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Divertikulose und Divertikulitis

Letzte Aktualisierung: 24.3.2021

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Die Divertikulose ist eine Erkrankung des Darms (meist des Colon sigmoideum), bei der es durch erhöhten intraluminalen Druck zur Ausbildung von Pseudodivertikeln kommt. Pseudodivertikel sind Ausstülpungen von Mukosa und Submukosa durch muskelschwache Stellen der Darmwand. Aufgrund des ätiologischen Zusammenhangs mit ballaststoffarmer Ernährung, Obstipation und Bewegungsmangel stellt die Divertikulose eine Zivilisationskrankheit in den Ländern des Globalen Nordens dar. Klinisch fällt die Erkrankung häufig erst durch Blutung oder Entzündung der Divertikel auf – charakteristischerweise in Form einer „Sigmadivertikulitis“. Bei dieser umgangssprachlich als „Linksappendizitis“ bezeichneten Erkrankung leiden die Patienten typischerweise unter progredienten linksseitigen Unterbauchschmerzen (bis hin zum akuten Abdomen), teils einhergehend mit (sub)febrilen Temperaturen und Stuhlveränderungen.

Diagnostisch lassen sich bei akuter Divertikulitis meist erhöhte laborchemische Entzündungswerte und morphologische Veränderungen (pathologische Kokarde, Abszesse) nachweisen. Unkomplizierte akute Divertikulitiden sollten konservativ behandelt werden; komplizierte Verläufe (größere Abszesse, Peritonitis, freie Perforationen, Versagen der konservativen Therapie) bedürfen hingegen einer Operation bzw. Intervention (wie z.B. einer Abszessdrainage).

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
    • Steigendes Lebensalter → Höhere Prävalenz
    • Genetische Faktoren
  • Beeinflussbare Risikofaktoren
    • Fraglich: Ballaststoffarme Ernährung [1]
    • Übergewicht
    • Bewegungsmangel
    • Rauchen
    • Eine Reihe weiterer Risikofaktoren (z.B. rotes Fleisch, Fettzufuhr und Hypothyreose sowie NSAID-, ASS- und Corticosteroideinnahme) und protektiver Faktoren (z.B. Nüsse/Körner, Popcorn, Statineinnahme) wird gegenwärtig diskutiert

Morphologische Einteilung der Pseudodivertikel

Eine Divertikulose ist gekennzeichnet durch das Auftreten sog. Pseudodivertikel.

Definition eines Pseudodivertikels (falsches Divertikel)

  • Nicht alle Wandschichten sind von der Ausstülpung betroffen
  • Umkleidung nur von Mukosa und Submukosa, nicht aber von einer Muskularisschicht
  • Komplettes Pseudodivertikel: Überragt das Niveau der äußeren zugehörigen Wand
  • Inkomplettes Pseudodivertikel: Keine Überschreitung der Tunica muscularis

Klassifikation der Divertikulose und Divertikulitis nach klinischen Aspekten

Typ Hansen und Stock [2]

Classification of Diverticular Disease [1]

0
1
2
  • Akute, komplizierte Divertikulitis
    • 2a: Mikroabszess
    • 2b: Makroabszess
    • 2c: Freie Perforation
3
4

Divertikulose

  • Meist asymptomatisch
  • Evtl. linksseitige Unterbauchschmerzen
  • Evtl. weitere unspezifische abdominelle Beschwerden

Divertikulitis

  • Leitsymptome
    • Akute, progrediente Schmerzen im linken Unterbauch (Linksappendizitis“)
    • Fieber
    • Sonderfälle: Zökumdivertikulitis (Schmerzlokalisation im rechten Unterbauch) oder anders lokalisierte Divertikel (z.B. prävesikaler Schmerz)
  • Weitere Symptome
  • Hinweise auf Komplikationen
    • Perforation: Distendiertes Abdomen, generalisierte Abwehrspannung, abgeschwächte Darmgeräusche
    • Fistel: Je nach Lokalisation z.B. Pneumaturie/Fäkalurie bei enterovesikaler Fistel, vaginaler Stuhl- oder Luftabgang bei enterovaginaler Fistel
    • Obstruktion: Je nach Ausprägungsgrad von Behinderung der Stuhlpassage bis zur Ileussymptomatik (Übelkeit, Erbrechen, distendiertes Abdomen, Stuhlverhalt, pathologische Darmgeräusche )

Bei alten oder immunsupprimierten Patienten kann die Ausprägung der Beschwerden sehr milde sein!

Divertikulose

  • Häufig als Zufallsbefund im Rahmen einer Koloskopie zur Krebsvorsorge oder im CT-Abdomen
  • Koloskopie bei bzw. im Verlauf nach Divertikelblutung

Divertikulitis

Anamnese

Körperliche Untersuchung

Laboruntersuchung

Bildgebung

  • Abdomensonographie: Methode der 1. Wahl bei V.a. Sigmadivertikulitis
    • Direkter Nachweis entzündeter Divertikel
    • Echoarme Darmwandverdickung auf >5 mm mit Aufhebung der Wandschichtung und ggf. Kokardenphänomen
    • Entzündliche Fettgewebsreaktion in der Umgebung
    • Ggf. Nachweis freier Flüssigkeit oder eines Abszesses
  • Kontrastmittelgestützte CT-Abdomen: Indiziert, wenn sonographischer Befund nicht ausreicht
    • Durchführung: Kontrastmittelgabe erfolgt i.d.R. rektal, oral und intravenös
    • Befund
      • Entzündliche Schwellung und Wandverbreiterung, Fettgewebsimbibierung
      • Freie Luft bei Perforation
    • Vorteile: Hochsensitiver Nachweis der Divertikel und Ausschluss von Komplikationen (Abszess, Fistel, Perforation)
  • Röntgen: Bei Vorliegen eines akuten Abdomens
    • Abdomenübersichtsaufnahme: Freie Luft bei Perforation
    • Gastrografin-Einlauf: Nachweis der Divertikel

Endoskopie

  • Koloskopie
    • Im entzündungsfreien Intervall nach Abklingen der Akutsituation (i.d.R. nach 4–6 Wochen)
    • Sollte insb. zum Ausschluss von Stenosen oder Malignomen durchgeführt werden

Eine Koloskopie sollte in der Akutphase einer Divertikulitis wegen der Perforationsgefahr vermieden werden!

Bei einer Divertikulitis oder Divertikulose sollte (im entzündungsfreien Intervall) immer eine Koloskopie zum Ausschluss eines Kolonkarzinoms erfolgen!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Divertikulose

  • Keine Therapiemöglichkeit zur Rückbildung der Divertikel
  • Zur Prophylaxe des Auftretens und Fortschreitens der Divertikulose
    • Stuhlregulierende Maßnahmen
    • Reduktion des Körpergewichts
    • Rauchentwöhnung
    • Bewegung
    • Änderung der Ernährungsgewohnheiten

Divertikulitis und Divertikelkrankheit

Allgemeine Therapiemaßnahmen der Divertikulitis

Stadiengerechte Therapie der Divertikulitis und Divertikelkrankheit

Bei den im Folgenden genannten Operationsverfahren wird von einer Divertikulitis im Bereich des Sigmas ausgegangen. Sind andere Abschnitte des Darms betroffen, muss das Resektionsausmaß angepasst werden.

Typ Konservative Therapie Operative Therapie
Typ 1
Typ 2a
  • Indikation: Frühelektive Operation2 bei Versagen der konservativen Therapie
  • Verfahren: Bevorzugt einzeitige, minimal-invasive Sigmaresektion
Typ 2b
Typ 2c
Typ 3a
Typ 3b
  • Individuelle Abwägung[1] , ggf. elektive 2, einzeitige, bevorzugt minimal-invasive Sigmaresektion
Typ 3c
Typ 4
1Die antibiotische Therapie sollte gramnegative und anaerobe Erreger erfassen (z.B. Bacteroides fragilis). Eingesetzt werden bspw. :

2Operation: Zeitpunkt und Verfahren:

Ambulante Behandlung

  • Indikation: Möglich bei unkomplizierter Divertikulitis ohne Fieber, Leukozytose, Abwehrspannung oder Stuhlverhalt, sofern ärztliche Befundkontrollen gesichert
  • Ambulante Antibiotikatherapie bei Divertikulitis : Bspw. mit Cefuroxim oder Ciprofloxacin jeweils in Kombination mit Metronidazol
  • Analgesie: Bspw. mit Metamizol
  • Empfehlungen für die Patienten
    • Körperliche Schonung
    • Flüssige Kost oder Schonkost
    • Engmaschige Arztbesuche zur Befund- und Laborkontrolle
    • Bei Verschlechterung (Fieber, Unwohlsein, Schmerzprogredienz) sofortige Wiedervorstellung

Stationäre Behandlung

Bei Operationsindikation

Das Vorgehen bei Operationsindikation wird in anderen Kapiteln ausgearbeitet, sodass an dieser Stelle entsprechende Linkempfehlungen in das Fachkapitel angeboten werden.

Präoperatives Management

Allgemeines Management vor darmchirurgischen Eingriffen

Spezifisches Management bei Divertikulitis: Maßnahmen vor operativer Versorgung

Operationsverfahren

Postoperatives Management

Komplikationen der Divertikulose/Divertikulitis

Komplikationen nach operativer Therapie

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Mann mittleren Alters mit linksseitigem Unterbauchschmerz

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K57.-: Divertikulose des Darmes

Nur Dünndarm betroffen

Nur Dickdarm betroffen

Dünn- und Dickdarm betroffen

Lokalisation nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S2-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis. Stand: 1. Mai 2014. Abgerufen am: 17. Juli 2016.
  2. Hansen O, Stock W: Prophylaktische Operation bei der Divertikelkrankheit des Colons. In: Langenbeck's Archives of Surgery. Band: 395, Nummer: S1, 1999, doi: 10.1007/s00423-010-0617-2 . | Open in Read by QxMD p. 3-12.
  3. Schwarz et al.: Allgemein- und Viszeralchirurgie essentials. 8. Auflage Georg Thieme Verlag 2017, ISBN: 978-3-131-26348-3 .
  4. Jurowich, Germer: Leitliniengerechte Therapie der Divertikulitis In: coloproctology. Band: 38, Nummer: 4, 2016, doi: 10.1007/s00053-016-0095-2 . | Open in Read by QxMD p. 267-278.
  5. Emile et al.: Management of acute uncomplicated diverticulitis without antibiotics: a systematic review, meta-analysis, and meta-regression of predictors of treatment failure In: Techniques in Coloproctology. Band: 22, Nummer: 7, 2018, doi: 10.1007/s10151-018-1817-y . | Open in Read by QxMD p. 499-509.
  6. Böhm, Kruis: Divertikulitis In: Der Internist. Band: 58, Nummer: 7, 2017, doi: 10.1007/s00108-017-0266-4 . | Open in Read by QxMD p. 745-752.
  7. Tachezy, Izbicki: Evidenz für chirurgische Standardverfahren: Appendizitis, Divertikulitis und Cholezystitis In: Der Chirurg. Band: 90, Nummer: 5, 2019, doi: 10.1007/s00104-018-0779-y . | Open in Read by QxMD p. 351-356.
  8. Reibetanz, Germer: Laparoskopische Lavage bei perforierter Sigmadivertikulitis In: Der Chirurg. Band: 90, Nummer: S2, 2019, doi: 10.1007/s00104-019-0883-7 . | Open in Read by QxMD p. 41-41.
  9. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  10. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  11. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .
  12. Colonic diverticulosis and diverticular disease: Epidemiology, risk factors, and pathogenesis. . Abgerufen am: 7. August 2016.
  13. Germer et al.: Erste deutsche Leitlinie zur Divertikelkrankheit In: Bayrisches Ärzteblatt. 2017, .