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Hydrozele, Varikozele und Spermatozele

Abstract

Bei einer schmerzlosen Vergrößerung des Skrotums kommen verschiedene Krankheitsbilder in Frage, die differentialdiagnostisch bedacht werden müssen. Bei der Hydrozele testis handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Skrotum, die bspw. postinfektiös, posttraumatisch oder durch ein Persistieren des Proc. vaginalis bedingt sein kann. Die Varikozele testis beschreibt eine Erweiterung des Venenkonvoluts im Hodenbereich. Diese kann primär durch eine venöse Abflussbehinderung oder sekundär durch eine Raumforderung im kleinen Becken hervorgerufen werden. Eine Spermatozele ist eine zystische Struktur des Nebenhodens, die vom Samenstrang ausgeht und i.d.R. infolge einer Abflussbehinderung entsteht. Zur Diagnosestellung kommt neben der Klinik insb. die Sonographie zum Einsatz. Therapeutisch kann bei allen Krankheitsbildern operativ vorgegangen werden, wobei die Indikation jeweils streng geprüft werden muss.

Definition

Hydrozele testis

Definition

Epidemiologie

Ätiologie

  • Postentzündlich
  • Eiweißmangel-bedingt
  • Traumatisch (insb. durch thermische Schäden)
  • Idiopathisch
  • Sonderform: Juvenile Hydrozele

Ätiologie der juvenilen Hydrozele

Klinik

  • Prall-elastisches, vergrößertes, schmerzloses Skrotum (ca. 60% rechtsseitig)

Diagnostik

Differentialdiagnosen

Therapie

Procedere

  • Bei Säuglingen: Spontane Rückbildung möglich (zunächst „watchful waiting“)
    • OP-Indikationen
  • Bei Patienten ≥1 Jahr: Immer OP!

Operative Therapie [1]

  • Verweildauer
    • Stationäre OP: Alter <3 Monate, Frühgeburtlichkeit, Komorbidität
    • Ambulante OP: Alter ≥3 Monate (variiert je nach Krankenhaus)
  • OP-Zeitpunkt
    • Elektiveingriff
      • Große unkomplizierte Hydrozele
      • Asymptomatische Hernie: innerhalb von 4 Wochen
      • Frühgeborene: vor Entlassung nach Hause
    • Frühelektiver Eingriff: Symptomatische Hernie (24–48 h nach Reposition in Sedierung)
    • Notfalleingriff: Inkarzerierte Hernie
  • Verfahren
    1. Hohe Ligatur des offenen Processus vaginalis (Höhe innerer Leistenring)
    2. Fensterung der Hydrozele
    3. Resektion der Hydrozelenwand

Varikozele testis

Definition

Epidemiologie

  • Inzidenz: Ca. 8–23% aller Männer
  • Alter: Häufigkeit steigt mit dem Alter

Ätiologie

Klinik

  • Initial schmerzlose Vergrößerung des Skrotums
  • Missempfindung und Schmerzen durch Größenzunahme möglich
  • Klassifikation nach Dubin und Amelar
    • Grad 0: Subklinische Varikozele (nur dopplersonographisch oder thermographisch feststellbar)
    • Grad I: Nur unter Valsalva-Manöver sicht- oder tastbar
    • Grad II: Tastbares, aber nicht sichtbar erweitertes Venenkonvolut
    • Grad III: Durch Skrotalhaut sichtbare Varikozele

Diagnostik

Differentialdiagnosen

Komplikationen

  • Fertilitätsstörung
  • Verringerung des Hodenvolumens

Therapie

Therapie bei primärer Varikozele: Komplette Unterbrechung des venösen Rückflusses

  • Therapieverfahren
    • Mikrochirurgische subinguinale Resektion nach Goldstein: Methode der Wahl (Erhalt von A. testicularis und Lymphgefäßen, niedrigste Rezidiv- und Komplikationsrate, ambulante Therapie möglich)
    • Offen-chirurgische Verfahren (meist mit mikrochirurgischer Resektion des Plexus pampiniformis)
    • Sklerosierung/Embolisierung
      • Antegrade Varikozelensklerosierung
      • Retrograde Varikozelensklerosierung oder -embolisation
  • Indikationen
    • Beschwerden (Schmerzen, kosmetische Beeinträchtigung)
    • Bei Subfertilität ohne andere Genese: Ggf. Verbesserung der Spermienqualität und damit der Fruchtbarkeit
      • Nur unter folgenden Voraussetzungen
        • Varikozele
        • Kinderwunsch über ein Jahr
        • Oligospermie
        • Nachweis der weiblichen Fertilität
        • Zeit, postoperativ bis zu 2 Jahre auf eine Spontanschwangerschaft zu warten
    • Bei Kindern
      • Höhergradiger Befund (Grad III): Erhalten der Keimzellfunktion
      • Verkleinertes Hodenvolumen: Ggf. Volumennormalisierung
    • Nicht indiziert ist eine Varikozelentherapie bei
  • Komplikationen der Therapie: Hydrozele, Hodenatrophie

Therapie bei sekundärer Varikozele: Beseitigung des Auslösers

Prognose

  • Ohne Therapie: Ggf. Beeinträchtigung von Fertilität und Hodenvolumen
  • Mit Therapie: Ggf. Persistenz (29%), Hydrozele, Hodenatrophie
    • Bei mikrochirurgischer Therapie geringere Persistenz- und Hydrozelenrate

Spermatozele

Definition

Epidemiologie

  • Inzidenz: Ca. 1–7%
  • Alter: Häufigkeit steigt mit dem Alter

Ätiologie

  • Idiopathisch
  • Postentzündlich (z.B. nach Epididymitis)
  • Posttraumatisch

Klinik

  • Schmerzlose Vergrößerung des Skrotums oder kleine kugelige Struktur am oberen Hodenpol
  • Ggf. Schmerzen oder enorme Größe

Diagnostik

  • Klinik
  • Sonographie des Skrotums
    • Typischerweise zeigt sich eine echofreie zystische Raumforderung, ausgehend vom Nebenhoden
    • Ggf. tubuläre Ektasie des Rete testis

Differentialdiagnosen

Therapie

  • Bei asymptomatischen Spermatozelen keine Therapie notwendig
  • Ggf. operative Therapie
    • Indikationen: Schmerzen, störende Größe
    • Durchführung
      1. Skrotale Hodenfreilegung: Inzision der Tunica vaginalis visceralis
      2. Freilegung der Spermatozele
      3. Ligatur der Basis und Entfernen der Spermatozele (Belassung des Nebenhodens)

Die operative Therapie führt i.d.R. zur Sterilität der betroffenen Seite!

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.