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Gasbrand (Clostridiale Myonekrose)

Abstract

Gasbrand ist eine meist durch Clostridium perfringens ausgelöste Infektionskrankheit. In der Regel kommt es über verunreinigte Wunden zu einer nekrotisierenden Infektion der Weichteile, die auf eine Vermehrung der Bakterien unter anaeroben Bedingungen zurückzuführen ist. Klinisch sind eine sich rasch ausbreitende Entzündung, eine ödematös geschwollene Haut und aufgrund der CO2-Entwicklung Hautkrepitationen sowie eine Muskelfiederung im Röntgenbild zu erwarten. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist eine chirurgische Herdsanierung, wodurch die nahezu hundertprozentige Letalität halbiert werden kann. Supportiv werden Antibiotika verabreicht und ggf. eine hyperbare Oxygenierung gegen die obligat anaeroben Bakterien durchgeführt.

Epidemiologie

  • Inzidenz: Selten, etwa 100 Fälle pro Jahr in Deutschland

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Pathophysiologie

Die Sporen des Erregers sind ubiquitär vorhanden. Unter anaeroben Bedingungen einer Wunde können sich die Clostridien vermehren und verschiedene Toxine unter CO2-Bildung produzieren und freisetzen. Diese Toxine zerstören die Zellmembranen und hemmen die Leukozytenfunktion. Durch die Toxinwirkung wird das Milieu noch anaerober, was zu einer Verbesserung der Wachstumsbedingungen für die Clostridien führt (Circulus vitiosus).

Symptome/Klinik

  • Inkubationszeit
    • Stunden bis Tage
  • Spezifische Symptome: Der Erreger breitet sich sehr schnell aus, wodurch es innerhalb weniger Stunden zur systemischen Infektion kommen kann.
    • Lokal
      • Sich rasch ausbreitende Entzündung (Kardinalzeichen der Entzündung) der Wunde
      • Ödematös geschwollene Haut
      • Wundsekret: Süßlich-fauliger Geruch durch Anaerobierstoffwechselprodukte
      • Hautkrepitationen
    • Systemisch

Ohne Behandlung kommt es rasch zu einem schweren Verlauf mit Multiorganversagen!

Diagnostik

  • Klinische Verdachtsdiagnose
  • Mikrobiologische Diagnostik: Mikroskopischer Nachweis gram-positiver dicker Stäbchen im Wundsekret oder in Biopsien
  • Bildgebung: Nachweis von Gaseinschlüssen in Ultraschall oder Röntgen („Muskelfiederung“).

Therapie

Chirurgische Intervention

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist die sofortige chirurgische Herdsanierung durch Debridement und ggf. Amputation einer befallenen Extremität, um eine systemische Ausbreitung zu verhindern.

Supportive Therapie

Prognose

Letalität

  • Letalität bei adäquater Therapie bis zu 50 %, unbehandelt bis zu 100 %

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.