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Bakterielle Durchfallerkrankungen

Letzte Aktualisierung: 29.10.2020

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Bei anhaltenden Durchfällen, insbesondere mit Fiebersymptomatik, ist eine Infektion mit bakteriellen (oder parasitären) Erregern in Betracht zu ziehen. Eine Reiseanamnese ist dabei sehr wichtig, da die Infektion häufig in Endemiegebieten mit geringen hygienischen Standards stattfindet. Weitere mögliche Ursachen sind Lebensmittelinfektionen wie der Verzehr von kontaminiertem Ei, Geflügel oder ungewaschenem Obst und Gemüse. In der Regel bringt eine Stuhlprobe den direkten Erregernachweis. Meistens ist eine symptomatische Therapie ausreichend, kausal wird in der Regel nur bei schweren Verläufen und immunsupprimierten Patienten (zumeist als kalkulierte antibiotische Therapie mit Metronidazol und Ciprofloxacin) behandelt.

  • Ätiologie: Infektionsquellen sind v.a. kontaminierte Lebensmittel

Vereinfachte Charakteristik

Inkubationszeit Art des Durchfalls Besonderheit
Campylobacter Tage wässrig
Salmonellose Stunden wässrig
  • Zweithäufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland [1]
  • Sepsis bei Immunsuppression
Shigellose Tage blutig
Cholera Stunden wässrig
  • Massiver Flüssigkeitsverlust möglich
  • Impfstoff verfügbar
Yersinien Tage wässrig
  • Epidemiologie [3]
    • Inzidenz in Deutschland: ca. 80/100.000 Personen im Jahr
    • Häufigster bakterieller Durchfallerreger in Deutschland [1][4]
  • Erreger: Campylobacter jejuni, gramnegative Spirillen
    • Reservoir: Menschen, Geflügel, Schweine, Rinder, Katzen, Hunde
  • Infektionsweg: Fäkal-oral als Kontakt- und Schmierinfektion
    • Insb. indirekt über kontaminierte Lebensmittel (Geflügelfleisch, Milch, Trinkwasser, rohes Hackfleisch)
    • Oder direkt von Mensch zu Mensch oder Tier zu Mensch
    • Ggf. über das Baden in kontaminierten Gewässern
  • Infektiosität: Hoch
    • Ansteckungsrisiko bis Ausscheidung sistiert (i.d.R. 2–4 Wochen), selten finden sich Dauerausscheider
  • Inkubationszeit: 2–5 Tage, im Einzelfall 1–10 Tage
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Stuhlprobe zum direkten Erregernachweis mittels Kultur
      • Antigennachweis mittels ELISA und PCR in Erprobung
    • In Einzelfällen: Histologie [5]
      • Alle Darmabschnitte betroffen
      • Entzündliche Infiltration der Mukosa mit Granulozyten
      • Ggf. Erosionen, Ulzerationen
      • Kryptenabszesse
  • Therapie
  • Komplikationen
  • Prävention
    • Hände- und Oberflächenhygiene
    • Durchgaren von Lebensmitteln, insb. Geflügel, und Abkochen von Rohmilch
      • Verzicht auf rohe Tierprodukte, insb. für Kleinkinder, alte und immungeschwächte Menschen
  • Meldepflicht

  • Erreger
  • Infektionsweg: Peroral über kontaminierte Lebensmittel (v.a. Geflügel, Eier, Milch)
    • Salmonellen sind resistent gegen Einfrieren, nur das ausreichende Erhitzen der Nahrung schützt vor Infektion
    • Geringe Keimzahlen führen nicht zur Erkrankung, erst hohe Infektdosen führen zu Durchfällen
  • Inkubationszeit: Wenige Stunden bis mehrere Tage
  • Klinik
  • Kausale Therapie
  • Prävention: Sichere Abtötung der Salmonellen wird bei Temperaturen über 70°C mit mind. zehn Minuten Garzeit erreicht
    • Rohe Fleisch- und Wurstwaren, Schlachtgeflügel, Seetiere, Eier, Cremes, Salate und Mayonnaisen mit Rohei sowie Speiseeis sind nach dem Einkauf stets im Kühlschrank aufzubewahren[6]
  • Meldepflicht

  • Erreger: Vibrio cholerae (Serogruppe O1 und O139)
  • Infektionsweg
    • Meist über fäkal kontaminierte Nahrung oder Wasser
    • Seltener fäkal-oral von Mensch zu Mensch
    • Nach abgelaufener Infektion können die Erreger noch über Wochen ausgeschieden werden, selten finden sich Dauerausscheider
  • Pathophysiologie: Choleratoxin aktiviert als Enterotoxin im Darmepithel die Adenylatcyclase → cAMP-Bildung↑ → Aktivierung der Proteinkinase A↑ → Phosphorylierung des Chloridkanals CFTR → Chloridsekretion↑ → Sekundär Ausscheidung u.a. von Wasser in das Darmlumen → Diarrhö
  • Epidemiologie: In Deutschland sehr selten, vereinzelt Erkrankungen nach Infektion in Endemiegebieten (insb. Asien)[4]
    • Endemiegebiete: Hauptsächlich Südostasien, Südamerika, West- und Zentralafrika in Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Zuständen
  • Inkubationszeit: Wenige Stunden bis 5 Tage (i.d.R. 2–3 Tage)
  • Klinik
    • Leichte Form (>90% der Fälle): Mäßige Diarrhö oder symptomloser Verlauf
    • Schwere Form: Wässrige Stühle mit Schleimbeimengung (sog. „Reiswasserstühle“) mit einer Frequenz von 20–30 pro Tag, nicht hämorrhagisch
    • Zusätzliche Symptome: Erbrechen, Bauchschmerzen, kein Fieber
    • Komplikationen (ggf. letal): Hypovolämischer Schock, Elektrolytverluste, Nierenversagen
  • Diagnostik: Direkter Erregernachweis mittels Mikroskopie und Stuhlkultur
  • Therapie
  • Prävention
    • Hygienische Maßnahmen
      • Bereitstellen von sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln
      • Sanitärhygiene
    • Expositionsprophylaxe (insb. für Reisende)
      • Zum Trinken und Zähneputzen nur abgekochtes Wasser oder Mineralwasser verwenden
      • Ungekochte Nahrungsmittel vermeiden, bspw. Meeresfrüchte und Salate sowie Früchte, die man nicht schälen kann
    • Cholera-Impfung
      • Indikation
        • Keine generelle Impfempfehlung
        • Schutz vor Cholerainfektionen in Endemiegebieten
      • Reiseimpfung
        • Bei hohem Expositionsrisiko in Endemiegebieten insb. bei längeren Aufenthalten ohne gesicherte medizinische Versorgung
        • Bei erhöhtem Risiko schwerer Verläufe einer Cholera im Rahmen von best. Grunderkrankungen
      • Impfstoff: Totimpfstoff zur Schluckimpfung - siehe auch: Cholera-Impfstoff
        • Partieller Schutz für einige Monate–2 Jahre
      • Grundimmunisierung
        • Kinder im Alter von 2–6 Jahren: 3 Impfdosen im Abstand von jeweils 1–6 Wochen
        • Kinder ≥6 Jahre und Erwachsene: 2 Impfdosen im Abstand von 1–6 Wochen
      • Auffrischungsimpfung
        • Kinder im Alter von 2–6 Jahren: 1 Impfdosis nach 6 Monaten
        • Kinder >6 Jahre und Erwachsene: 1 Impfdosis nach 2 Jahren
  • Prognose
  • Meldepflicht

[4][7][8][9]

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Campylobacter (Campylobacter-Enterokolitis)

Salmonellose

Shigellose

Cholera

Yersiniose

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Campylobacter-Enteritis, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 1. März 2015. Abgerufen am: 4. Oktober 2017.
  2. Schielke et al.: Epidemiology of campylobacteriosis in Germany – insights from 10 years of surveillance In: BMC Infectious Diseases. Band: 14, Nummer: 1, 2014, doi: 10.1186/1471-2334-14-30 . | Open in Read by QxMD .
  3. Robert-Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. Robert-Koch-Institut 2017, ISBN: 978-3-896-06280-2 .
  4. Stolte et al.: Pathologie. Springer 2013, ISBN: 978-3-642-02321-7 .
  5. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.
  6. Salmonellose, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 20. April 2016. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  7. Adam et al.: Die Infektiologie. Springer 2013, ISBN: 978-3-642-18577-9 .
  8. WHO, Department of Child and Adolescent Health and Development: The treatment of diarrhoea : a manual for physicians and other senior health workers. World Health Organization (WHO) 2005, ISBN: 9-241-59318-0 .
  9. The BlueBook - The Medical Guide for our Projects .
  10. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  11. Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Stand: 15. September 2011. Abgerufen am: 24. August 2016.
  12. Shigellose, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 1. März 2015. Abgerufen am: 4. Oktober 2017.
  13. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .