• Klinik

Cholesteatom

Abstract

Das Cholesteatom ist eine Sonderform der chronischen Otitis media. Dabei kommt es zu einer Läsion aus verhornenden Plattenepithelzellen, welche aus dem Trommelfell oder dem Gehörgang in die Schleimhaut des Mittelohrs einwachsen. Durch das „falsche Epithel am falschen Ort“ entsteht ein chronischer Entzündungsreiz, der umgebende Strukturen wie z.B. Gehörknöchelchen destruieren kann (i.d.R. ohne maligne Entartung). Die ätiologischen Zusammenhänge sind sehr komplex. Leitsymptome sind einseitig eine intermittierende Otorrhö und ein progredienter Hörverlust. Bei jeder Fazialisparese sollte ein Cholesteatom ausgeschlossen werden. Unbehandelt führt die chronisch-eitrige Entzündung durch das Cholesteatom zum Hirnabszess, so dass auch bei Symptomfreiheit absolute Operationsindikation besteht.

Ätiologie

Definitionen

Pathogenese

  • Pathogenese nicht vollständig geklärt
  • Entstehungstheorien des sekundären Cholesteatoms („falsches Epithel am falschen Ort“)
    • Bei Trommelfelldefekt: Direktes Einwachsen von verhornenden Plattenepithelzellen aus Trommelfell oder Gehörgang in die Schleimhaut des Mittelohrs → Destruktionen von umgebenden Strukturen durch chronischen Entzündungsreiz
    • Bei intaktem Trommelfell: Negative Druckverhältnisse in der Paukenhöhle führen zu einer Retraktion von Plattenepithel des Trommelfells in Richtung Mittelohr → Vermehrte Keratinablagerung innerhalb der Retraktionstasche mit konsekutiver bakterieller Entzündungsreaktion → Destruktion der umgebenden Strukturen durch chronischen Entzündungsreiz
  • Histologisch i.d.R. keine Zeichen maligner Entartung

Symptome/Klinik

Diagnostik

  • Basisdiagnostik
    • Anamnese und Klinik
    • Hörprüfung
      • Weber-Versuch: Lateralisation ins kranke Ohr (bei dem Cholesteatom handelt es sich zumindest initial um eine reine Schallleitungsstörung)
      • Audiometrie: Schallleitungsschwerhörigkeit variablen Ausmaßes, ggf. kombinierte Schwerhörigkeit
    • Otoskopie
      • Meist randständiger Trommelfelldefekt, evtl. mit sichtbarer Retraktionstasche [1]
      • Fötid-eitriges Ohrensekret → Vorsichtiges Absaugen, um Status des Trommelfells beurteilen zu können
    • Nasen-Rachen-Inspektion
    • Tubenfunktionsprüfung
    • Gleichgewichtsprüfung mittels Frenzel-Brille: Spontan- und Provokationsnystagmus
  • Erweiterte Diagnostik
    • Mikrobiologie: Erregernachweis und Resistenzbestimmung
    • Bildgebung [1]
    • Manuelle Untersuchung

Therapie

  • Immer Operation indiziert aufgrund der Gefahr schwerwiegender Komplikationen
    • Ziel: Exzision des Cholesteatoms und der entzündlich veränderten Strukturen, ggf. mit Rekonstruktion des Schallleitungsapparats
      • Präoperative Antibiotikaprophylaxe mit Cephalosporinen kann Therapieerfolg verbessern [3]
      • Offene Technik („Canal-Wall-Down-Mastoidectomy“): Mastoidektomie mit chirurgischer Resektion des Cholesteatoms und Entfernung der hinteren knöchernen Gehörgangswand → Bildung einer mit dem äußeren Gehörgang verbundenen Knochenhöhle im Mastoid (sog. Radikalhöhle)[3]
      • Geschlossene Technik („Canal-Wall-Up-Mastoidectomy“): Mastoidektomie mit chirurgischer Resektion des Cholesteatoms unter Erhalt (oder direkter Rekonstruktion) der hinteren knöchernen Gehörgangswand [3]
    • Second-Look-Operation nach 12–18 Monaten zur Entfernung eventueller Residuen [1]

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.