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Kolonpolypen

Letzte Aktualisierung: 17.1.2020

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Bei etwa einem Drittel aller über 60-jährigen Menschen lassen sich Schleimhautvorwölbungen im Bereich des Kolons finden - unabhängig von der Ätiologie werden diese als "Polypen" bezeichnet. Es werden je nach Genese nicht-neoplastische (z.B. entzündliche oder hamartöse) von neoplastischen Polypen (z.B. Adenome, Karzinome) unterschieden. Mit Abstand am häufigsten (70%) lassen sich Adenome nachweisen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer malignen Entartung (Adenom-Karzinom-Sequenz) vom Wachstumsverhalten abhängt: Das Vorliegen villöser Adenome sowie Größe (>1cm) und Anzahl der Wucherungen erhöhen das Entartungsrisiko. Aufgrund der makroskopisch nicht eindeutig beurteilbaren Dignität sollten Adenome grundsätzlich endoskopisch oder bei größeren Befunden auch operativ entfernt werden.

Zusätzlich finden sich in dieser Lernkarte vererbliche Krankheiten mit multiplen Polypen, z.B. die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und das Peutz-Jeghers-Syndrom. Da einige dieser Erkrankungen mit einem massiv erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Karzinoms (Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines Kolonkarzinoms bei FAP: 100%) einhergehen, ist eine engmaschige Überwachung und in manchen Fällen sogar die prophylaktische Proktokolektomie empfohlen.

  • Jede unklare Schleimhautvorwölbung in das Lumen des Kolons
  • Bei ca. 30% der Menschen >60 Jahren
  • Kolorektale Polypen sind zu 70% Adenome

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Neoplastisch
  • Nicht-neoplastisch
    • Z.B. hamartöser oder entzündlicher Polyp

Histologische Unterteilung der Kolonpolypen

Häufigkeit der Adenome (tubulär>tubulovillös>villös) Entartungsrisiko (villös>tubulovillös>tubulär) Charakteristika
Tubuläres Adenom ca. 60-65% ca. 4%
  • Drüsig-schlauchförmige Wucherungen, die sich makroskopisch häufig als gestielte Tumoren präsentieren
Tubulovillöses Adenom ca. 20-25% ca. 10%
  • Mischform
Villöses Adenom ca. 5-10% ca. 50%
  • Breitflächige, feinzottige Oberfläche, mutet makroskopisch wie ein Rasen an

Das villöse Adenom ist zwar seltener als das tubuläre Adenom, hat aber ein deutlich höheres Entartungsrisiko!

"Je villöser desto böser!"

  • Entzündlicher Polyp
    • Benigne Schleimhautveränderung
    • Auftreten z.B. bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • Hyperplastischer Polyp
    • Benigne Schleimhautveränderung mit unterschiedlichem neoplastischen Risiko
    • Sägezahnartige Oberfläche (Serratierung)
    • Meist kleine, sessile Läsionen unter 5mm im Rektum
  • Sessiles serratiertes Adenom
    • Ähnliche Morphologie wie hyperplastischer Polyp, hohes Entartungsrisiko
    • Typischerweise größer als 5mm, Lokalisation meist im rechtsseitigen Kolon
    • Kann direkt in Adenokarzinom übergehen
  • Hamartom
    • Atypische Ausdifferenzierung von Keimmaterial
    • Angeboren, evtl. Syndrom-assoziiert

Sonderformen: Hereditäre gastrointestinale Polyposis-Syndrome

Vorwiegend adenomatös

Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)

MUTYH-assoziierte Polyposis

Vorwiegend hamartomatös

Peutz-Jeghers-Syndrom

Familiäre juvenile Polyposis

Cowden-Syndrom

Nachweis eines Adenoms → Absuchen des gesamten Kolons!

Zur Nachsorge: Siehe Darmkrebsvorsorge

  • DGIM-Studientelegramm 1-2019-5/8: Routinemäßiger Clip-Verschluss nach endoskopischer Resektion größerer Kolonpolypen möglicherweise ineffektiv zur Prophylaxe von Nachblutungen

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  • K63.-: Sonstige Krankheiten des Darmes
    • K63.5: Polyp des Kolons
      • Hyperplastischer Polyp
      • Polyp o.n.A.
      • Exklusive: Adenomatöser Polyp des Kolons (D12.6); Polyposis coli (D12.6)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Siegenthaler, Blum: Klinische Pathophysiologie. 9. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-134-49608-6 .
  3. Aretz: Differenzialdiagnostik und Früherkennung hereditärer gastrointestinaler Polyposis-Syndrome In: Deutsches Ärzteblatt Online. Band: 107, Nummer: 10, 2010, doi: 10.3238/arztebl.2010.0163 . | Open in Read by QxMD p. 163-73.
  4. Koop: Gastroenterologie compact. 3. Auflage Thieme 2013, ISBN: 978-3-131-26313-1 .
  5. S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Stand: 14. Juni 2013. Abgerufen am: 17. Oktober 2017.