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Gutartige Tumoren der Haut

Letzte Aktualisierung: 7.7.2021

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In diesem Kapitel werden verschiedene gutartige Tumoren der Haut zusammengefasst. Hierzu gehören z.B. Keloide, die durch eine überschießende Bindegewebsvermehrung nach einer Verletzung definiert sind und deren Wucherungen über die ursprüngliche Läsion hinaus führen. Differentialdiagnostisch sind Keloide von hypertrophen Narben abzugrenzen, deren Bindegewebsvermehrung sich auf den Bereich der Läsion beschränkt. Als "Nävus" wird eine heterogene Gruppe von gutartigen Hautläsionen bezeichnet, in der bei einigen Varianten die Möglichkeit einer malignen Entartung beachtet werden sollte. Weitere gutartige Hauttumoren sind unter anderem das Lipom (Fettgewebsgeschwulst) sowie die seborrhoische Keratose, ein im Alter zunehmend auftretendes Papillom.

Gutartige Hauttumoren weisen unterschiedlichste Erscheinungsformen auf und sind gelegentlich nur schwer von malignen Formen zu unterscheiden. Im Zweifel einer Differenzierung erfolgt die chirurgische Exzision. Weitere Indikationen für eine Therapie können das Risiko einer Entartung (z.B. bei kongenitalen Riesenpigmentnävi) oder kosmetische Beeinträchtigungen (z.B. bei seborrhoischen Keratosen) sein. Oftmals ist jedoch aufgrund des gutartigen Verlaufs keine Therapie erforderlich.

  • Definition: Überschießende, umschriebene, gutartige Proliferation des Bindegewebes im Bereich einer Läsion als Folge einer Wundheilungsstörung. Eine hypertrophe Narbe entsteht meist unmittelbar nach vorausgegangener Verletzung und bildet sich im Verlauf häufig spontan zurück.
  • Ätiologie: Unbekannt
  • Effloreszenz: Rosafarbene, derbe, knotige-, wulst- oder plateauartige Erhabenheit im Bereich der Läsion
  • Prädilektionsorte: Gesamtes Integument
  • Therapie: Oft ist eine Kombination verschiedener Therapien erforderlich
    • Konservative Therapiemöglichkeiten
    • Laserbehandlung
    • Operative Exzision
    • Postoperative Strahlentherapie zur Rezidivprophylaxe
      • Antiproliferativ und antiinflammatorisch
      • Innerhalb von 24 Stunden postoperativ
      • Gesamtdosis von 12 Gy in 6–10 Fraktionen zu jeweils 2 Gy
        • Applikation erfolgt täglich oder alle zwei Tage

  • Definition: Überschießende, umschriebene, gutartige Proliferation des Bindegewebes als Folge einer Wundheilungsstörung, die meist >6 Monate nach einer Läsion (meist Minimaltraumata, wie Kratzexkoriation oder Insektenstich) auftritt. Die Bindegewebshypertrophie wächst über die Grenzen der ursprünglichen Läsion hinaus und zeigt im Verlauf keine Rückbildungstendenzen. Charakteristisch besteht im Gegensatz zu hypertrophen Narben oft ein starker Juckreiz.
  • Ätiologie: Genetische Faktoren werden aufgrund familiärer Häufung diskutiert
  • Effloreszenz: Rosafarbene, derbe, knotige-, wulst- oder plateauartige Erhabenheit mit kleinen Ausläufern
  • Prädilektionsorte: Häufig Ohrläppchen, Sternum, Nacken sowie gesamtes Integument
  • Therapie: Siehe hypertrophe Narben

  • Definition: Durch HPV (v.a. HPV 2 und 4) ausgelöste Hyperkeratose und Hyperplasie der Epidermis
  • Epidemiologie: Im Jugendalter häufiger als im Erwachsenenalter
  • Ätiologie: Kontakt- und Schmierinfektionen
  • Lokalisation: Finger und Handrücken, Fußsohle
  • Pathohistologie
  • Therapie
    • Konservative Therapie zur Keratolyse
    • Invasive Therapie

  • Definition: Hell- bis dunkelbraune oder schwarze, breitbasige Keratose (wird auch als Alterswarze bezeichnet)
  • Epidemiologie: Zunehmende Häufigkeit der gutartigen Akanthopapillome im Laufe des Lebens, keine Abhängigkeit von äußeren Einflüssen
  • Effloreszenz
    • Papel/Plaque
      • Braun bis schwarz, scharf begrenzt, weich
      • Fettige, zunächst flache und matte Läsionen, die im Verlauf zunehmend unter Ausbildung von Hornmasse zerklüften
      • Keine maligne Entartung, können aber bei mechanischer Irritation leicht bluten
  • Prädilektionsstellen: Oberkörper, Gesicht, Unterarme und Handrücken
  • Diagnostik: Auflichtmikroskopisch follikuläre Betonung und Pseudohornzysten
  • Pathohistologie: Papillenförmige Proliferation des Epithels mit endo- oder exophytischem Wuchs
  • Therapie
    • Nicht notwendig
    • Bei kosmetischer Beeinträchtigung: Kryotherapie, Lasertherapie oder chirurgische Exzision

  • Definition: Umschriebene, gutartige Fehlbildung der Haut bzw. Schleimhaut (von lat. naevus = "Muttermal")
Nävus Charakteristika Prognose Therapie
Kongenitale dermale Melanozytose
  • Auftreten bei ca. 80–90% aller asiatischen und afrikanischen Kinder (mit dunkler Hautfarbe)
  • Spontane Rückbildung möglich
  • I.d.R. nicht erforderlich
  • Ggf. Exzision bei kosmetischer Beeinträchtigung
Melanosis naeviformis (Becker-Nävus)
  • Androgenabhängiger Nävus → Auftreten meist bei erwachsenen Männern
Epidermaler Nävus

Spindelzellnävus (Spitz-Nävus)

  • Meist Kinder betroffen
  • Schwierig von Melanom zu differenzieren

Naevus spilus (Kiebitzeinävus)

  • Kongenitaler Café-au-lait-Fleck, die dunklen Einsprengungen treten oft erst in späteren Jahren auf
  • Nur in Einzelfällen Ausgangspunkt eines Melanoms
  • I.d.R. nicht erforderlich
Melanozytärer Nävus (Nävuszellnävus)
  • Häufig multiples Auftreten bei nahezu jedem Menschen
  • Dysplastische Veränderung als Melanom-Vorstufe möglich
Naevus sebaceus (Talgdrüsen-Nävus)
  • Tritt häufig im Kindesalter auf
  • Betrifft häufig solitär die Kopfhaut mit Alopezie
  • Meist Rückbildung nach Pubertät
  • Bei Persistenz: Gefahr der Entartung
  • Prophylaktische, chirurgische Exzision bei Persistenz
Atypischer Nävus
  • Durchmesser meist >5 mm mit dunkler, unregelmäßiger Pigmentierung und Konfiguration
Kongenitaler Riesenpigmentnävus
  • Hohes Entartungsrisiko insb. bei großflächigen Befunden

Kongenitale dermale Melanozytose

  • Definition: Meist bereits bei Geburt vorhandene, lokalisierte Vermehrung dermaler Melanozyten, die mit einer Hyperpigmentierung einhergeht
  • Epidemiologie: Auftreten bei ca. 80–90% aller asiatischen und afrikanischen Kinder (mit dunkler Hautfarbe)
  • Effloreszenz: Blauschwarzer oder grauer Fleck, der oftmals eine Größe zwischen 5–20 cm aufweist
  • Prädilektionsstelle: Lumbosakralbereich
  • Prognose: Spontane Rückbildung; im Alter von 5 Jahren meist nicht mehr sichtbar

Melanosis naeviformis (Becker-Nävus)

  • Epidemiologie: Meist erwachsene Männer
  • Ätiologie
    • Androgenabhängiger Nävus (Auftreten in den meisten Fällen erst während der Pubertät)
    • Nach intensiver Sonnenexposition
  • Effloreszenz: Handflächengroße, behaarte Hyperpigmentierung und Hypertrichose
  • Prädilektionsstellen: Schulter- und Brustbereich
  • Prognose: Maligne Entartung nicht bekannt
  • Therapie: I.d.R. nicht erforderlich
  • Becker-Nävus-Syndrom: Sehr seltene Assoziation eines Becker-Nävus mit Skelett- und ZNS-Veränderungen sowie ipsilateraler Brusthypoplasie bei Frauen

Epidermaler Nävus (verruköser Nävus)

  • Definition: Hyperkeratose und Verdickung der Epidermis mit meist pflastersteinartiger, warziger ("verruköser") Oberfläche. Tritt kongenital auf oder manifestiert sich innerhalb der ersten Lebensjahre
  • Effloreszenz: Meist vereinzeltes, streifiges Auftreten entlang der Blaschko-Linien. Zu unterscheiden sind papillomatöse (weiche) und verruköse (harte) Formen.
  • Sonderform: ILVEN : Systemischer Halbseitenbefall mit Entzündung und Pruritus
  • Prognose: Keine maligne Entartung bekannt
  • Therapie: I.d.R. nicht erforderlich

Spindelzellnävus

Naevus spilus (Kiebitzeinävus)

Melanozytärer Nävus

Naevus sebaceus (Talgdrüsen-Nävus)

Atypischer Nävus

Kongenitaler melanozytärer Nävus

  • Definition: Flächiger Naevus pigmentosus et pilosus, der von Geburt an besteht
    • Bezeichnung bei besonders großer Fläche: Kongenitaler Riesenpigmentnävus
  • Effloreszenz: Hell- bis dunkelbrauner oder sogar tiefschwarzer Nävus, oftmals behaart
  • Prognose: Insbesondere bei großflächigen Befunden besteht ein hohes Entartungsrisiko → Bereits im Kleinkindalter regelmäßige Kontrollen nötig
  • Therapie: Möglichst frühzeitige chirurgische Exzision oder Laserablation

Lipom [3]

  • Definition
    • Lipom: Gutartiger, häufiger Fettgewebstumor
    • Lipomatose: Symmetrisches oder asymmetrisches Auftreten multipler Lipome
  • Lokalisation
    • Meist an Stamm, Hals und Schulter-Arm-Region
    • Meist oberflächlich im Weichgewebe
  • Klinik
  • Therapie

Differentialdiagnose Liposarkom [4][5]

Diagnostik bei Verdacht auf lipomatösen Tumor

  • Klinische Untersuchung
  • Bildgebung: MRT als Verfahren der 1. Wahl
  • (Inzisions‑)Biopsie, ggf. großzügige Resektion: Zum Ausschluss eines malignen Geschehens

Definition: Atherome sind benigne Hornzysten der Haut, die von mehrschichtigem Plattenepithel ausgekleidet sind und infolge einer Verstopfung des Ausführungsganges für das Talgdrüsensekret entstehen. Unterschieden werden können Epidermoidzysten und Trichilemmalzysten.

Epidermoidzyste

  • Klinik
    • Dermaler, prallelastischer und nicht schmerzhafter Knoten
    • Zentraler Ausführungsgang, der mit der Hautoberfläche verbunden ist
    • Langsame Größenprogredienz
  • Lokalisation: Meist Gesicht oder Rücken
  • Therapie: Bei Infektion der Zyste: Exzision in toto

Trichilemmalzyste

  • Klinik
    • Wie Atherom, jedoch ohne zentralen Ausführungsgang zur Epidermis
    • Fast immer multiple Zysten
    • Inhalt hart, fest und ohne Geruch
  • Lokalisation: Fast immer am Capillitium, vereinzelt auch an Extremitäten oder Genitalien
  • Therapie: Bei störender Kosmetik oder Beschwerden Exzision in toto

  • Definition: Reaktive Bindegewebsläsion, Auftreten nach Insektenstichen oder geplatzten Epithelzysten
  • Effloreszenz: 5–10 mm Durchmesser, hautfarbener oder bräunlicher, derber Knoten (Fibrom)
  • Diagnostik: Dimple-Phänomen (Synonym: Fitzpatrick-Zeichen): Zentrale Einsenkung bei Komprimierung
  • Therapie: Ggf. Exzision, bei ästhetischer Beeinträchtigung

  • Definition: Gutartiger granulomatöser Tumor, der nach infizierter Verletzung meist im Gesicht oder an den Händen entsteht
  • Effloreszenz: Weiche, rundliche Geschwulst mit unvollständiger Epithelialisierung, leicht verletzlich und blutend
  • Histopathologie: Kapillares Hämangiom mit entzündlicher Veränderung
  • Therapie: Exzision

  • Definition: Seltener, gutartiger, von den Schweißdrüsen ausgehender Adnextumor
  • Effloreszenz: Solide, hautfarbene Knoten
    • Einzelnes oder multiples Auftreten als Teil des Brooke-Spiegler-Syndroms möglich
  • Prädilektionsstellen: Kopf, Hals, Nacken, Gesicht
  • Prognose: Maligne Entartung sehr selten
  • Definition: Benigner, kutaner oder subkutaner Tumor, der durch Proliferation von Endothelzellen entsteht
  • Epidemiologie
    • Angeborener Tumor, der in den ersten Lebensmonaten häufig größenprogredient ist
    • Meist Mädchen betroffen
  • Symptome/Klinik
    • Schmerzloser, flacher oder prominenter Tumor
    • Hellrote bis tiefrote Färbung
  • Therapie
    • Abwartendes Verhalten
    • Therapie nur bei Sehbeeinträchtigung (Gefahr der Amblyopie) oder kosmetischer Beeinträchtigung bei ausbleibender Spontanremission
  • Prognose
    • Meist spontane Rückbildung in den ersten Lebensjahren (ca. 70%)
    • Bei Verdeckung der Pupille Gefahr der Amblyopie

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Plewig et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. 7. Auflage Springer-Verlag 2018, ISBN: 978-3-662-49544-5 .
  2. Verrucae planae juveniles. Stand: 27. Februar 2021. Abgerufen am: 4. März 2021.
  3. Windhager et al.: Weichteiltumore In: Österreichische Ärztezeitung. 2007, .
  4. Weichgewebssarkome (Weichteilsarkome) des Erwachsenen. Stand: 1. Juni 2017. Abgerufen am: 8. Mai 2018.
  5. Breitenseher et al.: Bildgebende Diagnostik und Therapie der Weichteiltumoren. Georg Thieme Verlag 2008, ISBN: 978-3-131-43131-8 .
  6. Lehnhardt et al.: Liposarkome der Extremitäten In: Der Chirurg. Band: 75, Nummer: 12, 2004, doi: 10.1007/s00104-004-0900-2 . | Open in Read by QxMD p. 1182-1190.
  7. Sterry, Paus: Checkliste Dermatologie. 5. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-136-97005-5 .
  8. Höger: Kinderdermatologie. 1. Auflage Schattauer 2005, ISBN: 3-794-52221-4 .
  9. Traupe, Hamm: Pädiatrische Dermatologie. 2. Auflage Springer 2005, ISBN: 978-3-540-31259-8 .
  10. Röcken et al.: Taschenatlas Dermatologie. 1. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-62221-1 .
  11. Sterry: Checkliste Dermatologie. 6. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-136-97006-5 .