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COVID-19

Letzte Aktualisierung: 4.5.2021

AMBOSS-Informationsübersicht zu COVID-19toggle arrow icon

  • Definition: Akute infektiöse Lungenerkrankung bzw. akutes respiratorisches Syndrom, ausgelöst durch Infektion mit dem erstmalig im Dezember 2019 in Wuhan/China nachgewiesenen Coronavirus SARS-CoV-2 [1][2]
    • Siehe auch: Falldefinition des RKI [3]
  • Inkubationszeit: Max. 14 Tage, im Median 5 Tage [4][5]
  • Beginn und Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Infektiosität beginnt schätzungsweise bis zu 2,5 Tage vor Symptombeginn, endet ca. 9 Tage nach Symptombeginn , höchste Infektiosität unmittelbar um den Symptombeginn herum [6][7][8]

Eine Übertragung von SARS-CoV-2 durch asymptomatische oder minimal symptomatische infizierte Personen ist beschrieben und findet auch in der Inkubationszeit von max. 14 Tagen statt! [8][9][10]

Für Behandelnde: AMBOSS-Ressourcen zu COVID-19 – freier Vollzugriff

Neben diesem Kapitel bietet die AMBOSS-Redaktion weitere Kapitel in der Bibliothek an, die bei schweren COVID-19-Verläufen relevant sind. Der Zugriff auf die folgenden Kapitel ist bis auf Weiteres auch ohne zahlungspflichtiges AMBOSS-Abonnement möglich.

Hinweise der AMBOSS-Redaktion [11][12][13]

Redaktionelle Prinzipien zu COVID-19: Die hier aufgeführten Informationen werden regelmäßig nach Prüfung durch die ärztliche AMBOSS-Redaktion aktualisiert und erweitert. Hierbei gehen wir nach bewährten Prinzipien der wissenschaftlichen Recherche und nach bestem Wissen und Gewissen vor. Die Vermittlung zwischen einerseits der Forderung nach Evidenz, andererseits den unübersichtlichen, sich überschlagenden Publikationen von Stellungnahmen und „Preprints“ in Zeiten einer Pandemie ist eine höchst anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgabe, der wir uns nicht allein stellen werden und können – doch wir wollen sinnvolle Anstöße bieten, aktiv vor Fehlinformationen schützen und valide Informationsquellen heraussuchen. Wo immer möglich, referenzieren wir daher auch Empfehlungen von Fachgesellschaften und Behörden. Bevorzugt versuchen wir, wo vorhanden, uns auf Peer-reviewed-Artikel zu beziehen. Bitte unterstützt uns durch Feedback zu allen Inhalten!

Links in diese zusätzlichen Kapitel finden sich auch vermehrt in diesem Kapitel und können entsprechend aufgerufen werden! Beachte bitte zudem die zahlreichen Verweise zu Quellen (hochgestellte eckige Klammern mit Zahl (Web) bzw. „REF“ (Mobile Apps)!

Klinikinterne bzw. vom öffentlichen Gesundheitsdienst vorgegebene Standards sind, wenn vorhanden, immer zusätzlich zu beachten!

Transmissionswege [14][15][16]

Bislang werden hauptsächlich 3 Übertragungswege von SARS-CoV-2 angenommen: Tröpfcheninfektion, aerogene Übertragung und Kontaktinfektion!

Überträger

  • Mensch-zu-Mensch-Übertragung
  • Übertragung durch Tiere [33][34][35]: Ursprung des Erregers nicht bekannt; angenommen wird eine Übertragung von infizierten Tieren auf Menschen auf einem Markt in Wuhan [36]
    • Zwischenwirt: Am ehesten wird der initiale Übergang Fledermaus → Pangolin [37] → Mensch wahrscheinlich erachtet
    • Tier-zu-Mensch-Übertragung: Nachgewiesen bei Nerzen in den Niederlanden, Tötung von Millionen Zuchttieren in Dänemark im November 2020 (Pelzindustrie)
      • Haustiere: Katzen , Hunde und Goldhamster können sich infizieren und sind für Artgenossen und ggf. andere Tiere ansteckend, für eine epidemiologisch relevante Übertragung von diesen Tieren zu Menschen besteht keine Evidenz!
      • Nutztiere: Schweine und Geflügel sind nicht empfänglich für COVID-19
      • Wildtiere: Zahlreiche Wildtiere, hierunter Primatenarten, Frettchen, Hasen und Fledermäuse sind empfänglich für COVID-19, die Eigenschaften von COVID-19 als potentielle Zoonose müssen weiter untersucht werden

Immunität

  • Grundimmunität: In der menschlichen Population nicht (ausreichend) vorhanden, da das Virus neuartig ist
  • Immunität nach durchgemachter Infektion: Nach Untersuchungen an Primaten [38] und Menschen [39] ist bei den meisten Patient:innen nach Erstinfektion eine Immunität anzunehmen, die ca. 6 Monate anhält [40][41] [42]
  • Reinfektionen und Rückfälle: Möglich, jedoch selten [46][47][48][49], sowohl klinisch mildere, als auch schwerere Reinfektionen sind beschrieben [50][51][52][53][54]
  • Inzidenz und Prävalenz: Dynamisch, exponentielle Zunahme der Fallzahlen [55][56][57][58] bei einer Basisreproduktionszahl R0 von ca. 2–3,3 [14][59] bei Ausbleiben infektionspräventiver Maßnahmen
    • Saisonale Anstiege der Fallzahlen: Sog. „1. Welle“ von Februar bis April 2020, ab Ende September Wiederanstieg der Fallzahlen, als sog. „2. Welle“, ab Frühjahr erneuter Anstieg der Fallzahlen als sog. „3. Welle“
    • Schätzungen der Entwicklung der Ausbreitungsdynamik: Durch das RKI wird die Schätzung der Entwicklung von R anhand der Meldezahlen im sog. „Nowcasting“-Ansatz [60][61] entwickelt; zudem weltweit Ansätze zur Modellierung von Ausbruchsverläufen und Belastung von Krankenhauskapazitäten [62][63][64]
    • Entwicklung der globalen Verbreitung: Erster Nachweis in Wuhan, Volksrepublik China (12/19); Einstufung als Pandemie durch die WHO am 11.03.2020 [65], die ersten Infektionen könnten im Oktober 2019 aufgetreten sein [66]
    • Aktuell meiste gemeldete Todesfälle in den USA (in absoluten Zahlen, Stand 15.11.2020) [57][67]
    • Hohe Dunkelziffer [68][69][70] infolge asymptomatischer Verläufe
    • Einfluss von Umweltfaktoren: Nach Erfahrungen im Sommer 2020 ist eine Abnahme der effektiven Reproduktionszahl durch höhere Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit anzunehmen, dies allein ist nicht ausreichend eindämmend [71][72][73]
  • Einflussfaktoren auf das Infektionsrisiko
    • Armut, niedriger Bildungsstand, Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit [74][75] [76] sowie fehlender fester Wohnsitz [77] werden als Risikofaktor beschrieben
    • Lokale Ausbrüche in Altenpflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Wohneinrichtungen für Geflüchtete und in Zusammenhang mit räumlich beengter Unterbringung von Personal in fleischverarbeitenden Betrieben und Landwirtschaft
    • Hohe Infektionsraten auf Kreuzfahrtschiffen [78], über den ÖPNV und Bahnreisen liegen in Deutschland keine ausreichenden Daten vor
  • Erkrankungsalter und Schwere des Verlaufs: Ab dem Alter von 65 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf steil an
    • Erkrankungsalter: Bis Juni 2020 in Deutschland 50 Jahre im Median und 49 Jahre im Durchschnitt, höchste Inzidenz im Alter >90 Jahre (Datenstand bis 02.06.2020) [14]
      • Über den Sommer bishin in den späten September 2020 COVID-19-Nachweise bei vergleichsweise jüngeren Menschen ,
      • Ab Oktober 2020 wieder ansteigende, über den November 2020 rasant ansteigende Infektionszahlen in allen und insb. auch in höheren Altersgruppen >70 Jahre
        • Erneut viele Ausbrüche in Altenpflegeeinrichtungen
    • Schwere der Verläufe: Im Zeitraum Februar bis Juni 2020 Entwicklung einer Pneumonie bei 3%, Hospitalisierung bei 15% der an das RKI übermittelten Fälle
      • Über den Sommer 2020 Nachweis vieler Infektionen bei jüngeren Personen und niedriger Hospitalisierungsrate um 5 %
      • Ab Oktober/November 2020 Zunahme der Anzahl der intensivmedizinisch zu Behandelnden
    • Hohe Übertragungs- und Fallsterblichkeitsrate bei Ausbrüchen in Altenpflegeeinrichtungen [79][80][81]
      • Leitfaden für den Öffentlichen Gesundheitsdienst zum Vorgehen bei Häufungen von COVID-19 des RKI [82] publiziert
      • Konsequente Testung in Gemeinschaftswohneinrichtungen kann lokale Ausbrüche eindämmen! [83]
    • Im Vergleich zu Influenza höherer Anteil beatmungspflichtiger Patient:innen und längere Beatmungszeiträume [84][85], ebenso höherer Anteil von extrapulmonalen Komplikationen! [86]
  • Alter der Verstorbenen: In Deutschland 87% der Verstorbenen >70 Jahre alt (Datenstand 8. Dezember 2020)
    • ∼4% der Verstorbenen in Deutschland jünger als 60 Jahre
  • Fallsterblichkeit (CFR, „Case fatality rate“): Maßzahl für die Sterblichkeit unter positiv getesteten Personen, steigt an mit >60 Jahren, bei den >80-Jährigen ∼15% [67][87][88]
    • Krankenhaussterblichkeit: In Deutschland bei ca. 22% zwischen Februar und April 2020 [89]
    • >
  • Infektionssterblichkeit (IFR, „Infection fatality rate“): Maßzahl für die Sterblichkeit aller Infizierten
    • Heinsberg-Studie: Infektionssterblichkeit im untersuchten Kollektiv 0,36% [70]
    • Metaanalysen:
      • Ioannidis et al. berechnen im Median 0,27% bei methodischen Limitationen, weitere Studien müssen fortlaufend ausgewertet werden [90]
        • Wesentlichster Einflussfaktor auf die Infektionssterblichkeit ist die Alterszusammensetzung des untersuchten Kollektivs [91]
      • Meyerowitz-Katz und Merone berechnen 0,68% bei ebenfalls hoher Heterogenität der Studienpopulationen [92]

Aktuell sollten alle epidemiologischen Daten zu COVID-19 als vorläufig angesehen werden (u.a. aufgrund der dynamischen Entwicklung und der vermutlich hohen Dunkelziffer an infizierten Personen)!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Merkmale von SARS-CoV-2 [93][94]

  • Gattung: Betacoronavirus
  • Initial 2 Hauptgruppen identifiziert: S- und L-Typ [95]
  • Mittlerweile geht man von drei Stämmen aus (A, B und C) [96]
  • Behülltes RNA-Virus, enthält genetische Information als einzelsträngige Nukleinsäure („single stranded“ = ss)
  • Nukleinsäure ist positiv strangorientiert (positiv-strängig)

SARS-CoV-2 ist wie alle Coronaviren ein behülltes, einsträngiges (+)ssRNA-Virus!

SARS-CoV-2-Varianten [97]

  • Definition: Im Rahmen der pandemischen Ausbreitung entstehende Mutationen bzw. Kombinationen von Mutationen mit stammbaumähnlicher Ausbildung von sog. Viruslinien
  • Ausbreitungstendenz von Varianten: Gegenstand intensiver Forschung ist, welche Varianten von SARS-CoV-2 sich im Infektionsgeschehen epidemiologisch relevant als dominante Varianten ausbreiten, in Deutschland ist dies spätestens ab April 2021 die sog. „britische Mutation“
  • Varianten erhöhter Bedenklichkeit: Unter den weltweit tausenden Varianten wurden im Rahmen fortlaufender Genomsequenzierungsanalysen im Dezember 2020 Varianten mit dem Verdacht auf höhere Übertragungsraten identifiziert
    • B.1.1.7 (501Y.V1, Vereinigtes Königreich) [98][99][100]: Erhöhte Übertragungswahrscheinlichkeit, bei Untersuchung kleiner Stichproben Hinweise für erhöhte Fallsterblichkeit bzw. Hospitalisierungsrate
    • B.1.351 (501Y.V2, Südafrika) [101]: Vermehrtes Auftreten im Rahmen ansteigender Fallzahlen in Südafrika als dominante Variante, daher Verdacht auf erhöhte Übertragungswahrscheinlichkeit
    • B.1.1.28 P.1 (501Y.V.3, Brasilien) [102][103]: Verdacht einer erhöhten Übertragungs- und Reinfektionsrate, Nachweis bei Ausbruchgeschehen im Norden Brasiliens (Manaus)
  • Ausbreitung in Deutschland
    • Für B.1.1.7 nach Auswertungen des RKI ab Kalenderwoche 12/2021 bei ca. 90% der untersuchten Proben
    • Für andere Varianten weitgehend unklar; alle Varianten sind zumindest in geringer Zahl reiseassoziiert in Deutschland nachgewiesen worden
    • Systematische Erfassung von SARS-CoV-2-Varianten in Etablierung [104], bspw. durch Screening auf Zielmutationen wie bspw. N501Y [105]
    • Einreisebeschränkungen für Staaten mit bekanntem Vorkommen in Corona-Schutzverordnung erlassen [106]
  • Potentielle Risiken von SARS-CoV-2-Varianten
    • Erhöhte Übertragungsrate: Würde bei unkontrollierter Übertragung schneller zu kritischen Fallzahlen mit Relevanz für eine Überlastung des Gesundheitssystems führen
    • Erhöhte Fallsterblichkeit: Könnten die Bedrohlichkeit der Pandemie insgesamt steigern, weitere Untersuchungen größerer Fallzahlen müssen jedoch folgen, insb. bei kleinen Fallzahlen wird die Fallsterblichkeit eher überschätzt
    • Verminderte Wirksamkeit von Impfstoffen: Möglich [107], bei bisher zugelassenen Impfstoffen nicht konklusive Daten, insgesamt Tendenz zu verringerter Wirksamkeit [108][109]
      • Verminderter Schutz durch AZD1222 gegenüber milden bis moderaten Verläufen durch B1.351 beschrieben [110]
    • Verminderte Wirksamkeit monoklonaler Antikörper: Für einzelne Antikörper bereits beschrieben, Modelle für mutationsabhängige Wirksamkeitsanalysen [111] müssen weiter entwickelt werden

Viraler Lebenszyklus von SARS-CoV-2 [93][94][112][113]

Exkurs: Mögliche Angriffspunkte [117]

Die zugrunde liegenden Schritte bei der Invasion und Replikation könnten potentiell Angriffspunkte zukünftiger Therapien sein und werden derzeit z.T. in Studien erprobt!

Pathogenese von COVID-19 [118]

Viele aktuelle Hypothesen zur Pathogenese knüpfen an die Forschung anderer Ausbrüche von Coronaviren (MERS, SARS) an – die Übertragbarkeit auf das aktuelle Geschehen ist zu prüfen! [139][141]

Klinische Präsentation [14][87][142][143][144]

„Ungewöhnliche“ klinische COVID-19-Präsentationen

COVID-19 - Differentialdiagnostik bei Erstvorstellung
COVID-19 Grippaler Infekt/Erkältungsinfekt Influenza Allergische Rhinosinusitis
Fieber +++ / +++ /
Husten +++ ++ +++ +
Dyspnoe + / / /
Nasenlaufen/Schnupfen + +++ + +++
Niesen / +++ / +++
Halsschmerzen + +++ + /
Myalgien + +++ +++ /
Kopfschmerzen + + +++ /
Fatigue ++ + +++ /
Diarrhö + / + /
Juckende Augen / / / +

+++ = häufiger, ++ = weniger häufig, + = manchmal, / = (sehr) selten

Schwere Verläufe [144][162][163][164]

Die klinische Präsentation ist unspezifisch und variabel. Je nach Schwere und Fortschritt der Erkrankung reicht das Spektrum von asymptomatisch bis stark ausgeprägt!

Auch Erkrankte mit initial mildem Verlauf können im Krankheitsverlauf nach ca. einer Woche eine Verschlechterung erleiden!

Prognose [87][165][166]

  • Milde Verläufe als Regelfall: Der überwiegende Teil (>80%) aller bisherigen Infektionen verlief mild oder asymptomatisch
  • Schwere Verläufe: Hospitalisierung bei 7% der an das RKI übermittelten Fälle in Deutschland (Datenstand 8. Dezember 2020)
  • Fallsterblichkeit: Beträgt nach vorläufigen Zahlen ca. 1,6 % bei Betrachtung labordiagnostisch bestätigter und dem RKI gemeldeter Erkrankungen (Datenstand 8. Dezember 2020)
  • Hohe Sterblichkeit bei Eintreten einer intensivmedizinischen Behandlungspflichtigkeit

PCR-Diagnostik (Nukleinsäurenachweis) [167][168][169]

  • Prinzip: RNA-Nachweis aus respiratorischen Sekreten (oder Stuhlproben) mittels Real-Time Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (Real-Time RT-PCR, RT-qPCR)
  • Probenmaterial: Abhängig von Krankheitsverlauf und -phase auszuwählen [169]
  • Einsatzgebiet: Goldstandard zur Detektion von SARS-CoV-2 in der Akutdiagnostik [172], v.a. in der Frühphase (1. Woche) sehr zuverlässig [173][174][175]
  • Befundung: Positiv bzw. Negativ je nach RNA-Nachweis
    • Ct-Wert: Maß für die SARS-CoV-2-RNA-Konzentration in der Probe, Ct-Werte >30 gelten als Hinweis auf eine niedrige Viruskonzentration bzw. fehlende Übertragung intakter Viren
  • Verfügbarkeit: Erstes Verfahren wurde Mitte Januar 2020 entwickelt und vorläufig validiert [176], zwischenzeitlich sind eine Vielzahl validierter Testsysteme verfügbar
    • Durchführung in Fachlaboren mit geeigneten Testsystemen
    • Point-of-Care-Testing (Ergebnis binnen 15-45 Minuten verfügbar) mit kommerziell erhältlichen Testsystemen [167][177]
  • Limitationen
    • Erlaubt kein großflächiges Screening für epidemiologische Datenerhebung bezüglich einer stattgehabten Infektion
    • Falsch-negative Ergebnisse möglich bei [169]
      • Unzureichender Probenqualität
      • Fehler bei Transport/Lagerung
      • Später Krankheitsphase

Im späteren Verlauf der Erkrankung (Pneumonie, ARDS) kann der Rachenabstrich bereits wieder virenfrei sein, während noch infektiöse Viruslast in den unteren Atemwegen besteht! [178]

Die PCR kann initial negativ sein. Wiederholungen sollten daher alle 2–3 Tage bei begründetem Verdacht, Zweifeln an der Abstrichentnahmequalität und/oder Bild eines schweren Verlaufes erfolgen – dann ggf. auch mit zusätzlicher Analyse geeigneter Sekrete der unteren Atemwege!

Probengewinnung für PCR-Diagnostik [80][169][171][172][179][180][181]

  • Beachte Aerosolbildung → Schutzkleidung anlegen!
  • Abstrich: Aus geeignetem respiratorischem Material gewonnene Abstriche mit „Virustupfern“
  • Ggf. zusätzlicher Abstrich (Koinfektionen): Je nach Klinikstandard wird ggf. ein zusätzlicher Abstrich für eine Virus-Multiplex-PCR mit Testung auf Influenza und RSV-Infektion durchgeführt

COVID-19 - Video Rachenabstrich

COVID-19 - Video Selbstabstrich

Antigen-Tests [167]

  • Prinzip: Nachweis von Virusproteinen von SARS-CoV-2 in respiratorischen Sekreten
  • Probenmaterial: Abstrich oder Spülung aus dem oberen Respirationstrakt [185]
  • Einsatzgebiet: In der Akutdiagnostik als Point-of-Care-Testing mit Ergebnissen nach 15-30 Minuten
  • Verfügbarkeit: Mehrere Hersteller bieten seit September/Oktober 2020 Antigen-Schnelltests an [186], angekündigt ist eine hohe Produktionskapazität, fortlaufend aktualisierte Liste zugelassener Testkits durch das BfArM [187]
  • Aussagekraft: Sensitivität und Spezifität werden etwas niedriger angegeben als für die PCR, mit zunehmender Verfügbarkeit ist ein zunehmender Einsatz als Alternative zur PCR zu erwarten

Antikörper-Tests [43][188][189]

  • Antikörpernachweis mittels Labor- oder Schnelltests möglich
  • Limitationen
    • In der Akutdiagnostik unbedeutend
    • Kreuzreaktivität mit anderen Coronaviren möglich (falsch-positive Ergebnisse)
    • Treffen eine qualitative bzw. semiquantitative Aussage (ELISA)
    • Bei positivem Testergebnis weitere Abklärung erwägen, bspw. mittels Neutralisationstest
    • Die hier genannten Antikörper-Tests weisen nur eine Immunantwort nach, keine Immunität

Serologische Tests werden für den Nachweis einer Immunisierung durch durchgemachte Infektion und ggf. auch für die Bestimmung von Impftitern eine hohe praktische Relevanz im Verlauf der Pandemie entwickeln!

Testmethoden zum Antikörpernachweis

Enzyme Linked Immunosorbent Assay (ELISA)

  • Prinzip: Nachweis von gegen SARS-CoV-2 gerichteten (IgM- oder IgA- und) IgG-Antikörpern
  • Probenmaterial: Serum
  • Einsatzgebiet
    • Erhebung epidemiologischer Daten (großflächiges Screening)
      • Bestimmung der tatsächlichen Ausbreitung des Virus in der Population
      • Bestimmung der bereits vorhandenen Immunität in der Population („stille Feiung“)
      • Bestimmung der Letalität
    • Forschung: Entwicklung von Impfstoffen bzw. Medikamenten
    • Therapie: Neutralisierende Antikörper als Immuntherapie für schwer Erkrankte extrahieren (Serumspende) [190]
  • Verfügbarkeit: Labormethodisch sind zuverlässige Methoden etabliert und gemäß Indikationen im Einsatz, bspw. in der epidemiologischen Forschung

Elektrochemilumineszenz-Immunoassay (ECLIA, ECL-Verfahren)

  • Prinzip: Nachweis von gegen SARS-CoV-2 gerichteten (IgG‑)Antikörpern durch Elektrochemilumineszenz [191]
  • Probenmaterial: Serum
  • Einsatzgebiet: Analog zur ELISA-Testung
  • Verfügbarkeit: Als Antikörper-Schnelltests von diversen Herstellern verfügbar

Immunfluoreszenztest (IFT)

Schnelltests zum Antikörpernachweis (Lateral-Flow-Immunoassays)

  • Prinzip: Nachweis von gegen SARS-CoV-2 gerichteten IgM- und IgG-Antikörpern
  • Probenmaterial: Kapillarblut, Speichel oder Abstrichmaterial [188]
  • Einsatzgebiet: Zeitnahes Point-of-Care-Testing
    • Anwendung durch medizinisches Personal
    • Selbsttest
  • Verfügbarkeit
    • In Deutschland aktuell bereits Vielzahl an kommerziellen Testsystemen erhältlich

Testkriterien und Meldepflicht [192]

  • Indikation zur Testung: Akute respiratorische Symptome und/oder Verlust von Geruchs-/Geschmackssinn
    • In ganz Deutschland und vielen Ländern weltweit gilt ein hohes Infektionsrisiko [193][194], eine zeitnahe COVID-19-Diagnostik ist daher bei typischer Symptomatik empfohlen
    • Meldung erfolgt nach positiver Testung im Labor
    • COVID-19-Diagnostik bei jeder (geplanten) stationären Aufnahme [178]
    • Tests in der Praxis: Für GKV-Patienten bei Symptomen immer abrechenbar [195]
      • Testung auch asymptomatischer Patienten und Beratung: Bei
        • Hochrisikokontakt in Corona-Warn-App
        • Zuweisung durch öffentlichen Gesundheitsdienst oder zur Klärung von Ausbruchssituationen
        • Keine Kostenübernahme für Einreisende aus dem Risiko-Ausland [193] ab dem 16. Dezember 2020
      • Testung von Praxispersonal: 10 Antigen-Schnelltests pro Woche erstattungsfähig [186][187]
  • Meldepflichtige Verdachtsfälle: Umgehende Meldepflicht und Indikation zur Testung bei
    • Klinischem bzw. radiologischem Bild einer viralen Pneumonie UND Häufung von Pneumonien in stationärer Behandlung/Pflege
    • Jeglichen COVID-19-verdächtigen Symptomen UND Kontakt zu labordiagnostisch bestätigtem Krankheitsfall bis max. 14 Tage vor Symptombeginn
    • Siehe auch: COVID-19 - Meldepflicht
  • Nationale Teststrategie [196]: Legt für Deutschland die Dringlichkeit von Tests fest, bspw. sollen Gemeinschaftseinrichtungen und medizinische Einrichtungen insb. zur Ausbruchseindämmung priorisiert getestet werden
    • S1-Leitlinie zur Testung und Strategien bez. SARS-CoV-2 Infektionen im Gesundheitswesen [197]
    • RKI-Hilfestellung zur Interpretation von Testergebnissen in Abhängigkeit von den Fallzahlen [198]

Kontaktpersonenmanagement [199][200]

  • Allgemeinbevölkerung: Nach Erfassung bzw. Meldung durch das Gesundheitsamt, ggf. Einleitung einer COVID-19-Diagnostik, Ziele sind
    • Unterbrechung von Infektionsketten
    • Identifikation von Infektionsherden und Ausbrüchen [201]
    • Risikomonitoring für Fälle im Kontext von vulnerablen Personen
  • Medizinisches Personal: Besondere Sensitivität und schnelle Testung geboten ,
    • Gesonderte Empfehlungen des RKI bestehen für das Kontaktpersonenmanagement in Altenpflegeeinrichtungen [202] und für den Fall des relevanten Personalmangels in Arztpraxen und Krankenhäusern [203]
  • Siehe auch COVID-19 - Strategien zum Infektionsschutz

Eine konsequente Testung in Gemeinschaftswohneinrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen ist entscheidend zur Kontrolle und Nachverfolgung lokaler Ausbrüche! [83]

Ambulante Versorgung von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen

  • Erstberatung durch den hausärztlichen Notdienst: Triage zentral über Rufnummer 116117, wenn keine spezifische andere lokale Vorgehensweise etabliert ist
    • Prüfen der Verdachtsfalldefinition und Beratung zu Abstrichmöglichkeiten und Indikationen zur COVID-19-Diagnostik, ggf. auch telemedizinisch
    • Für die Praxis: I.d.R. vom Gesundheitsamt benannte zentralisierte Test-Anlaufstellen, ausgestattet mit entsprechender Schutzausrüstung für med. Personal und logistischen Abläufen, alternativ entsprechende Hygiene-Infrastruktur in der Praxis und getrennte Patientenversorgung zu etablieren
  • Milde Verläufe ohne Risikofaktoren: Ambulante Behandlung mit symptomatischen Maßnahmen, häusliche Quarantäne für 14 Tage nach Maßgabe der Gesundheitsämter und des RKI [209]
    • Symptomatische Therapie: Kann bei hohem Leidensdruck analog zu dem symptomatischen Vorgehen bei Husten erfolgen, eine medikamentöse Fiebersenkung (z.B. mit Paracetamol) sollte in aller Regel nicht erforderlich sein
    • Verhalten nach Einleitung einer Diagnostik: Anordnung einer häuslichen Quarantäne mindestens bis zum Testergebnis! Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit!
    • Verhalten bei nicht zeitnaher Testmöglichkeit: Häusliche Quarantäne für mindestens 5 Tage UND Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden für jedwede Atemwegsinfektsymptomatik zu empfehlen! Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit!
    • Verhalten in der häuslichen Quarantäne: Versorgung mit Merkblättern und Tipps zur häuslichen Quarantäne (DEGAM auch mit mehrsprachigen Patienteninformationsblättern [204], RKI [210], CDC [211])
    • Entlassung aus der häuslichen Quarantäne: Bei nachweislich positiv Getesteten frühestens 10 Tage nach Symptombeginn UND Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden [212]
      • In Altenpflege- und Gemeinschaftseinrichtungen: Für Aufhebung der Quarantäne zusätzlich negativer PCR-Abstrich ab Tag 10 zu fordern
    • Stationäre Einweisung: Bei klinischer Verschlechterung, ggf. häusliche Überwachung der SpO2 2 × täglich mit Pulsoxymetrie bei risikoträchtigen Verlaufsmöglichkeiten
  • Impfberatung

Ambulant in häuslicher Quarantäne behandelte Patient:innen sollten angewiesen werden, sich bei Auftreten von Dyspnoe oder zunehmender Verschlechterung des Allgemeinzustandes telefonisch zu melden, um gemeinsam über weitere Maßnahmen zu entscheiden!

Risikogruppen für schwere COVID-19-Verläufe [163][213][214][215]

Patient:innen mit eingeschränkter Lebenserwartung

  • Festlegung klarer Therapieziele: Ambulante patientenzentrierte Vorausplanung für den Notfall gemäß aktueller interdisziplinärer Empfehlungen der Fachgesellschaften [228] (DGP [229]/DIVI [230] etabliert)
    • Aktive Klärung des Wunsches nach lebenserhaltenden Maßnahmen: Bzgl. invasiver und intensivmedizinischer Behandlungen für den Fall des Eintritts einer klinischen Verschlechterung
    • Dokumentation und Vertretung des Patientenwillens: Bestehen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht bzw. gesetzliche Betreuung?
      • Bei nicht einwilligungsfähigen Patient:innen: Erarbeiten einer ärztlichen Anordnung für den Notfall (ÄNo) [228]

Eine Aktivierung palliativer Betreuungskonzepte an den Kliniken und in der ambulanten Versorgung ist erforderlich!

Erstmaßnahmen bei schweren Verläufen [178][231][232][233][234][235]

  • Vitalzeichen: Körpertemperatur, Blutdruck, Atemfrequenz, Herzfrequenz, SpO2
  • Stationäre Aufnahme: Bei schlechtem klinischen Zustand und Vorliegen
  • Möglicherweise ambulante Versorgung: Bei lediglich leichtem Fieber bzw. beherrschbar erscheinender Luftnot, fehlender Hypoxämie und negativem qSOFA-Score
  • Scores: Zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe in der Aufnahmesituation
    • ISARIC 4C Mortality Score [236]: Erlaubt eine Prognoseabschätzung anhand 8 Parameter der Erstdiagnostik und Patienteneigenschaften
      • Siehe auch AMBOSS-Blog: Der ISARIC-4C-Mortality-Score [237]
    • COVID-GRAM [238]: Erlaubt eine Prognoseabschätzung anhand von 10 Parametern, benötigt neben Labor auch ein Röntgen-Thorax
  • Indikation zur intensivmedizinischen Therapie: I.d.R. zu stellen bei
    • SpO2 <90% unter einer Sauerstoffgabe von 2–4 L/min bei nicht vorbestehender Therapie
    • Atemfrequenz >25-30/min

Fokussierte Durchführung der Erstdiagnostik [142][239]

Bildgebung [235][243][244][245]

  • Röntgen-Thorax: Befunde wie bei interstitieller Pneumonie, aber auch bds. Infiltrate je nach Stadium einer Pneumonie, bei intensivmedizinischer Behandlungspflichtigkeit sind in aller Regel pathologische Veränderungen nachweisbar [246][247][248]
  • Sonographie der Lunge: Früher aussagekräftig als die Röntgenuntersuchung, wiederkehrende Verlaufsbeurteilung sinnvoll [249]
  • CT-Thorax: Durchführung bei therapeutischer Konsequenz zu empfehlen, bspw. bei V.a. Lungenembolie [243][244][251][252][253] , Infektionsrisiken für med. Personal beachten
    • Typische Befunde im Frühstadium: Bilaterale und multilobäre Milchglastrübungen unter Betonung der peripheren und/oder dorsalen Lungenabschnitte, insb. in den Unterlappen; am wenigsten betroffen ist der Mittellappen (rechts) → Sog. L-Typ nach Gattinoni [254]
    • Befunde in späteren Stadien: Zunehmende und ausgeprägte Konsolidierungen, inter- und intralobuläre septale Verdickungen, bezeichnet als sog. „Crazy-Paving-Muster“ → Sog. H-Typ nach Gattinoni [254]
    • Befundbeispiele [251]: Datenbank der SIRM [255] und Fleischner Society [256] stehen zur Verfügung
    • Befundklassifikation: Es bestehen bereits 2 Klassifikationsschemata, CO-RADS (Niederlande) [257] und COV-RADS (USA) [258]
    • CT als Screening: Native Niedrigdosis-CT des Thorax wird auch zum diagnostischen Screening evaluiert [259]
  • Notfall-CT oder MRT-Bildgebung des Kopfes bzw. der Wirbelsäule: Bei Verdacht auf zerebrale bzw. spinale Beteiligung [260] bzw. einen Schlaganfall

Therapie schwerer COVID-19-Verläufe [178]

Atmung und Beatmung

  • Grundlegende Prinzipien bei COVID-19 mit akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz
    • Ausmass der Oxygenierungsstörung möglichst über Horovitz-Quotienten bestimmen
    • Therapie an die Erkrankungsschwere anpassen (eskalierendes Vorgehen)
    • Adäquate Überwachung gewährleisten (kontinuierliches Monitoring)
    • Volumenüberladung vermeiden (restriktives Flüssigkeitsregime)
    • Therapieerfolg regelmäßig evaluieren (spätestens alle 1–2 h) und Behandlungsstrategie frühzeitig anpassen
  • Allgemeine therapeutische Zielwerte: SpO2 ≥90% (≥88% bei hochgradiger COPD) bzw. pO2 >55 mmHg
Therapeutische Optionen bei COVID-19 mit akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz (orientierende Übersicht)
Horovitz-Quotient Therapeutische Optionen Besonderheiten
>300
  • Sauerstofffluss bis ca. 5 L/min sinnvoll
  • Entspricht einer FiO2 von ca. 0,24–0,4
  • Sauerstoffmaske
  • Sauerstofffluss bis ca. 10 L/min sinnvoll
  • Entspricht einer FiO2 von ca. 0,4–0,6
100–300
  • Als reine CPAP-Therapie oder mit zusätzlicher Druckunterstützung
  • Applikation über Nasen-Mund-Maske, Atemmaske oder Atemhelm
  • Leckage auf ein Minimum reduzieren (Effektivität↑, Aerosolbildung↓)
  • Relativ hohe bzw. variable Versagerquote (27,9–61,5%)
<100
  • Atemwegsicherung primär mittels Endotrachealtubus und als RSI
  • Intubationsentscheidung bei Unwirksamkeit vorangegangener Maßnahmen nicht unnötig herauszögern (Prognose↓)
  • Notfallmäßige Intubation nach Möglichkeit vermeiden (Übertragungsrisiko↑)
  • Konsequente Durchführung einer Bauchlagerung nach der endotrachealen Intubation empfohlen
  • Endotracheales Absaugen nur mit geschlossenem System durchführen

Bei der Auswahl der geeigneten therapeutischen Option sollten neben dem Horovitz-Quotienten auch die Atemfrequenz, das Ausmass der Dyspnoe und das Vorerkrankungsprofil berücksichtigt werden!

High-Flow-Sauerstofftherapie und nicht-invasive Beatmung sollten nur unter kontinuierlicher Überwachung und ständiger Intubationsbereitschaft auf der Intensivstation durchgeführt werden!

Bei COVID-19 sollten sämtliche Atemwegsprozeduren sorgsam indiziert und nur mit vollständig angelegter persönlicher Schutzausrüstung durchgeführt werden!

Medikamentöse Behandlung

  • Glucocorticoide bei COVID-19: Gabe bei schwerer oder kritischer Erkrankung empfohlen [178]
  • Antivirale Therapie mit Remdesivir [162][264][265][266]
    • Indikation: Zugelassen für Patient:innen >12 Jahre und >40 kgKG mit COVID-19 Pneumonie und Indikation zur Sauerstoffgabe [267]
      • Studiendaten: Kein Effekt auf harte Endpunkte wie 4-Wochen-Krankenhaussterblichkeit und Häufigkeit einer Beatmungspflichtigkeit in WHO-Zwischenauswertung der SOLIDARITY-Daten [268], keine Therapieempfehlung in WHO-Leitlinie [162]
        • In ACTT-1-Studie [266] Verringerung der Zeit bis keine medizinische Versorgung mehr notwendig ist von im Median 15 auf 10 Tage
        • In deutscher S3-Leitlinie wird weder für, noch gegen eine Therapie mit Remdesivir votiert!
    • Therapiedauer: Gabe über mind. 5 Tage, max. 10 Tage
    • Ziel: Verkürzung der Krankheitsdauer und Abwendung schwerer Verläufe
    • Therapiemonitoring: Kontrolle der Transaminasen und des Kreatinin-Wertes während der Therapie
    • Alternativen: Andere antivirale Wirkstoffe erst bei schwerem Verlauf in Einzelfällen erwägen (vorzugsweise im Rahmen von Studien, andernfalls als individueller Heilversuch bzw. Off-Label-Use)

Supportiv-intensivmedizinische Aspekte

Management der Organkomplikationen

Entlassungskriterien bzgl. Isolation bei stationärer Behandlung [212]

  • Entlassung ohne Auflagen: Frühestens 10 Tage nach Symptombeginn und bei Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden
    • Sauerstoffpflichtige Patient:innen und Bewohner von Gemeinschaftseinrichtungen: Zusätzlich negative SARS-CoV-2-PCR-Untersuchung
    • Schwer Erkrankte mit Beatmungspflichtigkeit: Zusätzlich 2 negative PCR-Untersuchungen mit mindestens 24 Std. Abstand, hierbei wenn möglich zu beiden Zeitpunkten 2 Proben aus verschiedenen Kompartimenten (z.B. Rachenabstrich und Trachealsekret)
    • Negativitätskriterien: Ein zwischenzeitlich kommunizierter Ct-Wert < 30 kann nicht allgemeingültig als Nachweis einer Nichtanzüchtbarkeit des Virus angenommen werden und ist ein orientierender Wert, im Zweifel immer den festgelegten Schwellenwert erfragen!
  • Rehabilitation: Frühmobilisation und Frührehabilitationen bei schweren Verläufen immer anstreben [299]
    • Verlegungskriterien
      • Mindestens 2 Tage fehlende Akutsymptomatik
      • Keine direkten Verlegungen von Intensivstation in Rehaklinik
      • Kardiopulmonal stabile Verhältnisse, die eine Rückverlegung in die Akutversorgung nicht wahrscheinlich erscheinen lassen
    • DGP-Empfehlungen zur pneumologischen Rehabilitation [300]
  • Symptompersistenz: Zur Prüfung auf Langzeitfolgen wird eine Untersuchung nach 8-12 Wochen empfohlen.
  • Entlassung in die häusliche Isolierung: Wenn klinische Besserung dies erlaubt und ein Kontaktpersonenmanagement und eine ambulante Betreuung möglich sind

Bei Immunsuppression und bei schwer(st)en Verläufen kann die PCR etliche Wochen positiv verbleiben, in diesen Fällen muss eine Einzelfallentscheidung erfolgen!

Symptomkontrolle bei Verschlechterung und nicht gewünschter Intubation/Beatmung [229]

  • Indikation: In Fällen mit nicht gewünschter bzw. nicht zielführender intensivmedizinischer Behandlung, bei Eintreten einer klinischen Verschlechterung und des Sterbeprozesses
  • Bei Dyspnoe: Gabe von Opioiden
    • Patient:innen, die schlucken und essen können: Retardiertes Morphin p.o. , begleitend laxierend Macrogol
    • Bei nicht ausreichender Wirksamkeit, Zunahme der Beschwerden oder Unfähigkeit des Schluckens: Morphin s.c. oder i.v.
  • Bei starker Angst oder Agitation: Gabe eines kurzwirksamen, anxiolytischen Benzodiazepins erwägen
  • Psychosoziale Notfallversorgung: Aktivierung aller verfügbaren ambulanten und stationären palliativmedizinischen Ressourcen
    • Handlungsempfehlungen der DIVI [301] zu COVID-19
  • Bisher ist keine nachweislich wirksame Therapieform etabliert, daher stets experimentell; ein Einsatz kann unter Nutzen-Risiko-Abwägung in Einzelfällen erwogen werden [151][231][302]

Übersicht aktuell erprobter Wirkstoffe [117][268][304][305][306][307]

  • Hervorgehoben erscheinen die am intensivsten untersuchten Wirkstoffe
  • Interaktionen der genannten Medikamente: Zahlreich, bei erwogenem Einsatz zu beachten (Fachinfo!) bzw. gemäß Übersicht der University of Liverpool! [308]

Für die Wirksamkeit der Medikamente ist wahrscheinlich der Zeitpunkt des Einsatzes im Krankheitsverlauf entscheidend – während in die Virusinvasion und -replikation eingreifende Medikamente (z.B. Remdesivir) so früh wie möglich appliziert werden müssten, könnten andere Ansätze, die auf die Kontrolle der dysregulierten Immunantwort bei schweren Verläufen abzielen (z.B. Tocilizumab), auch in späteren Phasen des Krankheitsverlaufes sinnvoll eingesetzt werden!

Wirkstoff(-gruppen), Substanzen und mögliche therapeutische Zielstrukturen [264][309]

  • Inhibition der Adhäsion und Invasion
  • Inhibition der Fusion
    • Chloroquin/Hydroxychloroquin
      • Ein Einsatz ist grundsätzlich nicht mehr zu empfehlen, WHO stoppt den Einschluss der Substanzen in der SOLIDARITY-Studie [310][311][312]
      • Erprobt wurde die Kombination mit Azithromycin [313][314], auch in der Kombination zeigte sich keine Wirksamkeit [315]
      • Ebenfalls keine Wirksamkeit als Postexpositionsprophylaxe [316]
    • Umifenovir [317][317][318][318][319]
  • Interferon β-1b: Einsatz außerhalb von klinischen Studien nicht zu empfehlen! [178]
  • Protease-Inhibition: Ein Einsatz ist grundsätzlich nicht mehr zu empfehlen, WHO stoppt den Einschluss der Substanzen in der SOLIDARITY-Studie [310]
  • RNA-Polymerase-Inhibitoren bzw. Nukleosidanaloga
    • Remdesivir [266][267][268][324][325][325][326]
    • Molnupiravir: In Phase-3-Studie bei Menschen [327], in Tierstudien beim Frettchen wirksam zur Reduktion der Viruslast in den Atemwegen und zur Verhinderung von Ansteckungen [328]
  • Immunologische Therapieansätze
    • Antikörpertherapie und Biologicals [329]
      • IL-6-Blocker: Erstmalig randomisiert kontrollierte Studie mit Nachweis einer verminderten Sterblichkeit bei schweren Verläufen als Preprint veröffentlicht [330], zuvor in diversen Studien insgesamt kein schlüssiger Nachweis einer Wirksamkeit
        • Tocilizumab [331][332][333][334][335][336], Gabe nur innerhalb klinischer Studien zu empfehlen
        • Siltuximab [337]
        • Sarilumab
      • Spezifische monoklonale Antikörper
        • Bamlanivimab: Gegen ACE2-Rezeptoren auf dem Spike-Protein des Virus gerichtet, Notfallzulassung [338] durch FDA im November 2020 für nicht-hospitalisierte Patient:innen nach Ergebnissen einer Phase-2-Studie [339], Einsatz nur in Studien [340] zu erwägen!
          • Fehlende Wirksamkeit bei hospitalisierten Patient:innen! [341]
        • REGN-COV2: Kombination aus 2 Antikörpern gegen Strukturen des viralen Spike-Proteins [342]
      • JAK-Inhibitoren: Baricitinib, in Kombination mit Remdesivir Notfallzulassung durch FDA in den USA [343] für schwere Erkrankungen, publizierte Studienergebnisse der ACTT-2-Studie [344]
      • IL-1-Blocker: Anakinra [345]
      • GM-CSF-Blockade: Mavrilimumab [346]
      • Rekombinantes ACE2 (rhACE2, APN01) [115][347]
    • Rekonvaleszentenplasma: Klinischer Vorteil bisher nicht erwiesen, Einsatz nur in klinischen Studien [190][348][349][350][351]
      • Für stationäre Patienten wird eine Gabe derzeit in der deutschen Leitlinie nicht empfohlen
    • Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnur

Ambulantes Management [352][353]

Persönliche Schutzausrüstung anlegen

Persönliche Schutzausrüstung ablegen

Stationäre Hygienemaßnahmen [26][352][353][355][356]

  • Unterbringung: In einem Isolierzimmer, möglichst mit Vorraum
  • Transport: Mund-Nasen-Schutz für Patient:innen
  • Versorgung: Nur mit Schutzbrille, Schutzkittel, Handschuhen, Haube und mind. FFP2-Maske
  • Reinigung: Tägliche Wischdesinfektion mit begrenzt viruzidem Flächendesinfektionsmittel [14][23]
    • WHO-Empfehlungen zur Flächendesinfektion im COVID-Kontext [357]
  • Abfallentsorgung: Vergleichbares Handling wie bei anderen infektiösen Krankenhausabfällen (LAGA-Vollzugshilfe 18 [358])
  • Organisatorische Maßnahmen
    • Schaffung klinikumfassender koordinierter Kohortenisolationskonzepte!
    • Eröffnung separierter Bereiche, ggf. Vorbauten und Zelte zur Pufferung und Isolation von Verdachtsfällen
    • Kommunikation von Hygieneregeln für den Transport von Patient:innen
    • Personalschutz insb. durch Schutzkleidung und -ausrüstung
    • Etablierung von Prozeduren zum Aerosolmanagement bei Beatmungsprozeduren
  • COVID-19-Ausbrüche im Gesundheitswesen: Spezifische Management-Empfehlungen des RKI etabliert [359]

Atemschutzmasken [353][360][361]

  • In Gesundheitseinrichtungen: Risikoadaptierte Nutzung für das med. Personal empfohlen, ein regulärer Mund-Nasen-Schutz ist i.d.R. ungeeignet für das med. Personal mit intensiveren Patientenkontakten
    • FFP3-Masken bei invasiver Diagnostik und Therapie [362]
    • FFP2-Masken bei nicht-invasivem Kontakt mit Patient:innen
    • Erweiterte Hygienemaßnahmen laut RKI mit generellem Einsatz von Mund-Nasen-Schutz für [363]
      • Jegliches Personal mit Kontaktmöglichkeit zu Patient:innen
      • Jegliche Patient:innen, die im Rahmen ihres Aufenthaltes in Kontakt mit anderen Menschen kommen
    • Einrichtungsgebunden ressourcenschonender Einsatz von Masken bei Lieferengpässen [352]
      • Zu Beginn der Pandemie weltweit Erwägungen zur Desinfektion und Aufbereitung von Masken bei manifester Mangelsituation [364][365][366][367][368]

Sonderfall: Reanimation [369][370]

  • Anpassung der Empfehlungen für Basic- und Advanced-Life-Support nach entsprechenden Stellungnahmen nationaler und internationaler Fachgesellschaften
  • Ziel: Erhöhung der Sicherheit von Laien und Fachpersonal bei der Reanimation durch Limitierung der Aerosolbildung
  • Wesentliche Änderungen
    • Basic-Life-Support (BLS)
      • Kein Hören und Fühlen von Atemtätigkeit bei unklarem Infektionsstatus
      • Abdeckung von Mund und Nase der Patient:innen (bspw. mit einem Kleidungsstück)
      • Keine Beatmung bei unklarem Infektionsstatus
    • Advanced-Life-Support (ALS)
      • Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung
      • Reduktion des Einsatzpersonals direkt an den Patient:innen
      • Kein Hören und Fühlen von Atemtätigkeit bei unklarem Infektionsstatus
      • Maskenbeatmung mit Schwebstofffilter (HEPA-Filter) oder direkte Sauerstoffgabe mit Inhalationsmaske
      • Stopp der Thoraxkompression bei Intubation
      • Mechanische CPR in Bauchlagerung am Modell getestet und prinzipiell möglich [371]
  • Studien
    • Nachweis einer erhöhten Inzidenz von Herz-Kreislauf-Stillständen außerhalb des Krankenhauses im Großraum Paris [372]

Mund-Nasen-Bedeckungen, medizinische Gesichtsmasken und partikelfiltrierende Halbmasken sowie Handschuhe bei medizinischem Personal sind ein wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Virusverbreitung und, je nach Maskentyp, zum Selbstschutz. Seit der COVID-19-Pandemie ist ein Anstieg von Hauterkrankungen zu beobachten, die durch das Tragen der Schutzausrüstung hervorgerufen oder verschlimmert werden können. Eine effektive Prävention bzw. Therapie ist wichtig, um die Compliance gegenüber der persönlichen Schutzausrüstung zu gewährleisten und somit Infektionen zu verringern und medizinisches Personal zu schützen. [373][374][375][376][377][378][379][380]

Vorkommen

  • Insb. medizinisches Personal betroffen
    • Ausfall von medizinischem Personal durch Hauterkrankung
    • Sinkende Compliance gegenüber der Schutzausrüstung und somit höheres Infektionsrisiko
  • Vermehrt bei Personen mit bestehenden Vorerkrankungen der Haut oder Allergien

Ätiologie

  • Feucht-warmes Klima: Okklusion durch Handschuhe und Maske, Schwitzen und Feuchtigkeit in der Ausatemluft führen zu
    • Störung der Hautbarriere
      • Erhöhte Durchlässigkeit/Hyperpermeabilität und Sensibilität gegenüber physikalischen und chemischen Irritantien
      • Vermehrter Wasserverlust → Austrocknung der Haut
    • Vermehrtes Wachstum von Bakterien
  • Physikalische Irritantien: Reibung und Druck
  • Chemische Irritantien: Kontaktallergene in Masken und Handschuhen

Symptome/Klinik

Diagnostik

Resultierende Krankheitsbilder

Therapie

Prävention

  • Aufklärung über korrekte Benutzung der Masken
    • Auf reibungsfreien Sitz achten
    • Tragezeit so kurz wie möglich und Pausen einlegen
    • Waschen von Alltagsmasken bei mind. 60 °C
    • Regelmäßiges Wechseln der Maske
    • Möglichst zertifizierte Masken verwenden
  • Pflege
    • Gesicht
      • Gesichtspflege zum Erhalt/Stärkung der Hautbarriere mit parfümfreien Feuchtigkeitscremes
      • Emollientien (z.B. Vaseline) zur Minderung von Reibung der Maske an prädisponierten Stellen auftragen
    • Hände
      • Vor dem Tragen von Handschuhen Hautschutzpräparate auftragen und einziehen lassen
      • Nach der Arbeit Hände mit seifenfreiem Syndet waschen und Pflegecreme auftragen
  • Meidung von Allergenen: Kontaktallergenfreie Maske und Handschuhe verwenden, Baumwollhandschuhe unterziehen, Gaze-Inlay in der Maske verwenden
  • Bei V.a. Berufsdermatose: Verfahren zur Anerkennung einleiten

Triage- und Pufferzonen zur Erstversorgung [26][356]

  • Triage-, Puffer- und Isolationszonen bei Einlass: Erfassung der Symptome, ggf. Aushändigung einer Leitkarte für Patient:innen, Zuweisung in einen isolierten Diagnostikbereich [387], Empfehlungen des RKI zur getrennten Versorgung etabliert [388]
    • Bereitstellung von Sauerstoffanschlüssen bzw. Versorgung mit Flaschen
    • Ausrüstung für Nasenbrillen
    • Monitoring von SpO2 und Herzfrequenz
    • Bereiche mit High-Flow, CPAP
    • Überleitungs- und Aufnahmeprotokolle für COVID-Bereiche mit entsprechenden Vorkehrungen etablieren
    • Kontrolle von Ausbrüchen: Leitfaden für den Öffentlichen Gesundheitsdienst zum Vorgehen bei Häufungen von COVID-19 des RKI [82] publiziert
  • Notfallkapazitäten: Sicherstellung, dass OP- und Notfallinterventionskapazitäten für nicht-pandemiebedingte lebensbedrohliche Erkrankungen funktional bleiben (z.B. Corona-OP-Trakt vs. Normal-OP-Trakt) [389][390][391][392][393]
    • Bettenkapazitätssteuerung [394]
    • Vorausschauende Planung zur Verschiebung nicht dringlicher Eingriffe und Interventionen, ggf. Priorisierung onkologischer Interventionen [395]
    • Vorausschauende Indikationsstellung für jegliche „Kann-Eingriffe“, wenn diese für die Nachbehandlung intensivmedizinische Kapazitäten benötigen
    • Modifizierte Kontaktpersonennachverfolgung für medizinisches Personal nach RKI [203] und Schulung bzw. Fortbildung von medizinischem Personal [396]
  • In Überlastungssituationen [397][398][399][400][401][402]
    • Konsequente notfallmedizinische Triage: S1-Leitlinie [403] zu Entscheidungen über die Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie
      • Empfehlungen und Bekanntmachungen der DGAI/BDA [404] inkl.
        • Schulungen freiwillig medizinischer Helfender bei Einsatz während der COVID-19-Pandemie [396][405]
        • Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie [406]
          • Bereitstellung flexibel niedrigschwellig einberufbarer Ethikkommissionen
        • Entscheidungsfindung bei nicht ausreichenden Intensiv-Ressourcen [407]
        • Dokumentationshilfen zur Priorisierung bei Ressourcenknappheit [408]
        • Empfehlungen und Leitplanken für die notärztliche Versorgung vom BAND [409]
    • Palliative Betreuungskonzepte für nicht intensivmedizinisch behandelbare Patient:innen
    • Psychosoziale Betreuungsangebote für höchst belastetes med. Personal [410]
      • Empfehlungen der DIVI für Krankenhäuser [301]
    • CH: Empfehlungen zur Triage bzgl. Intensivmedizin bei Engpässen [411] der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften etabliert
    • UK: NICE COVID-19 rapid clinical guideline: critical care [412]

Erhöhung der Beatmungskapazität [26]

  • Koordination von Betreuungskapazitäten: DIVI-Intensivregister [413]
  • Räumen von Intensiv-/Beatmungsplätzen
  • Rekrutierung aller geeigneten Räumlichkeiten
    • Bedingungen an die räumlichen Gegebenheiten zur Schaffung von Beatmungsplätzen: Zwei-Sauerstoff-Anschlüsse, ein Luft-Anschluss, ein Absaugventil, 12 Steckdosen
  • Rekrutierung intensivmedizinischen Equipments
    • Medizinische Informationen der DGAI/BDA [404] mit Verweisen zu Herstellerseiten und Informationen zum Off-Label-Einsatz von Beatmungsgeräten bzw. Narkosegeräten [414]
    • Nutzung von Heimbeatmungsgeräten (z.B.BIPAP-Geräten von OSAS-Pat.) [415]
  • Ultima Ratio bei absoluter Überlastung: Diskussionen kreativer Lösungen (sog. „McGyver-Aktionen“) [402][416]
    • Sauerstoffzufuhr per Nasenbrille oder Maske von 1 Anschluss auf 2 Patient:innen ausweiten [417]
    • Teilen von Beatmungsmaschinen für mehrere Patient:innen [418][419][420]
    • Extremsituationen: Atembeutel mit Sauerstoffreservoir manuell bedienen, Bau eigener Beatmungsmaschinen aus vorhandenen medizinischen Ressourcen
  • Schulung von ärztlichem und pflegerischem Fachpersonal und Pflegekräften in der Versorgung beatmeter Patient:innen

Es wird in manifesten Überlastungssituationen notwendig werden, vermehrt und überbrückend auf aerosolbildende Beatmungsformen wie NIV zurückzugreifen! Um einer Ansteckungsgefahr des med. Personals vorzubeugen, sind standardisierte Hygieneregelungen sowie bestmögliche Schutzkleidung inkl. Atemschutzmaske essentiell!

ACE-Hemmer und NSAR als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

Durch unbestätigte und in Journals vorpublizierte Hypothesen zur Pathophysiologie der COVID-19-Infektion sind Medikamente aus der Gruppe der RAAS-Antagonisten (insb. ACE-Hemmer und Sartane), NSAR und Glitazone im März 2020 in Verdacht geraten, schwere Verläufe und Infektionen zu begünstigen.

Faktencheck

  • Das Membranprotein ACE2 wurde bei Menschen und Tieren als Rezeptor für die Aufnahme von SARS-CoV-2 identifiziert [114]
  • Eine im Journal The Lancet als Studienkorrespondenz publizierte Schrift stellte den Zusammenhang her, dass genannte Medikamente durch verschiedene Mechanismen die Expression von ACE2 bzw. dessen Rezeptorendichte steigern; somit sei bei Einnehmenden eine erhöhte Empfänglichkeit für schwere Erkrankungen möglich [421]
    • ACE-Hemmer und Sartane: Von einem unreflektierten Absetzen bei gegebener Indikation ist abzuraten! Mögliche negative Folgen (z.B. hypertensive Krise) könnten einen Nutzen überwiegen [422][423][424][425][426], zwischenzeitlich Studien mit Daten aus Italien [427] und Spanien [428] publiziert, keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko
    • Ibuprofen und andere NSAR: Strenge Indikationsstellung – sollten unabhängig von COVID-19 und insb. bei älteren und kardiovaskulär sowie renal vorerkrankten Patient:innen zurückhaltend zur Antipyrese eingesetzt werden!
      • Paracetamol ist zur Fiebersenkung und Symptomkontrolle als Selbstmedikation bei milden Verläufen Mittel der Wahl! [429]
      • Insg. wird eine fiebersenkende medikamentöse Therapie wahrscheinlich zu häufig angewendet und ist bei leichten Verläufen i.d.R. nicht erforderlich
      • Patient:innen, die wegen chronischer Erkrankungen oder Schmerzen (z.B. rheumatoider Arthritis) indikationsgerecht Ibuprofen oder andere NSAR einnehmen, müssen diese nicht „vorsorglich absetzen“!
    • Glitazone: Werden in Deutschland sehr selten eingesetzt und weisen i.d.R. ohnehin ein relativ ungünstiges Risiko-Nutzen-Profil auf

NSAR sind unabhängig von COVID-19 für die kardiale und renale Funktion entsprechend Vorerkrankter toxisch – ihr Einsatz steigert das Risiko für Organkomplikationen!

Asthma bronchiale [163] [430]

  • Kein unabhängiger Risikofaktor: Bei guter therapeutischer Kontrolle der Krankheitsaktivität stellt ein Asthma bronchiale kein besonderes Risiko für einen schweren Verlauf dar
    • ICS-Therapie: Bei guter Einstellung und Regeldosierung nicht absetzen!
    • Biologika-Therapie: I.d.R. bei guter Einstellung auch nicht abzusetzen
    • Infektionsschutz
      • Wenn möglich keine Anwendung von Feuchtverneblern, stattdessen Nutzung von Dosier-Aerosolen mit Spacer und ggf. gut abschließender Maske (insb. im Kliniksetting)
      • Nicht notwendige Spirometrien vermeiden, z.B. bei COVID-19-Verdachtsfällen bzw. bei regional hoher COVID-19-Inzidenz

Psychosoziale Aspekte

  • Häusliche Gewalt: Zunehmende Fallzahlen weltweit [431][432]
    • Bundesweite Kinderschutz-Hotline: 0800 19 210 00 [433], Pocketcard [434]
    • Siehe auch AMBOSS-Blog: Häusliche Gewalt ist nicht privat [435]
  • Einsamkeit und soziale Isolation: Infolge der Pandemiebekämpfungsmaßnahmen aktuell zunehmend und langfristig gesundheitsschädlich [436]
  • Verminderte körperliche Betätigung: Erhebliche Einschränkungen der sportlichen Aktivitäten beschrieben [437]
  • Vermehrter pathologischer Alkoholkonsum: Allgemein, jedoch auch als Exazerbation einer vorbestehenden Alkoholerkrankung [438]

Besondere Patient:innengruppen und Beratungsanlässe

  • Siehe auch
  • Geriatrie: Übersichtsarbeiten zu Auswirkungen auf die geriatrische Versorgung [79][439]
    • Versorgung von Patient:innen mit Demenzerkrankungen in Pandemiezeiten erschwert, erhöhte Sterblichkeit bei Patient:innen mit psychiatrischen Komorbiditäten [440]
    • Empfehlungen der DGP zur pulmologischen Aspekten von COVID-19 bei geriatrischen Patient:innen [441]
  • Diabetologie: Empfehlungen der DDG etabliert, insb. strenge Beachtung der Kontraindikationen von Metformin (Hypoxie!) und SGLT2-Inhibitoren, Pausierung dieser Therapieprinzipien bei hohem Fieber und instabiler Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme empfohlen [442]
  • Pneumologie: DGP empfiehlt Fortführung von ICS-Inhalatoren [443] bei gut darauf eingestellten Patient:innen, zudem Hinweise zur Durchführung von Bronchoskopien in Pandemiezeit [444]
    • Stellungnahmen zur Risikoeinschätzung bei chronischen Lungenerkrankungen [163][445]
  • Gastroenterologie: Informationen gebündelt über die DGVS [389]
  • Onkologie bzw. Hämatoonkologie
    • Empfehlungen der DGHO etabliert [221][451]
    • Häufig Abwägung zwischen akutem Infektionsrisiko mit schwerer Erkrankung und Einleitung bzw. Fortführung von Chemotherapien erforderlich [395][452]
      • Aufschieben onkologischer Therapien verkürzt Überlebenszeit! [453]
    • Schwere Verläufe bei onkologischen Patient:innen häufiger, insb. bei Chemotherapie [219]
  • Nephrologie: Europäische Empfehlungen der ERA-EDTA zum Management in Dialysezentren [454] etabliert
  • Rheumatologie: Informationsangebote der DGRh [455] und Übersichtsartikel [456][457] bzw. Fallserien [458]
    • Einschluss von Patient:innen in das COVID-19-Register der DGRh! [459]
      • Auswertung im Januar 2021 publiziert [460]
    • Kein unreflektiertes Absetzen indizierter immunsuppressiver Therapien
    • Handlungsempfehlungen DGRh publiziert [461]
  • HNO: Empfehlungen und fachbezogener Newsticker der HNO [462], Indikationseinschränkung für die Rhinoscopia anterior, Absage aller elektiven Eingriffe an Nase und Nebenhöhlen [463]
    • Evidenzübersicht zum Patientenmanagement in der HNO [464]
  • Anästhesiologie: Regionalanästhesie in der Pandemiesituation – Ad-hoc-Empfehlung eines Expertengremiums 2020 [465]
  • Ophthalmologie: Berufsverband der Augenärzte [148]
  • Neurologie: S1-Leitlinie DGN/DGNI [298] zu neurologischen Manifestationen bei COVID-19 inkl. einer Übersicht von Management immunsuppressiver Therapien
  • Psychosomatik: Bekanntmachung der DGPM [466]

Epidemiologie

  • Häufigkeit: Infektionshäufigkeit geringer als bei Erwachsenen [467][468]
  • Geschlecht: = [469][470]
  • Letalität: Sehr gering [469][471][472]

Die DGPI hat ein Register für stationär behandelte Kinder und Jugendliche mit COVID-19 etabliert! [473]

Weiterverbreitung

  • Weiterverbreitung auch durch asymptomatische Kinder möglich [470][474] [475]
  • Kinder sind keine Super-Spreader [470][474][476][477]
  • Flächendeckende Schul- und Kitaschließungen haben im Vergleich zu allgemeinen Abstands- und Hygieneregelungen einen untergeordneten Stellenwert [474][476][477][478][479][480][481]
    • Schädliche Auswirkungen der sozialen Distanzierung im Rahmen der eindämmenden Maßnahmen beschrieben [482]

Klinik [470][472][483][484][485][486]

  • Asymptomatische Infektionen bei etwa 20% der Fälle
  • Symptomatische Infektionen: Variable Klinik, im Allgemeinen deutlich milder als bei Erwachsenen
    • Leitsymptome: Fieber (ca. 55%), Husten (ca. 50%), Halsschmerzen (ca. 30%)
    • Seltenere Symptome: Kopf- und Gliederschmerzen (je ca. 25%), Rhinitis (ca. 15%), Erbrechen und Diarrhö (je ca. 15%), Anosmie/Ageusie (ca. 6%), Pseudokruppanfälle
  • Schwere Verläufe: Selten
    • Kritische Verläufe a.e. im Säuglingsalter (Ausnahme: MIS-C)
    • Erhöhtes Risiko bei vorerkrankten Kindern [467][487][488]
COVID-19-Schweregrade im Kindes- und Jugendalter
Schweregrad Symptome/Kriterien
Milde Erkrankung
Moderate Erkrankung
  • Pneumonie ohne Sauerstoffbedarf
  • Zusätzlich zu den Kriterien der milden Erkrankung
Schwere Erkrankung
Kritische Erkrankung
Hyperinflammatorischer Verlauf

COVID-19 verläuft bei Kindern im Allgemeinen milder, asymptomatische Verläufe sind häufig. Insb. Säuglinge und Kinder mit Vorerkrankungen können jedoch auch schwer betroffen sein!

Diagnostik bei COVID-19 im Kindes- und Jugendalter [470]

Bei erhöhten Entzündungswerten ist an bakterielle Koinfektionen zu denken, obwohl diese bei Kindern nur in etwa 5% der Fälle beschrieben sind!

Vorgehen bei Hospitalisierung von Kindern mit akuten Atemwegsinfektionen im Herbst/Winter 2020/21 [489]

Status vor Aufnahme 7-Tage-Inzidenz im Kreis Abstrichentnahme Aufnahmebedingungen
COVID-19 verdächtige Symptome oder COVID-19-Exposition Kein Einfluss Unter Sicherheitsvorkehrungen Isolierung, bis Abstrichergebnis vorliegt
(Unspezifische) Symptome einer akuten Infektionskrankheit Fieber und/oder respiratorische oder gastrointestinale Symptome ohne eindeutige Diagnose einer bakteriellen Infektion ≤50/100.000 Unter Standardbedingungen Aufnahme mit syndromaler Kohortierung
>50/100.000 Unter Sicherheitsvorkehrungen Isolierung, bis Abstrichergebnis vorliegt
Bereits hospitalisierte Personen mit neuen Symptomen einer Atemwegsinfektion ≤50/100.000 Unter Standardbedingungen Isolierung oder syndromale Kohortierung, bis Abstrichergebnis vorliegt
>50/100.000 Unter Sicherheitsvorkehrungen Isolierung oder Kohortierung, bis Abstrichergebnis vorliegt
  • Begleitpersonen von Kindern müssen befragt und ggf. getestet werden; es gelten die gleichen Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen wie für ihre Kinder

Indikationen zur SARS-CoV-2-Testung im ambulanten Bereich bei Kindern und Jugendlichen

Eine frühzeitige Detektion von asymptomatischen Kindern und solchen mit milden Symptomen ist zur Verhinderung der Weiterverbreitung und zur rechtzeitigen Therapie von schweren Verläufen essentiell! [483]

Therapie [467][470][472][490]

Schweregrad der Erkrankung Symptomatische Therapie Antivirale Therapie Antiinflammatorische Therapie
Mild Ggf. Antipyrese
Moderat Siehe Leitlinie pCAP [491] (—)
Schwer Siehe Leitlinie pCAP [491] (✓)
Kritisch Siehe Leitlinie pCAP [491] (✓)
MIS-C Siehe Leitlinie Sepsis [492]
  • Antipyrese: Nach entsprechender Indikation Paracetamol und Ibuprofen einzusetzen, siehe auch Fiebersenkung in der Pädiatrie
  • Inhalationstherapien: Bevorzugt über Dosieraerosol mit Spacer oder als Pulverinhalation (Aerosolvermeidung)
  • Behandlung der Pneumonie nach bisherigen AWMF-Leitlinien empfohlen [491]
  • Bei Pneumonie mit Sauerstoffbedarf und/oder Vorliegen von Risikofaktoren für einen komplizierten Verlauf
    • Frühzeitiger Therapieversuch mit Remdesivir möglich
      • Möglichst im Rahmen von kontrollierten Studien
      • Remdesivir ist seit August 2020 für Kinder ab 12 Jahren zugelassen, bei jüngeren Kindern ist die Gabe off-label [493] [494]
      • Anwendungsbeschränkungen
        • Bei eingeschränkter Nierenfunktion mit GFR <30 ml/min kontraindiziert
        • Bei eingeschränkter Leberfunktion Einsatz nur nach strenger Risiko-Nutzen-Abwägung
        • Bei Frauen im gebärfähigen Alter Einsatz nur unter effektiver Kontrazeption
  • Bei kritischem Verlauf ggf. zusätzlich
  • Notfallzulassung für Bamlanivimab ab dem Alter von 12 Jahren seit November 2020 in den USA: Für milde bis moderate COVID-19-Erkrankungen mit erhöhtem Risiko eines schweren Verlaufs
Medikament Applikationsform Dosierung Dauer Besonderheiten
Körpergewicht Dosis
Remdesivir i.v. 3,5–40 kg 5 mg/kgKG Aufsättigungsdosis i.v. an Tag 1, danach 2,5 mg/kgKG 1× tgl. i.v. über weitere 4 Tage 5 Tage Infusion über 30–120 min
>40 kg 200 mg Aufsättigungsdosis i.v. an Tag 1, danach 100 mg 1× tgl. über weitere 4 Tage
Dexamethason i.v., p.o. 0,2–0,4 mg/kgKG 1× tgl. i.v./p.o., Tagesmaximaldosis 6 mg 7–10 Tage

Systemische Steroide sollten nicht routinemäßig bei asymptomatischen, milden und moderaten COVID-19 Verläufen eingesetzt werden, da sie insb. in der Frühphase von COVID-19 die Virusausscheidung begünstigen und so den Krankheitsverlauf prolongieren könnten! [467]

  • Für weitere Information siehe auch
    • Medikamentöse Behandlung von Kindern mit COVID-19
      • Stellungnahme der DGKJ [490]
      • Stellungnahme der DGPI [470]
    • Leitlinie Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 [472]

Komplikation: Multisystem inflammatory syndrome in children (MIS‐C)

Die DGPI hat ein Register für Kinder und Jugendliche mit MIS-C etabliert! [501]

Prävention

Maskenpflicht bei Kindern [502]

  • Ab dem Alter von 10 Jahren soll analog zu Erwachsenen eine Mund-Nasen-Maske getragen werden
  • Kinder im Alter von 6–9 Jahren können optional eine Maske tragen, aber nicht gegen den Willen des Kindes
  • Bei Kindern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung muss eine individuelle Entscheidung getroffen werden

Kinder unter 2 Jahren sowie schlafende oder bewusstlose Kinder dürfen keine Maske tragen!

Prävention von SARS-CoV-2-Ausbrüchen in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung oder Schulen [503][504]

  • Grundlegende Präventionsmaßnahmen für das Personal
    • Möglichst konsequente Einhaltung allgemeiner Hygienemaßnahmen (AHA-Regeln + Lüften ) im beruflichen und privaten Umfeld
    • Aufmerksamkeit für Symptome möglicher (eigener oder die betreuten Kinder betreffender) SARS-CoV-2-Infektion
    • Für individuelle Risikoeinschätzung ggf. betriebsärztliche Vorstellung
  • Grundlegende Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche
    • Altersabhängige Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln
    • Kein Kita-/Schulbesuch durch erkrankte/bzw. infektsymptomatische Kinder und Jugendliche
    • Wiederzulassung nach SARS-CoV-2-Infektion oder Hochrisikokontakt nur mit ärztlichem Attest
    • Impfschutz gemäß STIKO-Empfehlungen anstreben
  • Grundlegende Anforderungen an Gemeinschaftseinrichtungen
    • Hygienekonzept inkl. Planung des Vorgehens bei einzelnen SARS-CoV-2-Infektionen oder Ausbruchsgeschehen
  • Eskalation der Präventivmaßnahmen bei erhöhter Inzidenz/Ausbruchsgeschehen
    • Kohortierung und Kontaktminimierung
    • Ausweitung der Maskenpflicht auf 6- bis 9-Jährige in Risikogebieten
    • Quarantänemaßnahmen für betroffene Gruppen; ggf. Clusterisolierung
    • Schließungen von Gemeinschaftseinrichtungen nur als letztes Mittel

Gemeinschaftseinrichtungen dürfen keinen SARS-CoV-2-Test einfordern! Die Indikation zur SARS-CoV-2-Testung wird individuell ärztlich gestellt!

S3-Leitlinie Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen [504]

Präventionsmaßnahmen für die ambulante Pädiatrie in der SARS-CoV-2-Pandemie [505]

  • Organisatorische Maßnahmen
    • Abstandsregelung und Schutzscheiben im Anmeldebereich
    • Potentiell infektiöse Patent:innen möglichst separat einbestellen
    • „Saubere“ von „unsauberen“ Arealen trennen und Patient:innen je nach Symptomatik und Vorstellungsgrund entsprechend aufteilen
    • Abschirmung besonders vulnerabler Patient:innen, bspw. durch eigene Sprechstunden und Wartebereiche, Hausbesuche und Videokonsile
  • Distanzierung und Desinfektion
    • Patient:innen und Begleitpersonen
      • Bei Betreten der Praxis wenn möglich Händedesinfektion, ansonsten Händewaschen mit Seife über min. 20 Sekunden
      • 1,5 m Abstand zwischen Patient:innen/Begleitpersonen und Personal (außer bei Untersuchungen)
      • Evtl. Warten der Patient:innen im Auto oder vor der Praxis
    • Personal
      • Hände- und Flächendesinfektion mit handelsüblichen Desinfektionsmitteln der Kategorie „begrenzt viruzid“
      • Flächendesinfektion nach Ende der Sprechstunde ggf. mit Haushaltsbleiche (Natriumhypochlorit 0,05% NaHCl = 0,05 g/100 ml = 50 mg/100 ml = 0,5 g/L)
      • Bei Kontakt zu potentiell infektiösen Patient:innen: FFP2-Maske und Schutzbrille
      • Körperliche Untersuchung auf das Nötige beschränken
      • Bei Auskultation oder Otoskopie bspw. seitlich oder hinter den Patient:innen stehen
      • Unnötige Rachenabstriche vermeiden

Aufgrund von asymptomatischen Überträgern ist die Trennung von infektiösen und nicht-infektiösen Personen erschwert!

Stellungnahmen pädiatrischer Fachgesellschaften

  • Neonatologie (Stellungnahmen der DGPI u.a. Fachgesellschaften)
  • Neonatologische und pädiatrische Intensivmedizin (Stellungnahme der GNPI): Management von SARS-CoV-2-infizierten Neugeborenen und kranken Kindern [508]
  • Pädiatrische Onkologie (Stellungnahme der GPOH und DGPI) [509][510]
    • Kinder und Jugendliche mit hämatologischen bzw. onkologischen Erkrankungen aktuell nicht häufiger betroffen
  • Pädiatrische Immunologie (Stellungnahme der API): Einschätzung der Situation für Patienten mit angeborenen Immundefekten [511]
    • Dauertherapie fortführen (inkl. Immunglobuline, antiinflammatorische oder immunsuppressive Therapie)
    • Individuelle Präventionsmaßnahmen entsprechend dem Risiko eines schweren COVID-Verlaufs
      • Immundefiziente Personen mit stabiler Therapiesituation ohne zusätzliche Risikofaktoren : Befolgung allgemeiner Präventionsvorgaben
      • Immundefiziente Personen mit erhöhtem Risiko einer schweren Erkrankung : Vorgehen gemäß Empfehlungen für Risikogruppen
  • Pädiatrische Kardiologie (Stellungnahme der DGPK) [512]
  • Pädiatrische Allergologie und Pneumologie (Stellungnahme der DGP, GPP und GPA) [443][513][514]
    • Kinder mit allergischen Erkrankungen und/oder Asthma bronchiale
      • Bei guter Asthma- bzw. Allergiekontrolle besteht kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei COVID-19-Infektion
      • Fortführung indikationsgerecht eingesetzter inhalativer und nasaler Steroide dringend empfohlen
      • Fortsetzung einer spezifischen Immuntherapie (SIT) möglich
    • Lungenfunktionsuntersuchungen nur nach strenger Indikationsstellung [515]
  • Neuropädiatrie (Stellungnahme der GNP): Besuch von Kindergärten, Schulen und anderen Tageseinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen [516]
  • Pädiatrische Gastroenterologie (Stellungnahme der GPGE): Empfehlungen bei Immunsuppression im Rahmen von Magen-Darm-Erkrankungen und Lebererkrankungen im Kindes- und Jugendalter [517]
  • Kinder- und Jugendrheumatologie (Stellungnahme der DKJR): Handlungsempfehlungen bzgl. SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen oder autoinflammatorischen Erkrankungen [518]
  • Pädiatrische Nephrologie (Mitteilung der DGN): GPN-Register für kindernephrologische Patienten mit COVID19/SARS-COV2-Infektionen etabliert [519]
    • Kinder und Jugendliche mit nephrotischem Syndrom und Immunsuppression aktuell nicht schwerer betroffen [520]
  • Kinderschutz (Stellungnahme der DGKIM) [521]
    • Risiko für Kindesmisshandlung aufgrund von Belastungssituationen im Rahmen der Pandemie erhöht
    • Ergebnisse der COPSY-Studie zur psychischen Gesundheit von Kindern während der Pandemie [522]
  • Ambulante Kinder- und Jugendmedizin (Stellungnahme der DGPI): Präventionsmaßnahmen für die ambulante Pädiatrie in der SARS-CoV-2-Pandemie [505]

Die Dauertherapie chronisch kranker Kinder und Jugendlicher ist in den meisten Fällen trotz (oder gerade wegen) der Corona-Pandemie fortzuführen und sollte auf keinen Fall ohne ärztliche Rücksprache beendet werden! [490]

Allgemein

  • Empfehlungen der Fachgesellschaften: Zuletzt aktualisiert am 12.10.2020 durch Stellungnahme von DGPM, DGGG, DGPGM, DGPI, GNPI und NSK [506]
  • Übertragung: Kein generell erhöhtes Ansteckungsrisiko von schwangeren gegenüber nicht schwangeren Frauen
    • Vertikale Transmission: Möglich, jedoch von unklarer Relevanz [523][524]

Klinik, Diagnostik und Verlauf

Der Verlauf bei Schwangeren unterscheidet sich grundsätzlich nicht von dem Verlauf nicht schwangerer Frauen, die Mehrheit der Verläufe einer COVID-19-Erkrankung bei Schwangeren ist mild. [506][525] Schwere Verläufe sind jedoch möglich und beschrieben.

  • Risikofaktoren für schweren Verlauf
  • Diagnostik bei maternaler COVID-19-Erkrankung: Einzelne Röntgen-Thorax-Untersuchungen werden als unbedenklich bewertet, im Falle schwerer Symptomatik und therapeutischer Konsequenz soll aufgrund der hohen Sensitivität auch ein CT erwogen werden [526]

Management [506]

Komplikationen

Schwere Pneumonien bedingen generell ein erhöhtes Risiko für Frühgeburtlichkeit und IUGR [526], die COVID-spezifische Erhöhung des Komplikationsrisikos während der Schwangerschaft muss fortlaufend untersucht und ausgewertet werden.

Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen [534]

  • Anforderungsprofil für einen Impfstoff [535]: Nachweis der Wirksamkeit und Verträglichkeit nach vorgeschriebenen Verfahren und idealerweise
    • Auslösung einer schützenden und stabilen Immunantwort auf zellulärer und humoraler Ebene
    • Vermeidung fehlgeleiteter, überschießender Immunantworten bei (Re‑)Exposition mit dem Erreger [536]
    • Auch für ältere Menschen und Risikogruppen eine ausreichende Schutzwirkung aufweisend
  • Beschleunigte Prüf- und Zulassungsverfahren: Regulär verstreichen von Entwicklung bis Marktzulassung 8–10 Jahre, in der pandemischen Situation wird eine Zulassung binnen 10–18 Monaten angestrebt
    • Überlappende Zulassungsstudien: Die Phase-1- Phase-3-Studien werden nach Zwischenauswertungen der Vorphasen zeitlich überlappend gestartet und nicht hintereinander
    • Vorproduktion: I.d.R. finanziert durch öffentliche Mittel werden aussichtsreiche Impfstoffkandidaten industriell vorproduziert, sodass eine effektive Verfügbarkeit schneller resultieren könnte
    • Vorläufige Bewertungen: Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit in Phase-3-Studien werden nicht nach Abschluss der Studien, sondern fortlaufend eingereicht, die Bewertungen erfolgen stets vorläufig nach Datenstand (sog. Rolling Review)
    • Fehlende Daten bei (vorläufigen) Zulassungen [537]: I.d.R. aufwendige Methodik der Impfkommissionen begrenzt durchführbar, es werden vorübergehend keine ausreichenden Daten vorliegen zu
      • Effektivität in allen Altersgruppen bzw. COVID-19-Risikogruppen
      • Effektivität für die „Normalbevölkerung“ inkl. Kindern und Schwangeren
      • Effektivität bzgl. der Unterbrechung von Infektionsketten (sog. „sterile Immunität“)
      • Dauer und Qualität einer schützenden Impfantwort
      • Nebenwirkungen, die seltener oder verzögert auftreten
  • Effektivitätsangaben von Impfstoffen: Erfolgen i.d.R. als relative Risikoreduktion für Neuinfektionen in der Verumgruppe gegenüber Placebo
    • Beispiel BNT162b2 Phase-III-Studie [538]: Effektivität von 95% ist eine Angabe für das Verhältnis 8 Infektionen in der Verumgruppe ⇔ 162 Fällen in der Placebogruppe, es resultiert: RR = (1- {8/162}) = 0,95 (entspricht 95%)

Weitere Daten zu Entwicklungen

  • COVID-19 Vaccine Development Pipeline [539]: Mit Erfassung des Status weltweiter Impfstoff-Entwicklungsprojekten
  • Datenbank für europäische Impfstoff-Studien des Deutschen Zentrums für Infekionsforschung (DZIF) [540][541]

In der EU/Deutschland sind 2 mRNA-Impfstoffe und 2 Vektorimpfstoffe zugelassen, viele weitere Impfstoffe befinden sich noch in klinischen und präklinischen Studien. Hier sind die Prinzipien der verschiedenen Impfstoffarten dargestellt.

Prinzipien der COVID-19-Impfstoffe [534][542][543][544][545]
Impfstoffart Beispiele Bestandteile Vorteile Nachteile
Lebendimpfstoffe
  • COVI-VAC (Codagenix)
  • Enthält mehrere Virusantigene
  • Teils intranasale Applikation möglich
  • Hohe Immunogenität
Vektorimpfstoffe
Totimpfstoffe
Ganzpartikelimpfstoffe
  • BBIBP-CorV (Sinopharm)
  • WIBP vaccine (Sinopharm)
  • CoronaVac (Sinovac)
  • Covaxin (Bharat Biotech)
  • Nicht-infektiöse Partikel
  • Etablierte Methode
  • Hohe Stabilität
  • Enthält mehrere Virusantigene
  • Risiko fehlgeleiteter Immunität
Subunit-Impfstoffe
  • EpiVacCorona („Vector“ Institut )
  • NVX-CoV2373 (Novavax)
Nukleinsäure-Impfstoffe
RNA-Impfstoffe
  • Für Zielantigen codierende mRNA, meist von Lipidnanopartikeln umhüllt
  • Keine klinischen Erfahrungen
  • Instabiler als DNA-Impfstoffe, teils aufwendige Lagerung
DNA-Impfstoffe
  • INO-4800 (INOVIO Pharmaceuticals)
  • Keine klinischen Erfahrungen
  • Aufwendige Applikation (bspw. mit Elektroporation)
  • Geringe Immunogenität
  • Integration in Genom nicht ausgeschlossen [547]

Hier dargestellt ist eine Übersicht der international zugelassenen bzw. aussichtsreichen Impfstoffe.

In der EU zugelassene Impfstoffe [548][549][550]

Überblick der in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffe [551]
Impfstoff Impfstoffart (Notfall‑)Zulassung [552] Anwendung Studienergebnisse Wirksamkeit

BioNTech/Pfizer: BNT162b2 (Comirnaty® / Tozinameran) [553][554][555]

  • Nukleinsäurebasiert (mRNA)
  • Seit 21.12.2020
  • Ab 16 Jahren
  • Zulassung weltweit in >80 Ländern (u.a der Schweiz, den USA und Großbritannien) sowie durch die WHO; Impfprogramme haben begonnen
  • i.m.
  • 2-malig
  • Lagerung: -70°C, ≤14 Tage bei -20 °C, ≤5 Tage im Kühlschrank
  • 95% [538]
  • Zuverlässige Verhinderung schwerer COVID-19-Verläufe [538][558][559]
Moderna: mRNA-1273 (COVID-19 Vaccine Moderna) [560]
  • Nukleinsäurebasiert (mRNA)
  • Seit 06.01.2021
  • Ab 18 Jahren
  • Zulassung weltweit in >40 Ländern (neben der EU u.a. in der Schweiz, den USA und Großbritannien); Impfprogramme haben begonnen
  • i.m.
  • 2-malig
  • Lagerung: -20 °C, ≤30 Tage im Kühlschrank
  • 94% [564]
  • Zuverlässige Verhinderung schwerer COVID-19-Verläufe anzunehmen [559]

AstraZeneca: AZD1222 (Vaxzevria® )

  • Seit 29.01.2021
  • Ab 18 Jahren, jedoch nur noch Verimpfung an Personen ≥60 Jahre empfohlen ab 30.03.2021 [565][566][567]
  • Zulassung weltweit in >80 Ländern (neben der EU u.a. in Großbritannien und Indien sowie durch die WHO); Impfprogramme haben begonnen
  • i.m.
  • 2-malig
  • Lagerung: Kühlschrank
  • Publizierte Auswertung Phase-I/II-Studien [568][569]
  • Kombinierte Auswertungen von Phase-I- bis Phase-III-Studien [570][571]
  • 67% [571]
  • Zuverlässige Verhinderung COVID-19-bedingter Hospitalisierungen ≥3–4 Wochen nach 1. Impfdosis [559][571][572]
Janssen: Ad26.COV2.S [573]
  • Seit 11.03.2021
  • Ab 18 Jahren
  • Zulassung weltweit in >30 Ländern (neben der EU u.a. in den USA sowie durch die WHO)
  • i.m.
  • 1-malig
  • Lagerung: -20 °C, 3 Monate im Kühlschrank
  • Publizierte Daten zu Phase-I und Phase-II [573][574]
  • Publikation der Phase-III-Ergebnisse ausstehend
  • Wirksamkeit laut Produktinformation (EMA) 67%
  • Wirksamkeit bezüglich schwerer COVID-19-Erkrankung: Bis zu 85% [575]
Stand: April 2021

Für die EU aussichtsreiche Impfstoffe [534][539]

Überblick aussichtsreicher COVID-19-Impfstoffe für eine EU-Zulassung
Impfstoff Impfstoffart (Notfall‑)Zulassung [552] Anwendung Studienergebnisse Wirksamkeit
Gamaleya Institut: Gam-COVID-Vac (Sputnik V)
  • (Notfall‑)Zulassung in >50 Ländern (u.a. in Russland, Ungarn und Serbien)
  • i.m.
  • 2-malig
  • 92%
  • Zuverlässige Verhinderung moderater bis schwerer COVID-19-Erkrankungen
Weitere Kandidaten
  • CureVac CVnCoV (nukleinsäurebasiert) [580]
  • Novavax NVX-CoV2373 (rekombinanter Totimpfstoff) [581]
Stand: April 2021

Weitere Impfstoffe

Überblick der außerhalb der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffe [552]
Impfstoff Impfstoffart Studienergebnisse Zulassungsstatus [552]
Totimpfstoffe
„Vector“ Institut : EpiVacCorona
  • Studienregistrierung [582]
  • (Notfall‑)Zulassung in Russland
  • Phase-I/II-Studie in Russland laufend

Sinopharm: BBIBP-CorV

  • (Notfall‑)Zulassung in 20 Ländern (u.a. in China, Ungarn und Serbien)
  • Phase-III-Studien laufen
Sinopharm: WIBP vaccine
  • (Notfall‑)Zulassung in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten
  • Phase-III-Studien laufen
Sinovac: CoronaVac
  • (Notfall‑)Zulassung in >10 Ländern (u.a. China, der Türkei und Teilen Südamerikas)
  • Phase-III-Studien laufen
Bharat Biotech: Covaxin (BBV152)
  • (Notfall‑)Zulassung in Indien, Simbabwe und dem Iran
  • Phase-III-Studie in Indien laufend
Anhui Zhifei Longcom: RBD-Dimer (ZF2001)
Vektorimpfstoffe
CanSino: Ad5-nCoV (Convidecia)
  • (Notfall‑)Zulassung in China, Pakistan und Mexiko begonnen
  • Phase-III-Studien laufen
Stand: April 2021

Allgemeines [551][591][592]

  • STIKO: Erstmalige Veröffentlichung der STIKO-Empfehlungen für die COVID-19-Impfung am 17.12.2020 [87] [593]
    • Anpassung der STIKO-Empfehlungen erfolgt fortlaufend entsprechend aktueller Evidenz
    • Aktuell: 4. Aktualisierung vom 08.04.2021 [592], 3. Aktualisierung vom 12.03.2021 [591], 2. Aktualisierung vom 29.01.2021 [551], 1. Aktualisierung vom 08.01.2021 [594]
  • Priorisierungsmaximen: Eine ausreichende Verfügbarkeit und Aufbau von Impfzentren und -teams vorausgesetzt sind Leitschienen für Impfempfehlungen
    • Impfung von COVID-19 - Risikogruppen [213] zur Verhinderung schwerer Verläufe und Todesfälle
      • Schutz vulnerabler Gruppen z.B. in Altenpflegeeinrichtungen
    • Impfung von Personen mit hohem Infektionsrisiko aus beruflicher Indikation
    • Impfung von Personen in systemrelevanten Funktionen zur Aufrechterhaltung der staatlichen und öffentlichen Funktionen
    • Für Details siehe: COVID-19 - Impfpriorisierung
  • Indikationen: Bei bis auf Weiteres limitierten Kapazitäten gemäß den fortlaufend angepassten Empfehlungen zur COVID-19-Impfpriorisierung
    • Prinzipiell alle Personen ≥18 Jahre (mRNA-1273 und Ad26.COV2.S ) bzw. ≥16 Jahre (BNT162b2 )
    • Ausnahme: STIKO-Empfehlung für AZD1222 seit 30.03.2021 regelhaft nur noch ≥60 Jahre
    • Voraussetzung: Impffähigkeit [595]
  • Kontraindikationen
  • Sonderfälle
    • COVID-19-Impfung Rekonvaleszenter [591]
    • COVID-19-Impfung bei immunsuppressiver Therapie aufgrund rheumatischer Erkrankungen [598][599][600]
      • Wirksamkeit bei Immundefizienz/Immunsuppression bisher unzureichend untersucht (möglicherweise reduziert)
      • Aber keine Gefährdung durch die zugelassenen Impfstoffe anzunehmen (da Totimpfstoffen vergleichbar)
      • Daher klare Impfempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie
      • Fortführung antirheumatischer Therapie (bei Rituximab-Therapie: Impfung möglichst ≥6 Monate nach Rituximab-Gabe )
    • COVID-19-Impfung bei allergischen/atopischen Erkrankungen [601]
      • Kein erhöhtes Risiko allergischer Impfreaktionen anzunehmen
      • Bei topischer Therapie und Antihistaminika-Anwendung: Keine Beeinflussung der Impfantwort zu erwarten
      • Bei systemischer immunmodulierender/immunsuppressiver Therapie : Therapiepause oder Dosisreduktion erwägen , ggf. Kontrolle des Impferfolgs (Antikörper-Titer) [602]
      • Bei Biologika-Therapie : Fortsetzung der Therapie, Impfung im Abstand von ≥1 Woche zur Biologika-Anwendung

Durchführung der COVID-19-Impfung

  • Impfstellen
    • Erste Phase: Zentrale Impfstellen (Impfzentren und mobile Impfteams)
    • Im Verlauf: (Zusätzliche) reguläre vertrags- und betriebsärztliche Durchführung [603]
      • Seit April 2021 Impfung auch in hausärztlichen Praxen [604]
  • Aufklärung [605]
    • Aufklärungsinhalte nach Coronavirus-Impfverordnung [606]
      • Zu verhütende Erkrankung COVID-19
      • COVID-19-Impfung: Nutzen, Eintritt und Dauer der Schutzwirkung, mögliche unerwünschte Wirkungen sowie notwendige Folgeimpfungen
      • Empfohlenes Verhalten nach der Impfung
    • Einhaltung allgemeiner Hygiene- und Abstandsregeln auch nach Impfung befolgen
    • Siehe auch: COVID-19-Impfstoffe, Vorbereitung von Impfungen
      • Aufklärungsmerkblätter des RKI am Seitenende unter „Tipps & Links“
      • Kostenfreie App zur barrierearmen Aufklärung (mehrsprachig inkl. Gebärdensprache) [607]
      • Handbuch unabhängiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Umgang mit Impfmythen [608]
  • Durchführung
  • Besonderheiten
    • Komplettierung begonnener Impfserien
      • Anwendung des gleichen Impfstoffs für eine gesamte Impfserie (kein Impfstoff-Wechsel)
      • Ausnahme: Erfolgte Erstimpfungen von <60-Jährigen mit AZD1222 sollten mit einem mRNA-Impfstoff komplettiert werden (im Abstand von 12 Wochen)
      • Komplettierung einer begonnen Impfserie hat (weiterhin) Priorität gegenüber dem Beginn neuer Impfserien
      • STIKO empfiehlt die in klinischen Studien geprüften Abstände zwischen den Impfdosen einzuhalten
    • Abstand zu anderen Impfungen
      • Mindestabstand von 14 Tagen vor und nach jeder Impfdosis
      • Ausnahme: Kein Mindestabstand bei Notfall-Impfungen
  • Surveillance: Meldung unerwünschter Ereignisse entsprechend dem Vorgehen bei anderen Impfstoffen

Auch Geimpfte müssen weiterhin die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln befolgen! [592]

COVID-19-Impfung - Videotutorial

COVID-19 - Impfpriorisierung

Solange die Kapazitäten zur COVID-19-Impfung begrenzt sind, erfolgt eine Priorisierung zum Schutz besonders gefährdeter Gruppen. Diese Impfpriorisierung ist in der Coronavirus-Impfverordnung des Gesundheitsministeriums (CoronaImpfV) festgelegt. Sie basiert – mit einigen Abweichungen – auf den Priorisierungsstufen der STIKO-Empfehlung.

  • Grundlagen der Priorisierung: Gleichwertige Priorität innerhalb der Stufen
    • Ausnahme: STIKO bewertet Priorität von Personen ≥80 Jahre und Bewohner:innen von Alten-/Pflegeheimen als übergeordnet
    • Individuelle Zuordnung in besonderen Einzelfällen: Konkrete Personengruppen sind beispielhaft angegeben, individuelle Entscheidung durch jeweilige Verantwortliche
    • Bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren: Jeweiliger höchster Risikofaktor einer Person bestimmt die Priorisierung
    • Berufliches Expositionsrisiko: Beurteilung individuell durch Arbeitgeber:innen und Betriebsmediziner:innen
  • Nachweis priorisierungsrelevanter Vorerkrankungen: Durch ärztliche Bescheinigung

Priorisierung nach Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV)

Die Coronavirus-Impfverordnung regelt bis auf Weiteres die Priorisierung der COVID-19-Impfung in Deutschland.

Priorisierungsstufen der COVID-19-Impfung nach Coronavirus-Impfverordnung [611]
Stufe Allgemeinbevölkerung Berufliche Indikationen
Höchste Priorität
  • Personen ≥80 Jahre
  • Pflegebedürftige Personen in stationären/teilstationären Pflegeeinrichtungen sowie ambulant betreuten Wohngruppen
  • Betreuendes Personal von älteren und pflegebedürftigen Personen in stationären/teilstationären Einrichtungen sowie ambulanten Diensten
  • Gesundheitspersonal bei
    • Betreuung von Risikogruppen
    • Besonders hohem Expositionsrisiko
Hohe Priorität
  • Personen im Alter von 70–79 Jahren
  • Personen mit hohem Risiko für einen schweren/letalen COVID-19-Verlauf aufgrund von
  • Enge Kontaktpersonen
    • Pflegebedürftiger Menschen mit höchster oder hoher Priorität, die nicht in einer Einrichtung leben
    • Schwangerer
  • In Obdachlosenunterkünften sowie Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende untergebrachte Personen
  • Personal stationärer Einrichtungen oder ambulanter Pflegedienste, das geistig behinderte Personen betreut
  • Gesundheitspersonal
    • Mit hohem Expositionsrisiko
    • In kritischen Positionen
  • Personal anerkannter Angebote zur Unterstützung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen im Alltag
  • Erzieher:innen in Kitas/Kindertagespflege, Lehrkräfte in Grund-, Sonder- und Förderschulen
  • Polizei- und Ordnungskräfte mit hohem Expositionsrisiko
  • Beschäftigte mit hohem Expositionsrisiko durch Auslandstätigkeit in Regionen mit unzureichender Gesundheitsversorgung
  • Personal von Obdachlosenunterkünften sowie Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende
Erhöhte Priorität
  • Gesundheitspersonal mit niedrigem Expositionsrisiko
  • Beschäftigte in besonders relevanten Positionen staatlicher Einrichtungen und der kritischen Infrastruktur , Wahlhelfende, Beschäftigte mit Auslandstätigkeit in besonders relevanten Positionen