• Klinik

Degenerationen, Dystrophien und Tumoren der Konjunktiven

Abstract

Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine durchsichtige Schleimhautschicht, die die Oberfläche des Auges und die Lidinnenseiten überzieht. Sie stellt sicher, dass das Auge reibungsfrei bewegt werden kann. Es gibt eine Reihe von degenerativen, dystrophen oder tumorösen Veränderungen, die im Bereich der Konjunktiven auftreten können. Im Folgenden ist eine Auswahl dieser Veränderungen beschrieben.

Anatomie des Auges

Pinguecula („Lidspaltenfleck“)

  • Definition: Harmlose Degeneration der Bindehaut
  • Ätiologie
    • Starke Sonnenexposition
    • Schweißen ist ein Risikofaktor
  • Klinik
    • Grau-gelblicher Fleck, meist von der nasalen Bindehaut ausgehend
    • Berührt in der Regel nicht die Kornea
  • Therapie
    • Nicht notwendig
    • Aus kosmetischen Gründen kann der Fleck entfernt werden

Pterygium conjunctivae („Flügelfell“)

  • Definition: Gefäßhaltige Wucherung der Bindehaut mit potentieller Einschränkung der Sehkraft
  • Ätiologie: Starke Sonnenexposition
  • Klinik
    • Dreieckige, gefäßhaltige Wucherung, meist ausgehend von der nasalen Bindehaut
    • Augenrötung und Irritation
    • Oft Ausdehnung auf Kornea → irregulärer Astigmatismus → Beeinträchtigung der Sehkraft
  • Therapie
    • Kleines Pterygium (normale Sehkraft) → symptomatische Therapie durch bspw. Augentropfen
    • Größeres Pterygium (beeinträchtigte Sehkraft) → Chirurgische Exzision
  • Prognose: Hohe Rezidivrate, kann durch postoperative Radiatio reduziert werden

Hyposphagma

  • Definition: Meist harmlose, flächenhafte Einblutung unter der Bindehaut
  • Ätiologie
    • Traumata, Druckerhöhungen (Niesen, Pressen, schweres Tragen etc.)
    • Gerinnungsstörungen
    • Blutdruckentgleisungen
  • Diagnostik: Insb. bei rezidivierendem Auftreten weitere Abklärung wie z.B. Langzeitblutdruckmessung oder Gerinnungsdiagnostik

Limbusdermoid (Epibulbäres Dermoid)

Nur oberflächliche Exzision, da ansonsten Strukturen des Augeninneren beschädigt werden können!

Fremdkörper

Im Bereich der Bindehaut kann es zur Einlagerung von Fremdkörpern kommen. Insbesondere metallische Fremdkörper können zu Verfärbungen des umgebenden Gewebes führen.

Pigmentierte Bindehautläsionen

Bindehautnävus

  • Definition: Häufigster pigmentierter Tumor der Bindehaut
  • Epidemiologie: Altersgipfel bei ca. 30 Jahren
  • Klinik
    • Gut abgrenzbar und in der Regel einseitig, häufig im lateralen Lidspaltenbereich
    • In 80% der Fälle teilweise bis vollständig pigmentiert
    • Kleine klare Einschlusszysten
    • Pigmentierung kann mit hormonellen Veränderungen (z.B. Schwangerschaft) zu- oder abnehmen
  • Prognose: Entartungsrisiko <0.1%
  • Therapie
    • Augenärztliche Kontrollen
    • Bei unklarer Dignität: Exzision

Melanosis oculi (kongenitale Melanose)

  • Definition: Gutartige, angeborene Pigmentierung der Episklera
  • Epidemiologie: Häufiger bei dunkelhäutigen Menschen
  • Klinik
    • Schieferfarbene, irregulär und diffus angeordnete Pigmentierung
    • In der Regel einseitig und mit Bezug zur Iris
    • Subepitheliale Lage ohne Befall der Bindehaut → Nicht mit der Bindehaut verschieblich
  • Prognose: Entartet nur extrem selten
  • Therapie: Augenärztliche Kontrollen

Primär erworbene Melanose (Melanosis conjunctivae)

  • Definition: Gutartige, erworbene Pigmentierung der Bindehaut
  • Epidemiologie
    • Betrifft meist hellhäutige Menschen
    • Altersgipfel 50–60 Jahre
  • Klinik
    • Braune, irregulär angeordnete Pigmentierung
    • Mit der Konjunktiva verschieblich
    • Flache Pigmentierung ohne Zystenbildung
    • Keine nodulären Anteile und nicht vaskularisiert
    • In der Regel einseitig
  • Prognose: Entartungsrisiko hängt von Anzahl und Ausmaß der Zellatypien ab
    • Keine Zellatypien → Entartungsrisiko <0.1%
    • Ausgeprägte und zahlreiche Zellatypien → Entartungsrisiko ca. 10–50%
  • Therapie
    • Kleine Läsionen → Regelmäßige augenärztliche Kontrollen
    • Mittlere bis größere Läsionen → Chirurgische Exzision und Kryotherapie der Schnittränder

Bindehautmelanom

  • Definition: Seltener maligner Tumor der Bindehaut mit hohem Rezidiv- und Metastasierungsrisiko
  • Ätiologie
  • Klinik
    • (Diffus) pigmentiert
    • Nodulär (knotig), vaskularisiert (zuführende Gefäße)
    • Unscharfe Begrenzung
  • Diagnose: Klinische Untersuchung
  • Therapie und Management
    • Chirurgische Exzision und Kryotherapie der Schnittränder
      • Nach chirurgischer Exzision pathologische Untersuchung zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose: U.a. immunhistochemische Marker (bspw. S-100)
    • Staging-Untersuchung zum Erfassen von möglichen Metastasen (bspw. CT oder MRT von Kopf und Hals, Ganzkörper-PET)
    • Bei Inoperabilität oder Residuen nach Operation: Radio- und/oder Chemotherapie
  • Prognose: Abhängig von der Ätiologie des Melanoms
    • Schlechteste Prognose: De novo Entstehung
    • Beste Prognose: Entstanden aus Bindehautnävus

Bindehautkarzinom

  • Definition: Meist verhornende Plattenepithelkarzinome
  • Ätiologie
  • Klinik: Weißliche, vorwölbende Verdickung des Epithels mit unregelmäßiger Oberfläche
  • Therapie: Chirurgische Exzision mit anschließender Radiatio

Bindehautlymphom

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.