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Insomnien

Letzte Aktualisierung: 27.10.2021

Abstracttoggle arrow icon

Insomnien zählen neben Parasomnien zu den häufigsten Schlafstörungen. Gemäß der International Classification of Sleep Disorders (ICSD) versteht man unter Insomnien Ein- und/oder Durchschlafstörungen oder nicht erholsamen Nachtschlaf mit daraus folgender Tagesmüdigkeit und Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten. Insomnien gelten als die häufigsten Schlafstörungen. Sie können Folge organischer oder psychischer Erkrankungen oder eines Substanzabusus sein, aber auch als eigenständiges Krankheitsbild auftreten. Während nach ICSD noch eine weitere Unterteilung erfolgt, gehören letztere nach ICD-10 zu den „nichtorganischen Insomnien“ (F51.0), um die es in diesem Kapitel gehen soll. Neben einer schlafmedizinischen Beratung kommen psychotherapeutische Behandlungsansätze und im Einzelfall schlafinduzierende Medikamente zum Einsatz.

  • Insomnie: Ein- und/oder Durchschlafstörung oder nicht erholsamer Nachtschlaf mit daraus folgender Tagesmüdigkeit und Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten
Diagnosen nach ICSD-2 Beschreibung Diagnosen nach ICD-10 ICD-10-Code
Anpassungsbedingte (akute) Insomnie Nichtorganische Insomnie F51.0
Psychophysiologische (chronische) Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Konditioniertes Schlafproblem und/oder erhöhte Arousals durch mind. 1 der folgenden Symptome
    • Exzessives Fokussieren auf die Schlafproblematik
    • Einschlafschwierigkeiten zur geplanten Bettzeit, aber Einschlafneigung bei Monotonie am Tage
    • Besserer Schlaf in fremder Schlafumgebung
    • Unfähigkeit, schlafverhindernde Gedanken zu beenden
    • Unfähigkeit, vor dem Einschlafen körperlich zu entspannen
Paradoxe Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Mind. 1 der folgenden Kriterien
    • Angegebenes chronisches Muster von wenig/gar keinem Schlaf
    • Im Schlaftagebuch über eine/mehrere Wochen unterdurchschnittliche Schlafzeit ohne darauf folgende Tagschlafepisoden
    • Konsistentes Missverhältnis zwischen objektiven Befunden aus Polysomnografie/Aktigrafie und subjektiven Einschätzungen
  • Mind. 1 der folgenden Symptome
    • Ständige Wahrnehmung von nächtlichen Störgeräuschen, bspw. Glockenturm
    • Anhaltendes Gedankenkreisen in der ganzen Nacht
  • Tagesbeeinträchtigung vorhanden, aber i.d.R. geringer ausgeprägt als bei angegebenem Schlafverlust zu erwarten
  • In Ausnahmefällen Sekundenschlaf, Desorientierung oder Fehler als Folge des Schlafmangels möglich
Insomnie durch inadäquate Schlafhygiene
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Inadäquate Schlafhygiene belegt durch mind. 1 der folgenden Symptome
    • Irregulärer Schlaf-Wach-Rhythmus mit häufigem Tagschlaf
    • Konsum von schlafhindernden Substanzen, bspw. Alkohol, Nikotin oder Koffein, insb. vor dem Schlafengehen
    • Betreiben kognitiv/emotional stimulierender Aktivitäten vor dem Schlafengehen
    • Nutzen des Bettes für andere Aktivitäten als das Schlafen
    • Unfähigkeit, angenehme Schlafsituation zu schaffen
Verhaltensabhängige Insomnie in der Kindheit
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Mind. 1 der Folgenden Kriterien
    • Assoziationsbedingte Einschlafstörung
      • Abhängigkeit von bestimmten Stimuli, Objekten oder Ritualen
    • Insomnie aufgrund mangelnder elterlicher Grenzsetzung
      • Hinhaltetaktik oder Verweigerungshaltung vor dem Schlafengehen
      • Nicht konsequentes erzieherisches Verhalten ohne verlässliche Grenzen
Insomnie durch psychische Erkrankung
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Diagnostizierte psychische Erkrankung
  • Insomnie in zeitlichem Zusammenhang mit der psychischen Erkrankung
  • Insomnie ist ausgeprägter als typischerweise bei der psychischen Erkrankung zu erwarten und führt zu Stress bzw. wird zu unabhängigem Therapiefokus
Nichtorganische Insomnie/sonstige nichtorganische Schlafstörungen F51.0/F51.8 + Grunderkrankung
Nicht näher bezeichnete, unspezifische nichtorganische Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Nicht anderweitig klassifizierbar
  • Am ehesten Folge psychologischer Faktoren oder mangelnder Schlafhygiene
Nichtorganische Insomnie/nichtorganische
Schlafstörung, nicht näher bezeichnet
F51.0/F51.9
Insomnie durch Drogen, Medikamente oder Substanzen
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Insomnie in zeitlichem Zusammenhang mit Substanzmissbrauch
Ein- und Durchschlafstörungen G47.0 + Grunderkrankung
Insomnie durch körperliche Erkrankung
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Koexistierende körperliche Ursache, die den Schlaf hindert
  • Insomnie in zeitlichem Zusammenhang mit der körperlichen Erkrankung
Idiopathische Insomnie
  • Chronische Erkrankung mit Beginn im Säuglings-/Kindesalter
  • Kein eruierbarer Stressor bzw. keine Ursache
  • Persistierende Insomnie ohne längere Remission
G47.0
Nicht näher bezeichnete, unspezifische organische Insomnie
  • Dauer mind. 1 Monat
  • Nicht anderweitig klassifizierbar
  • Am ehesten Folge körperlicher Erkrankung oder Substanzmissbrauch
  • Akute Insomnien [1][2]
  • Chronische Insomnien
    • Prävalenz [3][4][5]
      • Kinder und Jugendliche
        • 0–6 Jahre: Einschlafstörungen bei ca. 9%, Durchschlafstörungen bei 9–17,5%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei knapp 3%
        • 7–13 Jahre: Einschlafstörungen bei 13–17%, Durchschlafstörungen bei 5–8%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei knapp 3%
        • 14–17 Jahre: Einschlafstörungen bei 15–18%, Durchschlafstörungen bei 5–11%, kombinierte Ein- und Durchschlafstörungen bei 2–5%
      • Erwachsene: Ca. 6–10% [1]
    • Geschlecht
      • Kinder und Jugendliche
        • Alter 0–13 Jahre: =
        • Alter 14–17 Jahre: >
      • Erwachsene: >

Da ca. 60% der Schlafstörungen einen chronisch-persistierenden Verlauf zeigen, ist die Diagnose und Therapieeinleitung bereits im frühen Lebensalter essentiell!

Sobald es das Alter zulässt, sollten zur Beurteilung der Schlaf-Wach-Thematik bei Kindern Angaben sowohl der Eltern als auch Kinder einbezogen werden!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Risikofaktoren für Insomnien [6][7]

  • Mangelnde Schlafhygiene
  • Übermäßige Reizeinwirkungen, insb. Medienkonsum
    • Übermäßige abendliche und nächtliche Medienaktivitäten [8]
    • Medienaktivitäten tagsüber [9]
    • Potentielle Gründe für Insomnien im Zusammenhang mit Medienkonsum
      • Übermäßiger Medienkonsum → Bewegungsmangel und erhöhtes Adipositasrisiko → Negative Auswirkung auf einen gesunden Schlaf
      • Computerspiele mit aggressivem Inhalt → Erhöhtes psychophysiologisches Erregungslevel
      • Blaues Bildschirmlicht → Hemmung der Melatoninausschüttung → Negative Auswirkung auf Ein- und Wiedereinschlafen
  • Assoziation mit psychiatrischen Erkrankungen: Insb. Depressionen, Angststörungen

Zusätzliche Risikofaktoren für Insomnien im Kindes- und Jugendalter

  • Belastung des Eltern-Kind-Verhältnisses durch
    • Negatives emotionales Verhalten dem Kind gegenüber
    • Wenig Nähe und häufige Konflikte
  • Mangelnde elterliche Grenzsetzung (insb. im Säuglings- und Kleinkindesalter) [10][11]
    • Abnorme Einschlaf- und Wiedereinschlafgewohnheiten → Teufelskreis sich gegenseitig verstärkender, negativer Erwartungshaltung bei Eltern und Kind
      • Inkonsequentes, nachgiebiges Elternverhalten → Zunehmend forderndes, das Einschlafen hinauszögerndes Verhalten des Kindes → Gereiztes Elternverhalten
    • Negative Folgen für die kindliche Sozialisation

Uneingeschränkt nachgiebiges Verhalten der Eltern nimmt den Kindern die Möglichkeit, sich selbst zu regulieren!

Erzieherisches Verhalten ist jedoch nur dann wirksam, wenn es sich nicht nur auf die Schlafthematik bezieht, sondern in ein erzieherisches Gesamtkonzept eingebettet ist!

Eine kindliche Schlafstörung führt i.d.R. zu einer elterlichen Schlafdeprivation mit Schlafschwierigkeiten und Tagesschläfrigkeit, was die Eltern-Kind-Interaktion wiederum zusätzlich belastet!

Nichtorganische Insomnie (F51.0): Diagnosekriterien

  • Symptome
    • Ein- und/oder Durchschlafstörungen
    • Zu frühes (morgendliches) Erwachen
    • Nicht erholsamer Schlaf
  • Auftreten: Mind. 3×/Woche über mind. 1 Monat
  • Folgen: Leidensdruck bzw. Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten
  • Bei Kindern
    • Hinauszögern des Zubettgehens
    • Schwierigkeit bis Unmöglichkeit, ohne elterliche Intervention einzuschlafen

Folgen [12]

  • Tagesmüdigkeit und/oder Einschlafneigung
  • Unwohlsein und Stimmungsschwankungen
  • Auffälligkeiten des (Sozial‑)Verhaltens, bspw. Hyperaktivität, Impulsivität, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, aber auch Antriebslosigkeit
  • Einschränkung von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis und/oder schulischer/beruflicher Leistungsfähigkeit
  • Erhöhtes Risiko für Fehlleistungen oder Unfälle
  • Sorgen um den Schlaf
  • Bei Kindern und Jugendlichen: Meist Vorstellung primär durch die Eltern, manchmal auch Vorstellung auf Initiative des Kindes wegen unerholsamen Schlafes

Die Tagesmüdigkeit infolge des nicht erholsamen Schlafes ist ein relevanter Diagnosefaktor der chronischen Insomnie!

Basisdiagnostik [13][14]

  • (Fremd‑)Anamnese durch Eltern bzw. Partner, inkl.
    • Zeitlicher Einordnung der Symptomatik im Schlafverlauf
    • Eigen- und Familienanamnese bzgl. Schlaf-assoziierter Auffälligkeiten
    • Gezieltes Fragen bzgl.
      • Schlafdauer
      • Schlafstörenden Faktoren
      • Schlafstörenden Substanzen, insb. Kaffee, Alkohol
      • Medikamenten
      • Psychiatrischen Erkrankungen, insb. Depression, Angsterkrankung
    • Zuhilfenahme von Schlaffragebögen und -tagebüchern über mind. 3 Wochen
      • Bei Kindern zusätzlich
        • Kinderschlafcomic: Zur altersgerechten Befragung von Kindern im Alter von 5–10 Jahren
        • Schlafinventar für Kinder und Jugendliche: Befragung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 5–18 Jahren und deren Eltern
  • Körperliche Untersuchung zum Ausschluss somatischer Erkrankungen, die immer wieder zu einer Unterbrechung des Schlafes führen können
    • Siehe hierzu: Differenzialdiagnosen bei Insomnien

Erweiterte Diagnostik

I.d.R. ist die Diagnose klinisch so eindeutig, dass auf eine apparative Diagnostik verzichtet werden kann!

Bei atypischer oder therapieresistenter Symptomatik, Häufigkeitszunahme oder zusätzlichen Symptomen sowie bei Differenzen zwischen den anamnestisch geschilderten Symptomen und objektiv erfassbaren Parametern sollte eine erweiterte Abklärung erfolgen!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Psychoedukation bei Insomnie [2]

  • Gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport
  • Schlafhygiene
    • Regelmäßige Schlaf-Wach-Zeiten
    • Tag am Abend ausklingen lassen, bei Kindern Schlafritual durchführen
    • Ruhiges, dunkles, angenehm kühles Schlafzimmer und bequemes Bett
    • Einige Stunden vor dem Schlafengehen sollte das Folgende vermieden werden
      • Alkohol
      • Stimulanzien, insb. Kaffee und Nikotin
      • Große Mahlzeiten bzw. leerer Magen
      • Medienkonsum, bspw. über TV, Internet und Smartphone
      • Schwere körperliche Anstrengung
    • Nachts kein helles Licht anmachen
  • Stimuluskontrolle
    • Im Bett kein Arbeiten, Lesen oder Essen
    • Erst schlafengehen, wenn man müde ist
    • Bei (Wieder‑)Einschlafproblemen: Aufstehen, sich mit einer entspannenden Tätigkeit beschäftigen und erst bei Müdigkeit wieder ins Bett zurückkehren
    • Nachmittagsschlaf vermeiden; wenn überhaupt, dann max. bis 15 Uhr und max. 1 Stunde
    • Schlafrestriktion (nur bei Erwachsenen)
    • Bei Kindern
      • Schlafen oder Zubettgehen nicht als Strafe verwenden
      • Ggf. sukzessives Verkürzen des Mittagsschlafes
  • Entspannungsverfahren, bspw. autogenes Training, progressive Muskelentspannung, imaginative oder meditative Verfahren


Emotional belastende Reizeinwirkung v.a. im Rahmen des Medienkonsums begünstigt Insomnien und ist insb. abends dringend zu vermeiden!

Das Bett sollte nur zum Schlafen verwendet werden! Ausnahme sind sexuelle Aktivitäten.

Zusätzliche Aspekte der Psychoedukation bei Insomnie im Kindes- und Jugendalter

  • Schlafberatung als Präventivmaßnahme, bspw. bei Vorsorgeuntersuchungen
    • Häufig fehlendes Bewusstsein bei Eltern und Kindern über die Bedeutung des erholsamen Schlafes für eine gesunde Entwicklung
  • Zusammenhang zwischen innerer Uhr und sozialen Zeitgebern
    • Säuglinge
      • Licht hat im frühen Säuglingsalter noch keine hinreichende Zeitgeberfunktion
      • Regelmäßiges Stillen als sozialer Zeitgeber ist der wichtigste Faktor zur Etablierung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus
      • Unnötiges nächtliches Stillen oder Füttern konditioniert wiederholtes Aufwachen und sollte daher vermieden werden
    • Kinder und Jugendliche
      • Stabile Rhythmen auch im späteren Lebensalter bedeutend für erholsamen Schlaf
      • Kinder mit regelmäßigen Zubettgeh- und Aufstehzeiten haben signifikant seltener Ein- und Durchschlafstörungen oder Tagesmüdigkeit als Kinder mit unregelmäßigen Schlaf-Wach-Zeiten
  • Schlafhygiene und Stimuluskontrolle
  • Einschlafrituale
    • Kurzes, etwa 10-minütiges Einschlafritual in Begleitung eines Elternteils
    • Zeit nehmen, den Tag im positiven Sinne Revue passieren zu lassen
    • Relativieren von auftretenden Sorgen und Ängsten, die dem Schlafen entgegenstehen
    • Ggf. Vorsingen eines Liedes oder Vorlesen kurzer Geschichten
    • Konfrontationen sollten nie(!) am Abend ausgetragen werden
  • Fördern der Eigenständigkeitsentwicklung des Kindes
    • Alleine einzuschlafen und nachts alleine wiedereinzuschlafen wird nur gelingen, wenn dem Kind auch tagsüber die Möglichkeit gegeben wird, sich von der Bezugsperson zu lösen
    • Ggf. vorübergehende Fremdbetreuung tagsüber
  • Umgang mit Medienkonsum [15]
    • Empfehlung für altersabhängige Maximaldauer pro Tag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für Medienkonsum
      • Kinder 0–2 Jahre: Max. 20 min
      • Kinder 3–5 Jahre: Max. 30 min
      • Kinder 6–10 Jahre: Max. 45 min
      • Kinder 11–13 Jahre: Max. 60 min
    • Spätestens nach dem Zubettgehen: Medienkonsum (insb. über das Smartphone) reduzieren
      • Maßnahmen möglichst mit anderen Eltern aus der Peer Group des Kindes absprechen – es fällt dem Kind leichter, eine mediale Auszeit zu nehmen, wenn seine Freunde auch nicht erreichbar sind
  • Therapeutischer Ansatzpunkt: Deeskalation der Eltern-Kind-Interaktion
    • Änderung der Schlafumgebung
    • Verhaltensplan in kleinen Schritten, möglichst unter Nutzung positiver Verstärkung durch symbolische Belohnung des Kindes bei Fortschritten (siehe auch: Verfahren im Kleinkindesalter)
    • Therapeutisches Folgegespräch nach etwa 3 Wochen
    • Beratung von Jugendlichen oft erschwert durch pubertäre Noncompliance

Säuglinge sollten im Elternschlafzimmer bei einer Temperatur von 17–18 °C in einem separaten, evtl. ans Elternbett angedockten Bett in Rückenlage in einem Schlafsack schlafen – ohne(!) Kopfbedeckung, ohne(!) weitere Decke und ohne(!) Nestchen, Kuscheltiere, Himmel, Kopfkissen etc.

Nach anfänglicher Eingewöhnungszeit ist ein regelmäßiger Stillrhythmus förderlich für einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus!

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen bzgl. des Schlafverhaltens sollten immer in ein erzieherisches Gesamtkonzept integriert sein!

Der Umgang mit Medien wird zu einem gesellschaftlichen Kernthema, das nicht nur schlafmedizinisch relevant ist!

Es ist wichtig, Eltern und Kind klar zu machen, dass zu Schlafstörungen führende Verhaltensweisen nicht über Nacht verändert werden können und immer wieder Rückschritte zu erwarten sind!

Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn können die meisten Kinder und Jugendlichen mit einer chronischen Insomnie auf diese Weise erfolgreich therapiert werden!

Psychotherapeutische Behandlungsansätze [16]

Psychotherapeutische Behandlungsansätze kommen nur bei schwerer Symptomatik zum Einsatz, wenn eine reine Schlafberatung nicht zum Erfolg führt.

  • Verfahren insb. im Kleinkindesalter
    • Positive Verstärkung: Belohnung des Kindes bei erfolgreichem Zubettgehen oder Wiedereinschlafen
    • Diskriminierung: Verstärkung des Zielverhaltens, schlafen zu gehen oder wieder einzuschlafen durch repetitive Ansagen
    • Shaping: Standardisierung der Abläufe durch immer wiederkehrende, aufeinanderfolgende Schritte
    • Positive Routine am Abend: Fördert in entspannender Atmosphäre das Einschlafen
    • Fading: Erleichtern des Einschlafens durch Anwesenheit eines Elternteils in der Einschlafsituation, bei Fortschritten schrittweises Reduzieren der Anwesenheit
    • Graduelle Extinktion [17]
      • Nach dem Zubettbringen verlassen die Eltern das Schlafzimmer
      • Bei ausbleibendem Beruhigen des Kindes kommen die Eltern nach wenigen Minuten zurück ins Zimmer
      • Nach kurzer Beruhigung des Kindes verlassen sie dann wieder das Zimmer
      • Zeit bis zum Wiederkommen jeweils um einige Minuten verlängern
  • Verfahren insb. bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
    • Konzipieren von Problemlösungsstrategien
    • Vorverlagerung des Nachdenkens über Probleme vor die Schlafenszeit, bspw. Gedankenstuhl
    • Ablenkende Techniken, bspw. willkürlicher Gedankenstopp mit Ersetzen des Grübelns durch Entspannungsverfahren (bspw. PMR oder autogenes Training)
    • Kognitive Umstrukturierung mit Ersetzen schlafstörender Gedanken durch schlaffördernde Gedanken

Insb. Fading und graduelle Extinktion sind nur dann sinnvoll, wenn das Kind auch tagsüber an kurze elterliche Abwesenheiten gewöhnt ist (bspw. durch Versteckspiele oder vorübergehende Fremdbetreuung) und von seiner Reifeentwicklung her imstande ist, den Ablauf positiv umzusetzen!

Insb. bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verhindern oft stressbedingte Faktoren mit Grübeln und innerer Anspannung das Einschlafen und Wiedereinschlafen!

Medikamentöse Therapie [1][2]

Eine medikamentöse Therapie erfolgt nur im Ausnahmefall bei ausgeprägter, persistierender Symptomatik. Im Kindes- und Jugendalter kommen zur medikamentösen Therapie nur Baldrian oder Melatonin zum Einsatz, während bei Erwachsenen eine Vielzahl an Medikamenten möglich ist. Bei vielen Medikamenten besteht ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeitsentwicklung, insb. infolge einer Langzeitanwendung bei chronischer Insomnie. Daher sollte die Verordnung von schlafinduzierenden Medikamenten möglichst kurz gehalten werden. Auch Bedarfsintervalltherapien können sinnvoll sein.

Aufgrund eines erhöhten Risikos einer Abhängigkeitsentwicklung sollten schlafinduzierende Medikamente zurückhaltend und möglichst für kurze Zeit verordnet werden!

Benzodiazepine oder andere Sedativa bzw. Hypnotika bei älteren Patienten sollen nicht als Mittel der 1. Wahl im Falle von Schlafstörungen, Agitation oder Delir eingesetzt werden.

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • 60% der Ein- und/oder Durchschlafstörungen zeigen einen chronisch-persistierenden Verlauf [5]

Schlaf: Die unterschätzte Medizin (April 2021)

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F51.-: Nichtorganische Schlafstörungen

G47.-: Schlafstörungen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Mayer et al.: S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen 2009, doi: 10.1007/s11818-009-0430-8 . | Open in Read by QxMD .
  2. Gut hinsehen und zuhören! Ratgeber für Eltern: Tipps und Informationen für Eltern zum Thema „Mediennutzung in der Familie" .
  3. Wiater, Lehmkuhl: Handbuch Kinderschlaf. Schattauer Verlag 2011, ISBN: 978-3-794-52764-9 .
  4. Rabenschlag: So finden Kinder ihren Schlaf. Herder 2001, ISBN: 978-3-451-34065-9 .
  5. Stuck et al.: Praxis der Schlafmedizin. Springer 2013, ISBN: 978-3-642-34881-5 .
  6. Fricke-Oerkermann et al.: Prevalence and course of sleep problems in childhood. In: Sleep. Band: 30, Nummer: 10, 2007, p. 1371-7.
  7. Schwerdtle et al.: Children’s Sleep Comic: development of a new diagnostic tool for children with sleep disorders In: Nature and Science of Sleep. 2012, doi: 10.2147/nss.s33127 . | Open in Read by QxMD p. 97.
  8. Schlafinventar für Kinder und Jugendliche .
  9. Wiater et al.: Sleep Disorders and Behavioural Problems among 8- to 11-Year-Old Children. Schlafstorungen und Verhaltensprobleme bei 8-11 Jahre alten Kindern In: Somnologie. Band: 9, Nummer: 4, 2005, doi: 10.1111/j.1439-054x.2005.00073.x . | Open in Read by QxMD p. 210-214.
  10. Garrison et al.: Media Use and Child Sleep: The Impact of Content, Timing, and Environment In: PEDIATRICS. Band: 128, Nummer: 1, 2011, doi: 10.1542/peds.2010-3304 . | Open in Read by QxMD p. 29-35.
  11. Frölich, Lehmkuhl: Computer und Internet erobern die Kindheit. Schattauer 2012, ISBN: 978-3-794-52771-7 .
  12. Research: Teenage use of mobile devices during the night. Stand: 6. Oktober 2016. Abgerufen am: 25. Januar 2019.
  13. Daten zur Mediensituation in Deutschland. Stand: 1. Januar 2017. Abgerufen am: 25. Januar 2019.
  14. Bell, Belsky: Parents, parenting, and children's sleep problems: Exploring reciprocal effects In: British Journal of Developmental Psychology. Band: 26, Nummer: 4, 2008, doi: 10.1348/026151008x285651 . | Open in Read by QxMD p. 579-593.
  15. Boergers et al.: Child sleep disorders: associations with parental sleep duration and daytime sleepiness. In: Journal of family psychology : JFP : journal of the Division of Family Psychology of the American Psychological Association (Division 43). Band: 21, Nummer: 1, 2007, doi: 10.1037/0893-3200.21.1.88 . | Open in Read by QxMD p. 88-94.
  16. Kamtsiuris et al.: Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS): Stichprobendesign, Response und Nonresponse-Analyse In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. Band: 50, Nummer: 5-6, 2007, doi: 10.1007/s00103-007-0215-9 . | Open in Read by QxMD p. 547-556.
  17. Schlarb et al.: Sleep Duration and Sleep Problems in a Representative Sample of German Children and Adolescents In: Health. Band: 07, Nummer: 11, 2015, doi: 10.4236/health.2015.711154 . | Open in Read by QxMD p. 1397-1408.
  18. Einsatz von Melatonin bei Kindern mit Schlafstörungen - Stellungnahme der Arbeitsgruppe Pädiatrie der DGSM .
  19. Wiater, Kerbl: Pädiatrische Schlafmedizin In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 164, Nummer: 12, 2016, doi: 10.1007/s00112-016-0180-1 . | Open in Read by QxMD p. 1068-1069.
  20. Lehmkuhl et al.: Sleep disorders in children beginning school: their causes and effects. In: Deutsches Arzteblatt international. Band: 105, Nummer: 47, 2008, doi: 10.3238/arztebl.2008.0809 . | Open in Read by QxMD p. 809-14.
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