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Innere Hernien

Abstract

Innere Hernien sind deutlich seltener als äußere und aufgrund der Tatsache, dass sie sich nicht nach außen, sondern durch Bruchpforten innerhalb des Abdomens oder des Thorax vorwölben, nicht von außen tastbar. Folglich bleiben sie ohne das Auftreten einer relevanten Einklemmung bzw. Inkarzeration in der Regel unentdeckt, können sich dann aber mit dem Bild eines Ileus präsentieren. In diesem Fall muss die Diagnose zügig laparoskopisch oder offen chirurgisch gesichert und chirurgisch behandelt werden, da eine hohe Letalität besteht.

Definition

Innere Hernie bezeichnet die Vorwölbung des parietalen Bauchfells durch eine (präformierte) Lücke innerhalb des Abdomens oder des Thorax. Meist entsteht sie aufgrund von Bauchfelltaschen oder -duplikaturen oder aber nach vorangegangenen abdominellen Operationen (z.B. offener Mesenterialschlitz nach Darmresektion oder Bridenbildung durch das große Netz).

Epidemiologie

  • Innere Hernien machen ca. 1–5% aller Hernien aus

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Klassifikation

Vorkommen

Insbesondere dort, wo die Lage der Bauchorgane von intra- zu retroperitoneal wechselt, bilden sich Bauchfellduplikaturen und -taschen.

Als weitere Form muss die Gleithernie abgegrenzt werden, bei der das prolabierte Organ selbst einen Teil des Bruchsacks bildet. Der wohl bekannteste Vertreter ist die axiale Gleithernie, die durch den Hiatus oesophageus in den Thorax prolabiert.

Symptome/Klinik

Ähnlich der äußeren Hernie mit Zeichen eines mechanischen Ileus:

  • Bauchschmerzen
  • Stuhl- und Windverhalt
  • Übelkeit/ Erbrechen

Diagnostik

Die Diagnose einer inneren Hernie ist in der Mehrzahl der Fälle nur durch eine Laparoskopie zu sichern!

Differentialdiagnosen

Mechanischer Ileus anderer Genese:

  • Inkarzeration einer äußeren Hernie
  • Bridenileus
  • Stenose/Striktur

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Operativ

  • Absolute OP-Indikation bei Inkarzeration
  • Relative OP-Indikation bei anhaltenden Beschwerden und Verdacht auf innere Hernie
  • OP Vorgehen:
    • Eingeklemmte Eingeweide unter Schonung der noch vitalen Organanteile rückverlagern
    • Verschluss der Bruchpforte

Kommt es bei inneren Hernien zur Inkarzeration, beträgt die Sterblichkeit nahezu 80%!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • K46.-: Nicht näher bezeichnete abdominale Hernie
  • K46.0: Nicht näher bezeichnete abdominale Hernie mit Einklemmung, ohne Gangrän
    • Jede unter K46.- aufgeführte Hernie (jeweils ohne Ganggrän):
      • inkarzeriert
      • irreponibel ohne Gangrän
      • stranguliert
      • Verschluss verursachend
  • K46.1: Nicht näher bezeichnete abdominale Hernie mit Gangrän
  • K46.9: Nicht näher bezeichnete abdominale Hernie ohne Einklemmung und ohne Gangrän
    • Abdominale Hernie o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.