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Erstes Staatsexamen (schriftlicher Teil)

Abstract

Das erste Staatsexamen des Medizinstudiums (allgemein auch noch als „Physikum“ bezeichnet) wird in Form einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung abgehalten. Dieses Kapitel gibt dir grundlegende Informationen zum Ablauf der schriftlichen Prüfung. Tipps zur Vorbereitung und zum Vorgehen in der mündlichen Prüfung findest du im Kapitel Erstes Staatsexamen (mündlicher Teil).

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Was erwartet mich im schriftlichen Examen?

Der schriftliche Teil des 1. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung wird jedes Jahr im März und im August von etwa 5000 Medizinstudenten geschrieben. Insgesamt umfasst das Examen 320 Fragen. Auf zwei Prüfungstage verteilt ergibt das 160 ­Fragen pro Tag. Für die Beantwortung stehen dir jeweils vier Stunden zur Verfügung. Das ist eine lange Zeit und erfordert eine gute Einteilung der Konzentration, aber die allermeisten Studenten kommen mit der Zeit gut zurecht und haben am Ende sogar Zeit übrig. Anderthalb Minuten sind im Schnitt für jede Frage verfügbar, viele davon wirst du jedoch in weniger als einer Minute lösen können.

Die Anzahl der Fragen pro Fach ist für jedes Examen gleich. 100 Fragen werden aus den Bereichen Anatomie und Biologie gestellt, 80 Fragen aus der Physiologie und Physik, 80 Fragen aus der Chemie und Biochemie sowie 60 Fragen aus den Bereichen Psychologie und Soziologie.

Wie läuft der Prüfungstag ab?

Die Prüfung beginnt um 9 Uhr. Es ist jedoch wichtig, bereits mindestens eine halbe Stunde früher zu erscheinen, damit du dich in Ruhe für die Prüfung registrieren kannst. Du benötigst dafür den Brief mit der Ladung durch das Landesprüfungsamt (LPA) und einen Lichtbildausweis.

Deine Tasche wird außerhalb bzw. fernab deines Platzes abgelegt, du darfst aber eine Kleinigkeit zu Essen und ein Getränk am Platz haben. Es lohnt sich, die Energieressourcen zwischendurch aufzufüllen!

Generell ist während der Prüfung größtmögliche Ruhe angebracht, damit sich jeder Teilnehmer so gut es geht konzentrieren kann. Es ist daher beispielsweise rücksichtsvoll, Schuhe zu tragen, die beim Gehen leise sind, um deine Kommilitonen nicht abzulenken. Wer sehr geräuschempfindlich ist, kann auch Ohrstöpsel o.Ä. mitnehmen. Was die Kleidungswahl angeht: Wähle lieber komfortable Kleidung, in der du vier Stunden konzentriert arbeiten kannst. Du solltest dich möglichst wohl fühlen und nicht an diesem Tag anfangen, ungewohnte Dinge auszuprobieren (z.B. neues Parfum oder Deo), um dich gut konzentrieren zu können. Ein Dresscode spielt erst bei der mündlichen Prüfung eine Rolle.

9:00 Uhr Prüfungsbeginn: Je nach Ort werden ein Bleistift und ein Radiergummi vom Landesprüfungsamt gestellt oder sind selbst mitzubringen (s. Ladungsbescheid des LPA). Du erhältst ein Aufgabenheft, eine Bildbeilage und einen Antwortbogen. Der Name, die Prüfungsnummer und die Gruppe (“A” oder “B”) sollten auf dem Antwortbogen überprüft werden. Von jetzt an hast du vier Stunden Zeit. Denk dran: Du hast dich gut vorbereitet und du wirst es schaffen!

Die Gestaltung der Pausen und die Toilettenordnung sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Es gibt theoretisch keine Begrenzung in der Länge der Pausenzeiten. Wenn du früher fertig bist, darfst du den Antwortbogen auch vor Ablauf der vier Stunden abgeben. Lediglich in der letzten halben Stunde der Prüfungszeit darf der Raum in der Regel nicht mehr verlassen werden, damit es nicht zu unruhig wird. Nach jedem Prüfungstag kannst du dein Fragenheft auch mit nach Hause nehmen. Hast du den Raum früher verlassen, kannst du dir dein Heft um 13 Uhr, dem offiziellen Ende der Prüfungszeit, abholen. Wenn du deine Lösungen später vergleichen möchtest, notiere sie dir in deinem Prüfungsheft.

Am ersten Tag werden die Fächer Physiologie, Biochemie, Chemie und Physik geprüft und am zweiten Tag sind es die Fächer Anatomie, Psychologie, Biologie und Soziologie!

Zwischen den Tagen lernen?

Nach dem ersten Prüfungstag wirst du vielleicht auch damit konfrontiert sein, dass einige deiner Kommilitonen sagen, dass sie nachmittags zum Beispiel noch Anatomie lernen, da das „ja am zweiten Tag drankommt“. Hier gilt auch wieder die Devise: Mach das, was dich beruhigt! Wenn es dich beruhigt, noch ein paar Dinge für das Kurzzeitgedächtnis zu wiederholen und du dir damit die “letzte Sicherheit” holst, ist es in Ordnung. Lass dir nur nicht zu viel von der wertvollen Erholungszeit zwischen den beiden Prüfungstagen rauben. Du brauchst am nächsten Tag wieder deine volle Konzentration. Letztendlich gilt: Du hast dich lange und ordentlich auf die Prüfung vorbereitet, also versuch dich nicht zu sehr zu stressen! Aus unserer Erfahrung reicht reines Faktenwissen zur Lösung vieler Fragen nicht aus, sondern es braucht ausreichend Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe, um die richtige Lösung herzuleiten. Diese erhältst du nur durch angemessene Erholungsphasen. Zwischen den Tagen zu lernen, um zufällig noch eine Faktenfrage aus dem Kurzzeitgedächtnis beantworten zu können, muss also abgewogen werden, gegen die nötige Erholung.

Die Lösungen im Internet vergleichen?

Nach den Prüfungstagen ist es möglich, die eigenen Lösungen im Internet einzutragen und sie vergleichen zu lassen. Am Ende des Tages kannst du so schon ein ungefähres Ergebnis erfahren. Das hat Vor- und Nachteile und jeder muss auch hier für sich selbst herausfinden, wie er sich am wohlsten fühlt.

PRO Ergebnisse nachschauen

  • Kann dir für den folgenden Prüfungstag Sicherheit geben und die Nerven beruhigen.
  • Kann dich in deinen Kreuzmethoden bestärken, bspw. wenn du mit deinem Bauchgefühl bei neuen, komplizierten Fragen richtig gelegen hast.
  • Beruhigt und verjagt ein mögliches schlechtes Gefühl, wenn das Ergebnis am Ende doch viel besser ist, als zuerst gedacht. Nach unserer Erfahrung schätzt man sein Ergebnis häufiger zu schlecht als zu gut ein.
  • Kann einem für den zweiten Tag Stress nehmen: “Ich habe jetzt schon genug Puffer, sodass mir 50% reichen, um sicher zu bestehen.”

CONTRA Ergebnisse nachschauen

  • Verwirrt und stresst dich emotional vielleicht sehr und die wertvolle Erholungszeit zwischen den Prüfungstagen geht verloren.
  • Kann für den letzten Tag den Stress erhöhen: Wenn ich meine Wunschnote noch schaffen will, muss ich am zweiten Tag noch XY% kreuzen!

Die schriftliche Note

Das eigene Ergebnis wird dir in den Wochen nach der Prüfung per Post vom Landesprüfungsamt zugestellt. Es ist nicht möglich, genau vorherzusagen, wie viele Punkte für das Bestehen notwendig sind. Die Bestehensgrenze richtet sich nach dem Ergebnis der Referenzgruppe. Das sind alle Erstteilnehmer der Prüfung mit Regelstudienzeit. Aus deren durchschnittlicher Leistung wird die Bestehensgrenze errechnet. Sie liegt bei 60% oder etwas darunter, je nachdem wie das Examen ausfällt. War das Examen schwieriger, ist die Bestehensgrenze niedriger. Doch auch wenn es ein Examen ist, das gut ausfällt, bleibt die Bestehensgrenze bei 60% und wird nicht angehoben.

Nachteilsausgleich: Durch Fragen, die aus der Wertung genommen werden, verringert sich die maximal mögliche Punktzahl und dein Durchschnitt verbessert sich. Wenn du die aus der Wertung genommene Frage richtig beantwortet hast, geht dir der Punkt nicht verloren. In solch einem Fall wird dein Notendurchschnitt bezogen auf mehr Gesamtfragen errechnet. Aber keine Sorge: Die Auswertung und Berechnung erfolgt vom IMPP automatisiert, sodass es keine Fehler oder ungleiche Behandlungen gibt.

Die Noten für den mündlichen und schriftlichen Teil werden jeweils zu 50 Prozent zu einer Note zusammengerechnet. Am Ende des Studiums werden die Noten des 1., 2. und 3. Abschnitts der Ärztlichen Prüfung addiert und die Summe wird durch drei geteilt. Die Gesamtnote wird bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma errechnet. Die Gesamtnote deines Medizinstudiums ergibt sich dann zu ⅓ aus der Note des 1. Abschnitts und zu ⅔ aus der Note des 2. und des 3. Abschnitts.