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Darmpathogene E.-coli-Infektion

Letzte Aktualisierung: 8.9.2021

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Escherichia coli (E. coli) ist ein gramnegatives, stäbchenförmiges und begeißeltes Bakterium, das einen wichtigen Bestandteil der bakteriellen Darmflora darstellt. Die durch E. coli ausgelösten Krankheiten entstehen entweder durch Aufnahme eines für den menschlichen Darm pathogenen Subtyps (z.B. über kontaminierte Lebensmittel) oder durch Verschleppung der Darmkeime in ein anderes Milieu (z.B. Harnblase, Lunge), wo sie zu einer Infektion führen. Die klinische Symptomatik hängt vom vorliegenden Subtyp ab: Eine Infektion mit enterohämorrhagischem E. coli (EHEC) kann insb. bei Kleinkindern/Säuglingen zu einer schweren Kolitis führen und als Komplikation das gefürchtete hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen. Therapeutisch sind die Durchfälle nach Möglichkeit symptomatisch zu behandeln. Die Indikation für die Gabe von Antibiotika sollte vorsichtig gestellt werden, da sie oft zu einer vermehrten Toxinfreisetzung führen können.

  • Erreger
  • Diagnostik darmpathogener E. coli: Erfolgt durch
    • Nachweis von für die Subtypen charakteristischen Virulenzgenen (PCR)
    • Nachweis von Toxinen nach Anreicherungskultur (EIA bzw. ELISA)
    • Ggf. durch Serotypbestimmungen (O- und H-Antigene mit Agglutinationsverfahren)
      • Anforderung: Darmpathogene E. coli; eine einfache Anforderung „Durchfallerreger im Stuhl“ ist nicht ausreichend!
      • Indikation
        • Blutige Diarrhö
        • Schwere Verläufe (insb. HUS und TTP, Sepsis), insb. vor antibiotischer Therapie
        • Hospitalisierung aufgrund der Diarrhö (insb. bei Kindern)
        • Relevante Komorbiditäten (insb. Immunsuppression)
        • Reiseanamnese
        • Auftreten in Gemeinschaftseinrichtungen
        • Auftreten bei Patienten, die beruflich in der Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung tätig sind
  • Therapie der darmpathogenen E.-coli-Infektionen (erregerspezifische Besonderheiten sind in den jeweiligen Sektionen aufgeführt)
    • Symptomatische Therapie der Durchfälle
      • Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten
      • Motilitätshemmer (z.B. Loperamid): Wenn überhaupt, dann nur kurzzeitig indiziert, da durch die Gabe die Ausscheidung der Erreger verzögert wird
      • Spasmolytika (z.B. Buscopan®): Indiziert bei abdominellen Krämpfen
    • Antibiotika: Keine unkritischen bzw. unreflektierten antibiotischen Therapien – insb. bei EHEC kann bei Ciprofloxacin-Therapie durch Zerfall der Erreger eine vermehrte Toxinfreisetzung und ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines HUS resultieren [1]
      • Kalkulierte antibiotische Therapie nur bei schweren Verläufen mit länger anhaltenden Durchfällen bzw. besonderen Risikofaktoren
      • Wenn möglich Erregerdiagnostik vor der ersten Antibiotikagabe!
      • Für Therapievorschläge zur Antibiotikatherapie siehe folgende Sektionen
  • Differenzialdiagnosen

  • Erreger
    • Enterohämorrhagische Escherichia coli: Besitzen potentiell die Eigenschaft, Zytotoxine zu bilden (Shiga-Toxine, syn. Shiga-like-Toxine, Verotoxine)
    • Einteilung nach Oberflächen-O-Antigenen
      • Häufigste EHEC-Serogruppe: O157
      • Weitere häufige Serogruppen: O26, O91, O103, O104, O145
  • Verbreitung
    • Assoziiert mit industrieller Fertigung von Lebensmitteln in Industrienationen
  • Alter (zwei Häufigkeitsgipfel): Säuglinge/Kleinkinder und höheres Lebensalter
  • Infektionsweg
    • Fäkal-oral
      • Fäkal kontaminierte Lebensmittel, z.B.
        • Rohmilchprodukte
        • Rohes Fleisch
        • Gemüse
      • Direkter Kontakt zu Wiederkäuern (z.B. Rinder, Schafe)
      • Übertragung von Mensch zu Mensch
  • Infektionsdosis: Gering! (<100 für Serogruppe O157)
  • Infektiosität
    • Solange Bakterien im Stuhl nachweisbar sind
    • Meist zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen
    • Nachweis von Bakterien im Stuhl bei Kindern in der Regel länger als bei Erwachsenen
  • Pathophysiologie
    • EHEC enthalten Bakteriophagen, die für die Shiga-Toxine codieren und diese bilden
    • Mithilfe des Adhärenzfaktors Intimin, dessen Gen auf der Pathogenitätsinsel LEE (locus of enterocyte effacement) im bakteriellen Genom liegt, gelangen die Shiga-Toxine in die Darmepithelzellen und entfalten ihre zytotoxische Wirkung → Hemmung der Proteinbiosynthese und Induktion der Apoptose → Blutige Durchfälle möglich
  • Inkubationszeit: 2–10 Tage
  • Symptomatik
  • Diagnostik: Gemäß Diagnostik darmpathogener E. coli
    • Spezielle Indikationen zur EHEC-Diagnostik im Stuhl
      • Diarrhö hospitalisierter Kinder <6 Jahren
      • Blutige Diarrhö
      • Bei Endoskopie sichtbare hämorrhagische Kolitis
      • Diarrhöen bei mit Lebensmitteln arbeitenden Personen
      • HUS und Kontaktpersonen an HUS erkrankter Patienten
      • Kinder mit akutem Nierenversagen
    • Nachweis des Toxins bzw. Toxingens
      • Toxingennachweis mittels PCR aus Kolonieabschwemmung oder Stuhlanreicherung
      • Direkter Toxinnachweis mittels ELISA aus der bakteriellen Kultur
  • Meldepflicht
    • Arztmeldepflicht
      • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen ): Namentliche Meldepflicht bei Erkrankung, Tod und Ausscheidern von EHEC ohne Auftreten eines HUS, bei durch EHEC ausgelöstem HUS namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung, Tod und Ausscheidern
      • Nach § 6 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod durch von EHEC ausgelöstem HUS
    • Labormeldepflicht
  • Therapie [1]
    • Symptomatische und supportive Therapie
    • Keine routinemäßige antibiotische Therapie!
    • Aktuelle Leitlinien empfehlen bei begründeter Indikation (extraintestinale, bzw. generalisierte Infektion) Carbapeneme [2][3][4]
  • Komplikationen
  • EHEC-Epidemie 2011
    • 2011 kam es insb. in Norddeutschland zu einer epidemischen Infektionswelle mit EHEC des Serotyps O104
    • Infektionsvehikel waren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus Ägypten importierte kontaminierte Sprossen
    • Erkrankungszahlen: 2987 an Gastroenteritis (davon 18 Todesfälle), 855 am HUS (davon 35 Todesfälle)

EHEC → „H“ wie „hämolytisch-urämisches Syndrom“ als wichtige Komplikation!

ETEC → „T“ wie „travel“ → Reisediarrhö!

EPEC → „P“ wie „Pädiatrie“ → Säuglingsdiarrhö!

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Menne et al.: Validation of treatment strategies for enterohaemorrhagic Escherichia coli O104:H4 induced haemolytic uraemic syndrome: case-control study In: BMJ. Nummer: 345, 2012, doi: 10.1136/bmj.e4565 . | Open in Read by QxMD .
  2. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. Stand: 31. Januar 2015. Abgerufen am: 16. Februar 2017.
  3. EHEC und Antibiotikabehandlung .
  4. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.
  5. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  6. Caspary et al.: Infektiologie des Gastrointestinaltrakts. 1. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-41359-2 .
  7. Ahmed et al.: Vaccines for preventing enterotoxigenic Escherichia coli (ETEC) diarrhoea In: Cochrane Database of Systematic Reviews. 2013, doi: 10.1002/14651858.cd009029.pub2 . | Open in Read by QxMD .
  8. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  9. Flasnoecker (Hrsg.): TIM, Thieme's Innere Medizin. 1. Auflage Thieme 1999, ISBN: 978-3-131-12361-9 .
  10. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  11. Herold: Innere Medizin 2017. Herold 2016, ISBN: 3-981-46606-3 .
  12. EHEC-Erkrankung, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 26. März 2015. Abgerufen am: 27. Februar 2017.
  13. Abschließende Darstellung und Bewertung der epidemiologischen Erkenntnisse im EHEC O104:H4 Ausbruch Deutschland 2011 .
  14. Richter-Kuhlmann: EHEC-HUS-Epidemie: Glimpflicher ausgegangen als befürchtet In: Deutsches Ärzteblatt International. Band: 108, Nummer: 38, 2011, .