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Beckenfraktur

Abstract

Beckenfrakturen treten meist bei polytraumatisierten Patienten aufgrund der schweren Krafteinwirkung beispielsweise im Rahmen von Verkehrsunfällen oder Stürzen auf. In der AO-Klassifikation ist insbesondere die Stabilität des Beckenrings von Bedeutung: Typ A-Frakturen sind stabil, während bei Typ B-Frakturen ein rotatorischer Stabilitätsverlust und bei Typ C-Brüchen eine vollständige rotatorische und vertikale Instabilität mit Verlust der Kraftübertragung auf den Femurknochen vorliegt. Die Stabilität muss bei jedem Patienten mit Polytrauma überprüft werden, da es vor allem bei verschobenen Beckenverletzungen leicht zu ausgedehnten intra- und retroperitonealen Blutungen kommen kann, die schnell vom hämorrhagischen Schock bis hin zum Tod des Patienten führen. Stabile Beckenfrakturen (Typ A) können meist konservativ mit kurzzeitiger Bettruhe und anschließender schmerzadaptierter Mobilisation behandelt werden. Instabile Beckenringfrakturen erfordern hingegen eine operative Versorgung. In der Notfallsituation - insbesondere bei starken Blutungen - kann die Anlage einer Beckenzwinge oder eines Fixateur externe nötig sein, eine definitive osteosynthetische Versorgung (z.B. Plattenosteosynthese, Verschraubung) wird meist nach Stabilisierung der hämodynamischen Situation durchgeführt.

Zu beachten ist neben anderen möglichen Komplikationen das deutlich gesteigerte Thromboserisiko, weswegen auf eine adäquate medikamentöse Prophylaxe geachtet werden sollte.

Epidemiologie

  • Polytrauma-Patienten weisen zu 20% Beckenverletzungen auf
  • Patienten mit Beckenverletzung sind zu 60% polytraumatisiert

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Vorwiegend Patienten mit einem Polytrauma durch

  • Verkehrsunfälle
  • Sturz aus großer Höhe
  • Verschüttung

Klassifikation

AO- Klassifikation der Beckenfrakturen

  • Typ A: Beckenringverletzungen ohne Stabilitätsverlust
    • Im hinteren Beckenring Stabilität intakt
    • Vertikaler Kraftfluss auf das Femur stabil
    • Subtypen
  • Typ B: Beckenringverletzung mit rotatorischem Stabilitätsverlust und erhaltener vertikaler Stabilität
    • Vorderer und hinterer Beckenring betroffen
    • Erhaltene vertikale Stabilität
    • Rotationsinstabilität
    • → Beckenring asymmetrisch, vertikaler Kraftfluss allerdings noch stabil
    • Subtypen
      • Typ B1: Symphysensprengung ("open-book")
      • Typ B2: Laterale Kompressionsverletzung
      • Typ B3: Beidseitige B-Verletzung
  • Typ C: Beckenringverletzung mit rotatorischer und vertikaler Instabilität
    • Hinterer Beckenring komplett instabil
    • Rotationsinstabilität
    • Beckenring ist asymmetrisch, vertikaler Kraftfluss (auf das Femur) unterbrochen
    • Subtypen

Symptome/Klinik

  • Stauchungs- und Bewegungsschmerz
  • Bewegungsminderung im Hüftgelenk
  • Beckenschiefstand und Beinlängendifferenz
  • Perineales oder inguinales Hämatom
  • Ggf. Begleitverletzungen
  • Ggf. Zeichen eines hämorrhagischen Schocks

Eine isolierte einseitige vordere Beckenringfraktur kann mit milder Symptomatik einhergehen!

Therapie

  • Konservative Therapie (Typ A)
    • Indikation: Stabile Beckenfrakturen
    • Durchführung: Bettruhe, Analgesie, Thromboseprophylaxe, gegebenenfalls frühfunktionelle Behandlung
  • Operative Therapie (Typ B/C)
    • Indikation: Offene oder instabile Frakturen, Komplikationen (z.B. urologische Verletzungen), massive Blutung
    • Verfahren
      • Notfalloperation bei massiver Blutung: Blutstillung, evtl. Anlage eines Fixateur externe oder einer Beckenzwinge
      • Definitive chirurgische Versorgung der Beckenfraktur: Nach intensivmedizinischer Stabilisierung
      • Osteosynthese: Stabilisierung und Refixation dislozierter Fragmente mittels z.B. Plattenosteosynthese oder Verschraubung
      • Bei Begleitverletzungen: Zeitnahe Versorgung von z.B. Verletzungen der ableitenden Harnwege, Schließmuskel, Darm etc.

Komplikationen

Aufgrund der hohen Thrombosegefahr bei Beckenverletzungen muss immer eine Thromboseprophylaxe durchgeführt werden!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.