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Bandverletzungen des Knies

Abstract

Bandverletzungen des Knies entstehen häufig durch Rotationstraumen bei sportlicher Aktivität. Am häufigsten kommt es zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes, auch die Seitenbandstrukturen können verletzt werden. Die hintere Kreuzbandruptur ist hingegen relativ selten und wird schnell verkannt. Ein akuter Kniebinnenschaden äußert sich meist durch Schmerz und Funktionseinschränkung im Kniegelenk, bei intraartikulären Schäden oder Verletzungen der Gelenkkapsel kann ein ausgeprägter Gelenkerguss die Beweglichkeit komplett aufheben. Bei chronischer Schädigung beklagen Patienten v.a. ein Instabilitätsgefühl und das sog. Giving-Way-Phänomen. Bei akuter Verletzung der Bandstrukturen ist eine klinische Untersuchung häufig nur eingeschränkt möglich, die höchste Validität in der Darstellung möglicher Verletzungen wird im MRT erreicht.

Insb. bei rupturierten Kreuzbändern und jungen Patienten mit hohem Belastungsanspruch wird die operative Versorgung bevorzugt. Hier erfolgt je nach betroffener Bandstruktur entweder eine Bandnaht ggf. mit zusätzlicher Augmentation oder ein Bandersatz mit der Semitendinosus- und/oder Grazilissehne. Sowohl bei konservativer als auch bei operativer Therapie ist meist eine mehrmonatige Pausierung sportlicher Aktivitäten mit schonendem Belastungsaufbau indiziert. Langfristig ist durch die veränderte Kniekinematik und vermehrte Belastung von Gelenkknorpel und Menisken das Risiko einer sekundären Gonarthrose erhöht.

Anatomische Übersicht der Kniegelenkligamente

Wichtige anatomische Bandstrukturen des Kniegelenks

  • Lig. cruciatum anterius [1]
    • Verbindung der medialen Fläche des lateralen Femurkondylus zur Area intercondylaris anterior der Tibia
    • Kreuzung des hinteren Kreuzbandes in einem Winkel von 90°
    • Funktionelle Bündeleinteilung
      • Anteromediales Bündel: Anspannung in progredienter Flexion (>30°)
      • Posterolaterales Bündel: Anspannung in extensionsnaher Gelenkstellung (Flexion <30°), Rotationsstabilisierung
    • Blutversorgung
      • Proximal: Endäste der A. genus media
      • Distal: Endäste der Aa. genus inferiores medialis und lateralis
  • Lig. cruciatum posterius [2]
    • Kräftigstes Ligament des Knies: 1,5-facher Durchschnitt des vorderen Kreuzbandes
    • Bestehend aus 2 Hauptbündeln
      • Anterolaterales Bündel (85% des Volumens des hinteren Kreuzbandes): Ursprung in der „Notch“ des Femurs, Ansatz in der Fossa intercondylaris der Tibia, Anspannung in Flexion
      • Posteromediales Bündel: Ursprung dorsokaudal des anterolateralen Bündels, Ansatz mediokaudal des anterolateralen Bündels, Anspannung in Extension
    • Blutversorgung von dorsal
      • A. genus media
      • Aa. genus inferior medialis und lateralis
  • Lig. collaterale tibiale
    • Bestehend aus 3 Anteilen: sMCL (oberflächlicher Anteil), dMCL (tiefer Anteil) und POL (hinteres Schrägband)
    • Antagonist bei Valgusstress, Innen- und Außenrotation
  • Lig. collaterale fibulare

Präklinisches Management

Vorgehen in der Notaufnahme

Diagnostik

Anamnese

  • Dolor: Schmerzlokalisation, -ausstrahlung, -verstärkung
  • Tumor: Schwellung nach Trauma
  • Functio laesa
    • (Akute) Funktionseinschränkung: Streck- und Beugehemmung
    • Gehstrecke und Gangunsicherheit (Giving-Way-Phänomen): Insb. bei (chronischen) Kreuzbandrupturen
  • Unfallhergang
    • Rotationstrauma? Landung nach Sprung?
    • Rupturgeräusch oder Rissgefühl erinnerlich?

Körperliche Untersuchung

Inspektion

  • Kniegelenksschwellung: Häufig aufgrund eines Kniegelenksergusses
  • Kontusionsmale: Hinweis auf ein Anpralltrauma
  • Popliteales Hämatom: Schwellung der Kniekehle
  • Veränderte Kniekontur: Bspw. Zurücksinken der Tibia gegenüber dem Femur

Palpation

  • Druckschmerz
    • Über dem Gelenkspalt: Bei Gelenkerguss
    • Über den Ansätzen der Kollateralbänder: Bei Verletzung der Seitenbänder
    • In der Kniekehle: Bei HKB-Ruptur
  • Tanzende Patella: Bei Kniegelenkserguss
  • Kapseldehnungsschmerz: Bei Kniegelenkserguss
  • Kontrolle der pDMS: Zum Ausschluss einer Läsion des N. peroneus : Insb. bei Verletzung der posterolateralen Ecke

Funktionsuntersuchung

Orthopädische Untersuchung des Knies

Weitere Tests

Test Getestete Bandstruktur Durchführung Befund
Aktiver Quadrizepstest
  • Physiologisch: Keine sichtbare Tibiatranslation
  • Pathologisch
    • Bei rupturiertem hinteren Kreuzband ist die Tibia bei 90° gebeugtem Knie nach dorsal subluxiert
    • Bei Anspannen des M. quadriceps kommt es zu einer Tibiatranslation

Tibial-Step-Off-Zeichen

  • Physiologisch: Bei intaktem hinteren Kreuzband ist das mediale Tibiaplateau ca. 10 mm ventral des medialen Femurkondylus zu palpieren, durch posterioren Schubladenstress verkleinert sich der Abstand
  • Pathologisch
    • Grad-1: Verkleinerte Differenz (5 mm) palpabel
    • Grad-2: Tibiakante liegt auf Höhe der Femurkondylen und gleitet auf Druck nach dorsal
    • Grad 3: Tibiakante liegt schon ohne Druck dorsal des Femurkondylus, eine hintere Schublade >10 mm ist auslösbar
Reversed Lachman-Test
  • Patient in Bauchlage
  • Die proximale Tibia wird mit der einen Hand des Untersuchenden, der distale Femur mit der anderen Hand fixiert
  • Bewusstes Entspannen der ischiocruralen Muskulatur durch den Patienten
  • Anschließend übt der Untersuchende Druck auf die proximale Tibia aus
Außenrotationstest
  • Posterolaterale Ecke
  • Patient liegt in Bauchlage, Knie ist erst 30°, dann 90° flektiert
  • Außenrotationsstress wird auf das Kniegelenk ausgeübt
  • Physiologisch: Keine vermehrte Außenrotation im Seitenvergleich
  • Pathologisch: Im Seitenvergleich zeigt sich eine vermehrte Außenrotation bei 30° als Hinweis auf eine isolierte Schädigung der posterolateralen Stabilisatoren; ist die Außenrotation auch bei 90° vermehrt, kann das hintere Kreuzband verletzt sein

Bildgebung

Röntgen

  • Indikation: Zum Ausschluss einer ossären Begleitverletzung und knöchernen Bandausrissen
  • Durchführung
    • Knie in 2 Ebenen (a.p. und streng seitlich)
    • Patella tangential
    • Bei V.a. eine Achsabweichung: Ganzbeinstandaufnahme
  • Mögliche Befunde

Eine Patellafraktur ist häufig mit einer Ruptur des hinteren Kreuzbandes assoziiert!

MRT

  • Indikation: Bei V.a. Kniebinnenschäden, Verletzung von Bandstrukturen und Weichteilen, Ausschluss von chondralen Verletzungen
  • Mögliche Befunde
    • Diffus signalaufgehobenes, aufgetriebenes, unscharf abgegrenztes Kreuzband
    • Kontinuitätsverlust von Bandstrukturen im sagittalen und koronaren Bild
    • Verändertes Signal der Bandstrukturen in der T2- und T1-Wichtung
    • Detektion von Meniskus- oder osteochondralen Läsionen

Das MRT weist eine sehr hohe Sensitivität für Bandverletzungen auf!

Fakultative Diagnostik

  • Ergusspunktion : Hämarthros bei Verletzung von Binnenstrukturen innerhalb der Gelenkkapsel, Fettaugen bei osteochondralen Begleitverletzungen
  • Sonographie des Kniegelenks bei Gelenkerguss
  • Gehaltene Aufnahmen: Bei V.a. eine chronische hintere Kreuzbandruptur
    • <5–10 mm : Geringgradige Instabilität
    • 10–15 mm: Mittelgradige Instabilität
    • >15–20 mm: Höhergradige Instabilität

Vordere Kreuzbandruptur

Einteilung

Epidemiologie

  • Häufigste Bandverletzung, die zu einer veränderten Kniekinematik führt [4]
  • Inzidenz: 50.000/Jahr in der gesamten deutschen Bevölkerung [5]
  • Rupturhäufigkeit: VKB > HKB (9:1)

Vordere Kreuzbandrupturen sind viel häufiger als hintere Kreuzbandrupturen!

Ätiologie

  • Rotationstrauma (z.B. beim Sport oder bei Verkehrsunfällen): Häufig
  • Hyperextensionstrauma: Bspw. durch Umknicken

Diagnostik

Sonderform: Unhappy Triad

Therapie

Allgemeine Maßnahmen

Konservative Therapie

  • Indikation
    • Geringe Instabilität
    • Höheres Alter und niedrige Belastungsanforderung
    • Vorbestehende Arthrose
    • Generelle oder lokale Kontraindikationen für eine operative Versorgung
  • Verfahren
    1. Kurzzeitige Ruhigstellung in immobilisierender Orthese und Entlastung an Unterarmgehstützen
    2. Schmerzadaptierte Aufbelastung nach wenigen Tagen
    3. Physiotherapie mit geführten Übungen
    4. Muskelkräftigung durch gezieltes Aufbautraining
  • Besonderheiten
    • Funktionelle Orthesen: Nur bei zusätzlicher Seitenbandinstabilität
    • Bei Bone Bruise: Keine Stoßbelastung für insg. 4 Wochen

Operative Therapie

Indikation

  • Kombinierte Kniebinnenverletzung
  • Funktionelle und objektivierbare Instabilität
  • Junge und sportlich aktive Patienten mit hohem Belastungsanspruch

Zeitpunkt

  • Innerhalb von 72 h posttraumatisch
  • Alternativ: Nach 4–6 Wochen bei frei beweglichem, reizfreiem Kniegelenk

Verfahren

  • Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mit autologem Sehnenmaterial (autologe Kreuzbandplastik) : Standard
  • Refixation knöcherner Abrissfrakturen
    • Arthroskopische Reposition und Fragmentfixierung mittels kanülierter Kleinfragmentschraube
    • Selten: Offene Reposition und Fixierung über einen posteromedialen Zugang
  • Nicht mehr empfohlen: Vorbereitende oder diagnostische Arthroskopie

Postoperative Komplikationen

  • Bei Verwendung der Patellarsehne als Implantat: Patellarsehnenruptur bzw. Patellafraktur
  • Kniegelenksinfektion
  • Nervenverletzung
    • N. saphenus bei Verwendung eines Hamstring-Implantats
    • R. infrapatellaris des N. saphenus bei Verwendung eines Patellarsehnenimplantats
  • Transplantatversagen

Nachbehandlung

  • Ziel: Vermeidung einer Überbelastung als auch einer Überprotektion mit vermehrter Ruhigstellung
  • Hilfsmittel: Abhängig von OP-Methode und Implantatwahl
    • Bei Hamstring-Implantat: Orthese für 6 Wochen
    • Bei Patellarsehnenimplantat: Aufgrund der erhöhten Reißfestigkeit keine Orthese notwendig
  • Bewegungstherapie und Koordinationstraining: Frühzeitig unter physiotherapeutischer Anleitung
  • Klinische Kontrollen: Regelmäßig für 8–12 Wochen
  • Siehe: Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands

Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands

Allgemeines [6]

Zeit Behandlungsziel Maßnahmen
OP-Tag
  • Vermeidung von Komplikationen
  • Schmerzreduktion
  • Kreislaufstabilisierung
  • Pneumonie- und Dekubitusprophylaxe
  • Anlegen der Orthese
≤ Tag 1
  • Aktivierung des Patienten
  • Abschwellende Maßnahmen
≤ Tag 2
  • Kontrolle der Wundheilung
  • Verbandswechsel
  • Entfernung der Drainagesysteme
≤ Woche 2
  • Steigerung von Bewegung und Belastung im Kniegelenk
  • Vorbereitung der Entlassung und Entlassmanagement
  • CPM-Schiene und Patellamobilisation: Limit Extension/Flexion 0-0-90°
  • Gangschule zur Vollbelastung in der Orthese inkl. Treppensteigen
  • Muskelaufbau- und Koordinationstraining
  • Abklärung der „Activities of Daily Life“ mit entsprechender Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln
  • Antragstellung und Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme
≤ Woche 4
  • Intensivierung der Belastung
  • Vollbelastung unter Fortführung des Bewegungslimits Extension/Flexion 0-0-90°
  • Muskelaufbautraining
≤ Woche 6
  • Erreichen eines physiologischen Bewegungsverhaltens
  • Statische und dynamische Muskelarbeit unter Erweiterung des Bewegungsausmaßes
  • Koordinationstraining, ggf. Bewegungsbad
≤ Woche 12
  • Bewegung und Belastung unter Alltagsbedingungen
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei leichten Tätigkeiten
  • Erweiterte Gangschule auf unebenem Gelände oder Gehparcours
  • Muskelaufbautraining unter Einsatz von Geräten
≤ Woche 16
  • Teilhabe: Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei mittelschweren bis schweren Tätigkeiten
  • Funktionstraining, Rehasport und -nachsorge
  • Ggf. Belastungserprobung oder Arbeitstherapie
≥6. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit für zyklische Sportarten
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung
≥9. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit für azyklische und Kontaktsportarten
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung

Hintere Kreuzbandruptur

Epidemiologie

  • Seltene Verletzung: 2/100.000/Jahr
  • Meist kombiniert mit weiteren Bandverletzungen

Ätiologie

Harner-Klassifikation der hinteren Kreuzbandruptur [7]

Grad Hintere Schublade (Klinischer Schubladen-Test) Tibial Step-Off
1
  • 0–5 mm
  • Verkleinert
2
  • 5–10 mm
  • Aufgehoben
  • Die mediale Tibiakante kann nicht hinter dem medialen Femurkondylus geschoben werden
3
  • >10 mm

Klinik und Diagnostik

Häufig ist die Klinik gerade bei isolierter Ruptur des hinteren Kreuzbandes nicht sehr prominent und wird verkannt. Deswegen ist eine ausführliche Untersuchung und Diagnostik essentiell!

Therapie

Konservative Therapie [8]

  • Indikation
    • Geringgradige Instabilität
    • Isolierte Verletzung des hinteren Kreuzbandes
    • Hintere Schublade <10 mm
  • Verfahren: Konservative Therapie mit 12 Wochen Orthesenbehandlung
Zeitraum Extension/Flexion Belastung Orthese
Woche 1–6
  • Physiotherapie nur in Bauchlage
  • Teilbelastung

24/7: Posterior-Tibial -Support-Schiene: In Streckung immobilisierende Kniegelenksorthese mit leichter Vorlagerung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel zur Vermeidung einer hinteren Schublade

Woche 7–12
  • Schmerzadaptierte Belastungssteigerung bis zur Vollbelastung
  • Tagsüber: Tragen einer gelenkführenden Orthese mit limitierter Flexion
  • Nachts: PTS-Schiene
  • Komplikationen: Persistierende Instabilität und Schmerz

Operative Therapie

  • Indikation
    • Mittelgradige, hochgradige und kombinierte Instabilität
    • Persistierende Instabilität und Schmerz nach frustranem konservativen Therapieversuch
  • Verfahren: Arthroskopischer Bandersatz des anterolateralen Bündels mit autologem Transplantat in Doppelbündeltechnik
    • Transplantat
      • Semitendinosussehne oder Gracilissehne
      • Seltener: Mittleres Patellarsehnendrittel, Quadrizepssehnendrittel, Allograft
    • Zugänge: Lateraler hoher und tiefer Zugang, anteromedial hoher Zugang und dorsomedialer Zugang
  • Postoperative Komplikationen
    • Bei Verwendung der Patellarsehne als Implantat: Patellarsehnenruptur bzw. Patellafraktur
    • Kniegelenksinfekt
    • Nervenverletzung
      • N. saphenus bei Verwendung eines Hamstring-Implantats
      • R. infrapatellaris des N. saphenus bei Verwendung eines Patellarsehnenimplantats
    • Transplantatversagen
    • Fixierte hintere Schublade
  • Nachbehandlung: Siehe: Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des hinteren Kreuzbands

Nachbehandlungsempfehlung der DGOU bei Rekonstruktion des hinteren Kreuzbands

Allgemeines [6]

Zeit Behandlungsziel Maßnahmen
OP-Tag
  • Vermeidung von Komplikationen
  • Schmerzreduktion
  • Kreislaufstabilisierung
  • Pneumonie- und Dekubitusprophylaxe
  • Anlegen einer PTS®-----Orthese
≤ Tag 1
  • Aktivierung des Patienten
  • Abschwellende Maßnahmen
≤ Tag 2
  • Kontrolle der Wundheilung
  • Verbandswechsel
  • Entfernung der Drainagesysteme
≤ Woche 2
  • Vorbereitung der Entlassung und Entlassmanagement
  • Abklärung der „Activities of Daily Life“ mit entsprechender Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln
  • Antragstellung und Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme
≤ Woche 4
  • Passives Bewegen des Kniegelenks in Bauchlage: Bewegungslimit Extension/Flexion 0-0-90°
  • Gangschule und Treppensteigen mit Teilbelastung von 20 kg
  • Patellamobilisation, EMS und statische Muskelarbeit
≤ Woche 6
  • Belastungssteigerung
  • Gangschule mit halbem Körpergewicht
  • CPM-Schiene unter Vermeiden einer hinteren Schublade: Keine aktive Bewegung des Knies
≤ Woche 9
  • Intensivierung der Belastung
  • Tagsüber: Wechsel der PTS®-----Orthese auf PCL®-----Orthese: Funktionelle Hartrahmenorthese zur postoperativen Schienung nach Ruptur des hinteren Kreuzbandes
  • Extension/Flexion 0-0-90°
  • Assistives und aktives Bewegen mit Bewegungslimit
  • Gangschule mit Vollbelastung
≤ Woche 12
  • Erreichen eines physiologischen Bewegungsverhaltens
  • Erweiterte Gangschule auf unebenem Gelände oder Gehparcours
  • Statische und dynamische Muskelarbeit
  • Koordinationstraining, ggf. Bewegungsbad
≤ Woche 16
  • Bewegung und Belastung unter Alltagsbedingungen
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei leichten Tätigkeiten
  • Geräte- und Ergometertraining
  • Entwöhnung von der Orthese: PCL-Orthese während Belastung
≤ Woche 20
  • Teilhabe: Wiedereingliederung in Alltag, Gesellschaft und Beruf
  • Erreichen der Arbeitsfähigkeit bei mittelschweren bis schweren Tätigkeiten
  • Funktionstraining, Rehasport und -nachsorge: Bewegung und Belastung ohne Limit
  • Ggf. Belastungserprobung oder Arbeitstherapie
≥ 6. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit für zyklische Sportarten
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung
≥ 12. Monat
  • Erreichen der Sportfähigkeit für azyklische und Kontaktsportarten
  • Sportartspezifisches Training nach sportärztlicher Beratung

Seitenbandruptur des Kniegelenks

Mediale Seitenbandruptur (Innenbandruptur, Ruptur des Lig. collaterale mediale, MCL-Ruptur) [9]

Epidemiologie

  • Inzidenz (USA): 0,24
  • Geschlechterverteilung: > (2:1)

Ätiologie

  • Valgusstress, ggf. mit Rotation
  • Meist direkte Krafteinwirkung auf das laterale Knie: Kontaktverletzung beim Sport
  • Häufig in Kombination mit medialen Meniskusrupturen

Klassifikation der medialen Seitenbandruptur nach Hughston [10]

Schweregrad der Ruptur Charakteristika Mediale Aufklappbarkeit des Kniegelenks
Grad I
  • Bänderdehnung oder Teilruptur
  • Druckdolenz am Tub. adductorium
  • Keine Instabilität in Extension
Keine
Grad II
  • Teilruptur
  • Deutliche Druckdolenz
  • Keine Instabilität in Extension
  • Aufklappbarkeit in 20° Flexion
Keine
Grad III
  • Vollständige Ruptur
  • Aufklappbarkeit in 20° Flexion
  • Instabilität auch in Extension
  • 1+: <5 mm
  • 2+: 6–10 mm
  • 3+: >10 mm

Therapie

Konservative Therapie

  • Indikation
  • Verfahren
    • Frühfunktionelle Mobilisation in gelenkführender Orthese mit freier Beweglichkeit
    • Schmerzadaptierte Belastung

Operative Therapie

  • Indikation
    • Kombinierte Bandverletzungen von MCL und dorsomedialem Kapselapparat
    • Ansatznahe Bandrupturen Grad III
    • Retraktion der Bandstümpfe
    • Chronische MCL-Ruptur bzw. Versagen der konservativen Therapie
  • Verfahren
    • Frische Ruptur: Primäre Bandnaht
    • Ansatznahe Ruptur: Ggf. Fixierung mittels Fadenanker
    • Chronische Ruptur: Bandersatz mittels Hamstring-Transplantat
  • Nachbehandlung
    • Tragen einer gelenkführenden Orthese mit Restriktion einer endgradigen Flexion
    • Teilbelastung an Unterarmgehstützen mit ca. 10–20 kgKG für 4–6 Wochen

Mediale Seitenbandverletzungen sind häufiger als laterale!

Laterale Seitenbandruptur (Außenbandruptur) [2]

Ätiologie

  • Meist Kombinationsverletzung mit Ruptur der Kreuzbänder
  • Varusstress durch direktes Kontakttrauma
  • Hyperextension durch ein Varusrotationstrauma

Diagnostik

Therapie

Konservative Therapie

  • Indikation
    • Akute isolierte Teilinstabilität
    • Geringe Aufklappbarkeit: <5 mm im Seitenvergleich
  • Verfahren
    • Immobilisation in einer Extensionsschiene
    • Lokale Kühlung
    • Ruhigstellung in Orthese für 2–4 Wochen mit axialer Belastung
    • Schmerzadaptierte Aufbelastung

Operative Therapie

  • Indikation
    • Akute LCL-Ruptur mit deutlicher Aufklappbarkeit: >5 mm im Seitenvergleich
    • Akute Avulsionsverletzung
    • Dislozierte Bandstümpfe
    • Rotationsinstabilität
    • Chronische Instabilität
  • Verfahren

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Erhöhtes Risiko für Meniskus- und Knorpelschäden durch Gelenkinstabilität und -inkongruenz
  • Erhöhtes Risiko einer posttraumatischen Gonarthrose

Prävention

  • Forciertes Training der Beinmuskulatur
  • Koordinations- und Stabilisationstraining
  • Adäquate Sportausrüstung
  • Training von verletzungsträchtigen Bewegungsabläufen und Spielzügen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

M23.-: Binnenschädigung des Kniegelenkes [internal derangement]

S83.-: Luxation, Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes und von Bändern des Kniegelenkes

  • Exklusive: Binnenschädigung des Kniegelenkes (M23.‑) Luxation des Kniegelenkes: alt (M24.3‑), pathologisch (M24.3‑), rezidivierend (M24.4‑)
  • Patella-Schäden (M22.0M22.3)
  • Verstauchung und Zerrung von Muskeln und Sehen in Höhe des Unterschenkels (S86.‑)
  • S83.0: Luxation der Patella
  • S83.1-: Luxation des Kniegelenkes
    • Articulatio tibiofibularis
    • S83.10: Nicht näher bezeichnet
    • S83.11: Luxation der proximalen Tibia nach anterior
    • Luxation des distalen Femur nach posterior
    • S83.12: Luxation der proximalen Tibia nach posterior
    • S83.13: Luxation der proximalen Tibia nach medial
    • S83.14: Luxation der proximalen Tibia nach lateral
    • S83.18: Sonstige
  • S83.2: Meniskusriss, akut
  • S83.3: Riss des Kniegelenkknorpels, akut
  • S83.4-: Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes mit Beteiligung des (fibularen) (tibialen) Seitenbandes
    • S83.40: Nicht näher bezeichnetes Seitenband
      • Seitenbandriss o.n.A.
    • S83.41: Distorsion des fibularen Seitenbandes [Außenband]
    • S83.42: Distorsion des tibialen Seitenbandes [Innenband]
    • S83.43: Riss des fibularen Seitenbandes [Außenband]
      • Partieller oder kompletter Riss
    • S83.44: Riss des tibialen Seitenbandes [Innenband]
      • Partieller oder kompletter Riss
  • S83.5-: Verstauchung und Zerrung des Kniegelenkes mit Beteiligung des (vorderen) (hinteren) Kreuzbandes
  • S83.6: Verstauchung und Zerrung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile des Knies
  • Tibiofibular (-Gelenk) (-Band), proximal
  • S83.7: Verletzung mehrerer Strukturen des Knies
    • Verletzung des (Außen‑) (Innen‑) Meniskus in Kombination mit (Seiten‑) (Kreuz‑) Bändern

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.