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Keratitis

Letzte Aktualisierung: 3.9.2018

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Die Keratitis (Hornhautentzündung) geht aufgrund der sensiblen Innervation der Hornhaut (bis auf einige Ausnahmen) mit starken Schmerzen einher. Weitere typische Befunde sind die Rötung des Auges, wässrige oder eitrige Sekretion und ein eingeschränkter Visus. Diagnostisch wegweisend ist neben der Klinik die Spaltlampenuntersuchung; ergänzende Maßnahmen (z.B. Abstriche) können bei relevanter Schwere der Befunde notwendig sein. Eine Entzündung der Hornhaut ist immer ernst zu nehmen und je nach Ursache (bakteriell, viral, mykotisch oder nicht-infektiös) suffizient zu therapieren, um Folgeschäden wie Vernarbungen, Trübungen oder gar Perforationen zu vermeiden.

Aufgrund der Perforationsgefahr ist eine bakterielle Keratitis als ophthalmologischer Notfall zu behandeln!

Glucocorticoide sind bei bakterieller Keratitis kontraindiziert!

Herpes-simplex-Keratitis

Keratitis dendritica (epitheliale Keratitis)

  • Symptome/Klinik: Schmerzen, Fremdkörpergefühl und Photophobie
  • Befunde
    • Oberflächliche bäumchenartige Erosionen der Hornhaut
    • Durch Anfärbung mit Fluoreszein gut sichtbar
    • Herabgesetzte Sensibilität der Hornhaut
  • Therapie: Lokale Gabe von Aciclovir

Glucocorticoide sind bei der Keratitis dendritica kontraindiziert!

Keratitis herpetica interstitialis (stromale Keratitis)

  • Symptome/Klinik: Sehverschlechterung und Schmerzen
  • Befunde
    • Infiltration des Hornhautstromas (schießscheibenartige zentrale Infiltration) bei intaktem Epithel
    • Häufig Endothelbeschläge
  • Therapie: Lokale und systemische Gabe von Aciclovir, topische Glucocorticoidgabe

Keratitis disciformis (endotheliale Keratitis)

Herpes-zoster-Keratitis (Zoster ophthalmicus)

  • Ätiologie: Reaktivierte Herpes-zoster-Viren (Befall des 1. Astes des N. trigeminus = N. ophthalmicus)
  • Klinik:
    • Keratitis
    • Evtl. intraokulare Entzündung
    • Im Innervationsbereich des N. ophthalmicus (Stirn, Nasenrücken und -spitze): Hauteffloreszenzen, Anaesthesia dolorosa (reduzierte Oberflächensensibilität bei gleichzeitig starken Schmerzen)
  • Therapie: Lokale und/oder systemische virostatische Therapie mit Aciclovir
  • Weitere Informationen: Siehe Herpes zoster

Adenoviren

Siehe Keratoconjunctivitis epidemica

  • Charakteristika
    • Eher seltenes Krankheitsbild
    • Häufig bereits Verläufe über Wochen mit frustranen antibiotischen Therapieversuchen
    • Meist Kontaktlinsenträger
  • Symptome/Klinik
    • Starke Schmerzen
    • Lichtscheu
    • Tränenträufeln
    • Visusabnahme
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Konservativ: Intensive Lokaltherapie
    • Chirurgisch: Ggf. Keratoplastik à chaud

Keratitis e lagophthalmo

  • Definition: Keratitis durch mangelnden Lidschluss und daraus resultierender Trockenheit der Hornhaut
  • Ätiologie: Meist durch Schädigung des N. facialis, z.B. durch einen Schlaganfall

Keratitis neuroparalytica

  • Definition: Keratitis durch Sensibilitätsverlust der Hornhaut durch Lähmung des 1. Trigeminusastes
  • Ätiologie
    • Verletzung des Nerven
    • Tumoren im Bereich des Nervenverlaufs
    • Chronische Herpesinfektionen

Keratoconjunctivitis photoelectrica (Keratitis photoelectrica)

  • Definition: Schädigung des Hornhautepithels durch starke Einstrahlung von ultraviolettem Licht mit ausgeprägter Schmerzsymptomatik
  • Ätiologie
    • Schweißen ohne Schutzbrille
    • Im Rahmen künstlicher Hautbräunung (Solarium)
    • Hohe UV-Strahlung im Hochgebirge
  • Pathophysiologie
    • Die Epithelschädigung ist zunächst oft asymptomatisch: Nekrose der Hornhautepithelzellen→ Entzündungsreaktion, Ödem und Abstoßung der Epithelzellen, nach einer Latenz von ca. 6-8 Stunden kommt es zu Symptomen
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Beidseits multiple, feinfleckige, oberflächliche, fluoreszeinpositive Hornhautepitheldefekte (Keratitis superficialis punctata)
    • Konjunktivale Gefäßinjektion
  • Therapie:
  • Verlauf:
    • Meist vollständige Abheilung nach 24–48 Stunden
    • Infektionsgefahr

Applikation von anästhesierenden Augentropfen nur zur Diagnostik! Auf keinen Fall zur Schmerztherapie einsetzen, da ein unsachgemäßer Gebrauch zu Epithelschäden führen kann und durch Aufhebung des schützenden Hornhautreflexes weitere Verletzungen der Hornhaut leicht möglich sind!

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Grehn: Augenheilkunde. 29. Auflage Springer 2005, ISBN: 3-540-25699-7 .
  2. Lang et al.: Augenheilkunde. 4. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-131-02834-1 .