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Kardiotokographie (CTG)

Abstract

Die Kardiotokographie (CTG) dient der Überwachung des ungeborenen Kindes vor und insb. während der Geburt. Die gleichzeitige Ableitung und Aufzeichnung der fetalen Herzfrequenz, der Wehentätigkeit und (bei neueren Geräten) auch der Kindsbewegungen erlaubt Rückschlüsse auf den fetalen Zustand. Das CTG wird jedoch von verschiedensten maternalen, fetalen, fetoplazentaren und exogenen Faktoren beeinflusst. Durch die Beobachtung und Bewertung mehrerer Parameter (wie z.B. der fetalen Herzfrequenz, Oszillationsbreite und Dezelerationen) wird das CTG als normal, suspekt oder pathologisch befundet. Je nach Ergebnis sind unterschiedliche konservative und/oder invasive diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen indiziert.

Allgemeines

Durchführung

Mithilfe der Kardiotokographie werden die fetale Herzfrequenz und die Wehentätigkeit (als sog. Kardiotokogramm) aufgezeichnet sowie die mütterliche Herzfrequenz und ggf. Kindsbewegungen ermittelt.

  • Fetale Herzfrequenz (FHF): Ermittlung mittels Doppler-Ultraschall, Aufzeichnung in bpm in der oberen Kurve (Kardiogramm)
    • Unter der Geburt kann auch eine interne FHF-Ableitung über eine Elektrode erfolgen, die am kindlichen Kopf befestigt wird (Kopfschwartenelektrode); dazu muss der Blasensprung bereits stattgefunden haben oder eine Amniotomie durchgeführt werden
  • Wehentätigkeit: Messung mechanoelektrisch mittels Druckaufnehmer, Aufzeichnung in der unteren Kurve in kPa (Tokogramm)
  • Mütterliche Herzfrequenz: Ermittlung mittels Doppler-Ultraschall, Aufzeichnung kann ein- und ausgeschaltet werden
  • Kindsbewegungen: Registrierung und Aufzeichnung bei neueren Geräten möglich, Darstellung wird als Kineto-Kardiotokogramm bezeichnet und liefert weitere Hinweise über fetalen Zustand

Indikationen

  • Routine
    • Kreißsaalaufnahme
    • Während der Geburt
  • Bei jedem Verdacht auf eine Schwangerschafts-/Geburtskomplikation

Parameter / Terminologie

Fetale Herzfrequenz (FHF)

Die fetale Herzfrequenz wird im CTG auch als Baseline oder Basalfrequenz bezeichnet und liegt normalerweise bei 110–160 bpm. Um sie zu bestimmen, wird eine gedachte horizontale Linie durch die Aufzeichnung der FHF in der wehenfreien Phase gelegt, sodass die Kurven ungefähr in der Mitte geschnitten werden.

  • Tachykardie
    • Leichte Tachykardie: FHF von 161–180 bpm für >10 min
    • Schwere Tachykardie: FHF von >180 bpm für >10 min
    • Ursachen: Stress, Hypotonie, Fieber der Mutter, Medikamente (z.B. Betamimetika im Rahmen einer Tokolyse), Triple I, fetale Arrhythmien, Hypoxie
  • Bradykardie

Oszillationsamplitude (Bandbreite)

Die Oszillationsamplitude bezeichnet man auch als Bandbreite. Sie ist definiert als die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Umkehrpunkt der fetalen Herzfrequenzkurve. Dabei werden Akzelerationen und Dezelerationen nicht beachtet.

  • Saltatorischer Oszillationstyp: >25 bpm
  • Undulatorischer Oszillationstyp: 10–25 bpm
    • Normalbefund
  • Eingeschränkt-undulatorischer Oszillationstyp: 5–10 bpm
    • Ursachen: Kind schläft, zentral-sedierende Medikamente, Hypoxie
  • Silenter Oszillationstyp: <5 bpm
    • Gleiche Ursachen wie beim eingeschränkt-undulatorischen Oszillationstyp
  • Bewertung nach FIGO-Leitlinien [1]
    • Normal: 5–25 bpm
    • Suspekt: <5 bpm oder >25 bpm oder fehlende Oszillation über 40–90 Minuten
    • Pathologisch: <5 bpm oder fehlende Oszillation über 90 Minuten oder sinusoidal

Oszillationsfrequenz

Zeigt an, wie oft sich die fetale Herzfrequenz pro Minute ändert. Die Bestimmung erfolgt durch Zählen der Nulldurchgänge der FHF durch eine gedachte Linie auf Höhe der Baseline. Die Oszillationsfrequenz sollte bei >6/min liegen, eine Erniedrigung deutet auf eine fetale Gefährdung (z.B. aufgrund einer Hypoxie) hin.

Akzelerationen

Akzelerationen sind kurzzeitige Anstiege der FHF von der Baseline um >15 bpm für eine Dauer von max. 10 min. Ihr sporadisches Auftreten ist der physiologische Ausdruck von kindlichen Bewegungen. Treten kaum oder keine Akzelerationen auf, kann dies durch eine Hypoxie oder den Einfluss zentral-sedierender Medikamente bedingt sein; das Kind kann jedoch auch einfach schlafen.

Dezelerationen

Bei einem kurzzeitigen Abfall der FHF von >15 bpm (oder >½ der Bandbreite) für eine Dauer von max. 3 min spricht man von einer Dezeleration. Diese wird je nach ihrem Zusammenhang mit der Wehentätigkeit unterschiedlich gewertet:

  • Frühe Dezeleration
    • Früher als „DIP I“ bezeichnet
    • Beginn und Ende der Dezeleration liegen synchron zum Verlauf einer Wehe, die Dezeleration erreicht ihr Minimum, wenn die Wehenkurve ihren Gipfel erreicht
    • Ursachen: Kompression des kindlichen Kopfes während einer Wehe → vagaler Reflex führt zu einem temporären Abfall der Herzfrequenz
    • Eine frühe Dezeleration ist in der Regel kein Zeichen einer Hypoxie
  • Späte Dezeleration
    • Früher als „DIP II“ bezeichnet
    • Abfall der FHF erst nach dem Maximum der Wehenkurve
    • Ursachen: Fetale Hypoxie, insbesondere in Kombination mit einem Oszillationsverlust
    • Maßnahmen: Umlagerung der Mutter, Mikroblutuntersuchung zur Ermittlung des pH-Werts des Fetalbluts, "intrauterine Reanimation"
  • Variable Dezeleration : Sehr variables Bild und wechselnder zeitlicher Zusammenhang zu den Wehen
    • Ursachen
    • Maßnahmen: Abhängig von der Ursache, ggf. operative Geburtsbeendigung
  • DIP 0: Spike; Auftreten unabhängig von der Wehentätigkeit
  • Prolongierte Dezeleration: Tiefe, lang andauernde Dezeleration ("Badewanne")

CTG-Bewertung

Die CTG-Bewertung erfolgt hier mithilfe des modifizierten FIGO-Scores nach der DGGG-Leitlinie von 2012. Diese wird momentan überarbeitet und soll 2020 fertiggestellt werden.

Einteilung [2]

  • Normales CTG: Alle vier Kriterien unauffällig
  • Suspektes CTG: Ein Kriterium suspekt
  • Pathologisches CTG
    • Zwei Kriterien suspekt
    • Ein Kriterium pathologisch
CTG-Bewertung nach DGGG-Leitlinie 2012[2]
Parameter Normal Suspekt Pathologisch
Baseline
  • 110–160 bpm
  • 161–180 bpm
  • 100–109 bpm
  • >180 bpm
  • <100 bpm
Oszillation (Bandbreite)
  • ≥5 und ≤25 bpm
  • <5 bpm über ≥40 min
  • >25 bpm
  • <5 bpm über ≥90 min
  • Sinusoidal
Dezelerationen
  • Keine
  • Frühe
  • Variable (typische)
  • Einzelne prolongierte <3 min
  • Späte
  • Variable (atypische)
  • Einzelne prolongierte >3 min
Akzelerationen
  • ≥2 in 20 min
  • Sporadisch
  • Vorhanden
  • Periodisch wehenabhängig
  • Keine in >40 min

Vena-cava-Kompressionssyndrom

  • Definition: Kompression der V. cava und der Beckenvenen in der Schwangerschaft
  • Ursache: Rückenlage der Mutter im 3. Trimenon
  • Pathophysiologie: Gestörter venöser Rückfluss zum HerzenHerzminutenvolumen sinkt → Fetale Hypoxie
  • Symptome
  • Maßnahmen: Umlagerung (in Linksseitenlage), ggf. Beine hochlagern