Edukation und Verhaltenstherapie: Aufklärung über die Vermeidung einer Hüft-TEP-Luxation
  • Manuelle Lymphdrainage und Kryotherapie
≤2. Tag
  • Kontrolle der Wundheilung
  • Verbandswechsel
  • Entfernung der Drainagesysteme
≤3. Tag
  • Kontrolle des OP-Ergebnisses
  • Röntgenkontrolle
≤2. Woche
  • Ausweitung der Aktivierung des Patienten
  • Vorbereitung der Entlassung
  • Aktives Bewegen der unteren Extremität
  • Ausweitung des täglichen Trainings
  • Antragstellung und Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme
  • Abklärung der „Activities of Daily Life“ mit entsprechender Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln

≤6. Woche

  • Erreichen eines physiologischen Bewegungsverhaltens
  • Gangschule unter Entwöhnung der Gehhilfen
  • Muskelaufbau- und Ausdauertraining
  • Koordinations- und Gleichgewichtstraining zur Sturzprävention
  • Training der „Activities of Daily Life“
≤12. Woche
  • Bewegung und Belastung unter Alltagsbedingungen
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei leichten Tätigkeiten
  • Erkennen von Störungen im Heilverlauf und Einleiten geeigneter Maßnahmen
  • Erweiterte Gangschule auf unebenem Gelände oder Gehparcours
  • Vollbelastung unter Alltagsbedingungen
  • Übergang zur Trainingsstabilität : Muskelaufbautraining unter Einsatz von Geräten
≤16. Woche
  • Teilhabe: Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei mittelschweren bis schweren Tätigkeiten
  • Funktionstraining, Rehasport und -nachsorge
  • Ggf. Belastungserprobung oder Arbeitstherapie
≥4. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit
  • Zyklische Sportarten im Ausdauerbereich erlaubt
≥7. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit
  • Azyklische Sportarten erlaubt
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung

Nachbehandlungsempfehlung bei Knieendoprothese[14]

Zeit Behandlungsziel Maßnahmen
OP-Tag
  • Vermeidung von Komplikationen
  • Schmerzreduktion
  • Kreislaufstabilisierung
  • Pneumonie- und Dekubitusprophylaxe
≥1.Tag
  • Aktivierung des Patienten
  • Schwellungsreduktion
  • Physiotherapeutische Anleitung zum Eigentraining
  • Schmerzabhängige Mobilisierung und Aktivierung
    • Bewegung im schmerzarmen Bereich
    • Gebrauch von Gehhilfen
    • Passive Bewegung bspw. mit CPM-Schiene (Continous Passive Motion)
  • Edukation und Verhaltenstherapie
  • Manuelle Lymphdrainage und Kryotherapie
≤2. Tag
  • Kontrolle der Wundheilung
  • Verbandswechsel
  • Entfernung der Drainagesysteme
≤3. Tag
  • Kontrolle des OP-Ergebnisses
  • Röntgenkontrolle
≤2. Woche
  • Ausweitung der Aktivierung des Patienten
  • Vorbereitung der Entlassung
  • Aktives Bewegen der unteren Extremität unter Fortführung des passiven Trainings (CPM-Schiene)
  • Ausweitung des täglichen Trainings
  • Antragstellung und Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme
  • Abklärung der „Activities of Daily Life“ mit entsprechender Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln

≤6. Woche

  • Erreichen eines physiologischen Bewegungsverhaltens
  • Gangschule
  • Muskelaufbau- und Ausdauertraining
  • Koordinations- und Gleichgewichtstraining zur Sturzprävention
  • Training der „Activities of Daily Life“
  • Bewegungsbad und EMS
≤12. Woche
  • Bewegung und Belastung unter Alltagsbedingungen
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei leichten Tätigkeiten
  • Erkennen von Störungen im Heilverlauf und Einleiten geeigneter Maßnahmen
  • Erweiterte Gangschule auf unebenem Gelände oder Gehparcours
  • Übergang zur Trainingsstabilität : Muskelaufbautraining unter Einsatz von Geräten
≤16. Woche
  • Teilhabe: Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei mittelschweren bis schweren Tätigkeiten
  • Funktionstraining, Rehasport und -nachsorge
  • Ggf. Belastungserprobung oder Arbeitstherapie
≥4. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit
  • Zyklische Sportarten erlaubt
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung

Komplikationen

Akutkomplikationen bei operativer Therapie der Gon- und Koxarthrose

Spätkomplikationen bei operativer Therapie der Gon- und Koxarthrose

Myositis ossificans

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Generell: Chronisch-progrediente Erkrankung ohne Heilungschancen
  • Umstellungsosteotomie: Bei ⅓ der Patienten nach 10 Jahren Revision notwendig
  • Gelenkersatz

Prävention

  • Vermeidung unphysiologischer, kniebelastender Aktivitäten im Alltag: High-Impact-Sportarten
  • Gelenkschonender Sport: Radfahren, Schwimmen
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht (BMI <25)
  • Muskelaufbau

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • M16.-: Koxarthrose [Arthrose des Hüftgelenkes]
    • M16.0: Primäre Koxarthrose, beidseitig
    • M16.1: Sonstige primäre Koxarthrose
      • Primäre Koxarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M16.2: Koxarthrose als Folge einer Dysplasie, beidseitig
    • M16.3: Sonstige dysplastische Koxarthrose
      • Dysplastische Koxarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M16.4: Posttraumatische Koxarthrose, beidseitig
    • M16.5: Sonstige posttraumatische Koxarthrose
      • Posttraumatische Koxarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M16.6: Sonstige sekundäre Koxarthrose, beidseitig
    • M16.7: Sonstige sekundäre Koxarthrose
      • Sekundäre Koxarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M16.9: Koxarthrose, nicht näher bezeichnet
  • M17.-: Gonarthrose [Arthrose des Kniegelenkes]
    • M17.0: Primäre Gonarthrose, beidseitig
    • M17.1: Sonstige primäre Gonarthrose
      • Primäre Gonarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M17.2: Posttraumatische Gonarthrose, beidseitig
    • M17.3: Sonstige posttraumatische Gonarthrose
      • Posttraumatische Gonarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M17.4: Sonstige sekundäre Gonarthrose, beidseitig
    • M17.5: Sonstige sekundäre Gonarthrose
      • Sekundäre Gonarthrose: einseitig, o.n.A.
    • M17.9: Gonarthrose, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.